Was sollen Grundschüler können, die in Kl.5 kommen?

  • Zitat Anja82 :

    Zitat

    Wir in unserer Grundschule arbeiten im Gegenteil sehr darauf hin
    möglichst offen und eben nicht mehr frontal und 45 Minuten auf dem Platz
    sitzend.

    D.h., Eure Schüler sind so selbstdiszipliniert, auf die Sache konzentriert und insoweit sozialkompetent, dass sie nicht ablenken und sich nicht ablenken lassen, so dass sie inhaltlich effizient arbeiten. Ist das wirklich (!) so ?


    Nun ist es bei uns (!) Realität, dass selbst sehr engagierte Kolleginnen, die den Offenen Unterricht präferieren und sich wirklich dabei reinknien, in den Fünfern reihenweise scheitern, weil die Schüler dafür noch keine psychischen Voraussetzungen bringen.-Insofern hat auch der Psychiater Dr. Winterhoff dahingegehend Recht, dass die Offenen Unterrichtsformen konträr zu dem laufen, was die Schüler in diesem Alter für die psychische Entwicklung wirklich benötigen.


    Andere konservative Kollegen (merkwürdigerweise männliche Kollegen) und meine Wenigkeit schaffen es in lehrerzentrierter Weise Ruhe und Arbeitsdisziplin hinzubekommen, aber natürlich auch mit Anstrengung und Schweiß. Und wenn ich da noch Rückmeldungen von Fünftklässlern und ihren Eltern bekomme, dass ihnen mein Unterricht gefällt, liegen wir konservativen und lehrerzentrierten Kollegen da gar nicht so falsch. Wie ich schon in anderen Beiträgen geäußert habe, lasse ich mich nicht von den Offenen Unterrichtsformen beeindrucken.


    Nochmal zurück zum Thema : Selbstverständlich erwarte ich von einem Fünftklässler, dass er 45 Minuten, was keine lange Zeit ist, stillsitzen und sich auf den Unterricht konzentrieren kann. Es geht auch, wenn man darauf besteht ! Auch mit lehrerzentriertem Unterricht und stellenweise ausschließlichem Frontalunterricht, wenn man ihn beherrscht, kann man Schüler für Inhalte motivieren und sie zum Arbeiten bewegen. 8)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

  • Auch wenn ich Kuschlerin durchaus Recht geben kann, muss ich den beiden ehrenwerten Lehrern "alter Schule" (und euch anderen natürlich) meinen Kommentar zumuten. 8)


    Sicher müssen Fünftklässler auch schon mal 45 Minuten stillsitzen können. Aber die lieben Kleinen sind Individuen und nicht alle können zur selben Zeit konzentriert und "still" dem Unterricht folgen und arbeiten. Und nicht alle können zur selben Zeit konzentriert und sachgerecht in offenen Unterrichtsformen arbeiten. So ist das nun mal. Und wenn du, lieber Elternschreck, hier behauptest, es zu schaffen, alle 26-36 Schüler einer Klasse bei "lehrerzentriertem Unterricht und stellenweise ausschließlichem Frontalunterricht" "für Inhalte motivieren und zum Arbeiten bewegen" kannst, dann nehme ich dir das nicht ab. Das schafft man mit keiner Unterrichtsform, natürlich auch nicht mit einer offenen. Alle machen nie mit! Bei offenen Unterrichtsformen gibt es die Ausweicher, die immer die einfachsten Aufgaben nehmen und trotzdem nicht von der Stelle kommen, oder aber die lauten Störer, die keine Lust haben, irgendetwas zu machen. Bei deinem so geschätzten Frontalunterricht mag es vielleicht ruhiger sein. Aber aus eigener (nicht nur Lehrer- sondern auch Schüler-) Erfahrung weiß man doch, dass die Stille daher kommt, dass es sich vortrefflich schlafen lässt, wenn der Lehrer seine Aufmerksamkeit nur auf sein eigenes Zentrum und Ego richtet.


