Seiteneinstieg Lehramt mit Fach Sport als Mediziner

  • Hallo liebe Leute,


    ich wollte euch mal fragen, ob ihr mir weiterhelfen könnt.


    Ich bin Arzt und arbeite seit ein paar Monaten als Internist in der Klinik. Bin mir mittlerweile sicher, dass das nicht der richtige Beruf für mich ist. Vor dem Medizinstudium hab ich 3 Semester Lehramt studiert und hatte mich dann für Medizin entschieden, als ich den Studienplatz bekam. Jetzt habe ich allerdings das Gefühl mich eventuell doch damals falsch entschieden zu haben und überlege den Seiteneinstieg zu wagen.


    Meine Frage wäre:

    Welches Fach/Fächer könnte ich denn mit meinem Studium sinnvollerweise überhaupt unterrichten?

    Ein Anruf bei der Beratung für den Seiteneinstieg in NRW hat ergeben, dass ich für ein Erstfach ca. 100 Credits über Unikurse abdecken müsste. Entscheiden würde dann schlussendlich eine Auswahlkommission. In Frage kämen wohl Bio, evntl. Chemie und Sport.

    Am liebensten wäre mir wohl die Kombi Sport/Bio, Schulform wäre erstmal nachrangig. Glaubt ihr es ist realistisch, dass das Medizinstudium einen für die Tätigkeit als Sportlehrer qualifiziert?

    Laut Beratung wäre es im Falle der Zustimmung durch die Auswahlkomission und die Schule dann möglich zunächst eine Pädagogische Einführungsmaßnahme zu machen, darüber die Unterrichtserlaubnis zu bekommen und die Zeit dann für OBAS anzurechnen. Für wie realistisch haltet ihr den Plan?


    Lieben Gruß:pirat:


    edit: Es geht um NRW

  • Das Medizinstudium deckt inhaltlich einen Teil dessen ab, was man in einem Sportstudium erlernt, vieles aber logischerweise nicht, vor allem in die Didaktik solltest du dich umfassend einarbeiten, damit du Unterrichtsstunden sinnvoll konzipieren kannst. Du solltest aber auch ganz banal prüfen, welche Sportarten in NRW Teil des üblichen Curriculums sind, um dich in dir komplett fremde Sportarten schlichtweg erst einmal selbst einzuarbeiten. Befass dich unbedingt auch vor einer Tätigkeit an einer Schule mit den spezifischen rechtlichen Rahmenbedingungen für den Sportunterricht. Manches, was einem fachfremd angetragen wird an Schulen sollte man nämlich wirklich erst mit entsprechender Sachkenntnis machen (z.B. Schwimmunterricht erst nach erwiesener Rettungsfähigkeit).


    „Schulform nachrangig“ liest sich für mich danach, als hättest du noch nicht wirklich darüber nachgedacht, mit welcher Altersstufe du auf welchem inhaltlichen Niveau arbeiten möchtest bzw. kannst. Ich denke, du solltest zunächst einmal dort ansetzen und über ein Praktikum herausfinden, welche Schulart oder auch Schularten es auf keinen Fall werden sollten oder umgekehrt, welche du präferieren würdest. Das gibt dir auch die Gelegenheit zu prüfen, wo deine Stärken/ Schwächen liegen im Vergleich zu studierten/ ausgebildeten Sportlehrkräften und was du insofern nacharbeiten müsstest.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Es gibt die Fachrichtung "Gesundheit und Pflege" für das Lehramt an Berufsschulen. Dafür wärst du zwar fachlich wahrscheinlich gnadenlos überqualifiziert, aber das wäre das, was m.E. am ehesten und realistischten für dich wäre. Zweitfach wäre dann Bio.


    Hinzu kommt hierbei auch, dass die Einstellungschancen für diesen berufsbildenden Bereich idR gut sind und es wahrscheinlich ist, dass dafür Stellen für den Quereinstieg (damit könntet du gleich in's Referendariat) ausgeschrieben werden.


    Sport und Bio hingegen sind nicht unbedingt Mangelfächer am Gymnasium. Im Sek-1-Bereich sind Sportlehrer m.W. aber recht gefragt.


    Da du kein Sportmediziner bist, würde ich vermuten, dass es aber eher schwierig wird, hier für einen Quer-/Seiteneinstieg etc. infrage zu kommen. Da es halt auch nicht wenige gibt, die einen Abschluss von einer Sporthochschule etc. haben. Und wen würdest du dann nehmen? Einen, der Sportpädagogik o.Ä. studiert hat, oder einen Mediziner? Liegt auf der Hand, denke ich.


