Sascha Lobo fordert: Mehr Erziehung und weniger Bildung in den Schulen!

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    • Sascha Lobo fordert: Mehr Erziehung und weniger Bildung in den Schulen!

      Kann man hier nachlesen:
      spiegel.de/netzwelt/netzpoliti…ng-kolumne-a-1276675.html

      Ob er mit dieser Idee Zuspruch findet? Es wird doch schon jetzt ZUWENIG Bildung in den Schulen beklagt, zuwenig Erziehung natürlich auch.

      Oder ist die Idee einfach die verpflichtende Ganztagsschule für alle? Aber woher das Personal nehmen, es gibt ja jetzt schon zuwenig Lehrkräfte, Erzieher usw.

      Oder lautet der heimliche Plan einfach: Verpflichtende Präsenzzeiten von 8 bis 17 Uhr an den Schulen für alle Lehrkräfte, damit genug Zeit für "Erziehung" bleibt? Unterricht vor- und nachbereiten und Klausuren korrigieren könnten die "faulen Säcke" schließlich auch abends. Haben dafür im Ausgleich ja praktisch Dauerferien oder sind dauernd krank oder dauernd auf Fortbildung oder dauernd in Frühpension...

      Bei diesen Aussichten wird die Gewinnung von qualifiziertem Lehrkräftenachwuchs sicherlich noch schwieriger. "Lehrst du noch oder erziehst du schon?" Vielleicht ein ganz neues Berufsbild: Der Lehrzieher oder doch besser "Leerzieher"?

      Gruß !
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen
    • Habe den Artikel auch gelesen, mit dem Verlinken bist du mir zuvorgekommen.
      An einer Schule wurde immer schon gelehrt und erzogen. Das ist ok, wenn das Lehren ca. 80% des Tagesgeschäftes ist. An vielen Schulen ist es aber mittlerweile umgekehrt, da erzieht man 80% des Tages. Besser gesagt 80% des Tages ist man damit beschäftigt die Ordnung wieder herzustellen. Hat mit Erziehung eigentlich nicht so viel zu tun. Lehrer sind für diese Aufgabe auch überqualifiziert. Wie heißen noch die Leute, die andere erziehen? Ach ja, Erzieher. Könnte ich einige bei uns in der Schule gebrauchen, um meiner Kernaufgabe wieder gerecht zu werden.
      Dieser Lobo sollte sich mal einige Schulen von innen ansehen.
    • Sascha Lobo, auch so ein vermeintlicher Experte für alles. In seiner Vita finde ich keine Anhaltspunkte für besondere Kompetenz in pädagogischen Fragen jenseits des Stammtischniveaus. Zumal sich Erziehung und Bildung weder in der Theorie noch in der Praxis klar voneinander abgrenzen lassen. Aber Hauptsache, im Text schwingt mit, dass die Schule die Schuld daran trage (oder zumindest einen Teil der Schuld), wenn Kinder oder Jugendliche Vergewaltiger würden - wer auch sonst?
    • Freakoid schrieb:

      Habe den Artikel auch gelesen, mit dem Verlinken bist du mir zuvorgekommen.
      An einer Schule wurde immer schon gelehrt und erzogen. Das ist ok, wenn das Lehren ca. 80% des Tagesgeschäftes ist. An vielen Schulen ist es aber mittlerweile umgekehrt, da erzieht man 80% des Tages. Besser gesagt 80% des Tages ist man damit beschäftigt die Ordnung wieder herzustellen. Hat mit Erziehung eigentlich nicht so viel zu tun. Lehrer sind für diese Aufgabe auch überqualifiziert. Wie heißen noch die Leute, die andere erziehen? Ach ja, Erzieher. Könnte ich einige bei uns in der Schule gebrauchen, um meiner Kernaufgabe wieder gerecht zu werden.
      Dieser Lobo sollte sich mal einige Schulen von innen ansehen.

