Mutter und Lehrerin: Vereinbarkeit der Rollen?

  • Zitat

    Original von Philou
    (...) Und ich lege jetzt noch einen drauf: meine ausgeglichensten Schüler, die wohlerzogen und höflich sind, in sich ruhen, glücklich sind, stabile Freundschaften pflegen und jeden Tag bei Freunden spielen bzw. sich ihre Freunde nach Hause einladen, in der Schule gut mitkommen und alle zwischen Drei und Eins stehen, der eine weiter oben, der andere weiter unten, wieder ein anderer genau dazwischen... das sind die Kinder aus den Familien, in denen die Mutter klare Prioritäten gesetzt hat. Die machen auch keinen auf Hausmütterchen und Teppichklopfen - aber die haben gewartet, bis der zweite Sohn in der Schule war, und ab da ging man dann vormittags wieder arbeiten. Vor allem bei Jungen merkt man das ganz eklatant, wenn die ein verlässliches Zuhause haben, in denen sich Mami nicht zwanghaft selbstverwirklichen muss, um dem Sohn ein Kinderzimmer voller Spielzeug bezahlen zu können, in dem der Junge dann ganz alleine sitzen muss, weil keiner mit ihm spielt. (...)


    Bitte nicht persönlich nehmen, aber ich finde diese Verallgemeinerungen ziemlich einschränkend.
    Ich möchte gern für mein Kind da sein, aber als Alleinerziehende sieht es finanziell weniger rosig aus, und da ich nicht von den Steuergeldern also HARTZ IV leben will, bin ich also gezwungen einer Tätgikeit nachzugehen. Ich erwarte keine "rosanen Elefanten" vom Arbeitgeber, aber ein gewisses Verständis für meine Situation und ein wenig "normales" Entgegenkommen, das würde mir schon sehr helfen!!
    An Konferenzen muss jeder teilnehmen, da die Konferenztermine im Voaus im Terminplan stehen - natürlich mit Ausweichterminen. Es wird immer wieder betont, dass ein bestimmter Wochentag für schulische Belange freizuhalten ist!! Mit zwei Nachmittagsunterrichtverpflichtungen und diesem immer freizuhaltenden Schulnachmittag schafft man es noch nicht einmal nachmittags einen Artztermin wahrzunehmen, wenn es zusammen ungünstig liegt!!!!
    Aber das wird ja alles durch die vielen Ferien und Freizeit ausgeglichen!!!!! ;)


    modedit: Zitat repariert, Gruß Britta

  • Ich finde es traurig, dass diese Probleme immer nur die Probleme der Mütter sind, nicht die der Väter. Natürlich ist es eine Option, für (kleine) Kinder zu Hause zu bleiben, aber warum soll das immer die Mutter sein?
    Ist es nicht möglich, dass Dein Partner beruflich ein wenig zurückschaltet und Dich stärker entlastet?
    Auch ist es mit 1,5 Einkommen evt. ja auch möglich, eine Haushaltshilfe einzustellen, sodass Du zumindest mit Putzen und Waschen weniger zu tun hast.

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Original von Loyola
    Ich finde es traurig, dass diese Probleme immer nur die Probleme der Mütter sind, nicht die der Väter. Natürlich ist es eine Option, für (kleine) Kinder zu Hause zu bleiben, aber warum soll das immer die Mutter sein?
    Ist es nicht möglich, dass Dein Partner beruflich ein wenig zurückschaltet und Dich stärker entlastet?
    Auch ist es mit 1,5 Einkommen evt. ja auch möglich, eine Haushaltshilfe einzustellen, sodass Du zumindest mit Putzen und Waschen weniger zu tun hast.


    Gute Frage. Fragen wir weiter:


    Bestehen die Männer auf ihrer beruflichen Selbstverwirklichung und zwingen die Frauen zu Hause zu bleiben?


    Stecken die Frauen tendenziell eher zurück, weil sie es als ihre Pflicht ansehen, oder weil es gesellschaftlich erwartet wird?


    Zeigen sich Arbeitgeber bei Männern weniger tolerant und entgegenkommend und tragen so zum Erhalt des traditionell geprägten Rollenbildes bei? (=> Überstunden)


    Bedeutet das in der Folge eine größere Gefahr für Männer, nach der Elternzeit ihre Karriere nicht nahtlos fortsetzen zu können?


