Musik fachfremd unterrichten-kann absolut nicht singen!!!

  • Hallo, heuer habe ich das Fach Musik in zwei ersten Klassen bekommen. Ich bin jedoch sehr unmusikalisch und kann wirklich nicht singen (vor allem sobald es in die kopfstimme geht) Och kann keinen richtigen ton treffen bzw. Es gelingt mir gar nicht so hoch zu singen, wie die anderen Musiklehrerinnen ..wie soll ich das nur meistern... :

    ;(

  • Es ist immer schwierig, ein künstlerisches Fach fachfremd zu unterrichten, wenn man für sich selbst feststellt, dass man hierfür kein Talent hat. Müsst ihr denn im Unterricht singen? Wenn ja: Wäre es vlt. möglich, dass du eine CD abspielst und die Kinder dazu singen? Ansonsten, vlt. ehrlich sein und nur summen und die Kinder singen dazu (Auch wenn dann manch ein Schlaumeier fragt, warum die Frau evioessi summen dürfe, sie aber singen müssen)?

  • Ich stand vor ein paar Jahren auch vor dem gleichen Problem und habe folgendes gemacht:


    - Musikfortbildung

    - schnell ein Heft besorgt für Leute die gar keine Ahnung von Musikunterricht haben (Da kann ich 20 x Musik in 45 Minuten vom Verlag an der Ruhr sehr empfehlen)

    - Gesangsunterricht genommen


    Beim Gesangsunterricht hat sich herausgestellt, das ich eine ganz normale Singstimme habe und zu meinem Erstauen auch hoch singen kann. Meine Singstimme ist nur völlig ungeübt weshalb ich bei hohen Tönen sehr unsicher wurde und das dann nicht gleich klappte. Damit fühle ich mich im Unterricht so weit besser und traue mir mehr zu. Außerdem sind 1. Klässler sehr tolerant :top:


    Dürft ihr eigentlich zur Zeit singen? Bei uns ist es verboten.

  • Singen ist bei uns zurzeit auch untersagt.


    Aber es gibt andere Möglichkeiten:

    - Musikstücke hören und mit Orff-Instrumenten begleiten

    - Bewegungslieder oder Bewegung zur Musik

    - bei Kontaktlosigkeit Tänze auf Abstand, also Line Dance, Jazzdance...

    - Hörübungen und Spiele zum Erlernen der Orff-Instrumente... wenn sie derzeit eingesetzt werden dürfen, dann auch Klanggeschichten

    - einfache Mitmach-Sätze, befindenden Musikstücke durch Gesten, Bodypercussion Idee mit Orffinstrumenten begleitet werden

    - Malen und Gestalten zu Musik

    ...


    Welche Möglichkeiten hast du an der Schule?

    Gibt es ein Interaktives Whiteboard oder eine andere Möglichkeit, Digitales zu zeigen?

  • Bei meiner ersten Einstellung wurde ich vom Schulleiter gefragt, welches Fach ich denn wohl zusätzlich fachfremd unterrichten wollte, Sport oder Musik. Ich habe ihm gesagt, lieber Sport, denn da wäre die Verletzungsgefahr im Unterricht für die Kinder nicht so groß... Dabei ist es im Großen und Ganzen über Jahre geblieben. Wenn es sich nicht umgehen lässt, mache ich auch Musik mit meiner Klasse, das Singen beschränke ich aber nach Möglichkeit auf Geburtstagslieder.

    „Man darf jetzt nicht alles so schlechtreden, wie es wirklich war.“ – Yvonne Gebauer Fredi Bobic

  • Bei Sport ist die Verletzungsgefahr kleiner als bei Musik? Das musst du mal erklären ^^ .

    Wirklich? Du hast mich noch nicht singen hören.

    „Man darf jetzt nicht alles so schlechtreden, wie es wirklich war.“ – Yvonne Gebauer Fredi Bobic

  • Ich kenne jetzt nicht den Lehrplan für Musik in der ersten Klasse aus Südtirol :-)


    Ohne mich blamieren zu wollen und grundständig ausgebildete Musiklehrer für Grundschulen abwerten zu wollen: Ist Musik in der Grundschule nicht das kennenlernen von Instrumenten, Klängen und die Freude an Musik? Da wird auch gesungen, aber es handelt sich doch nicht um das Training für ein Casting, sondern um reines Singen zum Vergnügen. Ich hab auch eine fürchterliche Singstimme, trotzdem singen meine Kinder durchaus mit Spaß mit (oder ich mit ihnen). Mach dir da mal keinen Kopf - ich glaube, die wenigstens Kinder werden überhaupt erkennen können, ob du schlecht oder schief singst, solange du "Stups der kleine Osterhase" oder "In der Weihnachtsbäckerei" mit ihnen singst.


