Hoher Stundenlohn, minimaler Aufwand – wie realistisch ist das als Lehrer in Österreich?

  • WIRTSCHAFTLICH gesehen, weil es für Einige eher der Maßstab ist, ist alles, was man in das Bildungssystem steckt, deutlich besser und eine Zukunftsinvestition.
    Oder ist es unser gesellschaftliches Ziel, am Ende sagen zu können "Siehste, Aissatou, schade, dass deine Eltern vor 15 Jahren keine KI zum Übersetzen des Elternbriefs benutzt haben / dass deine Eltern keine eigene Dolmetschunterstützung hatten, tja, dann bleibst du jetzt im Harz IV / Bürgergeld / was auch immer - Bezug bis zum Rentenalter mit Minijobs daneben und vermutlich gilt dasselbe für deine Kinder" ?

    In der idealen Welt wäre alles so einfach.

  • WIRTSCHAFTLICH gesehen, weil es für Einige eher der Maßstab ist, ist alles, was man in das Bildungssystem steckt, deutlich besser und eine Zukunftsinvestition.
    Oder ist es unser gesellschaftliches Ziel, am Ende sagen zu können "Siehste, Aissatou, schade, dass deine Eltern vor 15 Jahren keine KI zum Übersetzen des Elternbriefs benutzt haben / dass deine Eltern keine eigene Dolmetschunterstützung hatten, tja, dann bleibst du jetzt im Harz IV / Bürgergeld / was auch immer - Bezug bis zum Rentenalter mit Minijobs daneben und vermutlich gilt dasselbe für deine Kinder" ?

    In der idealen Welt wäre alles so einfach.

    Wenn es zielgerichtete Investitionen sind, ja. Die öffentlichen Bildungsausgaben steigen kontinuierlich, die Ergebnisse in Leistungsstudien leider nicht.

    Wenn Aissatou und seine Eltern das richtige Mindset mitbringen, scheitert seine Bildungskarriere nicht am fehlenden Übersetzer. Umgekehrt kann man sich bei Eltern mit mangelndem Bildungsbewusstsein den Mund fusselig reden, egal in welcher Sprache, und das Kind landet mit gewisser Wahrscheinlichkeit trotzdem im Bürgergeld. Das ist einfach ein Punkt, an dem Ressourcen verschwendet werden. Jedem ist mehr geholfen, wenn man die Kohle bündelt und Aissatou einfach in verpflichtende Intensivsprachförderung steckt.

  • WIRTSCHAFTLICH gesehen, weil es für Einige eher der Maßstab ist, ist alles, was man in das Bildungssystem steckt, deutlich besser und eine Zukunftsinvestition.

    Wobei die Kritik, dass die Eltern sich nicht mehr einbringen durchaus berechtigt ist. Wir beschweren uns auch, dass die Eltern uns in der Schule mit den Problemem ihrer Kinder alleine lassen.

    Ich sehe momentan nur keine gute Lösung, wie wir auf der eine Seite die Kinder unterstützen und auf der anderen Seite Eltern zur Mitarbeit ermutigen können. Viele dieser Eltern haben eine eigene negative Bildungsvergangenheit und sind wahrscheinlich gar nicht in der Lage ihr Kind sinnvoll zu unterstützen, da sie es selbst nie erfahren haben.

  • Eine Streichung dieser Farce-Gespräche, bei denen man oft ohnehin gegen eine (freundlich lächelnde und nickende) Wand redet, spart sowohl finanzielle als auch zeitliche Ressourcen.

    Ich verstehe zumindest, dass es nervt, das geht mir manchmal auch so, wenn die ganzen Bemühungen ohne Erfolg bleiben. Das ist aber nicht immer so.

    Aber ich sehe es zum einen wie chilipaprika , dass man eben nicht abwarten kann, damit diese Kinder leider scheitern müssen.

    Zum anderen kann ich einfache Sachen durchaus per KI umsetzen oder den Eltern den Brief auf Deutsch geben, ABER ich muss als Schule (Behörde) auch offizielle Gespräche mit Protokoll führen, die innerhalb eines Verfahrens verbindlich sind. Das Verfahren fliegt mir sonst ggf. um die Ohren und ich habe dir komplette Arbeit umsonst gemacht (Verfahren zur Überprüfung sonderpädagogischer Unterstützung). Also brauche ich - spätestens dann - eine Sprachmittlerin, und sei es nur, um der Form zu genügen. Mir persönlich ist es wichtig, dass die Eltern verstehen, worum es geht und warum es dazu kommt.