    Geschlechterunabhängig stellt sich dann noch die Frage, wie der Vollzeit arbeitende Partner den Ausgleich zwischen dem Druck durch den Arbeitgeber und dem Druck durch die familiären Probleme, die sich ggf. daraus ergeben, herstellen soll.


    Emanzipation ist ja eine schöne Errungenschaft. Wenn sie aber nur innerhalb der Kernfamilie gelebt werden kann und gesellschaftlich in der immer noch von überwiegend männlichen Führungskräften geprägten Arbeitswelt de facto nur eingeschränkt gelebt wird, dann wird dieses Problem wohl noch eine Weile bestehen bleiben.


    Gruß
    Bolzbold

  • Gute Fragen!
    Ich kenne nur wenige Männer, die Elternzeit genommen haben - und wenn, dann meist nur die "Vätermonate". Auch im Schuldienst ernten Männer meist mindestens Erstaunen, meist Unverständnis, wenn sie wegen Familiengründung in Teilzeit gehen.
    Dennoch: Insbesondere im Schuldienst geht dies besonders gut. Ich kann Männer nur dazu aufrufen, dies auszunutzen und mehr Zeit in ihre Familie zu investieren. Das tut nicht nur ihnen und ihrer Familie gut, sondern auch dem gesellschaftlichen Klima. Es regt mich wirklich auf, dass Frauen immer die Hauptlast zu tragen haben - nicht nur die Arbeitsbelastung (Dreifachbelastung Familie, Haushalt, Beruf), sondern auch die moralische Empörung von allen Seiten (bleibst Du zu Hause, bist Du "Heimchen am Herd" und volkswirtschaftlich unproduktiv, bist Du erwerbstätig, bist Du Rabenmutter).

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Original von Loyola
    Gute Fragen!
    Ich kenne nur wenige Männer, die Elternzeit genommen haben - und wenn, dann meist nur die "Vätermonate". Auch im Schuldienst ernten Männer meist mindestens Erstaunen, meist Unverständnis, wenn sie wegen Familiengründung in Teilzeit gehen.
    Dennoch: Insbesondere im Schuldienst geht dies besonders gut.


    Richtig. Wenn Frau aber stillt, wird es bei einem Vollzeitjob schwierig - denn Stillstunden sind auch in der freien Wirtschaft nicht immer durchsetzbar und mitunter je nach Entfernung nicht praktikabel.


    Zitat


    Ich kann Männer nur dazu aufrufen, dies auszunutzen und mehr Zeit in ihre Familie zu investieren. Das tut nicht nur ihnen und ihrer Familie gut, sondern auch dem gesellschaftlichen Klima.


    Wobei diese Männer dann erst einmal den "Groll" der Gesellschaft abbekämen, sei es von Arbeitgeberseite oder von anderen Teilen der Gesellschaft. Elternzeit isoliert betrachtet ist eine gute Sache. Solange Männer in der Wirtschaft aber besser bezahlt werden als Frauen und solange Elternzeit langfristig für Männer eine Karrierebremse ist, müssen Männer für ihren Idealismus einen hohen Preis bezahlen.


    Zitat


    Es regt mich wirklich auf, dass Frauen immer die Hauptlast zu tragen haben - nicht nur die Arbeitsbelastung (Dreifachbelastung Familie, Haushalt, Beruf), sondern auch die moralische Empörung von allen Seiten (bleibst Du zu Hause, bist Du "Heimchen am Herd" und volkswirtschaftlich unproduktiv, bist Du erwerbstätig, bist Du Rabenmutter).


    Naja, also das mit dem Haushalt kann man sich teilen. Bleibt also die Doppelbelastung Kind/Beruf. Und hier wirst Du immer jemanden finden, der sich auf das vermeintlich höhere moralische Podest stellen muss und die Frau für egal welche Entscheidung verurteilt - letztlich aber nur, um die eigene Unzufriedenheit über die eigene Situation zu kaschieren.
    (Wie viele Frauen sich über ihre (Über)Mutterrolle definieren ist einfach unglaublich...)


    Ist man selbst Hausfrau, muss man eine berufstätige Mutter als Rabenmutter verurteilen, um sich selbst aufzuwerten.
    Ist man selbst berufstätig, schaut man auf die Heimchen am Herd herab, möglicherweise um sein eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen.
    Ist man "beides" wird man in seinem Gegenüber dennoch immer etwas finden, was er (bzw. hier ja sie) falsch macht und was man besser macht.