      Im Grunde stimme ich dir ja zu, Freakoid, in unseren Schulen wird erzogen, je jünger die Kinder, desto mehr und an Grundschulen nimmt das manchmal sehr viel Raum ein, aber nicht nur dort. Thomas Böhm, Experte für Schulrecht, schreibt dazu:

      "Unterricht muss möglich sein - und das ist er nur, wenn Schüler anwesend, ruhig und aufmerksam sind.
      [...]
      Würde der Unterrichtsausfall wegen Unterrichtsstörungen durch Schüler erhoben, kämen erschreckende Ausfallzeiten zusammen, die dem Unterrichtsausfall wegen Lehrermangels Konkurrenz machen können und eine Diskussion einforderten, ob die vorhandenen rechtlichen Möglichkeiten, Störungen schnell und effektiv zu beenden, ausreichen."

      (Thomas Böhm: "Nein, du gehst jetzt nicht aufs Klo!".- München 2018, S. 41 + 59)

      Ich finde, dass auch die Wiederherstellung von Ordnung Erziehung ist, wir erziehen die Kinder dabei dazu, sich an Regeln zu halten und auch die Rechte und Interessen anderer, nämlich an einem guten und störungsfreien Unterricht, zu achten sind. Lehrer sind dafür meiner Meinung nach auch nicht überqualifiziert. Diese Erziehung gehört auch zu unseren Aufgaben - gerade auch dann, wenn wir dabei nicht von den Eltern unterstützt werden. Das Erziehungsrecht der Schule ist dem Erziehungsrecht der Eltern nicht untergeordnet, sondern gleichgeordnet. Wir dürfen also die Kinder auch zu Toleranz, Friedfertigkeit, Demokratie, Gewaltlosigkeit, Höflichkeit usw. erziehen, wenn die Eltern das nicht wollen.
      "Aus Niederlagen kann man auch gestärkt hervorgehen." (AUS: Günter Görlich: Eine Anzeige in der Zeitung)
    • Tayfun Pempelfort schrieb:

      (Thomas Böhm: "Nein, du gehst jetzt nicht aufs Klo!".- München 2018, S. 41 + 59)

      Ich finde, dass auch die Wiederherstellung von Ordnung Erziehung ist, wir erziehen die Kinder dabei dazu, sich an Regeln zu halten und auch die Rechte und Interessen anderer, nämlich an einem guten und störungsfreien Unterricht, zu achten sind.
      Interessanter Titel für ein Buch, aber selbst wenn die Möglichkeit bestehen sollte, dass ein Lehrer vor Gericht letztendlich Recht bekommt, falls er ein "Kloverbot" ausspricht, wer hat schon Bock auf die möglichen Konsquenzen, siehe z.B. anwalt.de/rechtstipps/schulrec…rechtsmaessig_060575.html

      Und auf den Shitstorm in den Medien hat auch keiner Lust, siehe z.B. focus.de/familie/schule/vorfal…gt-lehrer_id_7864533.html

      Also: Was nützt ein eventuelles formales Recht ("Erziehungsauftrag der Schule"), das sich in der Praxis entweder nicht oder nur unter größeren persönlichen Opfern durchsetzen lässt? Weil es keinen gesellschaftlichen Konsens mehr gibt, was schulische Erziehung darf und was nicht? Und weil es öfters auch keine Rückendeckung "von oben" mehr gibt? Die wenigsten wollen den Märtyrer spielen.

      Gruß !

      edit: Die Polzei hat übrigens dieselben Probleme: welt.de/vermischtes/article197…eschimpft-Polizisten.html
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Mikael ()

    • Das ist jetzt wieder so ein Konflikt zwischen "Wie sollte es sein?" (Erziehung findet hauptsächlich im Elternhaus statt, Schule kann sich vorwiegend auf Bildung konzentrieren) und "Wie ist es denn wirklich?" (Erziehung findet - je nach Einzugsgebiet der Schule - kaum daheim statt, die Schule muss erst einmal die Grundlagen des Zusammenlebens in einer Gemeinschaft vermitteln ... da bleibt nicht viel Zeit für Bildung).