  • natürlich ist die mangelnde Mitarbeit von Eltern auch mal ein Problem.
    Aber: eyh, es werden gerade die Integrationskurse groß gestrichen, oft haben die Menschen keine Möglichkeit zu arbeiten und wir sollten nicht vergessen, dass die absolute Mehrheit (quasi Alle?) der Menschen, die ohne Übersetzer keine Gespräche führen können, nicht unbedingt freiwillig hier sind.
    (Aissatou ist ein weiblicher Vorname, aus Westafrika)

  • Aber ich sehe es zum einen wie chilipaprika , dass man eben nicht abwarten kann, damit diese Kinder leider scheitern müssen.

    Das befürworte ich auch nicht, ich bezweifel aber, dass es dazu zwingend Kommunikation mit desinteressierten oder wenig zuträglichen Eltern braucht.

    Formalrechtliche Erwägungen sind natürlich ein anderer Punkt (an dem wir aber auch dringend mal wieder Vereinfachungen benötigen).

  • natürlich ist die mangelnde Mitarbeit von Eltern auch mal ein Problem.
    Aber: eyh, es werden gerade die Integrationskurse groß gestrichen, oft haben die Menschen keine Möglichkeit zu arbeiten und wir sollten nicht vergessen, dass die absolute Mehrheit (quasi Alle?) der Menschen, die ohne Übersetzer keine Gespräche führen können, nicht unbedingt freiwillig hier sind.
    (Aissatou ist ein weiblicher Vorname, aus Westafrika)

    Wieder was gelernt 🙂

    Ich sehe das anders. Ich hatte vor ein paar Jahren einen syrischen Schüler, der am 2. Tag nach Ankunft in seiner zugewiesenen Unterkunft durch die Stadt gelaufen ist und gefragt hat, wo er mithelfen kann. Er hat dann noch in der gleichen Woche ehrenamtlich bei der Tafel angefangen, dort mehrere Jahre gearbeitet und im Wesentlichen erstmal auch dort Deutsch gelernt. Klar, man kann natürlich auf seinen Integrationskurs warten - oder man geht halt los und tut selbst was für seine Integration. Ich denke, das kann man durchaus erwarten und machen Zuwanderer seit ewig und überall auf dem Erdball so. Was dem Ganzen entgegen läuft, ist einzig die Vollversorgung, die man inzwischen auch ohne entsprechendes Engagement bekommt. Dass das übermäßige an-die-Hand-nehmen keine sonderlich erfolgreiche Strategie war und Integrationskurse auch oft nicht ernst genommen wurden, wissen wir mittlerweile, insofern bin ich mit den Streichungen tendenziell eher einverstanden.


    Auf den schulischen Kontext bezogen finde ich interessant, dass in den PISA Auswertungen festgestellt wurde, dass es keine unmittelbare Korrekation zwischen dem Angebot an Fördermaßnahmen und dem Bildungserfolg gibt. Wenn durch viele Hilfsangebote Selbstständigkeit und Eigenverantwortung verloren gehen, verpuffen die Effekte. Ein gewisses Maß an Eigenverantwortlichkeit einzufordern und dem Eindruck entgegenzuwirken, Schule liefere schon alles im Rundumservice an, halte ich also nicht für verkehrt.

  • Das befürworte ich auch nicht, ich bezweifel aber, dass es dazu zwingend Kommunikation mit desinteressierten oder wenig zuträglichen Eltern braucht.

    Ich bin der Meinung, dass man

    a) versuchen sollte, die Eltern mit ins Boot zu holen. Während deine Schüler:innen ihr Smartphone selbst bedienen können, sind meine Schüler:innen 5-11 Jahre alt, haben in der Regel kein Smartphone in der Schule ... und werden in eine neue Welt geschubst.

    b) die Eltern zumindest informieren muss, auch wenn es schlecht läuft. Ich möchte, dass Eltern wissen, dass ihre Kinder sich gut oder schlecht benehmen, dass sie - wie andere Eltern auch - darüber informiert werden, was notwendig ist, was erwartet wird, was so, wie es ist, ungünstig verläuft.

  • Du sprichst in Extremen.
    Wie realistisch ist es, dass alle migrierten / fliehenden Menschen diese Kraft haben, und sich nicht von Hürden abschrecken lassen?

