Sind Lehrer Akademiker?

  • Ist "Herr Professor" oder "Frau Professor" in Österreich nicht einfach eine Anrede für Lehrer*innen an höheren Schulen (ohne, dass sie einen akademischen Grad haben - das hat Alias ja auch nicht behauptet)? Ich komme zwar nicht aus Österreich, meine aber, das schon häufiger gehört oder gelesen zu haben.

    Was sagen denn die österreichischen Forist*innen dazu?

    Wenn man als Lehrer den Master hat (alle Schulformen) und an einer höheren Schule arbeitet, darf man sich Herr Professor oder Frau Professor nennen lassen. Wer als Lehrer nur den Bachelor hat (oder sogar nicht einmal den), darf sich nicht so anreden lassen.

    Schüler sagen aber meistens zu mir: "Frau (Fräulein) Lehrerin" oder meinen Namen. Frau Professor sagen sie meistens nicht mehr. Kann sein, dass ich mich da irgendwie nicht angesprochen fühle 😉.

  • Schüler sagen aber meistens zu mir: "Frau (Fräulein) Lehrerin" oder meinen Namen. Frau Professor sagen sie meistens nicht mehr. Kann sein, dass ich mich da irgendwie nicht angesprochen fühle 😉.

    Die sagen mitunter "Fräulein"? Das finde ich süß und es gefällt mir. Nun nicht unbedingt für 60jährige, aber wenn man jung ist, finde ich das wirklich schön.

    In Deutschland wäre das eine ganz schlimme Beleidigung, da wir stets "Neusprech" berücksichtigen.


    Und zum Thema selbst: Natürlich sind wir Akademiker, sobald man eine Hochschule/Universität von innen gesehen hat und einen Abschluss hat. Ich habe als Abschlussarbeit eine Diplomarbeit zum Thema "Topologische Strukturen von Lie-Gruppen" geschrieben. Genügt so etwas nicht ?

    Für Conni: שמי מרים

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    Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord. (Einstein)

  • Mein Nachbar ist mit einer Spanierin verheiratet, wo die Lehrer "profesor" sind, und nennt mich immer Herr Professor. Da fühle ich mich immer ein bisschen gebauchpinselt. ;)

  • Das hat nichts mit "Neusprech" zu tun, sondern mit Respekt, den man erwachsenen Menschen geschlechtsunabhängig entgegenbringt. Würde schließlich auch niemand auf die Idee kommen einen jungen Mann mit "Herrlein" als verniedlichende Entwertung und Entmachtung anzusprechen. Ich wehre mich seit ich mit 12 das erste Mal als "Fräulein" angesprochen wurde (was bezeichnenderweise immer nur Männer machen) dagegen, weil ich das keineswegs witzig finde, wenn man mich qua Geschlecht klein halten möchte- was nunmal sprachlich beginnt bzw. sich dort besonders klar ausdrückt. Dieses Frauenbild brauchen wir nicht mehr.


    Und da das gar nicht das eigentliche Thema war: Mir ist es wirklich egal, ob jemand meint, dass ich qua Staatsexamen am Ende vielleicht nicht akademisch genug sein könnte. Ich habe zwei Studiengänge an Uni und PH mit vier Fächern abgeschlossen, habe dieselben Kurse und Scheine gemacht wie die Diplom- oder Magisterleute an der Uni und weiß, dass ich mich rein fachlich gesehen zurecht als Politikwissenschaftlerin bezeichnen darf. Wer anderes meint darf das gerne, muss mich aber ja nicht weiter tangieren.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

    Einmal editiert, zuletzt von CDL ()

  • Off-Topic: Als mich, als junge Lehrerin (22), 16jährige Schülerinnen mit "Frau ..." angesprochen haben, war das ein Riesenschock. Ich konnte nur noch denken: "Mist, jetzt bist du alt." :traenen:

    So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen.


    Nachtrag: Ich bin auf einmal "Fortgeschrittener". Was ist das denn?

    Müsste ich nicht "Fortgeschrittene", "Fortschreitende" oder "Voranschreitende" ... heißen?