      So ganz Unrecht hat er - wenn man den Realitäten ins Auge sehen muss - nicht.

      Ich frag mich aber, was eine Erziehung an der Schule "gegen" Elternhaus, Freundeskreis und soziale Medien bewirken kann.
    • Gleichwohl gelangte das NS-Erziehungswesen im Schulbereich hinsichtlich einer vollständigen ideologischen Durchdringung auch an Grenzen des Einflusses. Dabei spielten Beharrungskräfte des Bildungsföderalismus ebenso eine Rolle wie eine weitgehende Kontinuität des deutschen Lehrerpersonals zwischen 1933 und 1939. Deshalb blieb es an manchen Schulen bei einem den weltanschaulichen Vorgaben des NS-Apparats eher gleichgültig bis vorsichtig distanziert begegnenden Binnenklima. Andererseits stellten die der Ausbildung von NS-Führungskadern dienenden Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (Napolas) und Adolf-Hitler-Schulen insgesamt nicht mehr als ein bis zwei Prozent eines Abiturjahrgangs.
      de.wikipedia.org/wiki/Zeit_des…zialismus#Erziehungswesen

      Und wer waren dann die 43,9%, die die NSDAP am 05.03.1933 gewählt haben?

      Gruß !

      ps: Godwin's Law hat wieder zugeschlagen!
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen
    • Hallo Mikael,

      sorry, aber die Wähler der NSDAP von 1933 waren mitnichten alle überzeugte Nationalsozialisten. Viele waren verzweifelt, Kinder waren unterernährt, es grassierten TB und Rachitis. Die Lebensbedingungen waren erschreckend schlecht und die Präsidialkabinette hatten wenig Vertrauen gewonnen. Waschechte Nazis waren das nicht alle.

      Das lässt sich auch daran ablesen, dass der Zuspruch, die Kinder in die HJ zu schicken, zu Beginn eher klein war. Hitler musste seine Verschleierungstaktik über seine Kriegsabsichten nicht nur gegenüber dem Ausland fahren, auch im Inland wäre er bei den Kriegsteilnehmern des ersten Weltkriegs nicht auf Freunde gestoßen.

      Nicht umsonst war die ideologische Durchformung der Jugend so wichtig für Hitler - die Jugend wurde damit auch zum Spion in der eigenen Familie.
    • Aufgestanden und sich gewehrt, als massenhaft Nachbarn denunziert, verhaftet und deportiert wurden sind die von dir beschriebenen armen, hungrigen, verzweifelten Hascherln aber auch nicht @Stille Mitleserin. Was auch immer sie also waren oder nicht: Waschechte Demokraten und Wahrer von Menschenrechten waren die Wähler der NSDAP mehrheitlich jedenfalls keinesfalls. Solche gab es aber durchaus und ungeachtet ihrer jeweiligen Lebensbedingungen, die eben nicht alles rechtfertigen könnten, was Menschen Menschen anzutun bereit sind.
    • Die Probleme, die du bzgl. der Erziehung durch die Schule (gegen das Elternhaus) siehst, sehe ich durchaus auch, Mikael. Meine Schlussfolgerung ist aber nicht, wir können nichts tun, sondern, wir sollten tun, was wir tun können - auch wenn es womöglich wenig ist. Was genau und wie sehr sowieso in den Genen liegt und wie viel Umwelt und Erziehung ausmachen, ist ja nicht bisher nicht eindeutig beantwortet. Es gibt Theorien und Annahmen, aber sie unterscheiden sich auch voneinander. Vielleicht irren sie alle? In der Schule wirkt Erziehung, wenn sie wirkt, ja auch nicht einheitlich, der eine Lehrer legt mehr Wert, der andere weniger auf das eine oder andere. Dem einen ist wichtig, was dem anderen gar nicht so wichtig ist usw.-usf. Was davon wirkt dann wie auf den Schüler? Ich bin nur dagegen, sich in der Konsequenz ganz raushalten zu wollen und alles den Eltern zuschieben zu wollen. Wenn stimmt, was wieder andere sagen, dass "alles" in den Genen liegt, dann können ja auch die Eltern nichts tun, denen wir so gerne Versagen vorwerfen, wenn es nicht klappt mit dem Nachwuchs. Wen machen wir dann verantwortlich und wie vor allem reagieren wir dann darauf?