    Die Mischung macht es, und damit fahre ich gut. Wenn die Fünftklässler kommen, nehmen wir sie wirklich so, wie sie halt sind. (Abholen müssen wir sie nicht, sie kommen von selbst.) Und wenn man sie richtig anfasst, können sie alles. Nur eben nicht zur selben Zeit. Und bis jetzt wäre ich nicht auf den Gedanken gekommen, dass die Grundschulen uns zuarbeiten müssen. Sie arbeiten für die Kinder, und nicht für die erzkonservativen Pauker an Gymnasien, die gern lauter kleine, vernünftige Erwachsene schon in Klasse 5 fertig geliefert bekämen.

    Religion, eine mittelalterliche Form der Unvernunft, wird, wenn sie mit modernen Waffen kombiniert wird, zu einer echten Gefahr unserer Freiheiten. (Salman Rushdie)


  • + 1


    Das hab ich auch gedacht. Ansonsten setze ich mich weiterhin auf meine Hände, weil ich mich in den Ferien nicht aufregen möchte und hier mal wieder das in letzter Zeit übliche Kasperlteheater aufgeführt wird - bestimmte User sind dafür immer gut. Möchte da auch Chili zustimmen: nicht alles so ernst nehmen!


    Weiterhin schöne Ferien! ;)

    Das stimmt m.E. zur Hälfte, aber ich denke, weder können die Grundschullehrer sagen "Wir ignorieren die anderen Gegebenheiten an der weiterführenden Schule" noch können die Sek I-Lehrer sagen: "Wir ignorieren die Realität an der Grundschule". Wenn die 13er uns verlassen, dann weiß ich auch, dass sie oft an der Uni erschrecken, wie eigenständig sie plötzlich sein müssen. Ich bemühe mich deshalb, auch rechtzeitig auf mehr Eigenständigkeit vorzubereiten und nicht alles zu akzeptieren und zu entschuldigen ("Wenn der X aber die Materialien mitgenommen hat, dann konnte ich ja nichts machen", "Der Y [der im Übrigen ständig die HA nicht hat] hat mir nicht gesagt, dass es Hausaufgaben gab") und ihnen nicht alles hinterherzutragen. Das sehe ich als Teil meiner Aufgabe an.


  • + 1


    Das hab ich auch gedacht. Ansonsten setze ich mich weiterhin auf meine Hände, weil ich mich in den Ferien nicht aufregen möchte und hier mal wieder das in letzter Zeit übliche Kasperlteheater aufgeführt wird - bestimmte User sind dafür immer gut. Möchte da auch Chili zustimmen: nicht alles so ernst nehmen!


    Weiterhin schöne Ferien! ;)

    Das stimmt m.E. zur Hälfte, aber ich denke, weder können die Grundschullehrer sagen "Wir ignorieren die anderen Gegebenheiten an der weiterführenden Schule" noch können die Sek I-Lehrer sagen: "Wir ignorieren die Realität an der Grundschule". Wenn die 13er uns verlassen, dann weiß ich auch, dass sie oft an der Uni erschrecken, wie eigenständig sie plötzlich sein müssen. Ich bemühe mich deshalb, auch rechtzeitig auf mehr Eigenständigkeit vorzubereiten und nicht alles zu akzeptieren und zu entschuldigen ("Wenn der X aber die Materialien mitgenommen hat, dann konnte ich ja nichts machen", "Der Y [der im Übrigen ständig die HA nicht hat] hat mir nicht gesagt, dass es Hausaufgaben gab") und ihnen nicht alles hinterherzutragen. Das sehe ich als Teil meiner Aufgabe an.

  • Zurück zum Ursprung: Viele haben hier schon sinnvolles genannt. Insgesamt glaube ich kann man aber sagen, dass die Grundschüler weitgehend 'gut' ankommen und die Unterschiede, die sich allein schon durch die veränderten räumlichen Strukturen ergeben (unsere Räume sind glaube ich ca. halb so groß wie die an der Grundschule oder zumindest deutlich kleiner), die kann man ihnen auch dann zügig vermitteln.