    Singen ist schön - aber da ists wie bei Kunst: die wenigsten werden später dadrin Profis :-)

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."

    "Die Pädagogik die Du bei uns (am BK) brauchst ist mit "sei konsequent, dabei kein Arsch und bleib authentisch" nahezu abschließend zusammengefasst."


    Rechtschreibfehler entstehen nur, wenn ich am Handy schreibe. Eine andere Möglichkeit ist ausgeschlossen!

  • Ich bin leidenschaftlich Musiklehrerin in allen Klassenstufen und mache in ungefähr überall das Gleiche, nämlich (jeweils altersgemäß angespasst!!):

    - Raps (zB "Hallo, ich heiß Johannes" ist zB super für die 1. Klasse), gibt auch super CDs mit Playback dafür zB Rapdidap, einfach mal suchen , dazu klatschen, Patschen, Stampfen...

    - Klatschen, Patschen, Stampfen zunächst allein machen lassen, rhythmisch

    - Lieder (von einer Kollegin die Melodie am Klavier/Flöte/Xylophon/völlig wurscht aufnehmen am Handy zB und dann immer zum Singen abspielen, die Kids, die die Noten treffen, orientieren sich am Handy

    - Boxen fürs Handy kaufen

    - Orff-Instrumente: kennenlernen (Aufbaum, Klang, Material etc), benennen, einfache Rhythmen spielen, Spiele damit, zB "Rhythmus nachspielene, Dirigent spielen (laut leise durch Gesten anzeigen), zu Gesängen/Rap spielen (nie zu viele, das wird zu laut)

    - Xylophone etc erst später, dann nur die Stäbe drinlassen, die gebraucht werden, immer beidhändig spielen lassen, max 4 Töne

    - Aktuelle Lieder aus den Charts oder so (mach ich nie, bringen die Schüler aber immer wieder an) hören, besprechen

    - kleines Referat zum Lieblingslied/Musiker

    - Musiktheorie: Komponisten oder Werke (zB das Buch "Concerto" 1 oder 2 oder ähnliches)

    - jedes Thema so 4-6 Wochen, dann neues Thema

    - zB das Schuljahr so gliedern: 4 Wochen Rap, 4 Wochen Orff-Instrumente, 4 Wochen Weihnachtslieder, 4 Wochen Werk "Karneval der Tiere" von Saint-Saens, 4 Wochen Lied, 4 Wochen Orff, 4 Wochen Lied, 4 Wochen Komponist


    Noch Fragen? Bin bereit!

  • Hab ich das jetzt geschrieben? :D

    Wenn man nicht immer alles weiß, nervt man sich unter Umständen weniger (Froeschli, hat nichts mit dem hier anwesenden Frosch zu tun).

    Man spielt nicht mit Gefühlen, die man nicht erwidern kann.


  • Hier meine Tipps für Musik 1/2:

    1) Vieles, was Palim beschrieb, kannst du in Klasse 1/2 umsetzen.

    2) Ich würde mich speziell in Materialien für Klasse 1/2 umschauen, wenn du dort Musik geben musst. Guck doch mal bei Amazon, da kann man bei den Kommentaren sehen, ob sich gewisse Materialien für 1/2 eignen.

    3) Als ich noch Musik in 1/2 gegeben habe, habe ich mich in Materialien zur musikalischen Früherziehung umgeschaut.

    4) Meine Kolleginnen von 1/2 nehmen viel aus den Materialien von Helbling Verlag.

    Helbling Verlag

    Da gibt es z.B. das Liederbuch Simsalasing und die Musikzeitschrift Pamina.

    5) Wir haben an der Schule für 1/2 außerdem: Fidelio 1/2

    Fidelio 1/2

    Ich kann zu diesen Musikbüchern für höhere Klassen sagen, dass diese sehr motivierende Sachen haben, kunterbunt durcheinander. Dazu gibt es immer die Lehrerbände, Cds und weiteres Material.

    Ansonsten kann man schön singen und mitbewegen lassen. Zu Hörbeispielen muss man natürlich alles ziemlich runterbrechen, deswegen würde ich dir zu einem Musikbuch für Klasse 1/2 raten, da bekommst du dann ein Gefühl, wie weit man Dinge herunterbrechen muss.

    6) Das Unterrichtswerk Rondo hat auch sehr praxisorientierte Sachen, die gut verständlich sind. (Das Buch kannst du komplett durchblättern.)