      Stille Mitleserin schrieb:

      Hallo Mikael,

      die deutsche Geschichte hat gleich zwei Mal bewiesen, dass es hervorragend möglich ist, Kinder am Elternhaus vorbei zu erziehen, wenn der Staat es darauf anlegt.

      Genau das bestreite ich am meisten, falls du damit das Dritte Reich und die DDR meinst. (Ist mir nicht ganz klar.) Die DDR hatte eine sehr starke politische Indoktrination in den Schulen. Sie war erfolgreich damit? Nein, das kann nicht sein. Warum demonstrierten dann Hunderttausende, ja Millionen 1989 gegen die DDR - nach 40 Jahren politischer Indoktrination in den Schulen! - und gut 85 % wählten sie bei den ersten freien Wahlen 1990 ab?!? Das ist doch eher das beste Beispiel dafür, wie erfolglos die staatliche politische Beeinflussung war.

      Wie es im Dritten Reich war, vermag ich nicht einzuschätzen bzw. traue es mir nicht zu. Ich gehe davon aus, nach allem, was man hört und liest, dass auch sehr viele Menschen gegen das Nazi-System waren. Es kam nur nicht zu einem "Aufstand" wie 1989 in der DDR. Er kam in der DDR (abgesehen von 1953) ja aber auch erst nach 40 Jahren. Das Dritte Reich existierte aber nur 12 und befand sich davon die letzten 7 Jahre im Kiegszustand (Millionen Menschen waren an der Front, vor allem die Männer; Millionen waren bereits gefallen, Millionen ermordet ...).
      "Aus Niederlagen kann man auch gestärkt hervorgehen." (AUS: Günter Görlich: Eine Anzeige in der Zeitung)
    • Tayfun Pempelfort schrieb:


      Genau das bestreite ich am meisten, falls du damit das Dritte Reich und die DDR meinst. (Ist mir nicht ganz klar.) Die DDR hatte eine sehr starke politische Indoktrination in den Schulen. Sie war erfolgreich damit? Nein, das kann nicht sein. Warum demonstrierten dann Hunderttausende, ja Millionen 1989 gegen die DDR - nach 40 Jahren politischer Indoktrination in den Schulen! - und gut 85 % wählten sie bei den ersten freien Wahlen 1990 ab?!? Das ist doch eher das beste Beispiel dafür, wie erfolglos die staatliche politische Beeinflussung war.
      Das ist leider auch etwas zu kurzsichtig gedacht, denn der politische Erfolg z.B. der AfD heutzutage beruht ganz massiv auf der unzureichenden Aufklärung und Bildung im Hinblick auf die eigene Verantwortung in der Zeit des Faschismus und den gerade in der ehemaligen DDR sehr präsenten Alltags-Antisemitismus (z.B. in Form der Umwidmung/Profanierung von jüdischen Friedhöfen). Offiziell waren ja alle Anti-Fachisten, kein Grund allzu tief zu graben (und ja, auch der Westen hat sich bei der Entnazifizierung nicht gerade mit Ruhm bekleckert). Wäre die DDR nicht durchaus auch erfolgreich gewesen mit ihrem politischen Programm hätte es kaum solange gedauert, bis es zu einem poltischen Umbruch kam, gäbe es nicht Millionen Akten in der Gauck-Behörde über IM-Tätigkeiten von Menschen über ihre Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn Kollegen. Ja, es gab sowohl in der ehemaigen DDR, als auch in der Zeit des Nazi-Regimes mutige Menschen, die aufgestanden sind, statt sich wegzuducken und mitzuspielen- es waren auch in der eheamligen DDR allzulange aber nur Minderheiten, die einen hohen persönlichen Peis für ihren Mut und Anstand bezahlt haben und oftmals bis heute zahlen.
    • CDL schrieb:

