NRW: A13 nur für neu ausgebildetet Grundschullehrer?


  • Ja, das ist genau meine Meinung. Die Bezahlung sollte sich vor allem auch nach der Tätigkeit richten. Die Ausbildung sollte auch eine Rolle spielen, allerdings nicht nur der Name und die gleiche Dauer, sondern die Inhalte der Ausbildung, die ja schon sehr unterschiedlich sind.


    Ansonsten wäre ich dafür, dass man als Lehrer überall in Deutschland (je nach Einsatz und Abschluss + inhaltliche Ausbildung) gleich verdient, allerdings könnte ich mir auch Zulagen nach Region (Lebenshaltungskosten) und Schule (Brennpunkt) vorstellen.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Zumindest für NRW ist man da offenbar schlichtweg dem Richterspruch zuvorgekommen.


    Ich denke, dass genau das aber ein Irrglaube ist. Niemand wird kein Lehrer, weil man dann schlecht verdient.


    Der Abbau von Stellen in Ausbildung und im Schulwesen, verbunden mit bestimmten Medienbildern und mit unseren Arbeitsbedingungen hat dazu geführt, dass wir jetzt einen Lehrermangel haben, d.h., die Politik schmeißt an der falschen Stelle Unsummen von Geld raus, die gar nichts bewirken, aber für deutliche Entlastungen im Lehrerberufsalltag ist dann nichts mehr da. :(


    Kürzlich las ich, dass es auch an Förderschullehrern mangelt. Aber die kriegen doch A 13 mit Zulage. Sollen die nun A 14 bekommen, damit ihr Beruf attraktiver wird.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Du bekommst ja im ländlichen Bayern genauso viel wie in der Metropole München und in der Altmark im Norden Sachsen-Anhalts genauso viel wie in der Hauptstadt Magdeburg.

    Gerade dieser Punkt soll eigentlich die ländlichen Gegenden attraktiver machen, da man ja mehr von seinem Gehalt hat. Bereits jetzt leidet München unter Überbevölkerung und das Image als "teure Stadt" scheint dem Ganzen keinen Abbruch zu tun :/ . Daher ist es ganz gut, dass es keinen München-Bonus gibt und im Grunde müssten zugunsten der ländlichen Gegenden die Mieten in München noch deutlich stärker ansteigen, sodass die Menschen bereits von Anfang an gar nicht erst auf die Idee kommen, auf Teufel komm raus, dort (oder Frankfurt, Köln, Berlin) wohnen zu wollen. Bringt ja auch nichts, wenn Münchens Bevölkerungsdichte irgendwann fünfstellig wird und im Rest Bayerns alle paar Kilometer mal ein Haus steht ;) .



    Kürzlich las ich, dass es auch an Förderschullehrern mangelt. Aber die kriegen doch A 13 mit Zulage. Sollen die nun A 14 bekommen, damit ihr Beruf attraktiver wird.

    Grundsätzlich funktioniert ja unsere Marktwirtschaft so. Wenn es genug Bewerber für die vorhandenen Stellen gibt, nehme ich diejenigen, die mich am günstigsten kommen. Wenn es zu wenige Bewerber für die vorhandenen Stellen gibt, muss ich entweder mehr Werbung hierfür machen oder die Stelle attraktiver gestalten, z.B. durch Arbeitserleichterung oder eben auch durch höheres Gehalt - was mit A14 der Fall wäre. Angebot und Nachfrage ;) !

    Einmal editiert, zuletzt von Lindbergh ()

  • Ich denke, dass genau das aber ein Irrglaube ist. Niemand wird kein Lehrer, weil man dann schlecht verdient.


    Der Abbau von Stellen in Ausbildung und im Schulwesen, verbunden mit bestimmten Medienbildern und mit unseren Arbeitsbedingungen hat dazu geführt, dass wir jetzt einen Lehrermangel haben, d.h., die Politik schmeißt an der falschen Stelle Unsummen von Geld raus, die gar nichts bewirken, aber für deutliche Entlastungen im Lehrerberufsalltag ist dann nichts mehr da. :(

    Aus meiner Sicht würde ich dir zustimmen: Stellte man mich vor die Wahl, entweder mehr Gehalt zubekommen (in meinem Fall wohl A14 statt A13Z) oder z.B.:
    - 4-5 Stunden weniger für gleiches Gehalt, oder
    - maximal 20 Schüler pro Klasse/Kurs, oder
    - durchgängig/ weitgehend in Doppelbesetzung
    zu unterrichten ich würde letzteres wählen (im zweiten Fall weil es eine merkliche Korrekturentlastung bedeuten würde).