  • Kleiner Frosch, das sehe ich anders. Ich denke, dass nicht nur ich auf den Fingern saß... Das Verschieben gefällt mir an dieser Stelle auch nicht wirklich, weil diese Diskussion ganz klar dazugehört. Aber seis drum.


    Mich ärgern die Pauschalisierungen, die bei diesem Thema immer wieder gemacht werden. Es hört sich so an (und ist wohl auch so gemeint), als könnten Grundschüler nichts von den geforderten Dingen. Wenn ich schon lese, dass Grundschullehrer die Kinder doch bitte mal den Stift frei aussuchen lassen sollen, fällt mir nichts mehr ein. Meint ihr wirklich, wir schreiben den Kindern immer vor, welchen Stift sie zu nehmen haben? Ich jedenfalls nicht und meine Kolleginnen an der Schule auch eher nicht! Trotzdem fragen die Kinder immer und immer wieder, mit welchem Stift sie denn schreiben / malen sollen. Das zieht sich durchaus bis in die Sek 1, wie ich von befreundeten Lehrern dieser Schulstufe weiß - nur käme von denen niemand auf die Idee, die Schuld dafür bei den Grundschullehrern zu suchen.
    Das ruhige auf dem Platz Sitzen trainieren wir 4 Jahre lang. Trotzdem gibt es Kinder, die es auch in Klasse 5 noch nicht können! Ist sicher auch die Grundschullehrerin für verantwortlich. Man weiß das ja (irgendwie): die dürfen alle ständig rumlaufen, immer essen und trinken, ständig auf die Toilette, ans Pult kommen, reinrufen, was noch?


    Ich schlage allen, die so denken, mal ein kleines Praktikum in der Grundschule vor! Vielleicht zuerst eins in Klasse 1 und dann eins in Klasse 4. Dann kann man vergleichen, was die Kinder in den 4 Grundschuljahren wirklich gelernt haben! Und wenn sie nach Klasse 4 irgendwas immer noch nicht können, liegt das nicht immer an der mangelnden Vorbereitung duch die Grundschullehrerin.

    Für mich gibt es wichtigeres im Leben als die Schule.


    (Mark Twain)


    Auf dem Weg zur Weltherrschaft! :teufel:

  • Wenn ich schon lese, dass Grundschullehrer die Kinder doch bitte mal den Stift frei aussuchen lassen sollen, fällt mir nichts mehr ein. Meint ihr wirklich, wir schreiben den Kindern immer vor, welchen Stift sie zu nehmen haben? Ich jedenfalls nicht und meine Kolleginnen an der Schule auch eher nicht! Trotzdem fragen die Kinder immer und immer wieder, mit welchem Stift sie denn schreiben / malen sollen. Das zieht sich durchaus bis in die Sek 1, wie ich von befreundeten Lehrern dieser Schulstufe weiß - nur käme von denen niemand auf die Idee, die Schuld dafür bei den Grundschullehrern zu suchen.

    Sehr geehrte Melosine, dann bist Du doch gar nicht gemeint mit der Kritik, dass die Stifte vorgeschrieben werden! Dann machst Du das doch goldrichtig. Anscheinend gibt es aber durchaus Kollegen, bei denen das so gehandhabt wird. An die richtet sich dann die Kritik. Wobei ein Farbsystem in meinen Augen durchaus Sinn macht, wobei ich eben wert darauf legen würde, dass die Schüler kapieren, dass es nicht um die Farbe an sich geht (rot ist immer xy!!!) sondern, dass sie das System verstehen (Ich nehme mir irgendeine Farbe und ordne die xy zu, damit ich xy immer anhand dieser Farbe erkenne. Welche Farbe das dann ist, ist nicht der Kern dessen, warum ich das mache).


    Im Übrigen sehe ich da beim Umlernen das geringste Problem, ich würde den Schülern am Gymnasium halt einfach in einem Satz sagen: "Such Dir die Farbe zum Unterstreichen raus, die für Dich am sinnvollsten zum Lernen ist. Du bist alt genug Dir selber ein System mit den Farben zu überlegen."
    Dann kann man vllt noch darauf hinweisen, dass es in einer Arbeit eben Korrekurfarben gibt, die nicht verwendet werden sollen von Schülern und dann ist es gegessen.


