Fast jedes 5. Kind kann am Ende der Grundschule nicht (richtig) lesen

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    • Fast jedes 5. Kind kann am Ende der Grundschule nicht (richtig) lesen

      Laut neuer IGLU-Studie kann am Ende der Grundschule fast jedes 5. Kind nicht lesen

      Ich frage mich langsam, warum wird das alles (Basiskompetenzen) trotz der vielen Reformen; cooler, spaßiger Unterrichtsmethoden und hochtechnologischer Ausstattung (Digitalisierung usw.) immer nur schlechter und schlechter und schlechter?

      Es gab doch vor Jahrzehnten auch schon bildungsferne u/o. sozialschwache Elternhäuser (doch nicht weniger als heute) und es gab – mehr als heute – Elternhäuser, in denen nicht Standarddeutsch (sondern Dialekt) gesprochen wurde. Und die Kinder haben doch Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt – mehr als heute jedenfalls.

      welt.de/politik/deutschland/ar…aesst-sich-abhaengen.html
      Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
    • Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass ein erhöhter Migrationsanteil und ein häufig dahinterstehendes wenig kooperatives Elternhaus dafür verantwortlich sei. Das klingt zwar nicht so politisch korrekt wie "an der nicht zeitgemäßen Gestaltung des Literaturunterrichts liegt es", würde aber erklären, warum gerade Sachsen und Bayern Bildungsgewinner, NRW und Berlin Bildungsverlierer sind. Ich glaube nicht, dass die auffallend hohe Anzahl an osteuropäischen Ländern auf den vorderen Plätzen der IGLU-Studie an der besonders innovativen Gestaltung des Literaturunterrichts dort liegt...
    • sofawolf schrieb:


      Ich frage mich langsam, warum wird das alles (Basiskompetenzen) trotz der vielen Reformen; cooler, spaßiger Unterrichtsmethoden und hochtechnologischer Ausstattung (Digitalisierung usw.) immer nur schlechter und schlechter und schlechter?
      Meine Meinung: nicht "trotz" der Reformen, sondern "wegen" der Reformen. Schnödes Üben ist uncool, nicht spaßig genug und hochtechnologische Ausstattung hilft auch wenig. Dadurch rückt das Üben und Mechanisieren gewisser Grundfertigkeiten zu sehr in den Hintergrund.
    • Meiner Meinung nach fehlt heute einfach in gewisser Weise der Drill.

      Wenn ich mich nur daran erinnere, wie ich früher mit Karteikarten das Rechtschreiben oder Vokabeln gelernt habe. Jeden Tag von Montag bis Sonntag, abends ca. 15 Minuten. Ich habe es wirklich gehasst, es gab mehrmals die Woche Stress mit meinen Eltern, Tränen, Fernsehverbot und alles was dazugehört ...
      Aber es hat mir im Nachhinein geholfen.

      Und heute? In einer 5. Klasse schreiben 90% der Schüler ungelogen von 10 Wörtern 9 falsch ab. Und ich meine hier abschreiben. Für mich unerklärlich. Alle LRS? Kann irgendwie ja auch nicht sein. Dazu eine katastrophale Motorik. Da wird der Stift in der Hand fast vergewaltigt.

      Alles was irgendwie mit stupidem Schreiben oder Abschreiben zu tun hat wird mit einem lauten Stöhnen erwidert und im gleichen Atemzug die Frage: können wir nicht etwas spielen...
      Vielleicht liege ich falsch und es liegt nur an 'meiner' Schulart, aber in gewisser Weise fehlt den Kindern so ein bisschen der Wille sich zu quälen.
    • svwchris schrieb:

      Vielleicht liege ich falsch und es liegt nur an 'meiner' Schulart, aber in gewisser Weise fehlt den Kindern so ein bisschen der Wille sich zu quälen.

      (Hervorhebung von mir)

      Anstrengungsbereitschaft; Aushalten, dass etwas mal nicht spaßig und kurzweilig ist; Durchhaltevermögen, wenn etwas schwierig ist; Konzentrationsvermögen ...

      Lernschule kontra Spaßschule.
      Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
    • Conni schrieb:

      svwchris schrieb:

      Vielleicht liege ich falsch und es liegt nur an 'meiner' Schulart, aber in gewisser Weise fehlt den Kindern so ein bisschen der Wille sich zu quälen.
      Oder auch: Anstrengungsbereitschaft und Durchhaltevermögen.

