Stimmungsbild zu Inklusion

  • Stimmungsbild zu Inklusion

    Hallo :)

    Wir beschäftigen uns in der Uni mit dem Thema Inklusion. Hierfür würden wir gerne das Forum nutzen, um einen Eindruck vom momentanen Stimmungsbild zu erhalten. Es wäre deshalb nett, wenn ihr kurz eure Bundesland angebt und wie zufrieden ihr allgemein mit der Umsetzung von Inklusion an euren Schulen seid (Skala von 1[sehr unzufrieden] -10).

    Vielen lieben Dank :rose:
  • Ich studiere irgendwas und beschäftige mich gerade mit Weltfrieden. Wie zufrieden seid ihr so allgemein mit dem Frieden auf der Welt? :prost:

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Schantalle () aus folgendem Grund: Was die Worterkennung immer so erkennt...

  • Wir wollten keine ellenlange Umfrage starten, an der dann kaum jemand teilnehmen möchte, sondern möglichst viele Antworten erhalten. Hauptsächlich beschäftigen wir uns mit Interviews und ergänzend mit bereits bestehenden Beiträgen hier im Forum. Das Ergebnis dieser Umfrage soll lediglich dazu dienen einen Einblick in die Lehrerperspektive zu gewinnen. Falls es euch so leichter fällt bezogen auf
    1. Räumliche Ausstattung (Barrierefreiheit, zusätzliche Räume zum Ausweichen, etc.)
    2. Personelle Besetzung (Hilfe durch Sonderpädagogen, Inklusionshelfer)
    3. Fortbildungsmöglichkeiten
    4. Eigene Ressourcen (Fähigkeiten, Vorbereitungen im Hinblick auf den Mehraufwand, nervlich Belastung).
  • Ist euch bewuust, dass nicht nur Schüler mit körperlichen Behinderungen inkludiert werden?

    Die hat man ja als Praxisferner am häufigsten im Sinn. Gerade da ist das aber am unproblematischsten.

    Also, denkt bitte auch an die Schüler mit
    -Förderbedarf Lernen (L)
    -Förderbedarf emotional soziale Entwicklung
    -Förderbedarf geistige Entwicklung (also "geistige Behinderung")
    (Und natürlich diejenigen, die mehr als nur einen Förderbedarf haben. )

    Besonders ESE und GE sind eine gewaltige Herausforderung.



    Mal eine fiktive (ok, nicht ganz) Klasse 8:
    Kind 1, L sehr fleißig und engagiert, läuft so mit. Vergisst aber alles sofort wieder.
    Kind 2: L, stört, arbeitet nie freiwillig mit, hat nie Material dabei. Niveau etwa Jahrgang 6
    Kind 3: Kein Förderbedarf festgestellt. Sehr schlechter Schüler, braucht viel Hilfe. Kommt meist ohne Material.
    Kind 4: L. Stört nicht, arbeitet aber nicht freiwillig mit. Niveau etwa Jahrgang 7.
    Kinder 5 bis 13: "Normale" Schüler, alle in der Pubertät. Je nach Tagesform und Fach mal gut, mal schlecht...Alle ziemlich wuselig, Pubertät eben. Niveau - je nach Fach- Jahrgabg 6 bis 8.
    Kind 14: Neu in der Schule, kann noch kein Wort Deutsch. Nicht alphabetisiert.
    Kind 15: Sitzt im Rollstuhl, hat einen I-Helfer. Sehr guter Schüler.
    Kind 16: GE. Ruft oft irgendwas in den Raum. Schnoddert sich auch mal vor allen anderen in die Hand. (Kann aber selbstständig und alleine zu Toilette gehen.) Niveau etwa Jahrgang 2.
    Kind 17: Kein Förderbedarf, aber problematisches Elternhaus. Sehr auffälliges Verhalten, stört oft. Braucht aber andererseits viel Zuspruch und Trost.

    Und jetzt sucht euch aus, ob ihr da gerne Eltern der Förderkinder sein wolltet oder Eltern der guten Schüler. Oder Schüler. Oder Lehrer.

    Ok, ich habe mir Lehrer ausgesucht Und bin es trotz allem gerne.
    Aber nachdem ich gerade wieder eine Klassenarbeit in 4 verschiedenen Varianten erstellt habe (und eine noch doppelt so groß drucken muss) bin ich mal wieder bei "Inklusion finde ich gut. Jedes Kind sollte....blabla.... Aber kann es nicht jemand anders machen?"

    Nein, im ernst: Die Rahmenbedingungen sind einfach ein Witz. Nur nicht zum Lachen. Wir wurschteln uns durch und versuchen dafür zu sorgen, dass kein Kind auf der Strecke bleibt.

