Gute Schule braucht Zeit

  • Gute Schule braucht Zeit, und dann geht es um die Reduzierung der Pflichtstundenzahl? Von Lohnausgleich wie in der freien Wirtschaft selbstverständlich ebenfalls keine Rede. Das beseutet doch am Ende, wir müssen noch mehr Stunden unserer Freizeit unentgeltlich für die mehr Zeit brauchende Schule opfern.
    Jeder Unterzeichner der Petition könnte doch sofort auf Teilzeit umstellen und hätte schon seine Ziele erreicht. Kein Wunder, dass solche Anliegen keiner in der Politik ernst nimmt.

  • Jeder Unterzeichner der Petition könnte doch sofort auf Teilzeit umstellen und hätte schon seine Ziele erreicht.

    Hä??? Ich verzichte doch dann auch auf die Hälfte meines Gehaltes? Also genau das:

    Das beseutet doch am Ende, wir müssen noch mehr Stunden unserer Freizeit unentgeltlich für die mehr Zeit brauchende Schule opfern.

    Tut mir leid aber ich glaube da hast du irgendwas nicht verstanden....

    "Die Wahrheit ist ein Zitronenbaiser!" Freitag O'Leary

    Einmal editiert, zuletzt von icke ()

    • Offizieller Beitrag

    Reffi4School - ich glaube, du verstehst die Petition nicht.


    Es geht nicht darum, dass Lehrer weniger Stunden arbeiten (dann wäre dein Hinweis auf den nicht genannten Lohnausgleich richtig), sondern dass sie nur weniger Unterricht geben. Sie haben aber trotzdem noch (Aufgrund Vorbereitung / Nachbereitung/ Konferenzen / Elterngesprächen/ ...) ihre entsprechende Arbeitszeit (bei 21 Stunde wäre das dann ein Vollzeitjob (41,irgendwas) mit vollem Lohn, so wie es bisher 25/26/28 Stunden (je nach Schulstufe) sind.


    Es geht nicht darum, weniger zu arbeiten und auch weniger zu verdienen. (Dann wäre dein Hinweis auf die Teilzeit richtig.)


    kl. gr. frosch

  • Für welche Schulform sollen denn die 21 Stunden gelten? Für alle oder nur für Ü Klasse 4 bzw. 6?

  • Ich finde in der Petition vieles wieder, was ich auch wünsche und fordere.


    Die Begründung kann man z.B. in dem hier verlinkten Artikel ausreichend finden. Was uns vor allem fehlt ist ZEIT !
    Sind Lehrer die Mülleimer der Nation?


    Was ich mich aber doch frage, ist, wieso eigentlich 21 Stunden? Wieso nicht 20 oder 23, ich meine, worauf basieren solche Forderungen? Gibt es dafür irgendwelche Grundlagen, die besagen, dass 21 U-Stunden (+ Vor- und Nachbereitung) den 40 Stunden in einem anderen Beruf entsprechen?

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Und das Schlimme ist ja, dass es mittlerweile zunehmend Lehrer gibt, die tatsächlich in Teilzeit gehen (oder bleiben) weil sie es sonst nicht mehr schaffen...
    Ich fürchte allerdings, dass "Reffi" noch keinen rechten Überblick darüber hat, was in der Schule außer dem Unterricht noch alles an Aufgaben auf ihn zukommt.


    Ansonsten besteht die Petition ja auch nicht nur aus der Forderung nach weniger Unterrichtsverpflichtung, sondern es geht allgemein darum die Arbeitsbelastung zu reduzieren, damit der Job noch zu bewältigen ist! Dazu gibt es eine ganze Reihe an Forderungen. Insbesondere die Kollegen an Schulen im Brennpunkt arbeiten absolut am Limit (bzw. schon längst darüber hinaus). Und das macht eben nicht nur die Lehrer gesundheitlich kaputt, sondern geht direkt zulasten der Kinder. Gerade die, die am meisten Unterstützung benötigen, leiden am meisten darunter, weil die Spirale dann ist: höhere Arbeitsbelastung durch extrem fordernde Schülerschaft = höherer Krankenstand = Wegfall von Förderstunden+zusätzliche Belastung der noch vorhandenen Kollegen = höherer Krankenstand+ Kinder, denen man die nötige Förderung vorenthält (was ich als Verbrechen an den Kindern empfinde) usw. usf.
    Da werden Bildungsbiografien sehenden Auges vor die Wand gefahren.