      Na, da waren wir ja mal einer Meinung, @Conni - nur ich war schneller. :)
      Für alles gibt es ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.
    • svwchris schrieb:

      Meiner Meinung nach fehlt heute einfach in gewisser Weise der Drill.

      Wenn ich mich nur daran erinnere, wie ich früher mit Karteikarten das Rechtschreiben oder Vokabeln gelernt habe. Jeden Tag von Montag bis Sonntag, abends ca. 15 Minuten. Ich habe es wirklich gehasst, es gab mehrmals die Woche Stress mit meinen Eltern, Tränen, Fernsehverbot und alles was dazugehört ...
      Aber es hat mir im Nachhinein geholfen.



      Und heute? In einer 5. Klasse schreiben 90% der Schüler ungelogen von 10 Wörtern 9 falsch ab. Und ich meine hier abschreiben. Für mich unerklärlich. Alle LRS? Kann irgendwie ja auch nicht sein. Dazu eine katastrophale Motorik. Da wird der Stift in der Hand fast vergewaltigt.

      Alles was irgendwie mit stupidem Schreiben oder Abschreiben zu tun hat wird mit einem lauten Stöhnen erwidert und im gleichen Atemzug die Frage: können wir nicht etwas spielen...
      Vielleicht liege ich falsch und es liegt nur an 'meiner' Schulart, aber in gewisser Weise fehlt den Kindern so ein bisschen der Wille sich zu quälen.

      Ich sehe das komplett anders:
      1. Ich habe auch ohne Karteikarten und Drill und ohne Kampf und Tränen sowohl Rechtschreiben als auch Vokabeln gelernt.

      2. Dass 90% aller Fünftklässler so miserabel schreiben, halte ich für extrem übertrieben. Dadurch dass mein eigenes Kind aktuell im 6. SJ ist, kenne ich genügend Kinder in dem Alter und sehe da keine dramatischen Zustände (trotz Gesamtschule!).

      3. Ich habe seit jeher überwiegend leistungsbereite Kinder in meiner Klasse, die insbesondere gerne stupide scheinende Sachen abarbeiten wie z.B. Abschreibkarteien, das Rechtschreiben Heft von Jandorf oder auch den Schreibschriftlehrgang bearbeiten. Das hat mich in den ersten Jahren immer mal irritiert. Aber das sind deren liebste Unterrichtsstunden und sie lieben es, was zu “schaffen“, also ein paar Seiten abzuarbeiten.

      Ach ja, fast vergessen
      4. Von meinen aktuellen Zweitklässlern schreiben zur Zeit ca 80% in Schreibschrift und mit dem Füller.
    • Mara schrieb:


      4. Von meinen aktuellen Zweitklässlern schreiben zur Zeit ca 80% in Schreibschrift und mit dem Füller.
      Zu meinem Erschrecken stellte ich im letzten Praktikum fest, dass viele ältere Grundschüler (also 3. und 4. Klasse) wie selbstverständlich in Druckschrift und mit Bleistift (!) schrieben. Als ich in dem Alter war, wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass wir in Schreibschrift und mit Füller schreiben. Es mag vlt. eine Eigenart der jeweiligen Schule gewesen sein, aber in dem frühen Alter finde ich es nicht sinnvoll, wenn die Kinder bereits schreiben dürfen, wie sie wollen. Am Anfang sollte das dann meiner Meinung nach noch sehr von außen geleitet sein (Woher sollen Grundschüler auch wissen, was in Bezug auf Schriftverkehr zum guten Ton gehört?); wenn sagen wir mal ab Klasse 8 die Schüler diesbezüglich verstärkt ihre eigene Schrift entdecken und nutzen, finde ich das noch früh genug...
    • Was ich interessant finde bei dieser (wiederholten) Diskussion: Es ist keine Diskussion, sondern sich kollektives Aufregen über Schüler Eltern, Migrationshintergrund, Regierung, Kollegen, Studium, Sittenverfall und ein bisschen Schulterklopfen für sich selbst.

      Wenn sich doch alle einig sind, dass Üben dazugehört, jeder als Kind üben musste und natürlich auch die eigenen Schüler fleißig üben... was ist dann die Quintessenz?

