Arbeitsunwilliger Mathe Grundkurs 8

  • Leider sind an beruflichen Schulen auch nicht immer nur Schüler, die wissen, wie sie da hingeraten sind.


    Und leider auch im technischen Bereich viel zu viele, die Mathe hassen, "nicht können", und die auch nichts wissen. Die fragen Dinge wie "Wozu braucht man Bruchrechnung" oder "Warum muss man binomische Formeln lernen". Oder die mir sagen, dass sie das alles nicht die Bohne interessiert. Und "Hääää???" höre ich auch sehr oft.


    Von daher müsste ich eigentlich die Methode der Kollegin begrüßen, nur mit den Lernwilligen zu arbeiten. Dann würden hoffentlich nur diese bei uns aufschlagen und nicht viel zu viele mit weichgespülten Noten, die sich dann wundern, dass man eben doch irgendwann mal was tun muss.


    Aber ich fürchte, das wäre auch nicht mein Weg. Das ist ein sehr grundsätzliches Problem. Wir haben Schulpflicht, aber zum Denken kann man niemanden zwingen, und manche tun sich damit auch sehr schwer, die sind ja nicht nur unwillig. Andererseits ist es unsere Aufgabe, denen, die lernen wollen, das auch zu ermöglichen. Das wird aber verhindert, wenn man immer solche Querschläger hat. Schüler, die nicht arbeiten wollen, müssten wenigstens schweigen.

  • Liebe Piksieben,


    ich oute mich jetzt mal als mathematisches Untier - ich habe Mathe nie verstanden, es hat mich auch lange Zeit nicht interessiert. Für mich waren das immer böhmische Dörfer. Frag nicht, wie ich mein Abi ohne Mathekenntnisse geschafft habe - es ging aber irgendwie.
    Erst im Beruf hatte ich dann mit Mathe zu tun - und siehe - es ging, es hat mich interessiert und ich hab mich dahintergeklemmt.


    Heute schaue ich meinen Kindern über die Schulter und langsam fängt die Mittelstufenmathematik an, Gestalt anzunehmen. Und jetzt laufen mir Probleme der Kinder über den Weg. Was ist die kleinstmögliche Variante von gerundeten 3,52 mit drei stellen hinterm Komma? da fange ich an zu knobeln. Du lachst mich sicher dafür aus und hältst mich für dumm.


    Du verzeihst also, dass ich volles Verständnis für Schüler aufbringe, die sagen, dass sie Mathe nicht können.


    Ich bemühe mich übrigens auch um das gleiche Verständnis für Schüler, die sich mit Deutsch schwertun - auch, wenn mir das alles ganz klar ist.
    Es ist als Fachmann nicht leicht, die Probleme der Schüler zu verstehen - aber das ist unser Job als Pädagoge.


    Ich habe neulich eine Förderstunde mit einem Mathekollegen gegeben - er ist ein guter Lehrer, hat aber mit so vielen Fachbegriffen und Geschwafel erklärt, dass ich Nichts verstanden habe, geschweige denn der Schüler, der gefragt hatte.
    Ich plädiere für ein sehr tiefes Herunterbrechen der Probleme, besonders in Grund- und Hauptschulen, wenn schon viel verpasst wurde. Übrigens in allen Fächern.

  • Ich glaube das "nicht verstehen" oft nicht.
    Heute: Für eine Aufgabe brauchte man die Flcähenberechnung eines Parallelogramms.
    (Wie machen seit einer Woche nichts anderes!) "Hääääää"
    Ok, wenn du die Formel nicht weißt: Buch Seite xy, da steht sie.


    "versteh das nich"


    Fläche eines Rechtecks können sie auch nicht.
    Gestern musste ich erklären, wie man schriftlich multipliziert. (Ja, Klasse 8)
    Hatte ich erst letzte Woche getan. Sie sind auch empört, dass sie das machen sollen.


    Hausaufgaben werden nicht gemacht. Auch Miniaufagben, mit Aufwand von 2 Minuten nicht.


    Ich erkläre Sachen auch 3247865578 Mal. Meine 7. ist auch sehr schwach. Was die heute können, ist morgen wieder weg. Aber die bemühen sich zumindest.


    Mir geht dieser 8er Kurs immer mehr auf die Nerven. Die finden es cool, nichts zu können.
    Gute Noten hätten sie sogar gern. Aber halt ohne was dafür zu tun. An den schlechten Noten sind ja auch die Lehrer schuld...