    Aufwertung des eigenen angeknachsten Egos in Ermangelung der Wahrnehmung eigener Erfolge und Vorzüge geht für viele Menschen nur über Diffamierung und Abwertung anderer Menschen.


    Gruß
    Bolzbold

  • Zitat

    Original von Bolzbold


    Wobei diese Männer dann erst einmal den "Groll" der Gesellschaft abbekämen, sei es von Arbeitgeberseite oder von anderen Teilen der Gesellschaft. Elternzeit isoliert betrachtet ist eine gute Sache. Solange Männer in der Wirtschaft aber besser bezahlt werden als Frauen und solange Elternzeit langfristig für Männer eine Karrierebremse ist, müssen Männer für ihren Idealismus einen hohen Preis bezahlen.


    Ja, stimmt. Der Preis ist hoch. Aber keinesfalls höher als der, den fast alle Mütter derzeit zahlen.



    Alles richtig. Aber an all dem ändert sich nichts, wenn nicht Männer UND Frauen dagegen an leben.


    Dein Argument hinsichtlich des Stillens ist natürlich richtig. Daher kam für mich im ersten Lebensjahr meiner auch nichts anderes in Frage, als selbst die Elternzeit zu nehmen. Allerdings lassen sich zumindest nach Beendigung der Vollstillzeit Stillen und Erwerbstätigkeit gut miteinander verbinden.
    Pssst: :fluester: Ich stille meine knapp Dreijährige, die bereits seit 1,5 Jahren in den Kindergarten geht, immer noch.

  • Ich habe nur den Anfang dieser Diskussion hier gelesen, weil sie mir mit der Zeit zu sehr zu Grundsatzdiskussion wurde. Falls ich also etwas wiederhole, dann sorry.


    Zitat

    Original von alem2
    Ich bin in meinem kleinen netten, sehr, sehr engagierten Kollegium die einzige Teilzeitkraft mit kleinen Kindern, d.h. ich fühle mich immer als die Blöde, die auf planbare Konferenztermine besteht, gehen muss, wenn es mal länger dauert etc. Mein 1. Schuljahr mit 25 Kindern und sehr anspruchsvollen, nicht besonders freundlichen Eltern (reiche Schicht, überwiegend Akademiker) fordert mich sehr und ich habe immer das Gefühl nicht allen Bedürfnissen gerecht zu werden, es nicht gut genug gemacht zu haben.


    Ich sehe - zumindest so wie du formulierst - auch ein Problem in deinen hohen Ansprüchen, die sehr ehrenwert sind, verstehe mich nicht falsch, aber dich zermürben.
    Problem 1: Du vergleichst dich verständlicherweise mit dem Restkollegium.
    Problem 2: Du willst alles sehr gut machen und setzt dich unter Druck.
    Das sind zwei Probleme, die natürlich bei zwei Kindern besonders extrem herauskommen, aber auch bei kinderlosen teilweise da sind.
    Darum, guter Vorsatz fürs neue Jahr:
    Steh zu deiner Situation, sag dir jeden Morgen, ich arbeite teilzeit, es ist mein Recht, dass ich Zeit für meine Kinder habe usw. Versuche die Selbstkritik mal für ein paar Monate abzustellen, entwickele eine Scheißegal-Haltung. So engagiert, wie du wirkst, wirst du es selbst dann noch gut machen. Und wenn dir jemand blöd und unfreundlich kommt, sei es auch einmal, lass nicht alles mit dir machen. Auch du bist Akademiker, dann lass es eben auch mal raushängen. Wenn die Eltern unfreundlich sind, dann bügele sie einfach mal höflich ab, aber ohne dich selbst zu schwächen.
    Ich wünsche dir viel Kraft :)