    Rondo 1/2

    7) Klanggeschichten gibt es schon für Kindergartenkinder, so etwas könnte man auch gut nutzen. Ich habe mir einmal Klanggeschichten für 3/4 bestellt, diese wieder zurückgehen lassen, weil sie zu leicht für die Jahrgangsstufe 3/4 waren, für 1/2 wären sie aber geeinet gewesen.

    8 ) Kinderliedermacher: Früher hatte ich in Klasse 1/2 die Mitmachlieder von Detlef Jöcker rauf und runter gespielt und hatte jede neue Kassette. Doch die sind wohl inzwischen out. Da gibt es sicher Ähnliches. Ich weiß, dass bei uns Lieder von Donikkl gerne gesungen werden (Ist aber nicht ganz so mein Fall.)

    4 Mal editiert, zuletzt von Caro07 () aus folgendem Grund: Ergänzungen

  • Die CDs von Sommerland et al. eignen sich gut für den Übergang Kindergarten zu Grundschule und sind sehr beliebt. Ansonsten gibt es für Theoriethemen ein bisschen was an Material auf dem Blog von Ideenreise.

    Ironie - kann man das essen?

    Einmal editiert, zuletzt von Lindbergh ()

  • Ist Musik in der Grundschule nicht das kennenlernen von Instrumenten, Klängen und die Freude an Musik? Da wird auch gesungen, aber es handelt sich doch nicht um das Training für ein Casting, sondern um reines Singen zum Vergnügen.

    Nun denn, der erste Fehler besteht z.B. darin, zu tief zu singen und die Stimme der Kinder zu verderben. Man studiert kein Fach umsonst, auch nicht Musik fürs erste Schuljahr.


    Aber was soll's, man sucht sich das Fachfremde ja nicht aus.


    evioessi , hast du mal in den Lehrplan gesehen? Was scheint dir davon am machbarsten?

  • Stimmt, hast Recht! Ich weiß, dass sie für Mathematik ein bisschen was an Anfangsunterrichtsmaterial hochlud, aber insgesamt ist ihr Fokus, in der Tat eher Klassse 3/4.

  • Nun denn, der erste Fehler besteht z.B. darin, zu tief zu singen und die Stimme der Kinder zu verderben. Man studiert kein Fach umsonst, auch nicht Musik fürs erste Schuljahr.

    Hab ich ja auch nicht behauptet und würde ich auch nicht unterstellen. Die Frage war/ist für mich eher, ob der Gesang für Grundschulen der relevante Teil der musikalischen Ausbildung an der Uni ist oder ob es andere Dinge, wie Musiktheorien, Didaktik und was weiß ich ist.


    Ist es wirklich so, dass kleine Kinder versuchen, die Stimme der singenden Lehrkraft nachzumachen? Mein Musikunterricht dort ist 30 Jahre her, aber ich kann mich nicht wirklich erinnern, dass dort die Lehrerin vorgesungen und wir dann einzeln nachgesungen haben um zu gucken, ob wir die Tonhöhe treffen. Ich erinnere mich nur an unzählige "Stups"-Gesänge.


    Ehrlich gesagt gab es das nicht mal am Gymnasium. Da wurden Noten gelernt, natürlich auch gesungen, und ein bißchen Taktgefühl geübt. Aber Vorsingen musste da nie einer und es gab auch soweit ich weiß keine Bewertung des Gesangs an sich, sondern nur die Leistungen ohne Gesang

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."

    "Die Pädagogik die Du bei uns (am BK) brauchst ist mit "sei konsequent, dabei kein Arsch und bleib authentisch" nahezu abschließend zusammengefasst."


    Rechtschreibfehler entstehen nur, wenn ich am Handy schreibe. Eine andere Möglichkeit ist ausgeschlossen!

  • Eine Zwischenbemerkung (fast OT):

    Ehrlich gesagt, finde ich es ein Unding, dass man jemanden, der unmusikalisch ist, Musik unterrichten lässt. Das wertet das Fach total ab.

    Gerade für die Grundschule und sogar für den Kindergarten braucht man ein musikalisches Gehör, Rhythmusgefühl und sollte einigermaßen singen können. Bei den Kleinen kann man sich nicht hinter Werkhören verschanzen. In musikalische Werke und Musiktheorie kann man sich noch eher einarbeiten. Das geht aber auch nur so weit, so weit man nicht einzelne Instrumente und musikalische Verläufe heraushören muss. Aber auch in der Musitheorie braucht man einigermaßen eine musikalische Vorstellungskraft.

    Deswegen halte ich eine musikalische Grundausbildung gerade im Grundschullehrerstudium für unabdinglich!

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