Vor Einführung der Raster war die prozentuale Gewichtung meines Gewissens auch nicht willkürlich und die Sprachbewertung wurde ganz schnöde errechnet. Einen objektiveren Maßstab für den Grad an Richtigkeit gibt es doch kaum. Seit "Verständnis" der Maßstab ist, ist meines Erachtens eine sehr viel subjektivere Wertungsebene eingezogen worden. Auch den Teilbereich Kommunikative Textgestaltung, der punktgleich (!) gewichtet ist, wie Sprachrichtigkeit und Ausdrucksvermögen, gab es zu meinen Abiturzeiten imo noch nicht. Alles Änderungen, die zu absurden Noten und den gewollten höheren Abiturquoten beitragen.
Ich bin nun in BW und auch wenn es einige Unterschiede gibt, haben auch wir Bewertungsraster und durchaus auch den Eindruck, dass es schwer ist, mangelhaft in E zu vergeben. Ich meine, ich habe neulich irgendwo darüber geschrieben.
In meinen ersten Berufsjahren bewerteten wir noch nach Fehlerquotient und es gab nur einen kleinen Prozentsatz an Punkten für Ausdruck. Dahin will ich nie wieder zurück. Es war Scheinobjektivität, die Abweichungen zwischen den Korrektoren waren teils sehr groß (was ist denn ein Fehler, was nur ein halber usw.). Ätzend. Die SuS, die supersimpel in Hauptsätzen schrieben und keinen differenzierten Wortschatz wagten, kamen deutlich besser weg. Fremdsprachliche Kommunikationskompetenz ist etwas anderes.
Den Umstieg auf Kompetenzraster und die Aufwertung des Ausdrucks habe ich sehr begrüßt. Leider sind unsere Raster inzwischen auch verwässert durch geänderte Formulierungen. Auch die banalen Aufgabenstellungen und die Gewichtung tragen dazu bei, dass die Tendenz zur Mitte geht.