    Macht keine Umfragen und Interviews. Geht in die Schulen.
  • Griffelmappe007 schrieb:

    Falls es euch so leichter fällt bezogen auf...
    Nee, erzählen kann man eine Menge, das fiele sicher allen leicht, die damit zu tun haben. Die Frage ist doch aber: wer seid ihr, was wollt ihr und wenn ja, warum?

    m.a.W.: Was macht ihr am Ende mit dem "Einblick"? Meckerstimmen sammeln für ein Boulevardblatt? Oder seid ihr tatsächlich Studenten und es geht nur darum, euch die Arbeit für eine Hausarbeit abzunehmen? Die Erstellung eines Fragebogens macht man nicht zum Spaß, sondern weil man sich erst mit den Bedingungen auseinandersetzen muss, bevor man sinnvolle Fragen stellen kann.

    Den dann auszufüllen, ist das geringste Problem.
  • Wozu wollt ihr das per "Umfrage" bestätigt haben, was ständig in Interviews, ellenlangen Zeitungsartikeln und youtube-Filmen sowie Reportagen und Studien hoch und nieder geschrieben wird und außerdem auch hier schon ganz breit diskutiert wurde?
    besch ... umgesetzte Idee auf dem Buckel aller Kinder und Lehrer (und Eltern)
    8) LG cubanita1

    Achte gut auf deinen Körper. Er ist der einzige Ort, in dem du leben kannst.
  • Ich schließe mich da Schantalle mal an: Es gibt zu viele, die Kritik, die von Lehrern stammt als deren Unwillen und Unfähigkeit darstellen. Da haben einige hier einfach schlechte Erfahrungen gemacht.
    Man muss ja auch keine ellenlange Umfrage machen. Es gibt die Möglichkeit, kurze Fragen zu stellen. ("Ist die derzeitige Ausstattung mit Ausweichräumen ausreichend?" - 4 Auswahlmöglichkeiten) Ich bin - statt des Unterrichts, den ich eigentlich 5fach differenziert vorbereiten müsste - im Evaluationsteam und wir denken uns gerade solche Umfragen aus. Möglichst kurz, möglichst niederschwellig, möglichst viele Daten, möglichst schnell auszuwerten.


    Ihr seid hier im Unterforum Inklusion. Die Liste der Beiträge umfasst 3 Seiten. Warum sucht ihr dort nicht nach einem Stimmungsbild? Zum Beispiel in diesem Thread, den euch die liebe, hilfsbereite Grundschultante Conni gerade herausgesucht hat.
  • Ich halte mal dagegen. Ich arbeite gerne inklusiv. Aber nur, weil meine Schule vor dem 9. SchrÄG eine inklusive Modellschule war, die Bedingungen hatte, von denen alle nun seit kurzer Zeit inklusiv arbeitenden Schulen nur träumen können, und unsere Ressourcen jetzt noch immer aufgrund der "Restbestände" recht gut sind - was sich aber ändern wird.
    Meine Bewertung Eurer Punkte 1 bis 4:
    1. sehr gut, komplett barrierefreies Haus mit vielen Differenzierungsräumen und sehr großen Klassenzimmern.
    2. Personelle Besetzung jetzt nicht mehr ausreichend. Vor dem 9. SchrÄG hinreichend, um die inkusive Arbeit so gut zu machen, dass Preise verliehen wurden: Ein Sonderpädagoge für jede inklusive Klasse in fast allen Stunden in Doppelbesetzung anwesend. So konnte man alle Kinder sehr gut individuell fördern.
    3. keine im inklusiven Bereich, da wir ja noch einige Sonderpädagogen haben, die ansprechbar sind.
    4. Auch vorher zu gering, da alle Beteiligten ohne Entlastungsstunden für Gespräche/Differenzierungen usw. auskommen mussten. Jetzt, da die Arbeit aufgrund der dünneren Personaldecke noch mehr geworden ist, mehr als grenzwertig.

