Klausur, Jg.13, Englisch zum Thema Gendern!?

  • Schön, dass wir alle einig sind,...


    ... (I) dass die Verwendung männlicher Pronomina zur Identifikation biologisch männlicher Personen (die im Text eindeutig derart identifiziert wurden) auch im Rahmen einer Englischklausur in NRW in Jgstf. 13 grundsätzlich i.d.R. keinen Fehler darstellt, so dass jedweder entsprechende Punkteabzug regelmäßig mind. ungerechtfertigt ist:

    Zumindest im Rahmen der obligatorischen comprehension-, analysis- und (wahrscheinl.) im Gros adäquater comment-Aufgaben derartiger Englischklausuren ist keines der offiziellen Kriterien der Leistungsbewertung resp. der zulässigen Korrekturzeichen für die inhaltliche Leistung oder Sprachrichtigkeit einschlägig, außer evtl. dem Pron-Fehler.

    Allerdings ist die Verwendung von biologischem Geschlecht (sex) als objektiver Bezugsnorm in bspw. deskriptiven u./o. sachlich-analytischen Texten sprachlich-inhaltlich und i.S.v. deskriptiver Linguistik korrekt. Es ist definitiv kein "Referenzfehler" o.ä., tatsächlich ist es im Rahmen solcher Aufgaben unerheblich, ob der Autor des Ausgangstextes geschlechtsneutrale Pronomina zur Identifikation einer biologisch männlichen Personen verwendet oder ob er bspw. diese Person im Ausgangstext derart zitiert, diese einen entsprechenden Wunsch artikuliert etc.; diesem "sprachliche[n] Referenzrahmen" hat die Auseinandersetzung im Rahmen der Klausur eben nicht "zu folgen" – woraus soll sich denn eigtl. ein linguistisches(!) Gebot ergeben, intertextuell entsprechende Pronomina übernehmen zu müssen? Deixis – (hier) "eine Person kohärent zu benennen" (Maylin85) – begründet ein vermeintl. derartiges textübergreifendes Gebot jedenfalls nicht, hinreichend ist die sprachlich-sachliche Korrektheit und intratextuelle Kohärenz (die mit sex als Bezugsnorm gewährleistet sind), s. mein Bsp.:

    'In the provided text extract, Bobby Bob, who is described as biologically male and raised as a boy, began to identify as non-binary at age 14, expressing a gender identity that is neither exclusively male nor female. He now calls himself Ashley (which is a gender-neutral first name) and wants to be addressed with gender-neutral pronouns. He [...].'

    Verdeutlichtung: Wenn in einem Text über einen (mglw. gar selbsternannten) König durchgängig 'His Majesty' (bitte keine Diskussion, dass das kein Pronomen i.e.S. ist, es wird ja i.S.e. solchen verwendet) verwendet wird, müssen unsere Schüler dann in den comprehension- u./o. analysis-Aufgaben auch 'His Majesty' verwenden? Nein. Falls jmd. geneigt ist, hier zwischen noun phrases dieser Art bei Adeligen und subjektiver Geschlechtsidentität differenzieren zu wollen, müsste auch äußerst elaboriert erläutert werden, warum gender entsprechende Obligationen bewirken sollte, andere identitätskonstituierende Eigenheiten aber nicht;

    ... und (II) dass allenfalls bestimmte Szenarien in bspw. comment-, hier insb. entsprechende re-creation- u./o. in Mediationsaufgaben denkbar sind, wo gender sachlogisch i.S.e. entsprechenden Aufgabe die entsprechende Bezugsnorm darstellen muss.


    Was hier vermeintl. der tatsächliche Fall war, den Super112 beschreiben wollte? Da haben wir am Ende k.A., aber die Grundsatzdiskussion ist ja dennoch lohnenswert.

    "Ich mag Kuchen!" (Johnny Bravo)

    Die Bildungsmisere (eine Anekdote)

    Der Vorwurf: "lächerliche Fremdwortdichte"

    Der Fakt: Ein Kommentar von 80 Wörtern beinhaltete das Wortpaar "quantifizierend exemplifizieren" - 2,5 %, indeed "lächerlic[h]" :zahnluecke:

  • PaPo: Ich unterrichte nicht Englisch, würde aber so vorgehen bei dem Nigeriathema:

    1. Gibt es das Thema auch als Vorgabe im Basisfach?

    2. Wenn ja: Steht da inhaltlich genau dasselbe oder wird hier etwas eingeschränkt (z.B. statt "und" ein "oder")?

    3. Wenn nein: Dann breite ich die Schwerpunktsetzung auf Basis der Vorgaben der prozessorientierten Vorgaben vor.

    4. So oder so bereite ich dann Unterrichtsstunden vor, die sich auf die drei Schwerpunkte Politik, Kultur und Gesellschaft Nigerias beziehen und bei denen es als roten Faden auch immer wieder über die historische Entwicklung (auch das könnte die Differenzierung zu einem Basisfach sein) geht.

