Kombi Deutsch/Englisch wirklich so schlimm im Berufsalltag?

  • Lieber jetzt eine kleine Enttäuschung als später im (nicht vorhandenen) Job ;) . Dennoch ist es gut, dass du dich vorab entsprechend informierst und nicht ins Blaue hinein studierst wie manch anderer (Lehramts-)Student :) . Und ja, hoffentlich kommt bei der Studienberatung etwas Sinntrages für dich davei heraus...

    Ach als hätten die eine Ahnung...
    Mir wurde damals gesagt, das ich mit Päda fürs Gymnasium eh arbeitslos werde, weil das Fach total überlaufen wäre und sowieso abgeschafft werden soll. Ähm ja... Wir haben in 6 Monaten jetzt 3 Mal Päda ausgeschrieben und besetzt. Komisch.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • vielleicht nur als Hintergrundinfo für dich: die Uni kriegt nicht mehr Geld, wenn du mehr Fächer studierst. Sprich: es ist nicht in IHREM Interesse, dir ein Drei-Fächer-Studium zu ermöglichen.


    und ja, oft haben sie womöglich wenig Durchblick. Mir wurde auch mal zu was geraten, was WIRKLICH WIRKLICH absoluter Quatsch war...

  • Mal noch eine Zahl aus dem eigenen Erfahrungsschatz: Im Schuljahr 201/11 habe ich an der FOS/BOS mit D/E exakt 1.485 schriftliche Arbeiten korrigiert; natürlich nicht nur Klausuren, sondern auch die in Bayern so beliebten (und per FaKo bei uns damals in Anzahl und Umfang vorgeschriebenen) "Exen". Vokabeltestst habe ich nicht mitgezählt.


    Bei einer durchschnittlichen Korrekturdauer von 20 Minuten pro Exemplar komme ich also auf einen Zeitaufwand von 495 Stunden oder >12 Arbeitswochen.
    Warum ich gern an die Klinikschule gewechselt bin, auch wenn es da keine Ferien gibt, brauche ich wohl nicht mehr zu erläutern. Einen Rotstift besitze ich seit Jahren nicht mehr.


    Allerdings möchte ich die OT noch einmal eindringlich auf ein Faktum hinweisen: Geschichte ist auf Jahre hinaus mehrfach überversorgt und sollte UNBEDINGT gemieden werden.

    The pen is mightier than the sword.

    - Edward Bulwer-Lytton

  • Was mir noch nachträglich bei Deutsch/Englisch einfiel, das glaube ich bislang noch nicht angesprochen wurde: Für jedes Unterrichtsfach muss die Lehrkraft sich vorbereitet bzw. in die Materie einarbeiten. Diese Vorbereitungszeit variiert aber je nach Fach. In beiden Fächern, Englisch und Deutsch, behandelt man im Literaturunterricht auch epische und dramatische Werke, die noch vor der Konzipierung der Unterrichtseinheit gelesen werden müssen - in der Regel in der Freizeit. Dazu muss gesagt werden, dass mit steigendem Alter der Schüler Leseumfang und Komplexität der Thematik zunehmen, was insbesondere viel Vorbereitung in der gymnasialen Oberstufe nötig macht (insbesondere, wenn man mehrere Kurse in der gymnasialen Oberstufe hat!). Durch die offener formulierten Bildungsstandards hat man zugegebenermaßen eine größere Freiheit bei der Auswahl der Lektüren, aber auch da kommt es auf Engagement der Lehrkraft und Schulform an. In der Realschule muss im Fach Deutsch in meinem Bundesland ein "Drama in Auszügen" gelesen werden. Wenn es keine innerschulischen Regulationen gibt, kann man dabei theoretisch jedes Jahr dasselbe Werk lesen - auch wenn das mit der Zeit langweilig werden könnte. In der gymnasialen Qualifizierungsphase gibt es jedoch Pflichtlektüren im Fach Deutsch (und meines Wissens nach seit Kurzem auch in den modernen Fremdsprachen im LK), die sich auch gerne mal jedes Jahr ändern und folglich jedes Jahr auf's Neue gelesen werden müssen.

  • Hach, wäre es nicht toll, wenn auf solche Fragen (nur) die antworten, die auch tatsächlich schon ein paar Jahre in einer solchen Konstellation arbeiten, und nicht jemand, der mal was gehört zu haben meint? Aber da kann ich wohl lange träumen. Und nein, ich würde von der Kombi Deutsch-Englisch abraten. Ganz klar.