    Aus Sicht meines 10 Jahre jüngeren Ichs (das sich für eine berufliche Richtung entscheiden musste) könnte ich mir aber vorstellen, dass
    - Variante 1 zur Attraktivität des Berufs beigetragen hätte,
    - Variante 2 nicht so attraktiv gewirkt hätte, da ich damals nicht abschätzen konnte, wie viel Arbeit Korrekturen bedeuten
    - Variante 3 nicht so attraktiv gewirkt hätte, da ich damals nicht abschätzen konnte wie viel Arbeit eine sehr heterogene Schülerschaft (bis hin zur Inklusion) an Arbeitsaufwand (und, ja, teilweise Überforderung und dadurch Selbstzweifeln und Unzufriedenheit) bedeutet.


    Ich denke also, dass nicht alle Möglichkeiten, den Beruf für Lehrer attraktiver zu machen, ihn auch für junge Menschen, die den Beruf ergreifen möchten, anziehender gestalten würden. Einschränkend sollte ich aber sagen, dass tatsächliche (nur nicht nur "werbewirksame") Verbesserungen der Arbeitsbedingungen das Bild des Berufs, das wir Lehrer selbst nach außen tragen (und damit vielleicht unser Image als stete Nörgler, die sich - etwas übertrieben gesagt - alle naselang wegen einer Grippe "Burnout" attestieren lassen um dann erstmal zu Hause bleiben) verbessern könnte. Dies könnte vielleicht tatsächlich zu einem positiveren Bild unseres Berufsstandes auch unter angehenden Berufsanfängern führen und den Beruf so attraktiver erscheinen lassen.

    Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?

  • Die Variante mit weniger Stunden für das gleiche Gehalt ist aber doch praktisch identisch mit einer höheren Besoldungsstufe, wenn man dann einfach um ein paar Stunden reduziert.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Also zieht dieser Hinweis ja gar nicht. Der Lehrer in einem Kuhdorf in der Eifel kriegt das gleiche Gehalt wie der Lehrer im Raum Köln-Bonn. Die unterschiedliche Kaufkraft ist kein Grund für die unterschiedliche Besoldung der Bundesländer.


    Wie verträgt sich das nun also mit dem gleichen Lohn für gleiche Arbeit?

    Die unterschiedliche Kaufkraft ist sehr wohl ein Grund. Schließlich werden Beamte alimentiert und bekommen kein Gehalt. Das Bundesverfassungsgericht hat dazu festgestellt:


    "Der Dienstherr ist verpflichtet, Beamte sowie ihre Familien lebenslang angemessen zu alimentieren und ihnen nach ihrem Dienstrang, nach der mit ihrem Amt verbundenen Verantwortung und nach der Bedeutung des Berufsbeamtentums für die Allgemeinheit entsprechend der Entwicklung der allgemeinen wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse und des allgemeinen Lebensstandards einen angemessenen Lebensunterhalt zu gewähren."

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Alimentationsprinzip


    Von etwaigen Lohnhöhen steht da nichts. Da aber eine Wohnung in München Stadt gewiß teurer sein wird als eine vergleichbare Wohnung in Unterfranken, braucht der Beamte in München Stadt höhere Bezüge, um einen vergleichbaren Lebenswandel führen zu können.

  • Die Variante mit weniger Stunden für das gleiche Gehalt ist aber doch praktisch identisch mit einer höheren Besoldungsstufe, wenn man dann einfach um ein paar Stunden reduziert.

    Nur wenn du die Reduzierung dann auch sicher genehmigt bekämest, was in Zeiten des Lehrermangels schwierig wird, wenn keine besonderen Gründe vorliegen. Ich als nicht-Elternteil hätte momentan an meiner Schule, die 9 Stellen (!) Unterhang hat, keine Chance auf eine Bewilligung des Antrages.

    Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?

