Also so schlecht ist das nicht, was Trump da fordert, entspricht es doch ziemlich genau dem, was in unserem Wahlsystem seit Jahrzehnten Standard ist.
Nein, denn wir nutzen den Personalausweis bzw. Reisepass bei einer ganzen Reihe von Anlässen, von der Paketabholung über den Abschluss eines Handyvertrages bis zur Polizeikontrolle oder eben dem Wahltag*. In den USA gibt es das so nicht, bzw. es ist völlig gängig dafür andere Dokumente zu verwenden (meistens den Führerschein, manchmal aber auch einfach die Stromrechnung). Der Effekt ist nun, dass durch ein neues Erfordernis Menschen gezwungen werden, sich ein bestimmtes Dokument zu besorgen das sie sonst nie brauchen werden, und dessen Erwerb mit Kosten und Aufwand verbunden sind (Nachweisdokumente besorgen und ggfs. beglaubigen lassen, Wegezeiten zu einer Behörde die ggfs. nur ein schlecht erreichbares Büro hat, dafür evtl. auch noch einen Urlaubstag nehmen müssen, ...). Einige republikanische Staaten sind auch bewusst sehr selektiv darin, was sie als ID akzeptieren (beispielsweise den Mitgliedsausweis der NRA aber nicht den Studentenausweis der Uni, weil sie dahinter jeweils eine entsprechende Wählerklientel vermuten). Oftmals sind es dann gerade ohnehin wahlscheue Minderheiten in prekären Beschäftigungssituationen, die damit schlicht abgeschreckt werden. Und das ohne dass die bisherige Praxis ein relevantes Problem erkennen lässt das tatsächlich abgestellt werden müsste (Wählerbetrug kommt vor, aber landesweit in ungefähr zweistelliger Fallzahl über ein Jahrzehnt hinweg).
* Ich sitze seit vielen Jahren an Wahltagen hinter so einem Tisch und wir haben noch nie von jemandem einen Perso verlangt wenn eine Wahlbenachrichtigung vorgezeigt wurde. Manche haben den schon von sich aus parat, dann schauen wir aus purer Höflichkeit drauf weil die sich halt den Aufwand des Vorzeigens gemacht haben.