  • Durch die offener formulierten Bildungsstandards hat man zugegebenermaßen eine größere Freiheit bei der Auswahl der Lektüren

    Kommt darauf an. In B-W gibt es ja die Pflichtlektüren fürs Abi, das ist Fluch und Segen. Ich liebe "Homo Faber" und finde "Agnes" ganz furchtbar... grundsätzlich gilt aber schon, dass man nicht immer völlig Neues ausprobiert, sondern öfter mal auf Lektüren zurückgreift, die man kennt und entsprechend vorbereitet hat. Das erleichtert die Sache natürlich ungemein. In Englisch fand ich das immer schwieriger, weil das Fach soviel Geschichte, Politik und Landeskunde einschließt. In der Oberstufe kann ein Text nach zwei Jahren schon völlig veraltet sein. Da kann man auch nicht auf irgendwann mal aus dem Urlaub mitgebrachte Zeitungen zurückgreifen, wie das in vor-Internet-Zeiten (z.B. in meinem Englisch-Lk '91 bis '93) völlig normal war.


    OT, aber passend zu vor-Internet-Zeiten: An meinem alten Gymnasium gehen jetzt etliche Kollegen in den Ruhestand, die als StR z.A. gekommen waren, als ich in der Unterstufe war. Irgendetwas tief in mir weigert sich, das zu akzeptieren...

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    - Edward Bulwer-Lytton

  • Mal noch eine Zahl aus dem eigenen Erfahrungsschatz: Im Schuljahr 201/11 habe ich an der FOS/BOS mit D/E exakt 1.485 schriftliche Arbeiten korrigiert; natürlich nicht nur Klausuren, sondern auch die in Bayern so beliebten (und per FaKo bei uns damals in Anzahl und Umfang vorgeschriebenen) "Exen". Vokabeltestst habe ich nicht mitgezählt.


    Bei einer durchschnittlichen Korrekturdauer von 20 Minuten pro Exemplar komme ich also auf einen Zeitaufwand von 495 Stunden oder >12 Arbeitswochen.
    Warum ich gern an die Klinikschule gewechselt bin, auch wenn es da keine Ferien gibt, brauche ich wohl nicht mehr zu erläutern. Einen Rotstift besitze ich seit Jahren nicht mehr.


    Allerdings möchte ich die OT noch einmal eindringlich auf ein Faktum hinweisen: Geschichte ist auf Jahre hinaus mehrfach überversorgt und sollte UNBEDINGT gemieden werden

    Jetzt habe ich ehrlich gesagt fast Bauchschmerzen... Wie sieht es mit Geographie aus, ist die Situation da so schlimm wie mit Geschichte? Hört sich fast so an wie eine Entscheidung zwischen Korrekturhölle und Arbeitslosigkeit... :( Wenn ich drei Fächer machen würde, wäre das dritte ja in der Regel Erweiterungsfach, würde Englisch + Geschichte mit Geographie Erweiterungsfach (oder G und Geo vertauscht) etwas bringen? Oder sollten es gleich drei Hauptfächer sein?


    Von D/E sehe ich mittlerweile stark ab. Vor allem WillG's und Seven's Beitrag haben mir da zu Denken gegeben.


    Weiß jemand wie sich das mit der Befähigung zum bilingualen Unterricht an allgemeinbildenden Gymnasien in BaWü verhält? Da braucht man doch bestimmt eine Weiterbildung oder irgendeine zusätzliche Befugnis. Google spuckt da in Sachen Lehrerausbildung nur etwas zu Berufsschulen aus. Laut der Seite vom Kultusministerium gibt es aber viele Gymnasien in BaWü, die Bio, Geschichte und Geographie bilingual anbieten. Bilingualer Sachunterricht hört sich sehr interessant, wäre mir sogar fast lieber als auf Deutsch. Ich frage weil chilipaprika aus NRW kommt, vielleicht ist die Situation in BaWü anders.


    Was die Vorbereitung von Lektüren betrifft: stimmt, das wäre auch noch etwas zeitaufwendiges, was mir aber bestimmt mehr Spaß machen würde als Grammatik vorzubereiten.

  • Du hast schon viele kluge Antworten erhalten und als Deutschlehrer kann ich dir nur auch von D/E abraten; viel zu viel Korrekturen.