    Da die Unterrichtsverpflichtung zu senken ist ein möglicher Weg. Fast noch besser fände ich persönlich ein Absenken der Klassenfrequenzen und zumindest in Brennpunktschulen eine durchgängige Doppelsteckung, idealerweise in der Kombination mit je einem Sonderpädagogen. Dazu unbedingt Sozialarbeiter an allen Schulen (in Finnland soll es der Sage nach Schulkrankenschwestern geben....) und einfach mal genügend Räume, damit der Förderunterricht nicht in zugigen Schulfluren stattfinden muss...
    Grundsätzlich hilfreich wäre auch mal zu gucken, welche der Vielzahl an zusätzliche Aufgaben wirklich zwingend vom Lehrpersonal erledigt werden muss und was man auch auslagern könnte. Da fällt mir spontan eine Menge ein, zur Zeit fände ich es z.B. sehr schön, wenn neue Rahmenlehrpläne einfach mal komplett zu Ende gedacht und fertig angeliefert werden würden, und nicht in Form von schulinternen Curricula zu Ende geschrieben werden müssten... Oder der Kollege, der gerade verzweifelt versucht, die Computer der Schule irgendwie am Laufen zu halten. Da wäre irgendein externer Mensch, der davon tatsächlich Ahnung hat sicherlich die sinnvollere Variante (und die Entlastungsstunde, die er Kollege immerhin dafür bekommt, könnte man wieder in pädagogische Tätigkeiten investieren). Nur mal so als Beispiele...

    "Die Wahrheit ist ein Zitronenbaiser!" Freitag O'Leary

  • Gute Schule braucht Zeit, und dann geht es um die Reduzierung der Pflichtstundenzahl? Von Lohnausgleich wie in der freien Wirtschaft selbstverständlich ebenfalls keine Rede.

    Das bedeutet im Umkehrschluss, wenn irgendeine Landesregierung wieder einmal versucht, die Pflichtstundenzahl heraufzusetzen, gibt's mehr Geld? Das wäre mir neu.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Was ich mich aber doch frage, ist, wieso eigentlich 21 Stunden? Wieso nicht 20 oder 23, ich meine, worauf basieren solche Forderungen? Gibt es dafür irgendwelche Grundlagen, die besagen, dass 21 U-Stunden (+ Vor- und Nachbereitung) den 40 Stunden in einem anderen Beruf entsprechen?

    Die Arbeitszeitstudie der GEW in Kooperation mit der Universität Göttingen ergab für niedersächsische Gymnasiallehrkräfte im Durchschnitt etwas über 3 Zeitstunden unbezahlte Mehrarbeit pro Woche (bei einer nominalen Unterrichtsverpflichtung von 23,5 Stunden und unter Berücksichtigung der unterrichtsfreien Zeiten -> "Ferien"). Das ist aktuell die beste Arbeitszeitstudie, die existiert:
    http://arbeitszeitstudie.gew-n…hlte-mehrarbeit-pro-woche


    Ausgehend von einer regulären 40 Stunden-Woche müsste also die Unterrichtsverpflchtung um ca. 7% gesenkt werden, d.h. auf 21,9 Unterrichtsstunden. Die geforderten 21 Stunden sind also mehr als realistisch, insbesondere wenn man z.B. an die Inklusion denkt (von der Gymnasien nicht so stark betroffen sind wie andere Schulformen) und an die steigende Zahl von Flüchtlingen in den Schulen, die eine deutlich intensivere Betreuung brauchen als der Durchschnittsschüler.


    Gruß !

  • Jo... Bei uns bedeutet eine 100 % Stelle am Gym 22 Wochenlektionen Unterricht. An der Primar und auch an der Berufsschule sind es glaub ich 24. Wochenarbeitszeit sind jeweils 41.5 Zeitstunden.

  • @icke
    Wer in TZ geht, weil er mit der Arbeitsbelastung nicht klar kommt, setzt die Prioritäten gänzlich falsch.
    Lieber würde ich schlechteren Unterricht aufgrund der miserablen Arbeitsbedingungen machen als nur auf einen Cent zu verzichten.


    Darüberhinaus, was machen die Kollegen eigentlich, wenn TZ aufgrund "betrieblicher Umstände" abgelehnt wird.

  • @icke
    Wer in TZ geht, weil er mit der Arbeitsbelastung nicht klar kommt, setzt die Prioritäten gänzlich falsch.

    Tja, aber leider gibt es zuviele Lehrer(innen), die es genau so machen. Ich erinnere mich noch an die erste Reaktion einer Teilzeit-Kollegin(!) auf die Arbeitszeiterhöhung um eine Unterrichtsstunde in Niedersachsen (die dann vom Verwaltungsgericht als "unrechtmäßig" einkassiert wurde), die doch glatt ankündigte: "Dann reduziere ich halt um eine weitere Stunde".