  • Die finden es cool, nichts zu können.
    Gute Noten hätten sie sogar gern. Aber halt ohne was dafür zu tun.


    Das hört sich für mich nach einem guten Startpunkt an.


    Beispiel: Ich erkläre die Konjunktivbildung. So lange, bis es der Letzte kapiert hat und mir erklären kann;
    und dann schreibe ich einen Test - mit dem Vorgehensangaben an der Tafel. Sichtbar.


    Sie müssen nur noch umsetzen, das gerade Verstandene anwenden. Und dann gehen Schüler mit einer 2 da raus und sind glücklich und sagen - jetzt habe ich das mit dem Konjunktiv verstanden. Die Einstellung ist dann eine andere, dieses Gefühl "ich kann das". Darauf kann man aufbauen.


    Dass du genervt bist, kann ich gut verstehen. Das bin ich auch oft.

  • Was sind denn Vorgehensangaben an der Tafel?


    Wie schon geschrieben. Schüler in der 8. Klasse beherrschen das 1×1 nicht. Jetzt soll ich den normalen Unterricht so lange aussetzen, bis es auch der Letzte verstanden hat?
    Die Abschlussprüfung ein Jahr später interessiert mich dabei nicht?
    Und wenn sie dann irgendwann das 1×1 können, mache ich das bei Prozentrechnung genauso?
    Tut mir leid, aber das kann so nicht funktionieren.

  • ich oute mich jetzt mal als mathematisches Untier - ich habe Mathe nie verstanden, es hat mich auch lange Zeit nicht interessiert.

    Du outest Dich eben nicht, als Mathe-nicht-Checkerin, sondern als an-Mathe-nicht-interessiert-Gewesene ;)


    Ich kann irgendwie beide Seiten verstehen, die hier argumentieren. Ich durfte mich schon von einem Kollegen auslachen lassen, weil ich Glasmurmeln und Tischtennisbälle mit einer Klasse gewogen habe, die partout nicht verstehen wollte, wie man den Massenanteil eines Elements aus der Verhältnisformel einer Verbindung errechnet. In der Prüfung haben sie's dann gekonnt ... ;) Auf der anderen Seite macht es mich auch wirklich fuchsig, wenn Schüler einen auf doof machen und schlichtweg keinen Bock haben, was zu lernen. Das gibt es und es macht mich fuchsig. Da kann ich echt eklig werden. Also nett eklig natürlich. ;)




    Erst im Beruf hatte ich dann mit Mathe zu tun - und siehe - es ging, es hat mich interessiert und ich hab mich dahintergeklemmt.

    Ja siehst Du, das ist genau die Schwierigkeit. Wie willst Du Deinen Schülern ernsthaft und glaubhaft vermitteln, dass sie Mathe für den Beruf brauchen? Sie brauchen es nicht. Ich habe Chemie- und Pharmatechnologen an der Berufsschule unterrichtet, die arbeiten im Betrieb streng nach ihren SOPs. Mit Denken ist da nix. Keiner von denen wird im Betrieb jemals irgendwas ausrechnen. Dafür gibt es schreibgeschützte Excel-Sheets. Ich finde das ehrlich ganz arg furchtbar, aber so ist es nun mal.


    Bei meinen Schäfchen am Gym kommt es spätestens in der Projektarbeit an. Was glaubst Du, wie toll die auf einmal Dreisatz rechnen können, wenn Sie aus ihren Absorbanzwerten auf einmal Milligramm Eisengehalt pro 100 g Spinat z. B. machen sollen. Die Arbeit geht einfach nicht weiter, wenn sie das nicht auf die Reihe bekommen und ich stelle mich einfach ganz gelassen daneben und erkläre ihnen rotzfrech - ihre Arbeit, nicht meine, ICH muss das jetzt nicht rechnen.


    Dieses "das braucht man für den Beruf" bringt meines Erachtens einfach nichts. Man kriegt sie über die persönliche Beziehung, man kriegt sie über irgendeine Art von Wettbewerb indem man im Unterricht kleine Spiele spielt, man kriegt sie über ihren Stolz ... oder eben auch nicht. Dass man irgendwas fürs Leben später braucht, glauben die einem einfach nicht. Steht doch alles bei Tante Google.


    Ach ... NEIN, ich bin KEIN Defätist!

