Ich finde, dass die verschiedenen Berichterstattungen in den Medien die Fakten doch etwas verzerrt haben - zuungunsten der Kolleginnen.
- Die Eltern sind getrennt, der Vater ist gar nicht mehr sorgeberechtigt. Im Vorfeld der Fahrt war er nicht beteiligt.
- Die Fahrt nach London war eine freiwillige Fahrt gemischter Klassen ohne die angestammten Lehrer, die verurteilten Lehrkräfte kannten Emily vorher nicht.
- Es fand ein Elternabend statt, auf dem die Vorerkrankungen abgefragt wurden. Ob Emilys Mutter anwesend war, ist mir nicht bekannt. Eine schriftliche Abfrage hat nicht stattgefunden. Die angestammten Lehrkräfte wurden von den begleitenden Lehrkräften über die Teilnehmer informiert, eine Rückinfo fand nicht statt.
- Die Gruppe war wohl am Donnerstag schon in London unterwegs und abends chinesisch essen. Daraufhin hat nicht nur Emily sich übergeben, sondern mindestens noch ein weiteres Mädchen.
- Am Freitagmorgen sollten Freundinnen bei Emily bleiben (und auch dem anderen Mädchen), die 4 Lehrkräfte waren mit den knapp 60 Kindern den Tag über unterwegs. Wussten die Freundinnen von dem Diabetes? Warum hat keines der Mädchen etwas gesagt, auch Emily nicht?
- Laut den 4 Lehrkräften wurden abends alle Zimmer besucht, aber mehr Info habe ich dazu nicht.
- Nach der Nacht zum Samstag wurde der Rettungsdienst verständigt, Emily kam ins KH. Am Samstagmorgen hat Emilys Mutter den ersten Kontakt zu ihrer Tochter aufgenommen.
Wir reden faktisch von einem Tag, nicht von drei - den ganzen Donnerstag war Emily mit dabei, am Freitag blieb sie im Hostel, am Samstagmorgen wurde der RTW verständigt.
Ehrlich gesagt: Ich unterrichte ältere Schüler, aber das hätte mir durchaus auch passieren können. Ich wüsste nicht einmal, wo meine Schule die Schülerakten aufbewahrt, ich habe in 20 Jahren noch nie eine gesehen.
Für mich bleiben noch einige Fragen ungeklärt, die vielleicht in der Prozessakte stehen. Gerade die Rolle der Mutter wundert mich sehr.
Die Kolleginnen hätten sicherlich genauer hinschauen können, aber das können wir immer und jederzeit. Ob das für eine Verurteilung ausreicht, daran habe ich echte Zweifel.