    Es gibt leider zuviele, die den Lehrerberuf nur als Selbstverwirklichung sehen. Die haben dann oft einen gutverdienendne Ehemann im Hintergrund.


    Gruß !

  • ...Oder der Kollege, der gerade verzweifelt versucht, die Computer der Schule irgendwie am Laufen zu halten. Da wäre irgendein externer Mensch, der davon tatsächlich Ahnung hat sicherlich die sinnvollere Variante (und die Entlastungsstunde, die er Kollege immerhin dafür bekommt, könnte man wieder in pädagogische Tätigkeiten investieren). Nur mal so als Beispiele...

    in diesem Zusammenhang: Jemand der Schulleiter in Finanzfragen berät wäre auch nicht verkehrt. Wenn ich sehe, wie unterschiedlich Schulen ausgestattet sind, weil der eine Meister im Klinkenputzen und Geldverteilen ist und der andere sinnlos an falschen Stellen damit um sich wirft...

  • Lieber würde ich schlechteren Unterricht aufgrund der miserablen Arbeitsbedingungen machen als nur auf einen Cent zu verzichten.

    Wenn es damit getan wäre... aber bei einigen Kollegen geht es einfach um den Schutz ihrer eigenen Gesundheit. Da geht es gar nicht mehr darum guten Unterricht zu machen, sondern überhaupt (erträglichen) Unterricht.
    Und gerade bei schwiergiger Klientel fällt dir dauerhaft unzureichend vorbereiteter Unterricht letztlich selbst auf die Füße (und die Spirale dreht sich weiter...)

    "Die Wahrheit ist ein Zitronenbaiser!" Freitag O'Leary

    • Offizieller Beitrag

    Wenn es damit getan wäre... aber bei einigen Kollegen geht es einfach um den Schutz ihrer eigenen Gesundheit. Da geht es gar nicht mehr darum guten Unterricht zu machen, sondern überhaupt (erträglichen) Unterricht.Und gerade bei schwiergiger Klientel fällt dir dauerhaft unzureichend vorbereiteter Unterricht letztlich selbst auf die Füße (und die Spirale dreht sich weiter...)

    Kann ich genau so unterschreiben, "überhaupt (erträglicher) Unterricht", gute Formulierung. Hinzu kommen die ganzen Dokumentations- und Schulentwicklungsaufgaben, die man einfach nebenbei nicht mehr schafft. Ständig Elterngespräche wegen Verhaltensproblemen, wegen Lernproblemen, Förderpläne abstimmen, mit Sozialarbeitern, mit Schulpsychologie, mit Kinderpsychologen, mit Jugendamt, mit Dolmetscher etc. pp. Daher halte ich eine Reduktion der Pflichtstundenzahl für notwendig.

  • Wenn es damit getan wäre... aber bei einigen Kollegen geht es einfach um den Schutz ihrer eigenen Gesundheit. Da geht es gar nicht mehr darum guten Unterricht zu machen, sondern überhaupt (erträglichen) Unterricht.Und gerade bei schwiergiger Klientel fällt dir dauerhaft unzureichend vorbereiteter Unterricht letztlich selbst auf die Füße (und die Spirale dreht sich weiter...)


    Mit dieser Strategie schaden wir Lehrer uns nur selber: Es ermutigt den Arbeitgeber doch nur, immer mehr Arbeit auf die Lehrkräfte abzuwälzen, den notfalls wird ja auf Gehalt verzichtet (=Stundenreduzierung), um die Arbeit noch zu schaffen. Im Endeffekt bedeutet das für den Arbeitgeber, dass er die gewünschte Arbeitsleistung für weniger Geld bekommt. Das kann doch keine Lösung sein!


    Nein, man muss einfach im Rahmen der erwarteten und bezahlten Zeit (ca. 1800 Zeitstunden Arbeit pro Jahr bei einer Vollzeitstelle) arbeiten. Wenn dabei dann Murks herauskommt, weil die Arbeit nicht zu schaffen ist, dann ist das eben so. Denn das wäre genau das, was der Arbeitgeber erwartet. Sonst würde er nicht so handeln, wie er handelt. Wer sich natürlich moralisch unter Druck setzen lässt ("Die lieben Kleinen können doch nichts dafür", "Keiner darf verloren gehen" und ähnliche Phrasen), der hat schon verloren. Und verdient letztendlich auch kein Mitleid, denn: Wer sich ausnutzen lässt, der wird auch ausgenutzt.


    Gruß !