  • an den beruflichen Schulen ist es sehr wohl so, dass viele Schüler wissen, wofür sie arbeiten oder sie kommen im Laufe der Ausbildung dahinter.
    Für die Ausbildung bekommen sie ja auch Geld, das motiviert viele, und dass es das Echte ist (wie meine Schüler sagen würden), auch.
    Das macht uns Beruflern das Leben auch oft viel leichter als den Kollegen an den allgemeinbildenden Schulen (wenn es auch Bereiche gibt, die unangenehmer sind, zum Beispiel
    die ständige Prüferei).

    Ach, das ist auch nur ein Gerücht. Nach 10 Jahren an der Berufsschule (vor meiner Versetzung ans Gymnasium) kann ich das nicht bestätigen. Ich hatte mal eine Klasse mit Elektronikern für Betriebstechnik im 2. Lehrjahr und sollte mit denen Englisch für Elektrotechnik machen. Die Klasse bestand aus 28 jungen Männern und der Klassenraum hatte nur einen Mittelgang. Nach 20 min Unterricht in meiner allerersten Stunde sagte ein Schüler zu mir. "Frau XY, Sie brauchen sich gar keine Mühe mit denen auf der anderen Seite geben. Die machen sowieso nicht mit. Deswegen haben wir uns schon so gesetzt: hier sitzen die Motivierten und dort drüben die Loser. Wir kennen die schon seit vorigen Lehrjahr und jeder Lehrer hat sich bisher vergeblich die Zähne ausgebissen, die Loser zu motivieren." Tja....und so war es dann auch: Egal was und egal wie ich es machte, die Motivierten machten immer mit und die "Unmotivierten" habe ich gar nicht erreicht.
    Allerdings konnte mir keiner die Frage beantworten: Wieso so hatten die Loser einen Ausbildungsplatz???

  • Ich will mich hier wirklich nicht als Weltverbesserer aufspielen und natürlich habe ich auch Schüler, die ich trotz aller Bemühungen nicht erreiche.


    Aber:


    Im geschilderten Fall, marie, (solche Klassen habe ich auch)


    - hätte ich die Klasse in Absprache mit der Klassenkonferenz zunächst einmal umgesetzt.
    - persönliche Gespräche geführt.
    - unwillige Personen während der Stunde in den Betrieb geschickt - mit einem netten Begleitanruf.
    - hätte schnell ein klärendes Gespräch mit Ausbilder und Azubi geführt.
    - hätte zusätzliche machbare Maßnahmen zur Nachhilfe empfohlen - in Form einer zu unterschreibenden Zielvereinbarung, dass bei Nichterfüllung eine Abmahnung des Betriebs nach sich zöge.


    Gerade in der BS stehe ich oft in enger Verbindung mit den Betrieben (besonders, wenn ich Klassenlehrerin bin, das mache ich aber auch als Fachlehrerin), das macht zwar Arbeit, aber meine Schüler wissen das und viele (nicht alle) schätzen das. So halten sich eben die Motivationsprobleme in der BS in Grenzen.


    Aber hier ging es ja um die Vollzeitschule, da geht der Druck über die Betriebe nicht. Man kann, wie schon vorgeschlagen, das Elternhaus einschalten, wenn es denn kooperiert.


    Lieber Chris,
    ich sprach von differenziertem Arbeiten, nicht von Aussetzen.
    Die, die mitkommen, arbeiten sich in kleinen oder größeren Schritten vor.
    In meinen KAs verlange ich eine Menge.
    Dazwischen bin ich aber bereit, auch kleine Schritte zu goutieren und mit mutmachenden Noten zu versehen.
    Wer das 1x1 nicht beherrscht, bekommt ein Mal die Woche eine 2-minütige Abfrage. Ganz persönlich. Darauf gibt es eine mündliche Note. Nur für ihn.
    Die Formeln stehen natürlich in einem separaten Formelheft - natürlich mit Heftnote. Und können da nachgeschlagen werden.
    Ich denke, die Probleme haben auch etwas mit Organisation zu tun.