    Anstelle von Geo könnte man E/G auch noch ganz gut mit Religion/Ethik kombinieren; da ist man auch schön flexibel im Einsatz und studierte Ethik-Lehrkräfte gibt es noch nicht so viele, falls du dich für Philosophie interessierst - dann könntest du evtl. sogar über E/Eth nachdenken (wäre evtl. eine bessere Einstellungs-Kombi als E/G) und mit G erweitern.

  • Geschichte (das ich als halben Deutschunterricht betreibe) plus Englisch ist ehrlich gesagt genug. Deutsch und Englisch ist hirnverbrannt. Die übliche Aussage in der Studienberatung - "hach, das passt doch so gut zusammen" - ist sicherlich richtig, was die akademische Würdigung angeht; in der Schule, wo es um die Gleichung "Arbeitszeit gegen Einkommen" geht, ist das wirklich und wahrhaftig Idiotie.

  • Was die Vorbereitung von Lektüren betrifft: stimmt, das wäre auch noch etwas zeitaufwendiges, was mir aber bestimmt mehr Spaß machen würde als Grammatik vorzubereiten.

    Das hat alles nichts zu sagen. Am Ende ist Unterricht nur Unterricht. Ob ich nun einen LK in der Sek II unterrichte oder eine 5. Klasse - trivialer Einstieg ist beides; auch mit vergleichbarer Vorbereitungszeit für mich selbst.


    Wenn du dich mit dem Unterrichten an der Schule beschäftigst, hast du eben die übliche Arbeit an der Schule. Und die ist mehr oder weniger überall das gleiche, was Pädagogik und Didaktik angeht, nur mit verschobenen Schwerpunkten.

  • Geschichte (das ich als halben Deutschunterricht betreibe) plus Englisch ist ehrlich gesagt genug. Deutsch und Englisch ist hirnverbrannt. Die übliche Aussage in der Studienberatung - "hach, das passt doch so gut zusammen" - ist sicherlich richtig, was die akademische Würdigung angeht; in der Schule, wo es um die Gleichung "Arbeitszeit gegen Einkommen" geht, ist das wirklich und wahrhaftig Idiotie

    Danke für deinen Beitrag. Deutsch ist mittlerweile von Tisch, die "Idiotie" habe ich eingesehen. :)


    Heute habe ich in Erfahrung gebracht, dass man die bilinguale Zusatzausbildung nebenbei während dem Ref machen kann wenn man Englisch + Sachfach studiert hat. Das werde ich auf jedem Fall tun.


    Es wird also eine Kombi aus Englisch, Geographie und Geschichte werden. Man kann auch während des Studiums noch entscheiden, ob man das dritte Fach nur als Beifach oder als Hauptfach machen will.

  • Englisch und Geschichte ist zwar vom Bedarf her nicht ganz so katastrophal wie Deutsch und Geschichte, aber von großem Bedarf zu sprechen, wäre auch hier wieder völlig übertrieben. Da solltest du dir wirklich überlegen, ob du dich in die Masse der Lehramtsstudenten mit diesen Fächern (insbesondere für das Gymnasium) noch zusätzlich stürzen willst. Ein Mangelfach kommt wirklich gar nicht infrage für dich? Notfalls könnte noch die Entscheidung für eine stärker gesuchte Schulform (H/R, Berufsschule mit z.B. Sozialpädagogik oder Wirtschaft als berufliche Fachrichtung) ein paar Pluspunkte bringen.

  • Und deine Erfahrung kommt von den ganzen Einstellungsverfahren, die du an Schulen miterlebt / begleitet hast?

    Inzwischen veröffentlichen die einzelnen Ministerien ziemlich präzise Lehrerbedarfsprognosen für die einzelnen Fächer und Schulformen. Da braucht es keine Erfahrung in Einstellungsverfahren, dass Englisch/Geschichte nicht die meistgesuchte Fächerkombi auf dem Arbeitsmarkt ist. Natürlich finden auch damit angehende Lehrer Anstellung, aber die Anzahl an Bewerbern übersteigt an vielen Standorten die zur Verfügung stehenden Stellen. Oder weißt du etwas, was ich hier nicht weiß?