    Genauso der Punkt mit dem "Heft" oder "Ordner". Ich sage denen halt immer gleich: "Leute, ich stelle Euch das frei. Ich verteile oft Arbeitsblätter, die sich praktisch einheften lassen. Wer trotzdem ein Heft sverwenden möchte, kann das aber trotzdem gerne tun". Zack, fertig, kaum ne Minute verschwendet.



    Ich schlage allen, die so denken, mal ein kleines Praktikum in der Grundschule vor! Vielleicht zuerst eins in Klasse 1 und dann eins in Klasse 4. Dann kann man vergleichen, was die Kinder in den 4 Grundschuljahren wirklich gelernt haben! Und wenn sie nach Klasse 4 irgendwas immer noch nicht können, liegt das nicht immer an der mangelnden Vorbereitung duch die Grundschullehrerin.

    Ja, die Fortschritt ist natürlich enorm. Und natürlich sind auch die Gründe für eine eventuelle mangelnde Vorbereitung sehr sehr vielfältig:
    Manchmal geht es einfach nicht anders, manchmal weiß eine Primarstufenlehrkraft auch vielleicht gar nicht, dass die Schüler diese Kompetenzen später am Gymnasium (etc.) brauchen, manchmal findet die Primarlehrkraft aus dem pädagogischen Verständnis heraus diese Kompetenzen unnötig und findet anderes wichtiger.
    Und genau dazu ist der Thread ja da. Um herauszufinden, was ist an der weiterführenden Schule nötig, was will und kann die Grundschule leisten und wo sind die Grenzen der Umsetzbarkeit.

  • @ Silicium:


    Meine Wünsche an Schüler bzw. ihr Verhalten nach der Grundschule:
    - wenn man etwas möchte, melden und warten bis man dran ist ... nicht zum Lehrerpult kommen
    - auf ein "Guten Morgen" des Lehrers ein ganz normales "Guten Morgen" zurück ... oder anders gesagt: bestimmte Grundregeln der Höflichkeit einhalten
    - Sozialverhalten: mittlerweile sind alle Klasslehrer der 5. Klassen bei uns (Gymnasium) über eine Woche beschäftigt, den SuS (mit Hilfe von Beratungslehrern, Schulpsychologen usw) die Grundregeln einer Gemeinschaft beizubringen (Ich lasse den anderen ausreden, ich beleidige niemanden, ich rufe nicht dazwischen, ich ärgere meine Mitschüler nicht etc etc)
    - ein Mindestmaß an "Ich kann mich selbst organisieren": Hausaufgaben zuverlässig in das Hausaufgabenheft schreiben, Bücher dabei haben (ok, jetzt sind wir eher bei den Fähigkeiten als beim Verhalten)


    und weil wir bei Fähigkeiten sind: Grundregeln der dt. Sprache - es bringt mir nichts, wenn das Kind auf Englisch bis zehn zählen kann, aber nicht weiß, wie man in einem Satz das Subjekt und das Objekt erkennt ... bzw. von Satzzeichen und Groß- und Kleinschreibung noch nie etwas gehört hat.


    Meine Wünsche an die Eltern:
    - Mikael hat es schon angesprochen: Es wäre schön, wenn die Eltern die Schule darin unterstützen würden, den Kindern zu zeigen, dass eine gewisse Leistungsbereitschaft auch dazu gehört (wie schnell werden bessere Klassenkameraden als "Streber" abgetan, schlechte Leistungen des Kindes mit "unfähiger Lehrer" bzw. "unfaire Schulaufgabe" erklärt oder sogar mit dem Satz "eine vier reicht doch" verharmlost. Natürlich reicht eine vier ... aber in jedem Fach in der 6. Klasse? Das eigene Kind wird auf einen Sockel gestellt und ist über jeden Zweifel erhaben, eher lügt der Lehrer, als das eigene Kind.)
    - etwas mehr Vertrauen also in die Kompetenz der Lehrer und etwas mehr kritisches Augenmerk auf die eignen Kinder
    - die Schule nicht als "Kinderaufbewahrungsanstalt" sehen (soll ich das länger ausführen? Würde dauern ...)


