Aus Kirche austreten - ein Nachteil?

  • Mal eine blöde Frage:


    Wenn ich aus der Kirche austrete, könnte mir das schaden, wenn ich mich später mal bei Schulen mit kirchlichem Träger bewerben will?


    Wird bei den Bewerbern nachgesehen bzw. gefragt, ob man in der Kirche ist (und in welcher)? Ist keine Kirchenzugehörigkeit zu haben dann gleich ein Ausschlusskriterium oder zumindest ein Minuspunkt, der mit guten Qualifikationen ausgeglichen werden muss/kann?

  • Hm, außer Vermutungen konnte ich in dem Thread nichts Konkretes finden - weiß denn jemand, wie es nun bei einer Privatschule mit kirchlichem Träger aussieht?

  • Ich denke, es kommt darauf an, ob evangelisch oder katholisch. Ich weiß, dass unser örtlicher katholischer Kindergarten nichtmal evangelische Erzieherinnen einstellt. Und da es ja zum Konzept der Schule gehört, sich an kirchl. Glaubensgrundsätzen zu orientieren wäre ich mit einem Austritt sehr vorsichtig, wenn du tatsächlich vorhaben solltest, dich bei einer solchen Schule zu bewerben...

  • Hallo Ummon,


    während meiner Ausbildungszeit (noch nicht so lange her), hatten wir dazu eine Informationsveranstaltung. Jemand aus einer katholischen Schule (oder war`s aus dem übergeordneten Verwaltungsbereich?) hat uns informiert. Er sagte ganz klar, dass für eine Schule in katholischer Trägerschaft protestantische Lehrer eigentlich nicht in Frage kommen. Nur in absoluten Notfällen (Lehrermangel) würde man das in Betracht ziehen. Ich vermute demnach, dass es für Personen, die in keiner Kirche sind, eher noch schwieriger ist.
    An den Schulen soll der katholische Glauben und seine Ethiklehre in der Erziehungsarbeit eine größere Rolle spielen. Dies können, so die Vermutung, konfessionslose Lehrer nicht entsprechend nachhaltig vertreten. Ob das immer so zutrifft ist für mich fraglich, da man ja vielleicht nur mit der Kirche, nicht aber mit dem Glauben Probleme hat. Aber das ist die Sicht einer Protestantin...


    Ob es bei evangelischen Schulen ähnlich ist, kann ich dir nicht sagen.


    Viele Grüße, jinny44

  • Soweit ich weiß, legen die katholischen Schulen Wert auf die Religion, also darf man sich nur als Katholik an katholischen Schulen bewerben, bwz. an städischen. Ehm, bewerben darfst du dich schon, aber es ist überflüsig. Die evangelischen Schulen sehen es auch so. Allerdings kann es dir nach der Festanstellung passieren, dass du als Katholik an eine evangelische Schule kommst, dass liegt dann am Schulamt.
    Also mein Tipp ist, lieber etwas mehr an Kirchensteuer zahlen und ich alles offen halten.

  • hm,
    das kommt auch immer auf das Bistum an.
    Ich kenne jemand, der sich mit einem absoluten Mangelfach an einer Schule eines bestimmten Bistums beworben hat. Die suchten händeringend jemand. Er hatte auch die richtige Konfession. Musste aber zwei Gutachten bzw. Empfehlungsschreiben vorlegen, eines von einem Priester. Und der Schulleiter meinte, wenn sich jemand nicht in der Kirche engagiert, sondern einfach nur in die Kirche geht oder - noch schlimmer - einfach nur seine Kirchensteuer bezahlt, sei er für die Stelle ungeeignet. :rolleyes:


    lg, Orinoco

    Hear me my chiefs, I am tired.
    My heart is sick and sad, I will fight no more.
    (Rednex, The spirit of the hawk)

  • Es gibt auch katholische Schulen, die evangelische Lehrer einstellen, zumindest im Land Brandenburg!
    In der Kirche sollte man aber schon sein.

  • Vielleicht off topic und vielleicht kenne ich mich auch viel zu wenig aus... aber warum will man denn an einer konfessionellen Schule unterrichten, wenn man von Kirche und Glauben nicht überzeugt ist, sogar so wenig, dass man aus der Kirche austreten will? Das ist doch gerade ein sehr großer Teil dessen, was konfessionelle Schulen eben gerade ausmacht...
    Wenn schon raus aus der Kirche, dann doch auch konsequent, oder?
    ?(

  • Acephalopode:
    ack


    @all
    "klinisch" reine katholische oder evangelische Schulen gibt es - ich lasse mich gerne anders belehren - nicht mehr.
    Ich habe als Evangelischer an einer katholischen Schule unterrichtet - die wird ja schließlich auch von evangelischen Schülern besucht....