    Aber ich arbeite immer noch gerne inklusiv und halte das im Ganzen für den richtigen Weg. Nun müssen alle Schulen aber zu einer Personaldecke kommen, mit der man so individuell fördern kann, wie es das Schulgesetz vorschreibt. Solange man versucht, Inklusion als Sparmaßnahmen zu etablieren, wird das nichts. Die Kinder profitieren (alle) nicht hinreichend und die Lehrkräfte leiden unter ungesunden Arbeitsbelastungen.
    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.
  • Jule, ich arbeite auch gern inklusiv. Vor vier Jahren hab ich auch noch anders gedacht und tatsächlich propagiert, dass es nur am Willen des Lehrers liegt. Aber das stimmt nicht. Und die Fragen gingen nicht um unsere Ideale, sondern darum wie es tatsächlich läuft und wie es uns damit geht.
    Ich bin auch an einer Pilotschule für Inklusion und wir sind definitiv besser ausgestattet als andere Schule. Aber es reicht nicht und alles dauert bürokratisch ewig und die Klassen sind zu groß. Doppelsteckung ca. 3-5 Stunden ist lächerlich. Und räumlich ist es auch nicht gut. Nun weiß ich, dass es anderen Schulen viel besch... geht, weil sie ein "belasteteres Gebiet" beschulen, wir sind kein Brennpunkt. Also, worüber reden wir. Es ging nicht um die Theorie sondern um die aktuelle Praxis.
    8) LG cubanita1

    Achte gut auf deinen Körper. Er ist der einzige Ort, in dem du leben kannst.

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  • Jule13 schrieb:

    1. sehr gut, komplett barrierefreies Haus mit vielen Differenzierungsräumen und sehr großen Klassenzimmern.
    2. Personelle Besetzung jetzt nicht mehr ausreichend. Vor dem 9. SchrÄG hinreichend, um die inkusive Arbeit so gut zu machen, dass Preise verliehen wurden: Ein Sonderpädagoge für jede inklusive Klasse in fast allen Stunden in Doppelbesetzung anwesend. So konnte man alle Kinder sehr gut individuell fördern.
    3. keine im inklusiven Bereich, da wir ja noch einige Sonderpädagogen haben, die ansprechbar sind.
    4. Auch vorher zu gering, da alle Beteiligten ohne Entlastungsstunden für Gespräche/Differenzierungen usw. auskommen mussten. Jetzt, da die Arbeit aufgrund der dünneren Personaldecke noch mehr geworden ist, mehr als grenzwertig.

    Aber ich arbeite immer noch gerne inklusiv und halte das im Ganzen für den richtigen Weg. Nun müssen alle Schulen aber zu einer Personaldecke kommen, mit der man so individuell fördern kann, wie es das Schulgesetz vorschreibt. Solange man versucht, Inklusion als Sparmaßnahmen zu etablieren, wird das nichts. Die Kinder profitieren (alle) nicht hinreichend und die Lehrkräfte leiden unter ungesunden Arbeitsbelastungen.
    @Jule
    WOW!
    zu 1. Schulneubau gestrichen, Sanierung seit Jahren aufgeschoben = nicht barrierefrei (--> keine gehbehinderten Sch.), keine Schallisolierung / -dämpfung (aber Schüler mitAVWS/Hören = Zumutung für die Kinder), keine Ausweichräume (Schule platzt aus allen Nähten), keine Teilungsräume, keine Räume für Kleingruppenarbeit. Kollegen, die I-Schüler mit rausnehmen, frieren auf dem nicht ausreichend beheizbaren Flur.
    zu 2. 2 Sonderpädagogen für 500 Schüler. Klingt gut. Ist es aber nicht, denn wir müssten so etwa 150 Stunden haben, die sind aber gedeckelt, d.h. wir bekommen nicht, was den Schülern zusteht, theoretisch haben wir wesentlich weniger Stunden, aber mehr, als die Sonderpädagoginnen unterrichten können. Das heißt, ein paar Grundschullehrkräfte dürfen "Kraft ihrer Wassersuppe" irgendwie die Förderstunden übernehmen, falls sie nicht vertreten müssen (kommt häufiger vor).
    zu 3. Nein. Fortbildungen gibt es für Lehrer, die maximal 2 em-soz oder ADHS-Kinder pro Klasse unterrichten, bei mehr Kindern mit derartiger Problematik wissen die bisher kennengelernten Fortbildner auch nicht wirklich weiter (maximal Empfehlungeiner Privatschule mit Kleinklassen). Fortbildungen GE, Hören/Sehen /körp.-mot. Entwicklung (Epilepsie), Autismus? Fehlanzeige, habe ich noch nie irgendwo etwas von gelesen.
    zu 4. Derzeit mehr als ausgeschöpft: Die Schulorganisation (Curricula, Planungen, Auswertungen, Evaluation, Schulprogramm, Rahmenlehrpläne) bricht uns zeitlich das Genick. Ich bin froh,wenn ich 1 Woche am Stück keine Schwellendidaktik betreiben muss. Ich schaffe es absolut nicht, neben diesen Aufgaben noch 15 Stunden (Deutsch, Mathe, Sachunterricht) wöchentlich 3- bis 5-fach zu differenzieren. Leider gibt es keine abgestimmten Bücher und Arbeitshefte, d.h. ich müsste das ganze Arbeitsheft / Lehrbuch quasi "neu schreiben" - für die Kinder, die zwar LRS/Rechenschwäche/individuellen Lernplan haben, aber auf Niveau Kl. 3 unterrichtet werden, die müssen nämlich laut Beratungslehrerin UNBEDINGT Übungen aus den Arbeitsheften für Grundschulkinder lösen, eventuell nur eine pro Seite, dann schreibt man eben den Rest der Seite neu als Lehrer.