    Sind Wünsche ... träumen darf man ...

  • So, nachdem ich eben am iPad auf der Autobahnraststätte versucht habe, ein wenig Ordnung in diesen Thread zu bringen, habe ich nun mein "Werk" fortgesetzt.
    Ich denke, die mehr oder weniger zielführenden Diskussionsbeiträge zum Thema sind jetzt noch hör drin. Die anderen Kommentare, die nicht wirklich zum Thema passen, lasse ich in dem Meta-Thread liegen. (Dort geht es primär um Silicium, der ja angeblich diesen Thread gekapert hatte.)


    Viel Spaß weiterhin.


    kleiner gruener Frosch, moderator

    Man sollte darauf achten, seinen Kindern den richtigen Glauben zu vermitteln. ... Den an sich selbst.
    ----
    "Angst ist ein unfähiger Lehrer." Jean-Luc Picard

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    "Urteile nie über einen Moderator dieses Forums, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist." (frei nach Firelilly)

  • Hawkeye,


    a) sehe ich (fast) absolut genau so.


    b) "Solche Schüler kenne ich nicht ... meine Schüler grüßen mich (nicht ausnahmslos": Das ist Deine Erfahrung ... wenn nun andere Lehrer andere Erfahrungen haben, pauschalisieren sie? Ist nicht jeder Beitrag so zu verstehen, dass es sich dabei um die Erfahrungen bzw. die Wünsche der jeweiligen Individuen handelt? Hat irgendjemand hier für sich in Anspruch genommen, für alle Kinder, für alle Schulen, für alle Lehrer zu sprechen? Wenn jemand zustimmt, dann evtl. auch, weil er ähnliche Erfahrungen hat?


    Aber in einem Punkt hast Du Recht: Ich hätte darauf hinweisen sollen, dass ein beträchtlicher Teil meiner SuS und ein (etwas weniger) beträchtlicher Teil der Eltern meinen "Wünschen" schon entspricht bzw. ihnen nahe kommt ... dass ich dazu tendiere, den Verhaltensweisen, die mir nicht gefallen, mehr Beachtung zu schenken bzw. sie länger im Gedächtnis zu behalten, ist eine Schwäche von mir ... und von daher kann es wohl so wirken, als wären alle meine Schüler unhöflich etc ... sollte es nicht. Dennoch bleibt der Wunsch (und ich weiß auch, dass Wünsche nicht immer realistisch sind), dass die Grundschulen da teilweise etwas mehr gegensteuern könnten.

  • Grundregeln der dt. Sprache - es bringt mir nichts, wenn das Kind auf Englisch bis zehn zählen kann, aber nicht weiß, wie man in einem Satz das Subjekt und das Objekt erkennt ... bzw. von Satzzeichen und Groß- und Kleinschreibung noch nie etwas gehört hat.


    Das solltest du umformulieren in "Sie behaupten, noch nie etwas davon gehört zu haben." Ich bin laut Lehrplan verpflichtet, den Sus in der Grundschule die von dir angesprochenen Dinge beizubringen (momentan sind wir gerade beim Dativ- und Akkusativobjekt in der 4. Klasse), aber es gibt nunmal immer Kinder, die davon noch nie etwas gehört haben, wenn man sie dann in der 5. vor sich sitzen hat. In meiner Klasse sind zwei Jungen, die mich immer wieder groß und überrascht anschauen, wenn ich ihnen sage, dass man Satzanfänge groß schreibt. Oder dann gibt es da das Mädel, dass mir ein Adjektiv nennen soll und "Baum" sagt. Was inhaltlich unterrichtet werden muss, daran wird sich jede Lehrkraft wohl halten (müssen), auch wenn es der persönlichen Überzeugung nicht entspricht. Wie Mikale schon sagte, muss ich es tun, weil mein Dienstherr es mir vorschreibt. Also sollten alle SuS auch das können, was der Lehrplan vorgibt. Theoretisch wohlgemerkt.