    An manchen Stellen könnte es hilfreich sein, eine Fachschaftsentscheidung zu erwirken - zum Beispiel eben, dass jeder Mathekollege ein Formelheft führen lässt, das die schüler auch in den Arbeiten verwenden dürfen. So sind die Formelhefte aus den vorausgehenden Jahren vorhanden - das müsste man natürlich auch an die Schüler kommunizieren. wer das Heft in der Arbeit nicht dabeihat, hat dann Pech.


    ich finde gerade diesen Anteil an meiner Arbeit spannend - was kann ich in dieser Klasse tun/verändern, damit es Wirkung zeigt. Darüber hilft auch der Austausch mit den Kollegen - ich finde das bereichernd. Für mich sind solche Klassen besondere herausforderungen, die mir Spaß machen, da werde ich dann wirklich kreativ, ziehe alle Register und nehme ein Erfolgserlebnis mit, wenn ich ein paar erreiche. Bisher wurde ich noch nie enttäuscht.



    Ein Schüler hat mir zu Beginn jeder Stunde sein gefülltes Mäppchen zeigen müssen (hat eine Sekunde gedauert, er hat es hochgehalten oder eben nicht, ein Blick meinerseits, 19 Jahre alt, weil er nie Material dabeihatte), bis es ihn genervt hat und er meinte Frau Mitleserin, ich habs kapiert.
    na also.


    Ich ertappe mich (und auch Kollegen bei Unterrichtsbeobachtungen/ kollegialen besuchen) oft dabei, zu wenig Orientierung zugeben, wo wir sind und was wir gerade machen. Uns ist das klar, wir haben die Stunde im Kopf, aber unseren schülern oft nicht. Das bedeutet zum beispiel, dass man jede Stunde mit einem Überblick beginnt. "Wir sind immer noch in der Weimarer Republik und gerade bei Problem Nummer 7, der Hyperinflation. Kann bitte noch mal jemand erklären, as die Hyperinflation ist. Aha, es wissen nicht alle, ich komme bei Jonas vorbei und erkläre das nochmal, die anderen lesen im Buch bei Deflationspolitik weiter."


    Für Mathe würde das bedeuten - wir sind immer noch bei den Flächen, schlagt mal euer Regelheft auf, da müssten jetzt x und y stehen. Ist das bei jedem da? Heute erweitern wir das Problem auf xy, wer kann noch nichts mit dem Rechteck anfangen? ich komme vorbei, die anderen machen weiter mit x".


    Da hilft es, die Gebetsmühle immer dabeizuhaben.


    Das sind dicke Bretter und man erreicht nie alle, aber es gibt sogar Fortbildungen für so etwas.
    Das ist unser Job. Ich mache ihn gern.

  • Ich bin auch geduldig. Sehr sogar. Ich rede mir den Mund fusslig, stelle möglichst gute Beziehungen zu meinen Schülern her, ermutige und helfe, wo ich kann.


    Aber es nutzt halt nichts, wenn mich Schüler dann eine Woche später begrüßen mit "Wir haben alles vergessen", ich im vierten Unterrichtsjahr noch einfachste Dinge erklären muss und praktisch jede Woche von vorn anfangen müsste, wenn ich alle mitnehmen wollte. Das geht einfach nicht. Wie schon erwähnt, man hat ein Prüfungsniveau zu erreichen und die Haltung einiger Schüler ist derart passiv-konsumierend, die sollte man nicht auch noch mit Geduld füttern. Es ist schön, wenn einer Mal "ach so!" statt "hä??" sagt, aber leider ist das meist nicht sehr nachhaltig.


    Ich habe halt das Problem, auf einem bestimmten Level anfangen zu müssen. Das Reden von dem mangelnden Interesse an Mathe (und das "hatte meine Mutter auch schon") kann ich nicht mehr hören. Das sagt einer, und dann kriegt das flugs Kinder, und inzwischen gilt es geradezu als unfein, sich für Mathe zu begeistern.


    Ich habe einfach keine Lust, mir jeden Schuh anzuziehen. Meine Schüler landen mathegeschädigt bei mir an. Das ist leider Tatsache.

  • Im vierten Unterrichtsjahr am BK? Was für BKs habt ihr bei euch?


    Auf dem Weg zu einem höheren Abschluss ist das auch etwas anders - hier bringen die Schüler schon einen Abschluss mit, mit dem sie ins Berufsleben starten könnten.
    Interessanterweise sind aber eben die Grundkenntnisse häufig nicht da, nicht einmal bei ehemaligen Realschülern. Das könnte aber vielleicht daher kommen, dass diese Schüler einfach ignoriert und irgendwie durchgeschoben werden und dann auf den weiterführenden Schulen landen....
    Und: es muss nicht jeder ein Abi/Fachabi machen.