  • Bei Nigeria mussten sich alle erst etwas zurecht ruckeln, inzwischen gibt es aber doch nun wirklich zu allen Schwerpunkten ausreichend Material, um damit ein Quartal solide zu füllen. Das ist übrigens auch mehr als ein Monat.

  • Bei Nigeria mussten sich alle erst etwas zurecht ruckeln, inzwischen gibt es aber doch nun wirklich zu allen Schwerpunkten ausreichend Material, um damit ein Quartal solide zu füllen. Das ist übrigens auch mehr als ein Monat.

    Das Halbjahr fing am 27. August an und geht bis zum 19. Dezember, das sind abzgl. der Wochenenden und Feiertage 72 Schultage, das sind 2 Monate und 11 Tage für zwei Inhaltsfelder. Sooo viel "mehr als ein Monat" ist das nicht, insb. wenn man bedenkt, dass zumidnest bei uns regelmäßig in den zwei bis drei Wochen an jeweiligen klausurphasen auch insb. die Unterrichtsstunden von Morgens bis Mittags in den Oberstufenkursen entfallen oder die Kurse so dezimiert sind (weil das Gros in Klausuren sitzt),d ass an regulären Unterricht nicht zu denken ist. Wir haben zudem längere Unterrichtstunden als nur 45 Minuten, damit auch nur drei LK-Stunden resp. drei LK-Tage pro Woche. Von den theoretisch 44 LK-Stunden bis zum Halbjahresende entfallen bei mir durch Klausuren, Infoveranstaltungen und Co. mind. über ein Dutzend. Hinzu kommen evtl. Krankheit meinerseits oder durch irgendwelche Infektionskrankrheiten gerrade im Winter dezimierte Kurse. Konservativ gerechnet habe ich also pro Inhaltsfeld 16 Stunden... OK, sind statistisch 5,3 Wochen pro Thema, de facto aber weniger.

    Ob es "ausreichend Material [gibt], um damit ein Quartal solide zu füllen", ist ja auch nicht die Frage, im Gegenteil: Es gibt zu viel, was man nicht mehr hineinbekommt, was aber potenziell relevant ist, insb. in einer solchen Situation allg. Unklarheit.

    Ist aber auch nicht das thema. ;)

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    Die Bildungsmisere (eine Anekdote)

    Der Vorwurf: "lächerliche Fremdwortdichte"

    Der Fakt: Ein Kommentar von 80 Wörtern beinhaltete das Wortpaar "quantifizierend exemplifizieren" - 2,5 %, indeed "lächerlic[h]" :zahnluecke:

  • In meiner Welt geht das Halbjahr bis zum 6.2., aber nun gut. Was Einzelne durch Klausuren verpassen, müssen sie selbstständig nacharbeiten, da "warte" ich nicht. Ich finde eher beim USA-Thema die Zeit knapp, aber nun gut, empfindet jeder anders.

    67-Minuten-Stunden hatte ich auch 7 Jahre lang, bin froh, dass ich das nicht mehr habe 😊

  • In meiner Welt geht das Halbjahr bis zum 6.2., aber nun gut. Was Einzelne durch Klausuren verpassen, müssen sie selbstständig nacharbeiten, da "warte" ich nicht. Ich finde eher beim USA-Thema die Zeit knapp, aber nun gut, empfindet jeder anders.

    67-Minuten-Stunden hatte ich auch 7 Jahre lang, bin froh, dass ich das nicht mehr habe 😊

    Mein Fehler, ich war gedanklich bei der Q2 und Leistungsbewertung für das erste Halbjahr derselben am 22. Dezember 2025. Ändert aber im Wesentlichen nichts an meiner Aussage.

    Zitat

    Ich finde eher beim USA-Thema die Zeit knapp, aber nun gut, empfindet jeder anders.

    Ich finde es bei jedem Thema zu knapp. GInge es nach mir, würde ein Q-Jahr ausschl. UK und GB gepaukt, das andere Jahr zum Thema USA.

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    Der Vorwurf: "lächerliche Fremdwortdichte"

    Der Fakt: Ein Kommentar von 80 Wörtern beinhaltete das Wortpaar "quantifizierend exemplifizieren" - 2,5 %, indeed "lächerlic[h]" :zahnluecke:

  • Macht ihr überhaupt keine Literatur mehr? Das war das einzige was mir als Schüler Spaß gemacht hat. Die Landeskunde ist der Grund, warum ich niemals in der Oberstufe hätte Sprachen unterrichten wollen.

  • Der Literaturteil findet ja immer im Rahmen eines Überthemas statt. Da wird dann vielleicht ein Drama zum American Dream gewählt und Short Studies zu Generationenkonflikten und moralischen Vorstellungen in Nigeria.

  • Doch klar, innerhalb der Themen. Nigeria war bei uns z.B. auf short story extracts fokussiert (anhand derer man sich auch prima an den Themenschwerpunkten entlanghangeln kann), zum American Dream wurde das Drama gelesen, später kommt noch der dystopische Roman usw.

    Großbritannien hatte bei uns allerdings überwiegend Sachtextfokus.

  • Na ein Glück ist es nicht so. Dann wäre es ja NOCH langweiliger für die Schüler.