    Im Berufsschulbereich hättest du aber wahrscheinlich gute Chancen - so zumindest meine Einschätzung.

  • Schulform nachrangig schreibe ich deshalb, weil ich nachdem ich mir die für Seiteneinsteiger in NRW ausgeschriebenen Stellen angeschaut habe, gemerkt habe, dass ich mir die Schulform frei vermutlich nicht aussuchen kann. Davon unabhängig habe ich in der Zeit meines Lehramtsstudiums damals sogar 3 2-wöchige Praktika gemacht. Zweimal am Gymnasium uns einmal an einer Grundschule. Mir hat prinzipiell beides Spaß gemacht. Könnte ich frei wählen wäre es wohl Sek II, aber da ist die Chance ja am geringsten. Dementsprechend könnte ich mir sowohl Grundschule als auch Sek I vorstellen, daher kam das "nachrangig".


    In Bildungswissenschaften hatte ich damals übrigens auch schon fast alle für den Bachelor nötigen Module absolviert, weil ich die vorgezogen hatte. Muss mal schauen, ob ich da noch einen Nachweis finden kann.

    Meinen Rettungsschwimmer müsste ich vermutlich erneuern, da hast du recht. Grundsätzlich würde ich aber behaupten was Notfallmedizin angeht bin ich gut ausgebildet.


    Das ich mich in einzelne Themen, Sportarten usw. einarbeiten muss ist denke ich klar und beim Seiteneinstieg vermutlich eher die Regel als die Ausnahme.

    Ich frage mich eher, ob es überhaupt realistisch wäre, dass aus meinem Studium grundsätzlich das Fach Sportwissenschaften für eine Auswahlkommission plausibel ableitbar ist?


    edit: erstmal danke für die Antwort :)

  • Schau dir an, was man inhaltlich im Sportstudium z.B. für die SEK.I nachweisen muss und was davon du über dein Medizinstudium tatsächlich abdecken kannst fachlich. Wenn du einiges im Bereich Sportmedizin absolviert hast, könnte das am Ende vielleicht ausreichend sein. Für die GS dürften die Hürden noch einmal deutlich niedriger liegen, was du fachlich nachweisen musst, auch das so.liest du also prüfen. Wenn beides zumindest nicht komplett unrealistisch aussieht versuch es einfach, sonst bleibt immer noch die Option, dein Medizinstudium wie bereits dargestellt an einer BBS gewinnbringend einzusetzen. Das sollte problemlos möglich sein, bei entsprechendem Bedarf.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ich frage mich eher, ob es überhaupt realistisch wäre, dass aus meinem Studium grundsätzlich das Fach Sportwissenschaften für eine Auswahlkommission plausibel ableitbar ist?


    Kommt wahrscheinlich sehr auf die Schulform an. Es gibt viele Sek-1-Schulen, die erheblich Bedarf haben (dass das oft die sind, die entweder in unbeliebten Regionen liegen oder eine schwierige Klientel haben, ist eine andere Geschichte). Darüber hinaus halte ich es für recht unwahrscheinlich, da du zwar die physiologischen Grundlagen beherrscht, aber weder feststeht, dass du selbst sportlich was drauf hast, geschweige denn ein sportdidaktisches Verständnis hast.


    Aber wie gesagt, im Sek-1-Bereich ist viel möglich. Nur wenn du dann für 2k€ weniger vor ner Gruppe pubertierender Nervensägen (die gibt es auch und je nach Klasse mehr oder weniger) stehst, könntest du dich vielleicht fragen, ob das so ein cleverer Move war. Bisher hast du mit so einer Schulform (also abseits der Sek-1 im Gymnasium) ja noch keine Erfahrung.

  • auch dir danke für deine Einschätzung mjjsw!

    Sportmediziner bin ich zwar nicht, allerdings ist das mit dem Studium allein auch nicht möglich, sondern eine Zusatzbezeichnung, die erst nach dem Facharzt (mind. 5 Jahre Weiterbildung) erworben werden kann.

    Denkbar wäre für mich gewesen meine Weiterbildung erstmal in der Orthopädie fortzusetzen und vielleicht darüber sportspezifischer zu werden. Allerdings meinte der Berater, dass die Qualifikation schlussendlich aus dem Studium abgeleitet werden muss und daran ändert sich dann ja nicht wirklich mehr was.

    Er empfahl einfach alles aufzuführen, mich zu bewerben und sollte es klappen und die Schule und die Auswahlkommission nichts dagegen haben wäre der Weg über die PE Berufserfahrung zu sammeln und darüber die Zeit für OBAS zu sammeln.