  • Die Variante mit weniger Stunden für das gleiche Gehalt ist aber doch praktisch identisch mit einer höheren Besoldungsstufe, wenn man dann einfach um ein paar Stunden reduziert.


    Im Prinzip hast du Recht. Wenn ich statt Stundenreduzierung "nur" ein höheres Gehalt bekomme, dann reduziere ich eben selbst.


    Für den Arbeitgeber bringt das also nichts und für die Verringerung des Lehrermangels schon gar nichts. Der steigt dann eher noch, weil immer mehr Lehrer in Teilzeit gehen.


    Außerdem wäre eine Stundenreduzierung aus meiner Sicht nur 1 Punkt von mehreren notwendigen Entlastungen, die ich mir wünschte. Klassengrößen kann ich z.B. nicht selbst reduzieren, wenn das Gehalt steigt.


    Und wenn Teilzeit nicht gestattet wird (wegen des Lehrermangels)?

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.


  • Du willst jetzt also mit deinem Zitat sagen, dass bei der Festlegung der Lehrergehälter die jeweiligen Lebenshaltungskosten in einem Bundesland eine Rolle spielen.


    Warum bekamen dann Berliner Lehrer lange Zeit eher weniger als im Bundesdurchschnitt (bis sie alle mit Erfahrungsstufe 5 eingestellt wurden)?


    Und warum kriegen dann die in München genauso viel wie die in einem bayrischen Dorf in Unterfranken?


    Ist es denn so, dass der verbeamtete Lehrer in München ein höheres Gehalt bekommt als der Lehrer in Unterfranken?


    Ich konnte das keiner Tabelle mit Lehrergehältern entnehmen. Gibt es für "euch Beamte" so eine Art Standortzulage?

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Gerade dieser Punkt soll eigentlich die ländlichen Gegenden attraktiver machen, da man ja mehr von seinem Gehalt hat. Bereits jetzt leidet München unter Überbevölkerung und das Image als "teure Stadt" scheint dem Ganzen keinen Abbruch zu tun :/ . Daher ist es ganz gut, dass es keinen München-Bonus gibt und im Grunde müssten zugunsten der ländlichen Gegenden die Mieten in München noch deutlich stärker ansteigen, sodass die Menschen bereits von Anfang an gar nicht erst auf die Idee kommen, auf Teufel komm raus, dort (oder Frankfurt, Köln, Berlin) wohnen zu wollen. Bringt ja auch nichts, wenn Münchens Bevölkerungsdichte irgendwann fünfstellig wird und im Rest Bayerns alle paar Kilometer mal ein Haus steht ;) ....


    Ja, genau. Da soll es dann Zulagen für Lehrer geben, die bereit sind, in unattraktiven ländlichen Gegenden zu arbeiten. Ich wäre ja sogar dafür. Ich bin ja für Differenzierungen je nach Einsatz, "Schweregrad", auch Alter usw.


    Nur hier tönen (fast) alle vom gleichen Lohn für gleiche Arbeit und meinen eigentlich nur mehr Geld für sich selbst, denn es gibt alle möglichen ungleichen Bezahlungen, die niemanden stören, der davon einen Vorteil hat.


    ;)

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • ...Aus Sicht meines 10 Jahre jüngeren Ichs (das sich für eine berufliche Richtung entscheiden musste) könnte ich mir aber vorstellen, dass
    - Variante 1 zur Attraktivität des Berufs beigetragen hätte,
    - Variante 2 nicht so attraktiv gewirkt hätte, da ich damals nicht abschätzen konnte, wie viel Arbeit Korrekturen bedeuten
    - Variante 3 nicht so attraktiv gewirkt hätte, da ich damals nicht abschätzen konnte wie viel Arbeit eine sehr heterogene Schülerschaft (bis hin zur Inklusion) an Arbeitsaufwand (und, ja, teilweise Überforderung und dadurch Selbstzweifeln und Unzufriedenheit) bedeutet.
    ...


    Damit hast du womöglich teilweise Recht, @Midnatsol.


    Ich persönlich möchte aber nicht die in den Lehrerberuf locken, denen es nur um einen sehr guten Verdienst geht. Ich möchte die im Lehrerberuf haben, die mit Leib und Seele Lehrer sind.