    Prinzipiell ist es ja bei jedem Thema auch eine Frage, wie man es präsentiert. Prinzipiell sollte die Vermeidung von Langeweile aber auch nicht usner prägendes Agens sein - ist am Ende ein Kampf, den man nicht gewinnen kann und wir sind auch keine Animateure. Ungeachtet dessen reagieren die Schüler erfahrungsgem. tatsächlich am gelangweilsten (und mehr) bei den Themen "Das Individuum und die Gesellschaft im Wandel", Nigeria, "World at Work" und der x-ten iteration von Globalisierung insg. (womit sie ja in gefühlt jedem Fach überhauft werden). UK, USA und dystopia & utopia gehen immer gut.

    Mithin, einige dieser Themen könnte man auch gut bei USA u./o. UK unterbekommen.

    Was den Schülern mittlerweile wirklich fehlt, ist landeskundliches Wissen. Warum muss ich in einem Fach wie Englisch das x-te Mal Globalisierung machen (da werden die in Erdkunde und Wirtschaft-Politik resp. Sozialwissenschaftnen schon zugemüllt mit), warum identity & gender (wäre eher was für Pädagogik u./o. Soziwalwissenschaften, die ihrem Namen gerecht werden und nicht nur iWirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft sind)?

    Aber wie erwähnt, wäre etwas für 'nen eigenen Thread.

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    Der Fakt: Ein Kommentar von 80 Wörtern beinhaltete das Wortpaar "quantifizierend exemplifizieren" - 2,5 %, indeed "lächerlic[h]" :zahnluecke:

    2 Mal editiert, zuletzt von PaPo (20. November 2025 15:43)

  • Ich würde mir Sprachunterricht etwas anderes wünschen. Auf gar keinen Fall ein zweites, drittes, viertes Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde sein, sondern tatsächliche Beschäftigung mit der Sprache. Nicht als Nebenprodukt.

  • Da ich selbst ein Sprachfach habe: Welche Inhalte kommen dir konkret zu kurz? Wir machen Grammatik, Vokabelarbeit, Übersetzen (bzw. Mediation), sowie die ganzen Textarten. Erst wenn diese Basiskompetenzen vorhanden sind, können dann nach und nach Kultur, Landeskunde und Literatur der Zielländer erschlossen werden - und gerade Literatur war dir doch wichtig, wenn ich dich richtig verstanden habe.

  • Linguistik fehlt in der Schule komplett. Man kann das in Ansätzen mal thematisieren, z.B. wenn man sich Nigerian Pidgin genauer anguckt, aber ansonsten ist Fremdsprachenunterricht in der Schule schon sehr anwendungsorientiert und wenig sprachwissenschaftlich aufgezogen. Vielleicht meint trance sowas?

  • Ich würde mir Sprachunterricht etwas anderes wünschen. Auf gar keinen Fall ein zweites, drittes, viertes Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde sein, sondern tatsächliche Beschäftigung mit der Sprache. Nicht als Nebenprodukt.

    Also im Gros nur Linguistik und Literaturwissenschaft?

    Wissenschaftspropädeutisch fehlte/n dann aber Landeskunde / cultural studies. Und Literaturwissenschaft funktioniert nicht ohne "Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde" etc., ja ein Gros der Linguistik ja auch nicht (Stichwort: Sprachwandel), mal ungeachtet dessen, dass man damit die Schülerschaft wahrscheinl. tatsächlich quasi komplett verlieren würde.

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    Die Bildungsmisere (eine Anekdote)

    Der Vorwurf: "lächerliche Fremdwortdichte"

    Der Fakt: Ein Kommentar von 80 Wörtern beinhaltete das Wortpaar "quantifizierend exemplifizieren" - 2,5 %, indeed "lächerlic[h]" :zahnluecke:

  • Dass Fremdsprachenunterricht anwendungsorientiert ist, da gebe ich dir Recht. Ich sehe Syntax und Morphologie durchaus in weiten Teilen des Grammatikunterrichts der Sek I, Phonetik sowieso. Sprachvarietät (Sowas wie British English vs. American English wird weiterhin behandelt, oder? Oder sowas wie Jugendsprache/Sprache in sozialen Medien?) wird auch thematisiert. Einzig Sprachgeschichte findet in der Schule wenig Raum, aber ich denke, die Thematisierung hiervon genügt noch im Rahmen eines Studiums für diejenigen, die sich in hohem Maße hierfür interessieren.

  • Also im Gros nur Linguistik und Literaturwissenschaft?

    Wissenschaftspropädeutisch fehlte/n dann aber Landeskunde / cultural studies. Und Literaturwissenschaft funktioniert nicht ohne "Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde" etc., ja ein Gros der Linguistik ja auch nicht (Stichwort: Sprachwandel), mal ungeachtet dessen, dass man damit die Schülerschaft wahrscheinl. tatsächlich quasi komplett verlieren würde.

    Wann immer es um Linguistik geht, habe ich das Gefühl, dass die Schüler aufhorchen und sich doch sehr dafür interessieren. Da verliere ich eher jemanden in der Literatur.

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