    Schlussendlich hast du wohl recht, Sport können viele unterrichten, aber ich hatte für Grundschule/Sek I zumindest ein paar Stellen gesehen. Bei Bio war quasi nix frei und Chemie finde ich deutlich schwieriger abzuleiten.


    Gesundheit und Pflege würde wohl Sinn machen, zum Berufskolleg habe ich allerdings als einzige Schulform noch keinen wirklichen Berührungspunkt gehabt. Muss mal schaun.

    edit: Für den Quereinstieg in NRW finde ich unter "Gesundheit" leider nur eine Stelle.

  • Gesundheit und Pflege würde wohl Sinn machen, zum Berufskolleg habe ich allerdings als einzige Schulform noch keinen wirklichen Berührungspunkt gehabt. Muss mal schaun.


    Die Schulform ist halt sehr vielfältig, da es sehr viele unterschiedliche Bildungsgänge gibt. Mit Gesundheit und Pflege könntest du dann u.a. einerseits im Rahmen von Ausbildungsberufen im Gesundheitssystem lehren, aber auch z.B. am Beruflichen Gymnasium - sofern es an der Schule die entsprechende Fachrichtung gibt, auch im Bereich deiner Fachrichtung, ansonsten halt in Biologie.


    Du solltest dir mMn auf jeden Fall mal grundlegend Gedanken machen, an welche Schulform du willst bzw. was du dir vorstellen kannst. Wie gesagt, sehe ich die Berufsschule als am naheliegendsten an. Evtl. machst du dort mal ne Woche Praktikum bzw. hospitierst mal. Wenn du Glück hast, gibt es sogar in deiner Umgebung eine Schule, die in dieser Fachrichtung ausbildet. Da würde ich mich dann einfach mal melden. Wenn dort auch noch Bedarf besteht, werden die dir auch behilflich sein, die weiteren Schritte zu planen.

  • Wie wäre das dann im Fall von Grundschule mit dem Zweitfach, wenn das Erstfach Sport wäre? Ich denke mal Deutsch und Mathe lasse sich nicht so leicht ableiten. Bleibt Sachkunde?


    Lieben Dank!

  • Bei mir an der Schule (Ba-Wü) könntest Du ZFAs und MFAs unterrichten.

    Zahnmedizinische und medizinische Fachangestellte. TG wäre sicherlich auch möglich. Wir hatten(?)/haben sogar eine Stelle für den Direkteinstieg ausgeschrieben.

  • Wie wäre das dann im Fall von Grundschule mit dem Zweitfach, wenn das Erstfach Sport wäre? Ich denke mal Deutsch und Mathe lasse sich nicht so leicht ableiten. Bleibt Sachkunde?


    Lieben Dank!

    Seiteneinstieg Grundschule mit berufsbegleitendem Lehramtserwerb (OBAS) | Bildungsportal NRW (schulministerium.nrw)


    SELBST, wenn man sagt, dass du über Sport reinkommst: du hast danach 2 Fächer, Deutsch oder Mathe ist Pflicht.
    Unterrichten tust du am Ende alles.

    Total verrückt gefragt: hast du einen Übungsleiterschein?
    Schon Erfahrungen im Sportverein?
    Also was würdest du denn sagen, wenn man dich fragt, was dich dazu qualifiziert?

  • also: auch an den Schulen und auch an verzweifelten Schulen gibt es Vorstellungsgespräche. Wie verkaufst du dich denn?

    und was hast du danach für ein Lehramt studiert? welche Fächer? Hast du noch Leistungen erbracht oder war das ein Parkstudium?

  • Übungsleiterschein leider nicht.

    Ich bin seit über 20 Jahren im Fußballverein, spiele derzeit noch aktiv und bin auch so recht sportlich (Bouldern, Fitness, hab bis vor 2 Jahren häufiger Tennis gespielt). Bin einfach ein sportbegeisterter Mensch und ich denke ich könnte das auch rüberbringen. Kann ja auch was zur medizinischen Seite davon sagen, also weiß, welchen Stellenwert der Sport für die Gesundheit einnimmt, Ernährung, Physiologie im Allgemeinen etc.

    Schlussendlich ist es auch so, dass das was mich in unserem Gesundheitssystem so nervt, dass wenig präventiv gedacht wird. Meiner Meinung nach ist langfristig neben sozioökonomischen Faktoren und Rauchen kaum etwas so entscheidend für die eigene Gesundheit, wie die Selbsterfahrung sportlicher Betätigung in jungen Jahren. Darum gehts mir irgendwie und darum wäre mir auch deutlich lieber Sport zu unterrichten als Gesundheit und Pflege.