  • ...Wer sich natürlich moralisch unter Druck setzen lässt ("Die lieben Kleinen können doch nichts dafür", "Keiner darf verloren gehen" und ähnliche Phrasen), der hat schon verloren. Und verdient letztendlich auch kein Mitleid, denn: Wer sich ausnutzen lässt, der wird auch ausgenutzt.


    ...

    Jein. Klar, wer sich verrückt macht, ist selbst für seine Psychohygiene verantwortlich. Aber bei mancher Klientel MUSST du Kontakt zu Eltern und Jugendhilfe halten, sonst hast du verloren. Der Alltag muss ja irgendwie laufen, auch wenn man unterrichtsmässig nicht das Rad neu zu erfinden versucht. 20 Kinder sind da gerade noch händelbar, aber ab 20 Schüler aufwärts kostet das einfach Zeit und Nerven.

  • @icke
    Wer in TZ geht, weil er mit der Arbeitsbelastung nicht klar kommt, setzt die Prioritäten gänzlich falsch.
    Lieber würde ich schlechteren Unterricht aufgrund der miserablen Arbeitsbedingungen machen als nur auf einen Cent zu verzichten.


    Darüberhinaus, was machen die Kollegen eigentlich, wenn TZ aufgrund "betrieblicher Umstände" abgelehnt wird.


    Das ist eine interessante Sichtweise. Ich sehe das nicht so.


    Ich sehe dahinter eher Kollegen, denen das Geld nicht das Wichtigste ist und/oder die meinen, es reiche ihnen auch, was sie in Teilzeit verdienen. Dass sie in Teilzeit gehen, liegt dann u.a. auch daran, dass sie sich so die Entlastung verschaffen, für die ich permanent werbe (anstelle von einfach nur mehr Gehalt). Da geht es darum, den Anforderungen gerecht zu werden; weiterhin guten Unterricht zu machen, aber selbst daran nicht kaputtzugehen. Wenn sich nicht bald was ändert, werde ich wohl auch in Teilzeit gehen.


    Teilzeit und auch Frühpensionierung zu verbieten oder einzuschränken, kann natürlich eine Maßnahme des Arbeitgebers sein. Ich hörte schon davon. Ich halte das für wenig kurzsichtig (auch aus Arbeitgebersicht). Die Kollegen brennen dann aus, werden krank, fehlen trotzdem, nur mitunter unvorhersehbar und "wir anderen" müssen das auffangen, wodurch wir dann irgendwann auch ausbrennen, krank werden, fehlen ...

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Mit dieser Strategie schaden wir Lehrer uns nur selber: Es ermutigt den Arbeitgeber doch nur, immer mehr Arbeit auf die Lehrkräfte abzuwälzen, den notfalls wird ja auf Gehalt verzichtet (=Stundenreduzierung), um die Arbeit noch zu schaffen. Im Endeffekt bedeutet das für den Arbeitgeber, dass er die gewünschte Arbeitsleistung für weniger Geld bekommt. Das kann doch keine Lösung sein!
    ...


    ... aber wenn immer mehr von uns in Teilzeit gehen oder sich frühpensionieren lassen, dann verstärkt dies den Lehrermangel ja nur noch. Das kann doch auch nicht im Sinne des Arbeitgebers sein, zumindest in Zeiten eines Lehrermangels. Da muss er uns eigentlich "bei Laune" halten wollen (versucht er ja auch, nur mit den falschen Mitteln: mehr Gehalt).

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Mit dieser Strategie schaden wir Lehrer uns nur selber: Es ermutigt den Arbeitgeber doch nur, immer mehr Arbeit auf die Lehrkräfte abzuwälzen, den notfalls wird ja auf Gehalt verzichtet (=Stundenreduzierung), um die Arbeit noch zu schaffen. Im Endeffekt bedeutet das für den Arbeitgeber, dass er die gewünschte Arbeitsleistung für weniger Geld bekommt. Das kann doch keine Lösung sein!


    Nein, man muss einfach im Rahmen der erwarteten und bezahlten Zeit [...] arbeiten. Wenn dabei dann Murks herauskommt, weil die Arbeit nicht zu schaffen ist, dann ist das eben so. Denn das wäre genau das, was der Arbeitgeber erwartet. Sonst würde er nicht so handeln, wie er handelt. Wer sich natürlich moralisch unter Druck setzen lässt ("Die lieben Kleinen können doch nichts dafür", "Keiner darf verloren gehen" und ähnliche Phrasen), der hat schon verloren. Und verdient letztendlich auch kein Mitleid, denn: Wer sich ausnutzen lässt, der wird auch ausgenutzt.

    So sieht's aus!

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