Lehramt - wie sicher wart ihr euch?

  • Zwar wußte ich mit 16 schon, dass ich ins Lehramt wollte, da ich selbst sehr gerne lerne und auch gerne Wissen vermittle, stellte dann aber später im Lehramtsstudiengang Romanistik/Germanistik an einer traditionsreichen Uni in BaWÜ sehr schnell fest, dass die angebotenen Studieninhalte doch eher für eine universitäre Laufbahn passen und vorbereiten als für Lehramt Sek.stufe II - sprich am Schulalltag doch sehr vorbei waren.


    Außerdem machte mir das Jobben zur Finanzierung des Studiums/Lebensunterhalts klar, dass es auch cool ist, Geld zu verdienen. Fand es auch sehr erfrischend, noch was anderes als nur akademische Nabelschau zu betreiben. Habe dann eine kaufmänn. Quali mit 3 Fremdsprachen gemacht und damit dann auch rund 10 Jahre in der freien Wirtschaft mein Geld verdient. Die Schulmeisterei konnte ich aber nicht lassen, dazu kamen noch einige Begebenheiten in der Zeit der Wirtschaftskrise 2008/2009, also hat es mich wieder zu meiner ersten Liebe - nämlich dem Bildungswesen - zurückgezogen. Mich weiterqualifiziert zur Aus- und Weiterbildungspädagogin, DaZ/DaF mit den Prüferlizenzen und aktuell habe ich wieder Lust, mich noch ein wenig weiterzuqualifizieren. Habe schließlich wieder über 10 Jahre in der Erwachsenenbildung zugebracht, vllt wird es für mich wieder Zeit für etwas Neues.

  • Ich wollte schon damals als Schüler Lehrer werden, mir fehlte damals aber noch das Abitur bzw eine andere Studierberechtigung. Diese habe ich über einen riesen Umweg erlangt und befinde mich nun in den letzten Zügen des Studiums.


    Ich habe das gefühl, dass du dich selbst unter druck setzen willst, weil du ja "schon" Anfang 20 bist und deine Freunde alle schon wissen wie Ihr leben aussieht. Lass dir gesagt sein. Du musst dich jetzt noch nicht festlegen, was du dein Leben lang beruflich machen willst. EIn paar schlenker in die "falsche" Richtung sind nicht schlimm. Evtl sogar förderlich, weil du andere Erfahrungen sammelst und vorallem auch für dich bestimmte Sachen Ausschließen kannst.


    Ich habe auch ein Wenig das gefühl, dass du auch Lehrer werden willst weil du es "kennst". Du warst ein großteil deines Lebens in der Schule und hast im Wesentlichen nur den Beruf des Lehreres kennengelernt. Ich will dir das nicht ausreden, aber vllt solltest du zumindest mal (Anhand deiner Interessen) andere Berufe anschauen. Auch welche die "nur" eine Lehre brauchen. Wenn du dann noch immer Lehrer werden willst. Wieso nicht? Und selbst wenn du nach 5 Jahren studium feststellst, dass Lehrer sein für dich nichts ist. Dann ist das zwar ärgerlich aber kein Weltuntergang. Ich würde an deiner Stelle auch als zweites Fach eins wählen, womit du (falls du kein Lehrer werden willst) in andere Berufe einsteigen kannst ohne alles von der Pike auf erneut lernen zu müssen. Das nur als Tipp am Rande.

  • Hast du mal über ein FSJ an einer Schule nachgedacht, z.B. als Klassenbegleiterin? Das machen bei uns viele, die gerne Lehramt studieren würden, aber noch unsicher sind.

  • Hast du mal über ein FSJ an einer Schule nachgedacht, z.B. als Klassenbegleiterin? Das machen bei uns viele, die gerne Lehramt studieren würden, aber noch unsicher sind.


    Danke für die Antwort ich will mir etwas Zeit lassen und versuchen viele Berufe auszuprobieren damit ich abwägen kann.

  • Ich wollte vor allem Philosophie studieren, und bei möglichen Berufsperspektiven steht da "Lehramt" natürlich ganz oben. Aber ich war mir sehr unsicher, ob ich als Lehrerin arbeiten wollen würde. Deswegen habe ich mich explizit gegen das klassische Lehramtsstudium und für das (damals noch recht neue) System "Bachelor of Arts -> Master of Education" entschieden. Zumindest für die Zeit des Bachelors war ich so noch nicht festgelegt und ich habe mir damals vorgenommen, die gewonnene Zeit zu nutzen, um zu überprüfen, ob ich mir diesen Beruf vorstellen kann. Niemals hätte ich ihn als Verlegenheitslösung machen wollen. Entsprechend habe ich im Bachelor ein längeres Schulpraktikum gemacht und bin zwischen Bachelor und Master an eine Schule im Ausland gegangen (Kombination Auslandsaufenthalt + Schulerfahrung). Außerdem habe ich viel in mich hineingehorcht und habe überprüft, wie es mir geht, wenn ich Gespräche mit Fremden führen, Präsentationen halten, etc. muss. Nach dieser Zeit habe ich mich dann bewusst für den Master of Education und gegen den Master of Arts entschieden. Und für mich war es die richtige Entscheidung, obwohl ich als Introvertierter Mensch bei diesen "Bist du als Lehrer geeignet"-Tests oft Warnungen erhielt.

    Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?

  • Ich wollte ganz sicher kein Lehrer sein. Konnte die meisten Lehrer nicht leiden. :ohh:


    Weil mir nix besseres eingefallen ist hab icg ne kaufmännische Ausbildung gemacht. Mit Abi dauert das ja nur 2 Jahre (eigentlich sogar etwas kürzer).


    Mit deiner Ausbildung zun Sozialassistenten machst du auf jeden Fall nix falsch. Sie ermöglicht dir einen ersten Einblick ins Berufsleben (außerhalb von Schule) und bietet dir eine Alternative, falls du merkst, dass Lehrer nix für dich ist.


    Außerdem bekommst du durch die Ausbildung einen Einblick in die Berufsschule, das ist später gut um auch die Schüler in ihrer Situation zu verstehen.


    Zuletzt wird für das Referendariat an beruflichen Schulen meistens ein sehr langes Praktikum benötigt, das hättest du mit der abgeschlossen Ausbildung dann auch schon erledigt.


    Falls du dir Sorgen wegen der Zeit machst: eine Ausbildung ist immer sinnvoll, ich kenne niemanden, der fand, dass das verschwendete Zeit war, selbst wenn er nie in dem Beruf gearbeitet hat.

    Wenn du dir unsicher bist, dann sind die 2 Jahre sehr gut investiert und sie gehen schneller rum als dir lieb ist...

    Sei konsequent, dabei kein Arsch und bleib authentisch. (DpB):aufgepasst:

  • Ich wollte immer irgendwas mit Schüleraustausch machen oder Reisen. Die Jobs gibt es aber nicht. Und ich wollte gut verdienen.

    Also war Lehramt eher ein Kompromiss.

    Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich noch die Kurve bekommen habe und jetzt am BK gelandet bin. Hier mache ich den Job echt gerne.

    Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.

  • Ich war mir damals mit meinen Studienfächern schon sicher. Aber über meinen künftigen Beruf kein bisschen. "Auf Lehramt" wollte ich auf keinen Fall, schon, weil mir das so einfallslos erschien, von der Schule gleich wieder in die Schule zu wollen, wo es doch so viele andere Berufe auf der Welt gibt.


    Ich bin dann erst auf Umwegen Lehrerin geworden, das ist jetzt ok für mich und ich bin immer noch froh, dass ich nicht gleich nach dem Studium damit angefangen habe, sondern viele andere Sachen ausprobieren konnte.


    Ich weiß nicht, ob es so ausschlaggebend ist, sich "sicher" zu sein. Vielleicht machen sich Leute auch völlig falsche Vorstellungen und sind deshalb überzeugt, das Richtige zu wählen. Damit kann man ziemlich reinrasseln. Interessen ändern sich auch im Laufe der Jahre. Man kann sich auch schrecklich langweilen, auch wenn man prinzipiell im richtigen Job ist. Da steckt man nicht drin!


    Alles ausprobieren kann man leider nicht. Irgendwo muss man mal anfangen. Ich könnte mir jetzt noch ein Dutzend Studiengänge und Berufe vorstellen, die ich ausprobieren könnte. So zwei, drei Leben dranhängen, das wäre es, denke ich manchmal.

  • Bei mir kam alles sehr spontan. Ich habe erst mit 21 (heutzutage schon fast ne Schande, habe aber keine Klasse wiederholt, bin mit 7 eingeschult worden und habe noch bis zur 13. Klasse ein allgemeinbildendes Gymnasium besucht) das Abitur gehabt. War dann ganz froh, dass es damals noch die Wehrpflicht gab. Habe dann nach meiner Pflichtzeit von 9 Monaten auf insgesamt 23 Monate FWDL verlängert und dann am letzten Tag meiner aktiven Dienstzeit noch den Einstellungstest für den mittleren Dienst bei der Polizei gemacht und bestanden. Bin dort dann allerdings aus medizinischen Gründen rausgefallen, das war kurz nach dem Bewerberschluss für das Sommersemester 2012. Habe dann einen Ferienjob angetreten und was Studiengänge betrifft in mehrere Richtungen geschossen. Letztlich würde ich sagen, bin ich jedoch in die Fußstapfen meines Bruders getreten, und habe an einer PH Lehramt studiert. Das war so alles keinesfalls langfristig geplant, jedoch habe ich immer schon gerne für diesen Staat gearbeitet. Auch bin ich aktuell (seit September letzten Jahres nun normaler Lehrer mit vollem Deputat und Ref im Juli letzten Jahres beendet) für meinen Geschmack absolut glücklich und sehr zufrieden.


    Damit will ich sagen, meiner Meinung nach ist es keinesfalls verwerflich, mit Anfang 20 noch nicht zu wissen, was man die nächsten 45 Jahre lang arbeiten will. Aus meiner Sicht wurden die besten Tips bereits genannt: geh in die Schulen, mache Praktika. Bessere Einblicke und ehrlichere wirst du sicher nirgends kriegen. Um am Ende läuft aus meiner Sicht alles auf die eine Frage hinaus: stehst du gern vor einer Klasse?

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