  • Hallo,
    das scheint auch für andere ein hoch brisantes Thema zu sein, was mich in gewisser Weise beruhigt - scheint es doch oft so, als würde ich mit meiner "Stellung" allein auf weiter Flur sein.
    Für mich habe ich entschieden,
    - dass ich meinen Mann mehr in die Verantwortung nehmen muss, auch wenn es für ihn bei der Arbeit "peinlich" wird oder er dort zurückstecken muss. Ich VERLANGE, dass er wenn immer möglich die Betreuung bei Konferenzen übernimmt, so dass ich nicht immer in weinende Kindergesichter blicken muss. Es kann nicht sein, dass ich alles auffangen muss. Schließlich sind es unsere Kinder und ich muss aus finanziellen Gründen arbeiten und trage damit auch zu seinem Wohlergehen bei.
    - dass ich an meiner eigenen Einstellung arbeiten muss: nobody is perfect. Ich muss lernen, meine eigenen Ansprüche runter zu schrauben und vor allem dies in die Praxis umzusezten (für Tipps bin ich dankbar, denn theoretisch klingt das gut).
    - dass ich das Gespräch mit der Schulleitung suchen werde und wenn möglich um 2 Stunden auf insgesamt 12 Stunden reduziere und so einen Tag frei bekommen kann. Derjenige, der dann in meine Klasse geht soll eine Geometrie und eine Lesestunde machen und gut ist. Damit müssten auch Erstklässler zurecht kommen. Da muss ich mich aber noch über die rechtlichen Rahmenbedingungen kümmern (geht das überhaupt so kurzfristig reduzieren etc...)
    Vielen Dank, ihr habt mir sehr gute Denkanregungen gegeben.
    Alema

  • Das hört sich sehr gut und sehr vernünftig an, Alem! Ich wüsche dir, dass sich auch alles in die Tat umsetzen lässt und du dein Leben bald wieder genießen kannst! :bussi:

  • Ja, ich finde auch, dass Du sehr klar und entschlossen klingst. Zieh das durch!
    (Oder wie die Jedi sagen: Möge die Macht mit Dir sein. :D - Ich meine das sogar ein wenig ernst. Die Entschlossenheit der Jedi ist das Geheimnis ihres Erfolgs.)
    Allerdings musst Du bedenken, dass Du nach Ende der Elternzeit mindestens 50 % arbeiten musst. Zumindest ist das in NRW so.

  • Zitat

    Original von Loyola
    Es regt mich wirklich auf, dass Frauen immer die Hauptlast zu tragen haben - nicht nur die Arbeitsbelastung (Dreifachbelastung Familie, Haushalt, Beruf), sondern auch die moralische Empörung von allen Seiten (bleibst Du zu Hause, bist Du "Heimchen am Herd" und volkswirtschaftlich unproduktiv, bist Du erwerbstätig, bist Du Rabenmutter).


    Dieses Problem ist doch zuallererst in der Partnerschaft selbst zu lösen, soll man die Menschen per Gesetz zu ihrem "Glück" zwingen? Ich erlebe es z.B. immer wieder, dass Paare ihren Wohnort wechseln, weil der Mann sich beruflich verändert, die Frau zieht dann eben mit um. Solange die Frauen in ihrer eigenen Partnerschaft dieses Verhalten als normal empfinden (Mann macht Karriere, Frau ordnet sich dem unter) nützen alle gesellschaftliche Appelle und alle Beschwerden nichts. Wo anfangen, wenn nicht bei sich selbst? Aber jeder soll machen, was er/sie für richtig hält, dann aber bitte nicht auf die "Gesellschaft" schimpfen.


    Und einmal ganz ketzerisch: "Unbezahlte" Überstunden im Büro sind natürlich ein guter Grund, sich der "Dreifachbelastung" aus Beruf, Familie und Haushalt zu entziehen. Es ist nicht immer der böse Arbeitgeber...


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Zitat

    Original von Mikael
    Und einmal ganz ketzerisch: "Unbezahlte" Überstunden im Büro sind natürlich ein guter Grund, sich der "Dreifachbelastung" aus Beruf, Familie und Haushalt zu entziehen. Es ist nicht immer der böse Arbeitgeber...


    Gruß !


    Nein, es ist für viele (Männer) bequemer, Überstunden im ruhigen Büro zu schieben als sich zu Hause der Mehrfachbelastung zu stellen... :P


    Umso mehr ein Grund, die Frauen zu entlasten, oder? ;)

  • Zitat

    Original von Mikael


    Dieses Problem ist doch zuallererst in der Partnerschaft selbst zu lösen, soll man die Menschen per Gesetz zu ihrem "Glück" zwingen? Ich erlebe es z.B. immer wieder, dass Paare ihren Wohnort wechseln, weil der Mann sich beruflich verändert, die Frau zieht dann eben mit um. Solange die Frauen in ihrer eigenen Partnerschaft dieses Verhalten als normal empfinden (Mann macht Karriere, Frau ordnet sich dem unter) nützen alle gesellschaftliche Appelle und alle Beschwerden nichts. Wo anfangen, wenn nicht bei sich selbst? Aber jeder soll machen, was er/sie für richtig hält, dann aber bitte nicht auf die "Gesellschaft" schimpfen.