    Natürlich soll man uns dafür vernünftig bezahlen. Das werden wir aber, finde ich.


    Dass es "echten Lehrerpersönlichkeiten" nicht (nur) ums Geld geht, glaube ich erstens sowieso und zweitens kann ich auf die DDR verweisen (Gott hab sie selig) ;) , in der Lehrer nicht gut bezahlt wurden - wie es damals immer hieß -, die aber keinen Lehrermangel hatte. Ähnliches finden wir in anderen Ländern Europas und der Welt vor.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • OT:
    Ich verweise da eher wieder auf einen Kölner Stadtteil.
    Der paßt zwar thematisch nicht, aber inhaltlich.

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
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    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

  • Ich denke, dass genau das aber ein Irrglaube ist. Niemand wird kein Lehrer, weil man dann schlecht verdient.

    Es ist ja auch nicht ausschlaggebend, ob ich Lehrer werde. Aber ich habe mich wegen A12 bewusst gegen das Grundschullehramt entschieden und werde sicherlich in kein Bundesland gehen, in dem ich als Sek 1-Lehrkraft kein A13 bekomme. Die Kaufkraft durch Grundstückspreise spielt da natürlich auch eine Rolle.

    Gerade dieser Punkt soll eigentlich die ländlichen Gegenden attraktiver machen, da man ja mehr von seinem Gehalt hat. Bereits jetzt leidet München unter Überbevölkerung und das Image als "teure Stadt" scheint dem Ganzen keinen Abbruch zu tun :/ . Daher ist es ganz gut, dass es keinen München-Bonus gibt und im Grunde müssten zugunsten der ländlichen Gegenden die Mieten in München noch deutlich stärker ansteigen, sodass die Menschen bereits von Anfang an gar nicht erst auf die Idee kommen, auf Teufel komm raus, dort (oder Frankfurt, Köln, Berlin) wohnen zu wollen. Bringt ja auch nichts, wenn Münchens Bevölkerungsdichte irgendwann fünfstellig wird und im Rest Bayerns alle paar Kilometer mal ein Haus steht ;) .

    In Sachsen bekommen Studierende ihr Studium vom Land finanziert, wenn sie vorher unterschreiben, nicht in die angesagte Städte zu gehen - das sog. "Sachsenstipendium".

  • In Bayern scheint es andersrum zu sein.
    müssen viele in den Großstädten arbeiten, die da gar nicht hin wollen. Für Singles aus Franken geht es nach dem Ref meist einige Jahre nach München. Das Land braucht man hier nicht attraktiver zu machen, es werden so viele Versetzungsanträge aufs Land gestellt, dass teilweise jahrelang gewartet werden muss, bis man endlich aus der Großstadt wegkommt.

  • Das eine Bundesland zahlt Prämien, wenn man auf's Land zieht, das andere Bundesland zwingt die Leute in die Großstadt.


    Man merkt: das einzige Prinzip das hier herrscht ist das von Angebot und Nachfrage.

  • Man merkt: das einzige Prinzip das hier herrscht ist das von Angebot und Nachfrage.

    Na, nun verwirre die jungen Adepten nicht. Der Lehrerarbeitsmarkt ist kein Markt im klassischen Sinne (viele Anbieter, viele Nachfrager), sondern praktisch ein Monopson (jedenfalls auf die einzelnen Bundesländer bezogen, diese bilden aber ein Kartell, was die Sache nicht unbedingt besser macht):

    Zitat

    Die Folge von monopsonistischer Macht am Arbeitsmarkt ist, dass Löhne unterhalb des sich andernfalls am Markt einstellenden Gleichgewichtspreises durchgesetzt werden, wodurch es zu einem Wohlfahrtsverlust kommt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Monopson



    Und das ist auch der Grund, warum die GHS- bzw. Sek I-Leher in vielen Bundesländern nur mit A12 bezahlt werden, und zwar als einzige Berufsgruppe mit Hochschulabschluss auf Master-Niveau. Und ist der Skandal! Der Staat macht es einfach, weil er es kann! Die Absolventen haben praktisch keine Alternative. Ginge es auf dem Arbeitsmarkt wirklich nach Angebot und Nachfrage, sollten aktuell eher Besoldungen nach A14 aufgerufen werden... Stattdessen wird der Arbeitsmarkt für "Seiteneinsteiger" geöffnet. Das ist so, als ob bei Ärztemangel nicht die Arbeitsbedingungen attraktiver gemacht werden, sondern Krankenpfleger plötzlich als Ärzte praktizieren dürfen...