      ... denn der politische Erfolg z.B. der AfD heutzutage beruht ganz massiv auf der unzureichenden Aufklärung und Bildung im Hinblick auf die eigene Verantwortung in der Zeit des Faschismus und den gerade in der ehemaligen DDR sehr präsenten Alltags-Antisemitismus ...
      Meinst du das ernst? Ist es nicht eher die existierende Realpolitik, von der sich viele nicht vertreten und abgehängt fühlen?
    • Aus der heutigen Perspektive ist es so leicht, zu erwarten, dass 1933 die Bevölkerung hätte gegen Hitler aufstehen müssen.
      Aus der damaligen wäre das unverständlich gewesen.
      Die Dikatur wurde langsam, mit legalem Anstrich installiert, Propaganda färbte früh die öffentliche Meinung zu Oppositionellen in Gefängnissen und Lagern (mit passenden Bildern, das alle gut behandelt würden, was vor Übernahme der SS ja sogar noch einigermaßen stimmte). Getragen von der Begeisterung über den Rückgang von Arbeitslosigkeit, außenpolitischen Erfolgen, mit attraktiver Freizeitgestaltung und sozialen Googies für die Arbeiterschaft und mehr gefühlter Sicherheit wurde die Bevölkerung immer bereiter dazu, die Idee von der "Volksgemeinschaft" mitzutragen.

      Sich heute hinzustellen und zu fordern, dass man damals hätte wissen müssen..., zeugt von wenig Verständnis für den historischen Perspektivwechsel. Von heute aus besehen hätte man eine Menge anders gemacht als die Vorfahren.
      Meine Oma war begeistert im BDM dabei, sie konnte so dem strengen Regiment ihres Vaters entfliehen. Ich würde von mir nicht behaupten, dass ich das damals unter den damaligen Umständen anders gemacht hätte.
    • Meine Verwandten erzählten das ähnlich. Meine Eltern, Jg. 1930 (haben es eher als Kinder mitbekommen), erzählten, dass man am Anfang eher gedacht hat, Hitler wäre gut, er tut etwas fürs Volk. Man sah es am Autobahnbau z.B. So schwach kann ich mich erinnern, dass mein Vater sagte, dass die Hitlerjugend schon viele fasziniert hat.
      Mit der Zeit hat man dann doch mitbekommen, dass da etwas nicht stimmte, hatte aber Angst. Spätestens als der Krieg mit seinem Leid da war und man jede Nacht Angst vor der Bombardierung haben musste bzw. bei der Feldarbeit Angst haben musste, vom Flugzeug aus abgeschossen zu werden, war wohl klar, was Hitler angerichtet hatte. Das war ein besonderes Trauma meiner Mutter: die Feldarbeit und die Tiefflieger.
      Mein Großvater mütterlicherseits z.B. verhielt sich offiziell neutral und versteckte heimlich flüchtende Kriegsgefangene und rettete sie somit. Durch eine Kriegsverletzung im 1. Weltkrieg wurde er im 2. Weltkrieg nicht eingezogen. Er wurde nach dem Krieg von den Amerikanern als Bürgermeister eingesetzt.
      Meine anderen Großeltern waren in der Kirche aktiv und wurden immer zurückhaltender, weil sie mitbekamen, dass Personen verschwanden. Mein Vater erzählte von heimlichen Treffen der katholischen Jugend. Sie erzählten, dass man vielen nicht mehr trauen konnte, weil einige plötzlich "ganz fanatisch" wurden. In Erzählungen haben sie Namen erwähnt, wo sie das auch im Nachhinein nicht verstanden, wie jemand sich plötzlich so drehen konnte.
      Die ganze Tragweite der Judenverfolgung haben meine Angehörigen erst nach dem 2. Weltkrieg erfahren.
      Ich selbst habe als Kind von dem Kriegtrauma auch etwas abbekommen, denn es wurde immer wieder von solchen Erlebnissen erzählt und ich hatte eine irreale Angst vor einem erneuten Kriegsausbruch.

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