Studierfähigkeit

  • Gerade Lehramt war eine ziemliche Sackgasse.

    Nun hätte ich nach meinem Bachelor auch die Chance gehabt den master of Science (Chemie) zu machen mit ein paar nachgeholten Kursen

    Bei uns war das definitiv so. Ich hätte direkt in den fachwissenschaftlichen Master in Anglistik einsteigen können (habe ich nicht gemacht, wegen der schlechten Berufsaufsichten), ich glaube in Mathe hätte ich ein oder zwei Proseminare nachholen müssen. Das wäre aber locker in einem Semester machbar gewesen und ich meine, ich wäre auch so zugelassen worden und hätte dann zwei Semester Zeit gehabt, die fehlenden Proseminare nachzuholen. Das wäre zeitlich vermutlich drin gewesen.

    Mit einer VWL und einer BWL Vorlesung zusätzlich hätte ich auch den Master in Wirtschaftsmathematik machen können, auch da hätte gegolten, dass ich zugelassen worden wäre und dann ein oder zwei Semester Zeit zum nachholen gehabt hätte. Dafür wären mir dort aber zwei Veranstaltungen aus dem Mathe BA schon für den Master in Wirtschaftsmathe anerkannt worden, da hätte ich dann im Endeffekt gar nichts "verloren".

    Ist alles allerdings auch schon relativ lange her, das kann heute ganz ander sein.


    Nachtrag: Was ich sehr schade fand, war, dass wir nicht die Möglichkeit hatten, mit ein oder zwei Erweiterungsprüfungen den fachwissenschaftlichen Master in einem der Fächer zu erreichen. In Englisch hätte ich den nämlich eigentlich so gut wie gehabt (ich habe meine Masterarbeit fachwissenschaftlich in Englisch geschrieben, daran wäre es also nicht gescheitert), aber da ich nicht im fachwissenschaftlichen Master eingeschrieben war, konnte ich den auch nicht erlangen. Es ging auch nicht, mich dort zusätzlich einzuschreiben, denn man hätte mir den Master troztdem nicht gegeben. Nicht wegen fehlender Inhalte, sondern wegen fehlender Creditpoints. Die Veranstaltungen, die ich im MEd belegt habe (in Englisch habe ich freiwillig die fachwissenschaftlichen Veranstaltungen mitgenommen), wären mir zwar als Veranstaltung, also auch als bestandene Leistung, nicht aber Creditpoints angerechnet worden. Denn die Creditpoints brauchte ich ja schon für den MEd und man darf/durfte die nicht zweimal verwenden.

  • Irgendwie ist so eine Rechnerei seitens der Hochschulen absolut albern. Es widerpricht absolut dem ((eigentlichen, ursprünglichen) Gedanke von Bologna: es ging um die erworbenen Kompetenzen, und nicht um den Weg dahin.
    Es steht explizit in mehreren der Startdokumente: Anerkennung vereinfachen, Durchlässigkeit ermöglichen.
    Wenn man auf einen Studiendekan stößt (stieß?), der das verstanden hat, hat(te?) man Glück. Natürlich sollte man Sachen anerkennen lassen können, aber es denken zuviele, dass nur das, was sie selbst lehren, es wert ist.

  • In meinem speziellen Fall hätte ich nicht mal Seminare aus der Anglistik belegen müssen. Es hätte irgendwas sein können, denn die fachlichen Vorraussetzungen hatte ich ja schon erfüllt. Ich hätte also z.B. einfach irgendwas in Geschichte oder Psychologie oder sonst was belegen können. Es wäre nur um das Sammeln von Credits gegangen. Ich hätte irgendwo her 120 Creditpoints holen müssen. Nur durfte halt nicht einer dieser Creditpoints schon mal irgendwo für irgendetwas angerechnet worden sein. (Ich hatte ja im MEd ja schon 120 Credipoints geholt.)


    Zur Durchlässigkeit: Angefangen habe ich mit Englisch und einem weiteren Unterrichtsfach, welches ich im Studium schrecklich fand. Ich habe dieses Fach zwar schön brav abgeschlossen, wusste aber, dass ich es nicht unterrichten möchte. Also habe ich mir auf halben Wege ein neues weiteres Schulfach gesucht. Zur Auswahl standen Mathe und Latein. Latein wurde just da an meiner Uni (kurzzeitig) abgeschafft und ich hätte an eine Un ca. 50 km weg wechseln müssen. Eigentlich hätte das kein Problem sein sollen. Allerdings wären mir meine Leistungen aus Englisch dort nicht anerkannt worden. Ich habe mehrfach um Erklärung gebeten, es hieß immer nur "es passt nicht zu unserem System". Ich hätte also bei Null anfangen müssen. Da habe ich dann lieber Mathe studiert, was sich im Endeffekt als wirklicher Glücksfall rausgestellt hat.