    Habe ich denn geschrieben, dass man das per Gesetz lösen soll? Ich schlug vor, dagegen anzuleben. Und das geht nur, indem man es einfach tut.


    Zitat

    Und einmal ganz ketzerisch: "Unbezahlte" Überstunden im Büro sind natürlich ein guter Grund, sich der "Dreifachbelastung" aus Beruf, Familie und Haushalt zu entziehen. Es ist nicht immer der böse Arbeitgeber...

    Das gibt es in der Tat. Und so ganz manchmal ziehe ich auch eine Konferenz dem Familien-Wahnsinn vor... :rotwerd:

  • Das mit den Überstunden der Männer, kann man aber auch wieder nicht so einseitig sehen.
    Mein Mann ist Bauingenieur und noch relativer Berufsanfänger. Wir arbeiten beide voll und versuchen die Kinderbetreuung gerecht untereinander zu verteilen. Das heißt zum Beispiel wir beide bleiben abwechselnd zu Hause, wenn eins der Kinder krank ist. ich kümmere mich nachmittags um die Kinder und er abends. Nun gehört er zu denen in der Firma, die versuchen keine unbezahlten Überstunden zu machen. Er ist der einzige der pünktlich Schluss macht, damit ich damit abends meine Vorbereitungen machen kann. Dabei wird er mehr als schief angesehen.
    Das Ende vom Lied er hat mehrmals seinen Job verloren, weil er sich angeblich nicht genug für die Firma einsetzt. Er musste sich anhören, dass er unter dem Pantoffel seiner Frau steht.
    Mittlerweile bin ich sehr desillusioniert und habe das Gefühl, dass es ohne Überstunden nicht geht. Keine Ahnung, ob er die Jobs mit mehr gemachten Überstunden behalten hätte... aber uns beiden reicht es langsam. Wahrscheinlich kommen noch mehr Umstände zusammen, aber die Begründungen der Kündigungen und das Gerede hinterm Rücken ist echt haarsträubend und macht wütend.


    Nun ist er jedenfalls wiedermal auf Jobsuche....

    • Offizieller Beitrag

    Ich schreibe auch noch mal zur Ausgangsfrage (auch wenn ich die restliche Diskussion interessant finde):
    Ich finde es mit einem Kind schon oft sehr schwer, beides zu vereinbaren. Allerdings spreche ich von folgender Ausgangssituation: keine Großeltern o.ä. in der Nähe, nur ganz wenig Kinderbetreuung, sehr schlechte Kinderbetreuungsmöglichkeiten in der Nähe, also Öffnungszeiten von Kindergärten etc.).
    Es wundert mich nicht, dass du mit 2 Kindern und der Gesamtsituation, die du schilderst, an deine Grenzen stößt.
    Zwischenzeitlich gibt es hier Phasen, wo es gut klappt und die normale Vorbereitung lässt sich meist auch gut organisieren. Schwierig wird es hier vor allem in Korrekturphasen, wo einfach nicht mehr viel geht, weil jede Schlafphase des Kindes am Wochenende und abends zum Korrigieren genutzt werden muss (vom Haushalt brauche ich da grade kaum zu reden). Schwierig wird es auch, wenn das Kind oder man selbst krank ist (wir haben ja nur die 4 Kinderbetreuungstage, aber welches Kleinkind ist tatsächlich nur 4 Tage pro Jahr krank ?( ), an denen ich jedes Mal Panik bekomme, was wir machen sollen. Schwierig wird, wenn man sich dann noch selbst ansteckt (mit kleinen Kindern ist es nicht selten, dass man öfter krank ist als vorher) und dann wieder fehlt, alle Klassenarbeiten umorganisieren muss etc.
    Ein weiteres Problem gibt es bei uns, wenn die Tagesmutter ausfällt und kein Ersatz zur Verfügung steht, was ja auch kurzfristig vorkommt.
    Was auch oft ein organisatorischer Drahtseilakt ist, sind die Zusatzveranstaltungen (teilweise auch spontan anberaumt), an denen man dann irgendwie eine Kinderbetreuung organisieren muss.
    Hier ist es auch so, dass das Jugendamt eine Kinderbetreuung nur im Rahmen recht weniger Stunden zuteilt (Tagesmütter etc. laufen hier über das Jugendamt, Kindergärten für Kleinkinder unter 3 sind kaum zu bekommen; später sind die Öffnungszeiten größtenteils nur schwer mit unseren Arbeitszeiten zu vereinbaren, weil die Einrichtungen oft erst um 7.30 öffnen oder um 14 Uhr schließen), die grade mal den Unterricht und ein bisschen Vorbereitungszeit abdeckt. Wenn man aber ständig einen neuen Stundenplan hat, teilweise viele Freistunden, in denen man dann noch vertreten muss, dann weiß man oft nicht mehr, wann man noch vorbereiten oder korrigieren soll.


