Aufwand und Erfahrungen Berufsschullehrer in NRW

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    • Aufwand und Erfahrungen Berufsschullehrer in NRW

      Hallo,
      ich interessiere mich für das Lehramt an berufsbildenden Schulen in NRW ich würde die Fächerkombinationen Gesundheit/Pflege und Sport wählen. Mich würden folgende Punkte interessieren:
      Wie ist die Arbeitszeit (Unterrichtsvorbereitung, Korreekturzeit, Konferenzzeit etc.)???
      Zählen Vertretungs-/Anwesenheitspflichtstunden oder Pausenaufsichten (bzw. generell Pausen) auch zu den 25,5 Std. Unterrichtszeit die man gibt???
      Und gibt man wirklich immer genau 25,5 Std, oder kann es einem auch bei Vollzeit passieren das man z.B. nur 23 Std. unterrichten muss???

      Außerdem würde ich mich über Erfahrungsberichte freuen.

      Danke für alle Antworten.

      P.S.: Ich schreibe das nicht, weil ich davon ausgehe das das typische Lehrerbild in der Gesellschaft war ist. Sondern, weil ich vor dem Studium gerne wüsste, was mich in und nach dem Studium erwartet.
      Ich hoffe ich bin mit meinem Thema im richtigen Fachbereich.
    • Geh einfach mal davon aus, dass du einen Fulltime-Job machen wirst und dass zu der Unterrichtszeit natürlich noch alles Mögliche dazukommt (Pausenaufsichten, Korrekturen, Konferenzen, Vorbereitung, zusätzliche Aufgaben in der Verwaltung ...).

      Wenn deine sonderbaren Überlegungen zu Pflichtstunden und bezahlten Pausen ausschlaggebend für deine Berufswahl sein sollten, bist du auf der falschen Fährte. Es ist gar nicht so entscheidend, wie viel man arbeitet, sondern, ob man sich wohlfühlt und seinen Job beherrscht.

      Ansonsten schau dich doch hier mal um, dann erfährst du genug darüber, was Lehrer so beschäftigt. Ich bin nicht so motiviert, hier einen ellenlangen Erfahrungsbericht einzustellen, der dir auch nicht weiterhelfen würde. Wir haben hier auch keine Glaskugel und wissen nicht, was dich wirklich erwartet. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, sind Praktika der bessere Weg.
    • Auch wenn es viele nicht wahr haben wollen: Lehrer/in ist ein Vollzeitjob! Wenn es dir hauptsächlich um eine möglichst geringe Arbeitszeit geht, suche dir lieber etwas Anderes. 25 Deputatsstunden heißt NICHT 18,75 Zeitstunden Unterricht und der Rest ist frei. Im Gegenteil. Zum Unterricht kommen noch Unterrichtsvor- und Nachbereitung, Korrekturen, Konferenzen, Pausenaufsichten, Elterngespräche, Krisengespräche mit Schülern, Fortbildungen, pädagogische Tage, außerunterrichtliche Aktivitäten (Klassenfahrten, Studienfahrten, Sporttag, Projekttage,...). Im Laufe deines Berufslebens wirst du zudem Zusatzaufgaben bekommen, z.B. Klassenleitung, Fachschaftsvorsitz, Leitung einer Projekt-/Steuerungsgruppe. Das kommt dann nochmal on top dazu. Überall "raushalten" wird man sich nicht können.

      Ich habe die ersten drei Berufsjahre ein Arbeitszeitprotokoll geführt und kam pro Woche im Schnitt auf 42 Stunden. Schwankungen gab es von 20 Stunden/Woche bis 60 Stunden/Woche. Damit muss man in diesem Job klarkommen. Und da hatte ich wohlgemerkt noch keine Zusatzaufgaben.

      Rein von der Arbeitszeit betrachtet, wäre dein einziger Vorteil, dass du theoretisch die Möglichkeit hast, dir die Arbeit teilweise frei einzuteilen. Praktisch ist das aber nicht immer so gut möglich, da es zum Beispiel sein kann, dass du viele Hohlstunden hast und dann zum Beispiel vier Nachmittage bis 17 Uhr da sein musst, obwohl du insgesamt "nur" sechs Stunden/Tag Unterricht hast.
    • Das Wichtigste wurde von den Kollegen/Innen schon erwähnt.
      Das Besondere an den berufsbildenenden Schulen im Vergleich zu den allgmeinbildenden Schulen ist, dass das zweite Halbjahr praktisch ein reines Prüfungshalbjahr ist. Eingeläutet wird dies meist mit dem Abitur (in Bawü), danach kommen Stück für Stück die Abschlussprüfungen an den anderen Schularten, die erst in der Woche vor den Sommerferien enden. Da die Schüler bei uns eine kurze Ausbildungszeit zwischen 1 und drei Jahren haben, sind faktisch alle Lehrkräfte an den Prüfungen beteiligt.
      Hinzu kommt, dass du den Lernstoff in der vorgegebenen kurzen Zeit durchziehen musst, deine Schüler haben ein Anrecht darauf und die Wirtschaft schaut recht genau hin.

      Deine Fächer sind auch Prüfungsfächer und so ergeben sich hier zusätzliche Belastungen, die auch nicht in das Deputat eingerechnet werden. Neben der Korrektur in einem gesetzten Zeitrahmen ist da die Vorbereitung und Abnahme von mündlichen Prüfungen und oft auch Prüfungen an anderen Schulen. Vom Dokumentieren und Kommunizieren und Abschlussfeiern rede ich jetzt mal gar nicht.

      Der Job ist machbar (und auch schön!), aber besonders in den ersten Jahren ist er sehr zeitintensiv, insbesondere in Vollzeit.
    • Es kommt halt auch darauf an, welche Fächerkombinationen du hast. Ich habe keine Ahnung wie aufwendig Gesundheit/Pflege ist.

      Am Anfang ist es stressiger, danach wird es im Zeitverlauf entspannter. Du hast den Unterricht und die Klassenarbeiten schon vorbereitet. Häufig reichen da leichte Abwandlungen. Digitalisiere deine Sachen.

      Es ist wie in vielen anderen Jobs, mache so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Es dankt dir sowieso niemand wenn du viel mehr machst und du musst schauen dass du bis zur Pension gesund bleibst.

      Das Dümmste was du tun kannst, ist es die Deputatsstunden heruntersetzen, weil du ansonsten mit dem Jobaufwand nicht klarkommst. Da kenne ich auch ein einige.

      Die haben entweder bescheidene Fächerkombinationen, reiben sich auf weil jeder Unterricht bis ins kleinste Detail geplant sein muss oder sehen in ihrem Job die Berufung und gehen sprichwörtlich an der eigenen Erwartungshaltung kaputt.

      Wenn du Lust auf den Job hast, dann gehe den Weg. Ob deine Fächer jetzt gesucht sind, kann ich nicht beurteilen.