      Schüler sagten gar, sie hätten zu irgendwas keine Lust? Ohje, wie soll man das bloß händeln, dafür sind wir doch alle nicht Lehrer geworden, wenn Schüler im Praxisschock dann sagten, sie hätten keine Lust.

      Jetzt fehlen nur noch die reflexhaften "linksgrünversifften Kuschelpädagogen", auch wenn natürlich niemand jemanden kennt, den er persönlich so ansprechen oder auch nur für sich ernsthaft so bezeichnen würde.

      Aber wir konnten uns mal wieder aufregen und Schuldige ermitteln. Geht ja auch immer schneller, Sätze sind vorbereitet, Zitate aus sinngleichen Threads werden herüberzitiert... Wirklich anspruchsvoll. Aber wir haben ja auch üben müssen als Kinder.
    • Krabappel schrieb:

      Was ich interessant finde bei dieser (wiederholten) Diskussion: Es ist keine Diskussion, sondern sich kollektives Aufregen über Schüler Eltern, Migrationshintergrund, Regierung, Kollegen, Studium, Sittenverfall und ein bisschen Schulterklopfen für sich selbst.

      Wenn sich doch alle einig sind, dass Üben dazugehört, jeder als Kind üben musste und natürlich auch die eigenen Schüler fleißig üben... was ist dann die Quintessenz?

      Schüler sagten gar, sie hätten zu irgendwas keine Lust? Ohje, wie soll man das bloß händeln, dafür sind wir doch alle nicht Lehrer geworden, wenn Schüler im Praxisschock dann sagten, sie hätten keine Lust.

      Jetzt fehlen nur noch die reflexhaften "linksgrünversifften Kuschelpädagogen", auch wenn natürlich niemand jemanden kennt, den er persönlich so ansprechen oder auch nur für sich ernsthaft so bezeichnen würde.

      Aber wir konnten uns mal wieder aufregen und Schuldige ermitteln. Geht ja auch immer schneller, Sätze sind vorbereitet, Zitate aus sinngleichen Threads werden herüberzitiert... Wirklich anspruchsvoll. Aber wir haben ja auch üben müssen als Kinder.
      Bei mehr oder weniger jedem Thema ist aber auch klar, dass du immer gaaaanz anderer Meinung bist und scheinbar alles viel toller und besser machst als der Rest.
    • Ich arbeite ausschließlich mit den im Artikel genannten Bildungsverlierern. Es kostet enorme Kraft, sich nicht aufs Schimpfen zu verlegen und einfach alle aufzugeben. Mir bringt es aber mehr, zu reflektieren und mir bei denen was abzugucken, die es anders und erfolgreicher machen.

      Das ist nicht per se besser, man kann genausogut auch bis zur Rente jammern. Aber für mich ist es besser. Und deswegen werde ich nicht müde nachzufragen: wie macht ihr das? was funktioniert? wo läuft was gut und warum?

      Eben gesehen :lach:
      der-postillon.com/2017/12/hoerschulbuecher.html?m=1

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    • Krabappel schrieb:

      Ich arbeite ausschließlich mit den im Artikel genannten Bildungsverlierern. Es kostet enorme Kraft, sich nicht aufs Schimpfen zu verlegen und einfach alle aufzugeben. Mir bringt es aber mehr, zu reflektieren und mir bei denen was abzugucken, die es anders und erfolgreicher machen.

      Ich kann auch mitreden, arbeite mit ähnlichen Schülern wie du. Ich habe weder aufgegeben noch meckere ich über meine Schüler.

      Ich habe aber solche Artikel echt dick. Denn immer klingt der Hauch einer Schuldzuweisung mit.

      Es wird gefördert wo es geht und es gibt x Zusatzangebote für leistungsschwache Kinder. Wenn aber Grundschüler eingeschult werden, die weder eine Schere halten noch ihre Jacke zumachen können, und zusätzlich zu alledem einige von ihnen der deutschen Sprache gar nicht mal ansatzweise mächtig sind, dann liegen die Prioritäten erst einmal woanders.
      Und das sind nicht nur Kinder aus Migrantenfamilien, da gibt es genug deutsche Familien, die ihre Kinder ganztags in die Kita geben müssen. Aber in der Kita sind sie eben auch unterbesetzt und können sich nicht um jedes Kind in dem Maße kümmern, wie es früher viele Vollzeit-Mamas tun konnten.