    Aber wie gesagt: Das ist alles ewig her, BA/MA steckte da noch in den Babysöckchen.

  • Was kann man denn wirklich mit einem Bachelor sein/machen/werden?

    Gibt es ein Fach, in dem es allein den Bachelor gibt, weil dies das Studienende ist?

    Mit einem Bachelor in z.b. Maschinenbau kann man ganz normal als Ingenieur arbeiten.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.


    Albert Einstein

  • Mit einem Bachelor in z.b. Maschinenbau kann man ganz normal als Ingenieur arbeiten.

    Das ist schon richtig. Als Lehrer reicht ein Bachelor grundsätzlich nie, auch nicht um als Quer- /Seiteneinsteiger in den Schuldienst zu kommen. Hier ist immer schon für H-R/FS/Sek1 und natürlich sowieso Sek 2 die Diplom- und Masterebene vorgeschrieben gewesen. Das Regelstudium für diese Lehrämter war auch vor Bologna auf mehr als 6 Semester ausgelegt.


    Leider ist auch ein sonst berufsbefähigender Master im Schulbereich nach wie vor "wenig wert" ohne zweites Staatsexamen oder ein Äquivalent.

    Das ist eigentlich eine Farce, da eben Bachelor- und Masterabsolventen für andere Berufe keine weiteren Eingangshürden zum Berufseinstieg haben, außer ihre "Abschlusszettel" zu bestehen. ;)

  • Und ich meine, die Fleixibilität ist doch höher oder nicht? Gerade Lehramt war eine ziemliche Sackgasse.

    Nun hätte ich nach meinem Bachelor auch die Chance gehabt den master of Science (Chemie) zu machen mit ein paar nachgeholten Kursen.

    Das ging zu Diplomzeiten auch. Ich habe meine Zwischenprüfung als Vordiplom anerkennen lassen und statt einer Staatsexamensarbeit (1 Semester) eine Diplomarbeit geschrieben (2 Semester). Mit einem Semester längerem Studium konnte ich so zusätzlich zum 2. Staatsexamen auch ein Diplom mein eigenen nennen.

    Also war das zumindest bei meinen Fächern auch zu Diplomzeiten nur dann eine Sackgasse, wenn man sich festlegen wollte.

    Bei anderen Fächerkombinationen war das aber sicher schwieriger.


    LG DFU

  • Ich überfliege gerade unseren letzten gesamtschweizerischen Bildungsbericht aus dem Jahre 2018. Eine Graphik kann ich euch nicht vorenthalten, die korreliert das Abschneiden der SuS bei einem landesinternen Kompetenztest auf Sek II Niveau mit der Studienwahl nach der Mautra:



    SuS, die besonders schlecht bei dieser Evaluation abgeschnitten haben, werden demnach besonders häufig Lehrer. :rotfl:

  • Was kann man denn wirklich mit einem Bachelor sein/machen/werden?

    Weiß ich nicht, ich habe nur vermutet, dass sich mehr "schwächere" Studierende überhaupt ein Studium zutrauen, weil sie den Bachelor anstreben können. Ist aber nur geraten.

  • Ich überfliege gerade unseren letzten gesamtschweizerischen Bildungsbericht aus dem Jahre 2018. Eine Graphik kann ich euch nicht vorenthalten, die korreliert das Abschneiden der SuS bei einem landesinternen Kompetenztest auf Sek II Niveau mit der Studienwahl nach der Mautra:



    SuS, die besonders schlecht bei dieser Evaluation abgeschnitten haben, werden demnach besonders häufig Lehrer. :rotfl:

    Naja, solche Aussagen, abseits von "Bildungsberichten", kursieren schon seit Jahren auch in Deutschland. ;)


    "Lang, lang ist es her!", ... nur als Beispiel aus dem Jahr 2009:

    https://www.lehrerfreund.de/sc…studie-abitur-lehrer/3406



    Die Frage ist eben, ob ein guter bis sehr guter Abiturnotendurchschnitt extrem aussagekräftig sein kann, wie gut oder schlecht man insgesamt sein Handwerkszeug als Lehrer in unterschiedlichen Schulformen beherrscht.

  • Vielleicht ein kleines bisschen Off-Topic und wahrscheinlich kenne es auch viele von euch, aber zur Aufmunterung verlinke ich das hier trotzdem mal (micht muntert es jedenfalls auf). Zum Thema "those can do, those who can't teach"

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