    Für Conni: שמי מרים

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    Töten im Krieg ist nach meiner Auffassung um nichts besser als gewöhnlicher Mord. (Einstein)

  • Ja, in Frankreich fanden die Französinnen das im Regelfall auch eher skurill, weil sie die Begrifflichkeit ans Alter gekoppelt sahen, Respekt ist aber keine Frage des Alters und ob wir uns alt fühlen ist ja nur etwas in uns, nichts, was von der Außenwahrnehmung abhängig wäre. Manche sind mit Anfang 20 tatsächlich schon uralt und geistig völlig unbeweglich, andere mit über 80 noch jung im besten Sinne des Wortes. Ich ziehe es vor mich in der Altersfrage weder von Zahlen, noch von Bezeichnungen oder der Wahrnehmung meiner Person durch Dritte abhängig zu machen, sondern geistig so beweglich zu bleiben, dass ich hoffentlich noch sehr lange jung bleibe während ich gleichzeitig jedes Jahr und Lebensjahrzehnt als gestandene Frau genieße. Älter zu werden ist etwas wahnsinnig Schönes und Bereicherndes.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ich verstehe die Diskussion überhaupt nicht. Sicherlich ist ein Großteil der Lehrkräfte Akademiker, denn sie haben wenigstens einen Abschluss einer Hochschule erlangt. Dabei würde ich die Lehrkräfte für Fachpraxis nicht dazu zählen, denn diese haben keinen Hochschulabschluss.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Sicherlich ist ein Großteil der Lehrkräfte Akademiker, denn sie haben wenigstens einen Abschluss einer Hochschule erlangt.

    Das Staatsexamen ist per Definition kein akademischer Grad. Das ist erst mal nur eine Begriffsdefinition, die mir persönlich relativ egal ist (zumal ich mir sicher sein kann, dass ich einen akademischen Grad habe). Die Diskussion wäre für mich persönlich auf einer anderen Ebene spannend. Ich würde sie aber hier nicht führen wollen ;)

  • Ich habe nicht akademischer Grad gesagt, sondern Abschluss einer Hochschule. Mal davon abgesehen, gibt es durchaus Personen, die Akademikerstellen ohne Hochschulabschluss sehr gut ausfüllen können. Anders herum gibt es auch unfähige Personen mit mehreren Hochschulabschlüssen.


    Ich weiß auch, dass ich zwei akademische Grade habe, die sind mir allerdings nicht wirklich wichtig sind und ich binde diese auch niemandem auf die Nase (Signatur, Visitenkarten usw.).

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Mal kurz zu den Fächern: Oft höre ich vor allem von Personen, die das Lehramtsstudium abgebrochen haben, dass sie drei Fächer, nämlich A, B und Pädagogik studiert hätten. Als Seiteneinsteiger kenne ich Lehramtsstudiengänge nur flüchtig. Ist es wirklich so, dass man im gleichen Maße wie die beiden Fächer (die ja jeweils einem Einfach-Vollstudium entsprechen...) auch Pädagogik studiert?

    Ich hatte im Studium auch Prüfungen in Regelungstechnik oder Chemie, käme aber nie auf die Idee, mich als Regelungstechniker oder Chemiker zu bezeichnen...

  • Nein, man studiert logischerweise nicht die vollen Fachinhalte. Ich habe ein Diplom in Chemie und habe da mehr Veranstaltungen gemacht als die Lehrämtler.

    Pädagogik ist natürlich auch nur rudimentär, wobei auch das schon zu viel ist. Das ist einfach verschenkte Zeit. Wenn man wirklich etwas Fundiertes lernen sollte, dann müsste man Psychologie (oder speziell pädagogische Psychologie) statt Pädagogik ins Lehramtstudium integrieren.

    Pädagogik fürs Lehramtsstudium ist in etwa Heilsteinkunde fürs Medizinstudium.

  • ^^^ Kommt aufs Bundesland, die Studienordnung und das studierte Lehramt an. Ich habe an der PH Pädagogik im selben Umfang studiert wie beispielsweise Wirtschaftslehre, mein 3.Fach, was in meiner Studienordnung so auch völlig normal war. Im Vergleich zu einem reinen Pädagogikstudium war das in etwa der Umfang eines Bachelors, insofern gebe ich wenn es konkret werden muss ggf. an, dass ich Päd im Umfang eines Nebenfachs studiert habe, was eben auch der Umfang meines Wirtschaftsstudiums war (und an der PH auch der Umfang meines Politikstudiums, dass ich aber schon als vollwertiges Hauptfach an der Uni abgeschlossen hatte). Pädagogische Psychologie ist btw auch Teil des PH-Studiums. Fand ich jetzt eher so semi-spannend, mich hat Päd eindeutig mehr interessiert rein intellektuell, auch wenn ich für die Praxis mehr aus meiner beruflichen Tätigkeit gezogen habe, als aus dem Päd-Studium.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Also bei mir überwogen im Studium die (sonder)pädagogischen Inhalte und deren Bezugswissenschaften im Umfang deutlich die beiden studierten Fächer und Fachdidaktiken.

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