      Unter diesen Voraussetzungen kann es doch schon als Erfolg angesehen werden, dass sich die Leistungen im Vergleich zu vor 16 Jahren nicht verschlechtert haben.

      Lösung hab ich auf die Schnelle keine - wenn es nur so einfach wäre.

      Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gerade schwache Kinder oft überfordert, allzu frei und selbstbestimmt zu arbeiten. Kleinschrittiges Vorgehen, Struktur, schnelle Rückmeldung zu Fehlern aber auch Erfolgen, Übung! Schreiben nach Gehör nur ganz am Anfang.
    • Lehramtsstudent schrieb:

      Zu meinem Erschrecken stellte ich im letzten Praktikum fest, dass viele ältere Grundschüler (also 3. und 4. Klasse) wie selbstverständlich in Druckschrift und mit Bleistift (!) schrieben.
      Diese radierbaren Tintenroller sind auch nicht viel besser. Und Füller / Tinten-Tintenroller kleckern, kleistern, schmieren, da sehen Hände, Bücher, Klamotten, Hefte und Tisch gruselig aus und es kostet elend viel Zeit, weil immer wieder die Tintenpatronen in der Kappe sind oder der Füller sich verklemmt hat und dann bricht oder die Tintenpatronen alle oder jemand probiert aus, wie Tinte schmeckt. Ich bin einfach froh über jeden, der ein schreibbereites Schreibgerät hat, in der Regel sollte es ein Füller oder Tintenroller sein, aber bei manchen, die den ganzen Betrieb aufhalten und wo ich wöchentlich 2 Deutschstunden für die Füllerpflege einsetzen müsste, ist mir dann ein Bleistift oder ein Kugelschreiber lieber. Hauptsache, sie fangen mal irgendwie an und hören mit dem Gesudel auf.
    • Kathie schrieb:

      Krabappel schrieb:

      Ich arbeite ausschließlich mit den im Artikel genannten Bildungsverlierern. Es kostet enorme Kraft, sich nicht aufs Schimpfen zu verlegen und einfach alle aufzugeben. Mir bringt es aber mehr, zu reflektieren und mir bei denen was abzugucken, die es anders und erfolgreicher machen.
      Ich kann auch mitreden, arbeite mit ähnlichen Schülern wie du. Ich habe weder aufgegeben noch meckere ich über meine Schüler.

      Ich habe aber solche Artikel echt dick. Denn immer klingt der Hauch einer Schuldzuweisung mit.

      Es wird gefördert wo es geht und es gibt x Zusatzangebote für leistungsschwache Kinder. Wenn aber Grundschüler eingeschult werden, die weder eine Schere halten noch ihre Jacke zumachen können, und zusätzlich zu alledem einige von ihnen der deutschen Sprache gar nicht mal ansatzweise mächtig sind, dann liegen die Prioritäten erst einmal woanders.
      Und das sind nicht nur Kinder aus Migrantenfamilien, da gibt es genug deutsche Familien, die ihre Kinder ganztags in die Kita geben müssen. Aber in der Kita sind sie eben auch unterbesetzt und können sich nicht um jedes Kind in dem Maße kümmern, wie es früher viele Vollzeit-Mamas tun konnten.

      Unter diesen Voraussetzungen kann es doch schon als Erfolg angesehen werden, dass sich die Leistungen im Vergleich zu vor 16 Jahren nicht verschlechtert haben.

      Lösung hab ich auf die Schnelle keine - wenn es nur so einfach wäre.

      Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gerade schwache Kinder oft überfordert, allzu frei und selbstbestimmt zu arbeiten. Kleinschrittiges Vorgehen, Struktur, schnelle Rückmeldung zu Fehlern aber auch Erfolgen, Übung! Schreiben nach Gehör nur ganz am Anfang.
      Die Kitas sind schuld!? Vollzeitmuttis das einzig Wahre für die Frühförderung? Ich würd dich gerne mal an meine Schule einladen.
    • Ach Gottchen.


      Edit: Ich hatte hier nochmal genauer auf dich, frkoletta reagiert, und dich gebeten, meinen Text doch so zu verstehen, wie er gemeint war. Aber jetzt bin ich raus - dieses Hickhack spare ich mir.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kathie ()

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