    Kirchliche Arbveitgeber verlangen jedoch, dass man sich zu den Inhalten und Grundwerten des Christentums bekennt. Dies bedeutet, dass man mit dem Austritt aus der Kirche auch mit einer kurzfristigen Kündigung zu rechnen hat.


    Auch Ehen ohne Trauschein oder Scheidungern werden nicht gerne gesehen und können eine Kündigung nach sich ziehen....
    Bevor hier eine Diskussion beginnt, ob dies rechtmäßig ist: Ja. Höchstrichterlich entschieden. Das ergibt sich aus dem besonderen Treue- und Dienstverhältnis.

    Vorurteilsfrei zu sein bedeutet nicht "urteilsfrei" zu sein.
    Heinrich Böll

  • Hallo!


    Ich arbeite an einer katholischen Grundschule in NRW und bei uns ist es rechtlich so, dass wir ausschließlich katholische LehrerInnen schulscharf einstellen dürfen - auch wenn die Stelle nicht für Reli ausgeschrieben wurde (aus diesem Grunde mussten wir letztens einer sonst hoch im Kurs stehenden Kandidatin absagen).
    Über das Listenverfahren wurde uns aber vor einigen Jahren eine evangelische Kollegin zugewiesen - das wiederum ist also möglich (zumindest war es das vor ca. 5 Jahren).



    LG


    Sina

  • Zitat

    sina schrieb am 04.01.2007 13:22:(aus diesem Grunde mussten wir letztens einer sonst hoch im Kurs stehenden Kandidatin absagen).


    Tscha, wenn die Ideologie schwerer wiegt als die faktische Qualifikation...


    Naja, als Atheist kann ich das nicht so richtig schlecht finden. Sollen sich die kirchengebundenen Schulen doch ins Aus manövrieren.


    nele

  • Liebe Nele,


    nicht WIR haben uns ins Aus befördert, sondern die Vorgaben der Bezirksregierung haben dazu geführt, dass die Kollegin nicht zum Vorstellungsgespräch kommen durfte.


    Sina

  • Hallo sina,


    das halte ich "rechtlich" für problematisch... und kann es eigentlich nur glauben, wenn es sich um eine Privatschule handelt. Die "normalen" NRW Grundschulen sind z.B. "Stadtisch Katholisch", und wenn sie Lehrerstellen schulscharf ausschreiben, gibt es keine mir bekannte Vorschrift, dabei die Konfession maßgeblich zu berücksichtigen. Selbst auf Funktionsstellen kann man sich neuerdings (zu Zeiten grassierenden Bewerbermangels) mit anderer Konfession bewerben. Bin offen für mehr Infos, gern per PN (Welche Bezirksregierung? Wo steht das?).


    Gruß,
    Peter

  • Hi Pepe!


    Habe dir eine PN mit genaueren Angaben geschickt. Wir sind übrigens keine Privatschule!
    Was sind Funktionsstellen?



    LG Sina

  • Hier in der Nähe gibt es ein Gymnasium mit Internat in kirchlicher Trägerschaft, dort unterrichtet ein Kollege, der auch an meiner Schule unterrichtet. Sagen wir mal so, der Mann ist so mit der Kirche verbandelt, wie der Papst mit dem Islam. Also der Kollege ist soviel ich weiß auch ausgetreten.


    Grüße

  • Zitat

    Gouverneur schrieb am 06.01.2007 16:47:
    Hier in der Nähe gibt es ein Gymnasium mit Internat in kirchlicher Trägerschaft, dort unterrichtet ein Kollege, der auch an meiner Schule unterrichtet.


    hm, dann scheint er ja auf Honorarbasis tätig zu sein, wenn er für mehrere Schulen/Arbeitgeber arbeitet ... vielleicht ist das dann was anderes ...


    aber RLP scheint in der Hinsicht etwas lockerer zu sein, denn Eindruck hatte ich zumindest vom Bistum Trier im Vergleich zum Bistum Aachen ...


    lg, Orinoco

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  • Wie er jetzt genau angestellt ist und wie sich das Beschäftigungsverhältnis im genauen nennt, weiß ich jetzt nicht.


    Aber: Das ist ein Internat in Trägerschaft der evangelischen Landeskirche. Also insofern kann man da mal nicht sehr viel mit irgendwelchen Bistümern vergleichen

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