  • Ja, an meiner Schule wurden gerade 4 Stellen mit D oder E besetzt. Davon eine mit D/Geschichte.
    D/E wird ungern genommen. Die sind sonst mit so vielen Klausuren überlastet. Also lieber wen, der GL unterrichten kann und somit darin weniger Klausuren da. Und wir hatten im letzten Durchlauf echt Probleme von gute Bewerber auch eine Unterschrift zu bekommen.

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  • Ich behaupte mal: Geschichte ist ein doofes Fach, macht jeder, und je nach Bundesland mit einer seeehr unterschiedlichen Stundentafel.
    Aaaaber: (und darauf beziehe ich mich wirklich!!) mit bili ist man etwas Besonderes auf dem Markt.


    Meine Empfehlung:
    auf jeden Fall beide Sachfächer studieren. Ob Bei- oder Vollfach, keine Ahnung, was es genau bedeutet (vermutlich Sek I /Sek II?). Wir haben zuviele Geschichtslehrer, mussten aber trotzdem jemanden neuen einstellen, weil wir unbedingt eine Absicherung im bili-Bereich brauchten (den Zweig sollte man nicht mit nur einem Lehrer aufbauen).
    Dasselbe gilt für Erdkunde und Sowi.
    Jemand, der gleich 2 Sachfächer bili abdeckt, das ist für eine Schule der Jackpot.


    Es setzt allerdings folgendes voraus:
    - den Bili-Schwerpunkt wirklich nie aus den Augen verlieren (im Praktikum ausprobieren, es gibt ab und zu an den Unis auch Zusatzqualis oder Seminare, die darauf abzielen, nicht auf das Ref warten...)
    - Auslandserfahrung wirklich mitnehmen. das Unterrichten einfach so in der Fremdsprache kommt nicht einfach so, weil man einen Abschluss in ANglistik hat.


    Natürlich: Flexibilität ist das Beste. Ein bisschen Mobilität kann nicht schaden (unsere 2 letzten "eingekauften" Bili-Lehrkräfte kommen übrigens aus BaWü und ihre Stelle haben sie ausschließlich, weil sie die einzigen waren, die eine bili-Quali hatten und nicht nur beide Fächer. Rangfolge in der Suche war: Sachfach bili vor Sachfach/englisch vor andere Fächerkombi...


    Chili

  • Mal noch eine Zahl aus dem eigenen Erfahrungsschatz: Im Schuljahr 201/11 habe ich an der FOS/BOS mit D/E exakt 1.485 schriftliche Arbeiten korrigiert; natürlich nicht nur Klausuren, sondern auch die in Bayern so beliebten (und per FaKo bei uns damals in Anzahl und Umfang vorgeschriebenen) "Exen". Vokabeltestst habe ich nicht mitgezählt.


    Bei einer durchschnittlichen Korrekturdauer von 20 Minuten pro Exemplar komme ich also auf einen Zeitaufwand von 495 Stunden oder >12 Arbeitswochen.

    Fossi74, bei mir sind die Zahlen sehr ähnlich, obwohl anderes Bundesland. Ich behaupte hier einfach mal frech, dass sich kein Kollege, der nicht D/E als Kombi hat, unsere Mehrarbeit wirklich vorstellen kann.


    Auch wenn ich mir nun zuzuschreiben habe, Dich von Deiner Lieblingskombi abgebracht zu haben, Loro9x, so möchte ich noch mal betonen, dass ich keine Fächer lieber unterrichten würde als eben diese beiden. Das Unterrichten ist supertoll, die Korrekturen sind einfach total ätzend. Ich wünschte, mir würde eine gute Fee diese Arbeit abnehmen, sodass ich auch mal Zeit für Hobbies hätte.
    Eine Zeitlang ging es sogar, dann kam der Stundenplan des Schreckens und der ist nun leider seit 2 Jahren aktuell. Da ist es völlig egal, wie gut man organisiert ist oder wie viel Selbstdisziplin man aufbringt, ist der Stundenplan schlecht, sitzt man Wochenende um Wochenende.


    Hast Du denn eventuell mal überlegt, statt Geographie das Fach Darstellendes Spiel zu studieren? Du könntest mit Geschichte und Englisch immer noch bilingual unterrichten, hättest aber mit DS noch ein Korrekturfach weniger (auch in Geschichte und Erdkunde werden viele, viele Seiten in der Oberstufe geschrieben...).

    I wonder which mistake I'm going to try to learn from today.

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