    Am schwierigsten sind einige Kinder mit emotional-sozialen Förderbedarf zu beschulen. Ich habe ein Kind in der Klasse, dessen Selbststeuerungsfähigkeiten so schwach ausgeprägt sind, dass viele Kolleginnen Angst haben, in meiner Klasse zu unterrichten oder Aufsicht in dem Hofteil zu haben, in dem der Junge ist. (Nähere Details möchte ich nicht schreiben, alles was wir tun konnten, wurde und wird getan.) Einige Kinder mit emotional-sozialen Förderbedarf kommen z.T. aus der Tagesklinik zurück mit der Empfehlung einer Kleinklasse (maximal 6 Schüler), da sie in einer normalen Grundschulklasse nicht beschulbar sind. Sie sind trotzdem da. Schüler mit emotional-sozialem Förderbedarf sind nach "Sprache" bei uns die zweitstärkste Gruppe.
  • Idee: 9 Punkte.
    Umsetzung: 1 Punkt.

    1. Viel zu wenig Differenzierungsräume. Diese als separater Klassenraum ohne Sichtachse, zum Teil auf anderer Etage. Es müsste neben jeder Klasse ein Diffraum sein, der durch eine Glastür und Fenster mit der Klasse verbunden ist, sodass man immer sehen kann, was dort gemacht wird, und nicht über den Flur rennen muss und er sollte doch mindestens die halbe Klassenraumgröße haben.
    2. Material wo bist du? Ich bastel/schreib mich tot.
    3. Keine durchgehende Doppelbesetzung in allen nötigen Fällen....und nötig machen kann das unter Umständen schon 1 Schüler.
    4. Ich bin genervt von der Inklusions-PR mit den glücklichen Rolli-Kindern. Ich finde es super, dass es denen gut geht und würde auch gerne von denen 28 in meine Klasse nehmen, aber das ist nicht meine Realität der Inklusion. ;)
    5. Fortbildungen gab es für mich noch nicht. Entsprechend bin ich da völlig autodidaktisch unterwegs. Alles was ich dazu bisher las, war zu unkonkret.
    6. Die Aufgabenverteilung Sonderpädagoge-Regellehrer ist unklar, falls man denn mal einen dabei hat.
    7. Ich hab vor 2 Jahren einige tolle Förderschulen mit super Ausstattung und Konzept und phantastischen Lehrern kennen gelernt. Es brach mir quasi das Herz zu hören, dass die geschlossen oder zusammengelegt werden mussten, weil die Mindestgröße der Förderschulen in NRW heraufgesetzt wurde.


    Letztendlich kann ich aus meinen bisherigen Erfahrungen nur schließen, dass da Leute im guten Willen eine UN-Konvention unterschrieben haben, die dann von anderen sehr einseitig interpretiert wurde und schließlich genutzt wird, um Geld (Förderschulen und Sonderpädagogen) einzusparen.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von kodi ()

  • @cubanita1
    Ich dachte früher wiederum, das Gelingen von Inklusion hinge nur von den Rahmenbedingungen ab. Inzwischen musste ich das revidieren. Es braucht wohl doch beides: Die richtigen Rahmenbedingungen und den Willen. (Wobei das erstere das letztere deutlich befördern dürfte.)
    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.
  • Griffelmappe007 schrieb:

    Umsetzung von Inklusion an euren Schulen
    Ganz ehrlich? Meiner Meinung nach findet eine "Umsetzung von Inklusion" (zumindest in den Schulen an denen ich bislang war) in Wirklichkeit gar nicht statt. Klar: die Kinder sind da und wir tun unser bestes, aber ansonsten passiert eigentlich nichts:
    -normal große (zum Teil auch überbelegte) Klassen
    -ein bis zwei Sonderpädagogen für die ganze Schule (die dann auch gar nicht für alle Förderschwerpunkte ausgebildet sind), Doppelsteckung ist in einzelnen Stunden theoretisch geplant, findet aber praktisch häufig nicht statt, wegen Vertretung
    -Inklusionshelfer gab es fast nur für die Kinder mit Autismus (und auch da standen wir mal irgenwann ohne da, weil irgendwas nicht fristgerecht eingereicht wurde und somit nicht klar war, ob das Kind noch Förderbedarf hat....! Kann ja auch sein, das sich ein Autismus plötzlich per Selbstheilung auflöst...)
    -zusätzliche Räume? Fehlanzeige (außer den üblichen Teilungsräumen, die sich mehrere Klassen teilen, in denen auch Förderunterricht stattfindet, Elterngespräche sonstwas... die Sonderpädagogin tingelte oft genug mit einzelnen Schülern im Schlepptau durch die Schule auf der Suche nach einem freien Raum oder einer ruhigen Ecke im Gang)
    -Forbildungen: ich hatte keine, einzelne Kolleginnen sollen mal die eine oder andere gemacht haben, waren damit aber oft unzufrieden (weil viel zu oberflächlich und zu wenige konkret) und hatten keinerlei Raum um Zeit um ihr Wissen weiterzugeben
    -eigene Fähigkeiten/Belastbarkeit: ich habe mir viel angelesen, Material gesucht und erstellt und so weiter, das reichte aber hinten und vorne nicht, meine Belastbarkeitsgrenze war dann irgendwann überschritten und ich bin "geflüchtet", weg aus dem Brennpunkt (wo es eben nicht nur die Inklusion ist, sondern schon die "normalen" Schüler einen komplett auslaugen) in eine Schule mit gemäßigterem Umfeld.
    In meiner jetzigen Schule geht es insofern, dass es anteilig nur wenige Schüler mit Förderbedarf sind und der Großteil der Schüler sehr gute Voraussetzungen mitbringt und das auffangen kann. Da kann dann sogar die eine Sonderpädagogin noch ein bisschen was erreichen (allerdings muss auch die ständig in die Vertretung...). Heile Welt ist aber auch hier nicht.
    Und ich pflichte den Vorrednern bei: die größte Herausforderung sind die Kinder mit Förderbedarf em.-soz..
    Genau bei denen wird aber oft gerne so getan, als gäbe es sie gar nicht und als könnte man sie ohne weiteres nebenher "inkludieren". Man kämpft ewig damit überhaupt ein Förderbedarf anerkannt wird und dann passiert letztlich gar nichts. Und gerade diese Kinder bräuchten ständig eine zweite Person im Klassenraum, die jederzeit auf sie eingehen kann oder mit der sie auch mal den Raum verlassen können. Wenn dies nicht möglich ist, reicht schon eines dieser Kinder um den Unterricht komplett zum Erliegen zu bringen (und ich hatte in der Regel mehr als eines in der Klasse...).
    So betrachtet von mir: 0 Punkte für Berlin
  • Ich halte von der Inklusion nichts. Es ist wie viele Reformen im Schulbereich mit der Intention das mittel- und langfristig Geld eingespart wird und zusätzliche Belastungen auf den Rücken der Lehrkräfte abgeladen werden. Und viele akzeptieren das dann.

    Das Modellversuche immer toll ausgestattet werden ist klar; die Illusion muss gewahrt werden.

    Abee letztlich geht es immer nur darum Geld zu sparen. Neues Beispiel, nachdem die ganze Diskussion der digitalen Bildungsoffensive losgetreten wurde: Schüler sollen ihr eigenes Handy als digitales Lernmedium im Unterricht nutzen. :autsch: Typisch. Groß herumposaunen, dass dringend Nachholbedarf in digitaler Bildung herrscht. Aber dann nicht in Tablets und schulischer Infrastruktur investieren.
  • Yummi schrieb:

    Ich halte von der Inklusion nichts. Es ist wie viele Reformen im Schulbereich mit der Intention das mittel- und langfristig Geld eingespart wird und zusätzliche Belastungen auf den Rücken der Lehrkräfte abgeladen werden. Und viele akzeptieren das dann.

    Das Modellversuche immer toll ausgestattet werden ist klar; die Illusion muss gewahrt werden.

    Abee letztlich geht es immer nur darum Geld zu sparen.
    Die Frage ist aber nicht, ob es dir persönlich gefällt, dass Kinder frühzeitig ausgesondert werden, weil die Schule damit überfordert ist. Sondern welche Bedingungen bestehen müssen, damit es selbstverständlich wird.

    Menschen sind konservativ, das heißt aber nicht, dass die Zeit stehen bleibt. Frauenwahlrecht war auch eine zeitlang undenkbar ;)
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