    Aber darüber sprachen wir ja nicht - wir reden über Personen noch ohne Schulabschluss, die die Grundlagen erwerben und sich dafür nicht motivieren können.
    Und meiner Meinung nach muss eben alles getan werden, um diesen Jugendlichen die Basis mitzugeben, damit genau das, was du beschreibst, nicht passiert.


  • Aber darüber sprachen wir ja nicht - wir reden über Personen noch ohne Schulabschluss, die die Grundlagen erwerben und sich dafür nicht motivieren können.
    Und meiner Meinung nach muss eben alles getan werden, um diesen Jugendlichen die Basis mitzugeben, damit genau das, was du beschreibst, nicht passiert.

    Darum schrieb ich es ja. Ich habe den Verdacht, dass die Situation bei uns in NRW dramatischer ist als in BaWü. Es kann einfach nicht sein, dass man sich einen kaufmännischen oder technischen Zweig aussucht und denkt, man kommt da mit einer Matheschwäche durch.


    Wir sind oft einfach nur entsetzt, mit was für einem Unwissen so manche Schüler bei uns ankommen, und vor allem, mit welcher Anspruchshaltung.

  • das sind die momente, wo ich dann doch gern in bayern unterrichte. nicht, dass hier alles besser ist, aber zumindest ist die grundeinstellung irgendwie scheinbar doch anders.

  • - hätte ich die Klasse in Absprache mit der Klassenkonferenz zunächst einmal umgesetzt.
    - persönliche Gespräche geführt.
    - unwillige Personen während der Stunde in den Betrieb geschickt - mit einem netten Begleitanruf.
    - hätte schnell ein klärendes Gespräch mit Ausbilder und Azubi geführt.
    - hätte zusätzliche machbare Maßnahmen zur Nachhilfe empfohlen - in Form einer zu unterschreibenden Zielvereinbarung, dass bei Nichterfüllung eine Abmahnung des Betriebs nach sich zöge.

    Wäre genau auch mein Vorgehen gewesen. ABER: Es gibt tatsächlich Ausbildungsbetriebe, die sowas tolerieren. Es kommt drauf an, wo der Stift hinterher eingesetzt werden soll. Es gibt z. B. in den Chemieberufen diejenigen, die ihr Leben lang in der Produktion irgendwelche Anlagen streng nach SOP bedienen, bei denen ist es relativ egal, wie viel die aus der Berufsschule mitnehmen. Dann gibt es andere, die in der Forschung oder im Technikum mal bei der Validierung einer neuen Methode z. B. mithelfen. Die müssen natürlich was drauf haben.

  • Beispiel: Ich erkläre die Konjunktivbildung. So lange, bis es der Letzte kapiert hat und mir erklären kann;
    und dann schreibe ich einen Test - mit dem Vorgehensangaben an der Tafel. Sichtbar.


    Sie müssen nur noch umsetzen, das gerade Verstandene anwenden. Und dann gehen Schüler mit einer 2 da raus und sind glücklich und sagen - jetzt habe ich das mit dem Konjunktiv verstanden. Die Einstellung ist dann eine andere, dieses Gefühl "ich kann das". Darauf kann man aufbauen.

    Du hast da leider den Teil, 'sie wollen nichts tun' vergessen. Ich habe keine Ahnung, wie man die Konjunktivbildung erklärt. Aber ich gehe mal davon aus, man muss bei der Erklärung zuhören und das, was an der Tafel steht lesen (womöglich sogar selbst aufschreiben).
    Und dann zum Test da sein und mindestens einen Stift dabei haben.


    Wie tief soll ich das Nievau denn ansetzen, damit sie - ohne Anstrengung!- ein Erfolgserlebnis haben?
    Male das Mandala aus? (Selbst das wäre zuviel verlang. "Ich hab keine Stifte" ) Schreibe deinen eigenen Namen richtig? ("Hääää, wieso das denn? Ich schreib immer mein Spitznam")


    Demnächst bekommen sie einen Taschenrechner. Darum haben sie jetzt schon beschlossen, dass sie nichts können müssen.
    Da wird dann demnächst die nächste Stufe der Demotivation erreicht wenn sie merken, dass man wissen muss, wie man das Ding bedient. Und wenn ihnen bewusst wird, dass Matheunterricht NICHT bedeutet, wir rechnen Grundschulaufgaben mit dem Taschenrechner.