    Darüber hinaus kann ich mich nur Haweye anschließen. Meine Schüler grüßen mich. Freiwillig. Sie fragen, wie's mir geht, sagen "Bitte" und "Danke" und fragen ob sie mir etwas abnehmen können, wenn ich vollgepackt im die Ecke flitze. Sie sind keine Genies aber auch keine Dummköpfe, wissen wie man sich durchwurschtelt. Computer können sie besser als ich bedienen und sie sind in der Lage ein "ganz reales" Buch in der Bücherhalle (Bücherei) auszuleihen. Ein Junge kann dir erklären, was eine Kernschmelze ist, fragt aber wegen jedem Pups nach. Sie setzen sich durch, wenn der Busfahrer sie über's Ohr hauen will und ihnen zu wenig Wechselgeld gibt (das geht hin bis zum Aufschreiben der Busnummer und dem selbstständigen Anrufen beim Busunternehmen).
    Sprich: Sie sind ganz normal und das ist auch gut so. :rolleyes:

  • Habe mal drei Beiträge (von deadpoet und Siobhan) aus Elternschrecks Thread hier rüberkopiert.


    kleiner gruener Frosch

    Man sollte darauf achten, seinen Kindern den richtigen Glauben zu vermitteln. ... Den an sich selbst.
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    "Urteile nie über einen Moderator dieses Forums, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist." (frei nach Firelilly)

  • Zitat Melosine :

    Zitat

    Das ruhige auf dem Platz Sitzen trainieren wir 4 Jahre lang. Trotzdem
    gibt es Kinder, die es auch in Klasse 5 noch nicht können! Ist sicher
    auch die Grundschullehrerin für verantwortlich.

    Dann macht Ihr ja Euren Job sehr gut und genauso, wie wir uns das vorstellen ! Dass dann immer noch nicht alle Kinder stillsitzen können, ist dann ja nicht mehr Euer Bier und seid dafür nicht mehr verantwortlich zu machen. Aber leide kenne ich Grundschulkolleginnen, die erst gar nicht anfangen das zu trainieren. 8)

    Ihr kommuniziert mit dem künftigen Bildungsminister !

  • Ich würde mir wünschen, dass sich alle die Schuhe in der 5. Klasse binden können.
    Es ist für die entsprechenden Kinder immer ziemlich peinlich, wenn sie uns Lehrer oder
    ihre Mitschüler um Hilfe bitten müssen ;)

  • Ich würde mir wünschen, dass sich alle die Schuhe in der 5. Klasse binden können.
    Es ist für die entsprechenden Kinder immer ziemlich peinlich, wenn sie uns Lehrer oder
    ihre Mitschüler um Hilfe bitten müssen ;)

    Für so einen "Mist" sind jetzt aber nicht die Grundschullehrer zuständig!! Das ist Aufgabe der Eltern! Die Grundschullehrer können jetzt aber nicht einmal das komplette Lern- und Erziehungsprogramm 'Waschen, Schneiden, Färben, Föhnen' machen. Wenn ein Kind das in der 5. Klasse noch nicht kann, dann haben die Eltern aber ganz schön gepennt. Ich finde es schon heftig, wenn einige Kinder in die Schule kommen und noch nicht trocken sind und die Lehrer sie dann umziehen müssen.

  • Schuhe binden = Aufgabe im Kindergarten zu lernen (da stöhne ich als Erstklass-Lehrerin schon, wenn sie es nicht können)

  • Klar ist das Sache des Kindergartens. An meiner Ausbildungsschule wurde in Kl. 1 noch geübt.
    Aber als Klassenlehrerin einer 5. komme ich mir schon ziemlich verschaukelt vor, wenn die Kids das
    noch immer nicht können.