    Nebenbei: Hätte der Bund im Bildungsbereich das Sagen, würde auch noch die (wenige) Konkurrenz zwischen den Bundesländern wegfallen, und es würde wahrscheinlich nur A11 oder noch weniger gezahlt werden! Ein Blick in Staaten mit zentralistischem Bildungssystem (Frankreich...) genügt...


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

    2 Mal editiert, zuletzt von Mikael ()

  • Das eine Bundesland zahlt Prämien, wenn man auf's Land zieht, das andere Bundesland zwingt die Leute in die Großstadt.


    Man merkt: das einzige Prinzip das hier herrscht ist das von Angebot und Nachfrage.


    Das stimmt wohl mal wieder grundsätzlich, @Morse. :)


    Nur ist es in der sozialen (!) Marktwirtschaft dann doch aber auch so, dass der Staat ausgleichend eingreift und nicht alles den Marktmechanismen überlässt, sondern unser Leben auch nach anderen Kriterien gestaltet, nicht wahr?! Dafür gibt es dann unterschiedliche "Angebote" in Form unterschiedlicher Parteien, die man wählen kann oder nicht.


    Ansonsten aber müssten, ja dürften wir Lehrer dann, weil du prinzipiell ja nicht Unrecht hast, gar kein Interesse daran haben, dass der Lehrermangel beseitigt wird, denn der Lehrermangel stärkt unsere Position in den Verhandlungen um mehr Gehalt und/oder mehr Entlastung mit den Arbeitgebern - je nachdem, welche Politiker auf der Verhandlungsseite sitzen.


    So gesehen, müsste man dann tatsächlich für mehr Gehalt eintreten - um die Gunst der Stunde zu nutzen und mit dem Argument, nur so bekämen wir wieder mehr Lehrer, aber in der Hoffnung, dass es doch nie zu viele werden und immer "ein bisschen Lehrermangel" bestehen bleibt.


    D.h., wir sagen den Politikern, die Gehälter müssen erhöht werden, um den Lehrermangel zu beseitigen in der Hoffnung, dass aber genau das, die Beseitigung des Lehrermangels, nie wirklich gelingt. ;)

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

    2 Mal editiert, zuletzt von Das Pangolin ()

  • Ich wäre hingegen dafür, die "Gunst der Stunde" zu nutzen, um massive Entlastungen im Lehreralltag durchzusetzen mit dem gleichen Argument, "sonst macht das bald keiner mehr!" (siehe Midnatsols Beitrag)


    Höhere Gehälter führen doch letztendlich nur dazu, dass der Staat versucht (spätestens wenn die Steuereinnahmen nicht mehr sprudeln), an anderer Stelle einzusparen. Das kann auch bei uns sein, weil ihm die Lehrer "zu teuer geworden sind". Dann werden wohl eher Klassengrößen erhöht und das Stundensoll heraufgesetzt - genau wie es in den letzten Jahrzehnten geschehen ist.


    Dass Gewerkschaften und Berufsverbände hingegen eher auf höhere Gehälter statt auf massive Entlastungen setzen, ist auch durchsichtig. Höhere Gehälter bedeuten höhere Einnahmen durch höhere Mitgliedsbeiträge (absolut). Dann kann man sich auch selbst Gehaltserhöhungen bewilligen.


    Von einer Senkung unseres Stundensolls oder der Klassengrößen haben die Gewerkschafts-Mitarbeiter hingegen nichts.

    Es gibt für alles ein Publikum und für jede Meinung das passende Argument.

  • Höhere Gehälter führen doch letztendlich nur dazu, dass der Staat versucht (spätestens wenn die Steuereinnahmen nicht mehr sprudeln), an anderer Stelle einzusparen. Das kann auch bei uns sein, weil ihm die Lehrer "zu teuer geworden sind". Dann werden wohl eher Klassengrößen erhöht und das Stundensoll heraufgesetzt - genau wie es in den letzten Jahrzehnten geschehen ist.