    Also kurz gesagt: Ich finde es manchmal extrem schwierig, beides vernünftigt (v.a. organisatorisch) zu vereinbaren.

  • Ich empfinde die fehlende Flexibilität in unserem Job als das Hauptproblem. Eigentlich alle Jobs haben inzwischen GHleitzeit. Bei uns undenkbar.
    Der KIGA öffnet hier um 7.30, der Unterricht beginnt 7.45.
    Nur ein winzig kleiner Trotzanfall, das Bedürfnis nach nur 5 Minuten extra kuscheln, etc. bringt mich hier schon in hohe Organisationsnöte. Bei uns sieht es so aus: Kigatür auf, Schuhe ins Regal, Tschüß.
    Mama kuck mal schnell hier, ... Geht nicht - Schule fängt an.
    Mal zum Nikolausfrühstück - geht nicht.
    Einshculung des eigenen Kindes - geht vielleicht nicht, da man selber gerde zur gleichen Zeit in einer anderen Schule fremde Kinder einschult.
    Mal schnell Zuhause mitspielen - geht nicht, weil man gerade für fremde Kinder ein neues Lernspiel ausschneidet.
    Zum Kinderturnen? Geht nicht, da liegen die Konferenzen.
    Teilnahme am Martinsumzug? Geht nicht - Elternsprechtag.
    Nun ja, ihr merkt schon, ich könnt grad k***, der Beitrag hätte auch von mir sein können und bei jedem 38,2 des eigenen Kindes bin ich kurz davor mit Paracetamol zu dopen, damit der KIGA das Fieber nicht merkt und die Betreuung steht, da ja gerade die Schulinspektion im Haus ist, etc. pp.


    Ehrlich gesagt finde ich persönlich unseren Job alles andere als kinderfreundlich. Mit meiner Alternative Diplom-Psychologie hätte ich sicherlich mehr Freiraum um Engpässe zu managen...


    Ganz davon abgesehen, dass das enge Gerüst 7.30 Kiga auf, 7.45 Schulanfang nicht gerade viel Wahlraum bei der Kinderbetreuungsfrage lässt.

  • ann ie: Klingt aber nach einem sehr rücksichtvollen Shculleiter :rolleyes:


    So einen habe ich hier auch gerade erlebt udn ich bin sicher, ich werde nicht an dieser Schule arbeiten, denn so etwas lasse ich mir generell nicht bieten!



    Wenn schon bei einer Anfrage mitgeteilt wird, man kann am 12.1. nicht zum Bewerbungsgespräch (was bei Studenten und Eltern nun mal vorkomemn kann), man erhält dann trotzdem eine Eiinladung zu dem Termin und auf Nachfrage, dass das sicher ein Versehen wäre, denn Hinweis, auf persönliche Belange kann man keine Rücksicht nehmen, dann kann ich leider bei meiner Terminplanung auf diese Schule auch keine Rücksicht nehmen und werde dort nicht arbeiten!


    Denn erst kommen meine Kinder, dann mein Studium und erst dann die Schule!
    Und ein Geburtstag der Kinder hat für mcih da dann nun mal Priorität!


    Sie sind einfach noch zu klein um dafür Verständnis zu haben und das werde ich auch nicht versuchen ihnen zu erklären!