  • Dies

    - Heft führen (Datum, Überschrift)
    - Führen eines Schnellhefters
    - Beherrschen der schriftlichen Grundrechenarten
    - gute Rechtschreibung
    - mit Wörterbuch umgehen

    und das

    45 Minuten auf dem Platz sitzen bleiben ohne ständig aufs Klo zu rennen, zum Müll usw. (ganz banal - wird aber immer wieder vergessen)
    im Unterricht nicht Essen oder einfach aufstehen
    bei Krankheit sich selbstständig über den verpassten Unterrichtsstoff informieren
    Plakat gestalten (in Ansätzen)
    ein Referat/Vortrag halten (auch in Ansätzen)
    Methoden wie Partner- und Gruppenarbeit

    klingt nach Dingen, über die wir uns auch freuen, wenn die Schüler das beherrschten, wenn sie von der Sek I zu uns (Berufskolleg, also Sek II) wechselten. In vielen Fällen ist da zappenduster.


    Heft, Hefter etc. Ist uncool, statt dessen haben die Schüler so genannte "Ordner" -- müssten eigentlich "Unordner" heißen. Loseblattsammlungen, von denen zweimal die Hälfte nicht eingeheftet wird.


    Gerechnet wird grundsätzlich nur mit dem Taschenrechner, selbst Allereinfachstes wie Addition im Zahlenraum bis 10. Und was die Rechtschreibung anbetrifft, so möchte ich diese noch um Grammatik Satzbau und Zeichensetzung ergänzen. Alles weitgehend unbekannt.


    Alles, was ich an Methoden verwende möchte, führe ich auch ein. Da ist meist nicht vorhanden.


    Ich weiß, dass die Sek-I-Kollegen all so etwas unterrichtet haben. Hängen bleibt meist wenig.

    1. Nicht geduzt werden.

    Wird schwierig für Fünftklässler. Er kann ja wohl kaum entscheiden, ob er geduzt wird.


    L. A

  • Ich sehs wie L.A. - was ich an Kompetenzen haben will, führ ich ein. Oder freu mich halt, wenn's schon da ist.
    Das mit dem Erwarten, das find ich ohnehin schwierig. Man wird dann enttäuscht. Und Schuldzuweisungen sind ebenso schwierig. Mal liegts am Lehrer, mal am Stadtviertel, mal an den eigenen Erwartungen (absurd), mal an den Kindern, den Eltern, dem Schulklima, dem Wetter, ... mal an allem zusammen. Die GS - Kolleginnen, die ich kenne, machen saugute Arbeit. Und die Kinder können trotzdem nicht all das abrufen, was sie beigebracht bekommen haben. So what. Mach ichs halt nochmal, nochmal neu, ganz neu, wieder und wieder....

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

  • Ich sehs wie L.A. - was ich an Kompetenzen haben will, führ ich ein. Oder freu mich halt, wenn's schon da ist.


    Das mit dem Erwarten, das find ich ohnehin schwierig. Man wird dann enttäuscht. Und Schuldzuweisungen sind ebenso schwierig. Mal liegts am Lehrer, mal am Stadtviertel, mal an den eigenen Erwartungen (absurd), mal an den Kindern, den Eltern, dem Schulklima, dem Wetter

    Ja, stimmt, das mit den Schuldzuweisungen ist schwierig und veranwortlich machen kann man keinen konkret echt keinen. Das wäre auch nicht fair und ausserdem sehr unkollegial.
    Das nimmt mir ehrlich gesagt ordentlich Druck *freu*. Ich hatte schon fast die Befürchtung, ich müsste Rechenschaft darüber ablegen, falls meine Schüler besonders schlechte Abiturklausuren hinlegen oder die Klasse, die ich nach 2 Jahren dem Kollegen übergebe, nicht seinen Erwartungen entspricht.


    Zitat

    Mach ichs halt nochmal, nochmal neu, ganz neu, wieder und wieder....


    Und ich hatte schon befürchtet, dass ich ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich Kompetenzen, die für die Klassenstufe vorgesehen sind, nicht vermittelt bekomme in den 2 Jahren, die ich die Klasse habe. Halb so wild, kann ja auch einfach der Nachfolger nochmal einführen, falls er meint, er bräuchte gewisse Kompetenzen um ordentlich mit den Schülern weiterarbeiten zu können.
    Sie vergessen ja auch sehr viel, die Schüler.

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