    Falsch. Selbst wenn die Klassengrößen und die Unterrichtsverpflichtung herabgesetzt werden, so hat das, wie die Erfahrung zeigt, nur einen kurzfristigen Effekt. Gerade diese Maßnahmen werden bei sinkenden Steuereinnahmen oder auch nur einem Wechsel der Landesregierung wieder einkassiert, so dass man am Ende als Lehrkraft mit leeren Händen darsteht. Gehaltserhöhungen hingegen hat man erst einmal sicher, die Hürde da im Nachhinein wieder zu kürzen ist VIEL höher. Für Klassengrößen und Unterrichtsverpflichtung gibt es keinen Bestandssschutz! Politische Versprechungen in diesem Bereich sind vollkommen wertlos!


    Man sollte als Lehrkraft nicht immer so kurzfristig denken, sondern mehr die ökonomische Realität im Blick behalten!


    Gruß !

  • Na, nun verwirre die jungen Adepten nicht. Der Lehrerarbeitsmarkt ist kein Markt im klassischen Sinne (viele Anbieter, viele Nachfrager), sondern praktisch ein Monopson (jedenfalls auf die einzelnen Bundesländer bezogen, diese bilden aber ein Kartell, was die Sache nicht unbedingt besser macht):

    https://de.wikipedia.org/wiki/Monopson


    Und das ist auch der Grund, warum die GHS- bzw. Sek I-Leher in vielen Bundesländern nur mit A12 bezahlt werden, und zwar als einzige Berufsgruppe mit Hochschulabschluss auf Master-Niveau. Und ist der Skandal! Der Staat macht es einfach, weil er es kann! Die Absolventen haben praktisch keine Alternative. Ginge es auf dem Arbeitsmarkt wirklich nach Angebot und Nachfrage, sollten aktuell eher Besoldungen nach A14 aufgerufen werden... Stattdessen wird der Arbeitsmarkt für "Seiteneinsteiger" geöffnet. Das ist so, als ob bei Ärztemangel nicht die Arbeitsbedingungen attraktiver gemacht werden, sondern Krankenpfleger plötzlich als Ärzte praktizieren dürfen...
    [...]


    Hallo Mikael,
    ich stimme Dir zu, was das Monopson betrifft! Für mich ist das allerdings keine Abweichung des Prinzips vn Angebot und Nachfrage, sondern eine genauere Beschreibung einer bestimmten Situation.
    Ich habe das bisher unter der etwas vagen Formulierung laufen lassen, dass das Berufsbeamtentum bzw. der Staat als Arbeitgeber ein "besonderer" Arbeitgeber ist, wo z.B. nicht do dynamisch agiert wird wie in der 'freien' Wirtschaft.
    Deine Sätze
    "Der Staat macht es einfach, weil er es kann! Die Absolventen haben praktisch keine Alternative."
    würde ich gerne dick unterstreichen! Das ist das Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer: der eine lässt für sich arbeiten - aber nur dann, wenn es sich für ihn selbst lohnt. Der andere ist gezwungen für jeden Lohn zu arbeiten.
    Was das hier betrifft
    "Ginge es auf dem Arbeitsmarkt wirklich nach Angebot und Nachfrage, sollten aktuell eher Besoldungen nach A14 aufgerufen werden... Stattdessen wird der Arbeitsmarkt für "Seiteneinsteiger" geöffnet"
    so sehe ich darin auch keine Abweichung von kapitalistischen Prinzipien.
    Dass die Qualifikation für eine Tätigkeit herabgesetzt wird kann z.B. daran liegen, dass die höhere Arbeitsqualität einfach nicht mehr als nötig erachtet wird und/oder man nicht mehr genügend Bewerber findet. So oder so erscheint mir der Zweck des ganzen die Senkung von Arbeitskosten zu sein.
    Was Du beschrieben hast, trifft auf den Grundschulbereich ja (noch?) nicht zu: dort werden Löhne erhöht. Aber im Kindergartenbereich wird momentan der Arbeitsmarkt so "geöffnet" wie Du es beschrieben hast - also keine Lohnerhöhung trotz Personalmangel.


    Nochmal was grundsätzliches:
    Der Arbeiternehmer nennt es "unterbesetzt", der Arbeitgeber "produktiv".

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