  • Habe damals Englisch und Spanisch studiert. Ich war mit Spanisch unzufrieden (,weils mir im Praktikum weniger Spaß gemacht hat, weil die Kinder nich so mitgezogen sind) und wollte zu Sport wechseln, aber bin im Endeffekt zu Medizin gewechselt, als ich den Platz bekommen hab.

    War soweit aber bei beidem (Englisch und Spanisch) quasi in Regelstudienzeit, Noten waren in Ordnung, nichts besonderes.

  • In Mathe und Deutsch ist zumindest auch eine Grundbefähigung vorhanden auf der man aufbauen könnte. Hatte Mathe als LK im Abi mit so 13 Punkten im Schnitt und Deutsch war mein 4. Abifach. Ich weiß, ist lange her und vermutlich nicht relevant, aber ich denke, wenn ich die Chance bekäme, da strukturiert was nachzuholen trau ich mir zu das zu packen.

  • Übungsleiterschein leider nicht.

    Ich bin seit über 20 Jahren im Fußballverein, spiele derzeit noch aktiv und bin auch so recht sportlich (Bouldern, Fitness, hab bis vor 2 Jahren häufiger Tennis gespielt). Bin einfach ein sportbegeisterter Mensch und ich denke ich könnte das auch rüberbringen. Kann ja auch was zur medizinischen Seite davon sagen, also weiß, welchen Stellenwert der Sport für die Gesundheit einnimmt, Ernährung, Physiologie im Allgemeinen etc.

    Schlussendlich ist es auch so, dass das was mich in unserem Gesundheitssystem so nervt, dass wenig präventiv gedacht wird. Meiner Meinung nach ist langfristig neben sozioökonomischen Faktoren und Rauchen kaum etwas so entscheidend für die eigene Gesundheit, wie die Selbsterfahrung sportlicher Betätigung in jungen Jahren. Darum gehts mir irgendwie und darum wäre mir auch deutlich lieber Sport zu unterrichten als Gesundheit und Pflege.

    :rofl:
    Hast du Erfahrung im Verein in der Vermittlung? war meine intendierte Frage.
    Schon mit Kids und Jugendlichen was gemacht.
    Wenn dir das so wichtig ist: mach einen ÜL-Schein, mach Präventionskurse im Verein.

    Wenn ich zusammenfasse: du hast also keine pädagogische Vorerfahrung außer ein paar Schulpraktika, die dich frustriert haben, weil die Kids nicht mitgezogen haben? Na, dann wird es mit Sport und Chemie natürlich ganz anders sein!

  • Sekunde, die Praktika waren alles in allem gut, ich wollte trotzdem nur Fach wechseln. Hab damals durchaus positive Rückmeldungen bekommen.

    Nein, im Verein Vermittlung gemacht hab ich so nicht. Das meiste was ich aktuell vermittel sind Aufklärungen und Angehörigengespräche im Krankenhaus. Durchaus auch nicht immer einfach.

    Trotzdem danke für den Hinweis. Übungsleiterschein mach ich mich mal schlau, wird aber berufsbegleitend aktuell vermutlich nicht drin sein.

    edit: in Englisch hab ich halt mehere Stunden unterrichtet, was halt deutlich mehr Spaß gemacht hat und wie gesagt auch gut ankam. In Spanisch kams auch gut an. Mein Spanisch war besser als das von der Lehrerin. Fand letzteres halt etwas zäh, was meiner Beobachtung nach eben daran lag, dass Spanisch den Kids nicht auch Youtube etc. geläufig war und eben deswegen sehr schleppend lief. Wie du mir da direkt einen Strick draus drehst versteh ich nicht so ganz.

  • Und nochmals neu studieren? Dein Medizinstudium hat nicht wirklich was mit Grundschuldidaktik zum Beispiel zu tun. Die 13 Punkte in einem Abifach auch nicht. Das sage ich jetzt als GS-Lehrerin, im Gymmi sieht das womöglich anders aus.

  • Puh, würde natürlich 5 Jahre dauern und bekäme man denn überhaupt so easy einen Platz für ein Zweitstudium?

    Da muss ich sagen wäre mir der Quereinstieg natürlich lieber. Aber ich mein, nach der Logik dürfte es doch quasi garkeine Quereinsteiger im GS Lehramt geben, oder?

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