    Naja, es sind ja nicht alle. Aber die Mehrheit.
    Allerdings ist das in der Klasse auch nicht nur in Mathe so.

  • Hallo,


    hanuta wir sind wirklich im selben Grundkurs. ;)
    Heute haben wir den Test zum Thema Wahrscheinlichkeitsrechnung geschrieben. Da haben die Schüler sich doch tatsächlich den ein oder anderen Tipp zugerufen. :grimmig:
    Nachdem wir die beiden Formeln die letzten 6 Stunden täglich wiederholt haben, konnten die Meisten es doch. Nur einer hat es erst gar nicht versucht.


    Nachdem einige Gespräche mit den Eltern stattgefunden haben, müssen jetzt 4 Schüler einen Beobachtungsbogen führen und die Arbeitsmoral hat sich bei denen verbessert.


    LG



    Bei einer Mutter habe ich angerufen und die hat noch nicht einmal mit ihrem Sohn darüber gesprochen. Der wusste gar nicht, dass ich bei ihm angerufen habe. Da frage ich mich wirklich warum ich mich kümmere, wenn die Eltern es nicht für nötig halten.

  • Zum Thema nicht erledigte Hausaufgaben fällt mir noch ein: Ich hatte Erdkunde in einer 9. Klasse. Es wurde besser mit den Hausaufgaben als ich angefangen habe, immer einen Test zur Kontrolle zu schreiben, in dem die HA abgefragt wurde. Dabei durfte man seine Aufzeichnungen von zuhause benutzen -sprich diese beim Test abschreiben. Ich habe im Vorfeld angekündigt, dass es so ablaufen würde und es hat doch einige dazu getrieben, die HA zu machen. Ich habe immer nur wenig aufgegeben und manchmal auch verschiedene Aufgaben (der rechts sitzende Aufgabe 2, der links sitzende Aufgabe 3 oder so), um das eventuelle Abschreiben vom Sitznachbarn etwas einzudämmen. Manchmal wurde trotzdem die falsche Aufgabe des Nebenmanns abgeschrieben. Positiv gesehen: zumindest die Motivation zum Schreiben war da ;)


    Alle kann man leider nicht erreichen...

  • Du hast da leider den Teil, 'sie wollen nichts tun' vergessen.

    Ich glaube, es ist schwer vorstellbar, wenn man es selbst noch nicht erlebt hat. Insofern bin ich fast froh, dass es mich direkt im ersten Jahr im Beruf mit so einer Klasse erwischt hat. Da sass auch ein Kollege neben mir und hat sich gewundert. Sowas sei ihm noch nie passiert, da müsste es doch Möglichkeiten geben, etc. etc. Als ich die Stelle dort gekündigt habe, musste er die Klasse übernehmen. Seither kann er es sich vorstellen, dass es wirklich möglich ist, dass eine Gruppe junger Menschen komplett und konsequent die Mitarbeit verweigert und man als Lehrer weder Schuld hat noch was dagegen tun kann.


    Ich denke aber schon, dass es drauf an kommt, wie ein gesamtes Kollegium und die Schulleitung grundsätzlich mit solchen Fällen umgeht. Meine jetzige Schulleitung reagiert relativ schnell und konsequent mit teils für die Schüler echt ätzenden Disziplinierungsmassnahmen und ich muss sagen, wir haben wirklich wenig Probleme mit Disziplin und Arbeitshaltung an der Schule. Ich glaube kaum, dass die Jugendlichen im Einzugsgebiet meiner jetzigen Schule im Schnitt so viel anders drauf sind, als im Einzugsgebiet meiner vorherigen Schule. Ich meine mit "ätzenden Disziplinierungsmassnahmen" an der Stelle auch nur Dinge wie penetrantes den Eltern hinterher nerven, Vereinbarungen treffen, Schüler zur Kompensationsarbeit schicken etc. Wichtig ist da aus meiner Sicht nur, dass es schnell und konsequent passiert, ohne grosse Diskussionen.

  • das sind die momente, wo ich dann doch gern in bayern unterrichte. nicht, dass hier alles besser ist, aber zumindest ist die grundeinstellung irgendwie scheinbar doch anders.

    Dann warst du wohl noch nie an einer bayerischen Hauptschule (Mittelschule)!

  • ich war zwei jahre in joa-klassen an der berufsschule. Das sind die aus der hs ohne erfolg auf dem arbeitsmarkt bisher nur bisschen grösser und belasteter/unverschämter.

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