    • Offizieller Beitrag
    Zitat

    Original von Annie111


    Zum Kinderturnen? Geht nicht, da liegen die Konferenzen.
    Teilnahme am Martinsumzug? Geht nicht - Elternsprechtag.
    Nun ja, ihr merkt schon, ich könnt grad k***, der Beitrag hätte auch von mir sein können und bei jedem 38,2 des eigenen Kindes bin ich kurz davor mit Paracetamol zu dopen, damit der KIGA das Fieber nicht merkt und die Betreuung steht, da ja gerade die Schulinspektion im Haus ist, etc. pp.


    Ja, die Sachen finde ich auch sehr schwierig. Ich weiß auch, dass viele Mütter in anderen Berufen auch große Probleme haben, beides zu vereinbaren (weshalb hier viele Mütter zumindest die ersten 3 Jahre nicht arbeiten gehen). Es gibt aber dennoch so einige Jobs, in denen man mit einer halben Stelle beispielsweise an festen Tagen arbeitet und langfristig planen kann.


    Kinderkurse - hätte ich gerne gemacht, kann ich aber nicht mehr machen (trotz eben "nur" halber Stelle), da der Stundenplan bei uns immer erst so kurzfristig feststeht (meist mehr oder weniger definitiv erst in der 2. Schulwoche), dass alle Kurse ausgebucht sind. Dann wird der Stundenplan mehrmals pro Halbjahr geändert (teilweise erfährt man das mit 2 Tagen Vorlauf), mit Nachmittagsunterricht muss man jederzeit rechnen, so dass es selbst mit der flexibelsten Tagesmutter schwierig wird. Von Kindergartenzeiten brauche ich gar nicht zu reden: Es ist gar nicht anders möglich, als einen weit entfernten Kindergarten zu suchen, der lange Betreuungszeiten anbietet (das Kind kann dann leider nicht mit den Nachbarkindern in den Kindergarten gehen und man hat weite Anfahrtswege etc.) und dort den längsten Tarif zu buchen, weil man zu Beginn des Kindergartenjahres die Zeiten festlegen muss, der Stundenplan aber eben erst später ansatzweise feststeht und dann noch mehrfach geändert wird.


    Ist das woanders denn wirklich besser geregelt?

  • "Einschulung des eigenen Kindes - geht vielleicht nicht, da man selber gerde zur gleichen Zeit in einer anderen Schule fremde Kinder einschult."


    Jawoll, ging einem Kollegen so. Sein eigener Sohn wurde an dem Tag an einer anderen Schule eingeschult:-(.



    Und ja, einen freien Kiga kann man für sein Kind fast gar nicht nehmen, da in einen Montessori-Kindergarten laut geschilderten Tagesablauf fröhlich die ersten Kinder ab 8 eintrudeln.


    Unserer Kiga öffnet 7:00. Meine Tochter war lange Zeit die erste, die gebracht wurde und die letzte, die 16:00 abgeholt wurde. Schnell redet sich frau bei solchem Vergleich ein, eine Rabenmutter zu sein. Auch wenn erst ab 19 Uhr wieder am Schreibtisch gearbeitet wurde.
    Wenn ich krank war, gehörte ich auch zu den 9Uhr Müttern, bei denen ich mich wunderte , woher sie sich auch noch die Zeit nehmen, anschließend ein Pläuschen vor dem Kiga zu halten und die lieben Kleinen pünktlich 15 Uhr wieder abzuholen?!


    Damit mich keiner falsch versteht, es ist ein toller Job, der mir Spaß macht, der gut bezahlt und sicher ist, aber alles ist eben auch nicht in Ordnung. Vor allem die ungesehene Mehrarbeit an den Wochenenden, die bisher regelmäßige Familienwochenenden unmöglich machen.

  • ich denke auch, dass ist kein problem speziell des lehrerberufes.
    eine freundin ist schriftsetzerin und arbeitet mit halber stelle. die haben zum glück die oma als "tagesmutter", ansonsten wäre das auch sehr schwierig. frühdienst ab 6,30 uhr, dann mal wieder spätdienste. überstunden sowieso, wenn eine kollegin krank wird, muss meine freundin halt jeden tag 2 stunden länger bleiben für die zeit - einen langen vorlauf nenne ich das auch nicht. bei termindruck wird dann auch gern mal für einen 9-stunden-tag verpflichtet...

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