    Ernsthaft: Ich bin womöglich ein Musterbeispiel für nicht gelingende Integration aber ich habe echt Pechsträhnen hinter mir, zum Glück spreche ich die Sprache UND habe einen Job.
    - Ich bin im selben Monat meines Zuzugs in meiner aktuellen Stadt zum Sportverein gegangen. Das hat mehr als zwei Jahre gedauert, bis ich in die WhatsApp-Gruppe der Frauen aufgenommen wurde. Nicht böswillig. Mehrmals drüber gesprochen, jedes Mal vergessen, dann hörte ich regelmäßig, was sie am Wochenende unternommen haben..
    - In meiner vorherigen Stadt sind im selben Kalenderjahr 4 VHS- und ähnliche Kurse mangels Teilnehmer*innen ausgefallen, wo ich Leute kennenlernen wollte. Selbiges passiert mir jetzt auch, aber es sind andere Kurssorten, die eh nicht so geeignet sind.
    - Ich versuche, seit 2 Jahren in meiner Stadt mich ehrenamtlich zu engagieren. Bei dem Flüchtlingshilfeverein stehe ich auf der Liste, ganz offensichtlich sind wohl keine neuen Leute angekommen, keine Ahnung, kein Bedarf. Trotz mehrmals Nachfragen und zum Teil Gespräche/Einladungen auf dem Sommerfest. Jetzt habe ich endlich woanders angefragt, das Gespräch findet mit Glück nach den Osterferien, zwischen Anfrage von mir und Gespräch müssten ca. 10 Wochen vorliegen, weil immer wieder was dazwischen kam (zu 90% von deren Seite) und die Ansprechperson nur morgens an zwei Tagen die Woche arbeitet.

    Also ja, ich habe super Respekt vor dem Vater, der vor Jahren mit seiner Familie hierher kam und sofort alles tat, um nicht im selben Viertel wie alle Türken zu wohnen (selbst kein Türke, aber turkmenische Sprache sprechend), und in meiner Sprechstunde fragte, wie seine Tochter eine bessere Note in Deutsch haben könnte (sie stand 2+ in der Mittelstufe, nach nicht mal 5 Jahren in Deutschland). Der gute Herr war in seiner Heimat Professor geworden, seine Frau Lehrerin und sie machten beide in Deutschland Putzjobs. Wer aber nicht das entsprechende Kapital und Wissen um gesellschaftliche Ausschlussmechanismen hat, gibt viel schneller auf. Das hat nicht mit mangelnder Integrationsfähigkeit und -wille zu tun. Irgendwann ist auch die Luft raus und warum sollen es dann Grundschulkinder ausbaden.

  • ach, und das beste "du willst zu uns, aber wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft und haben kein Interesse daran, dass du dich bei uns integrierst"-Beispiel kam übrigens auch vom Hundeverein.
    Zum Toilettenputzdienst oder Rasenmähen war ich gut genug, aber alles mit Interaktion nö. (und ich behaupte jetzt hier selbstbewusst, dass meine Sprache NICHT das Problem ist).

  • Chilli, das liegt aber vielleicht auch ein bissi an deiner Ecke... ich weiß nicht, ob ich dich völlig falsch verorte, aber ich hab dich gedanklich so grob in Ostwestfalen einsortiert und als jemand, dessen Familie zu einem Viertel aus dem Kreis Höxter kommt, wage ich zu behaupten, dass das auch ein etwas spezieller Menschenschlag ist.

    Und Hundervereine sind eh eine Welt für sich. Ich glaube, da wird man reingeboren und von den eigenen Eltern reininitiiert, sonst ist man erstmal lange außen vor^^

    Aber ich gebe zu, dass sich manches vielleicht einfacher sagt, als es tatsächlich ist. Dennoch bleibt der Punkt, dass sich ja auch MIT allen Kursen, Dolmetschern und Unterstützungsangoten keine sonderlich überzeugenden Effekte zeigen (in meiner Erfahrungswelt jedenfalls nicht), also halte ich Einsparungen an der Stelle für ausreichend begründet.

  • Das ist aber auch kein Problem der Integration. Letztlich ist die Vollversorgungsmentalität in allen Bereichen der Gesellschaft angekommen. Egal um welche Thema es geht. Der Staat soll es machen. Eigene Verantwortung wird abgelehnt und die Schuld auf die anderen geschoben. Das sieht man ja auch am Erstarken der AfD. Das ist doch das gleiche. Letztlich gibt es einen Prozentsatz X, der diese Einstellung in Deutschland vertritt. Ob es nun mehr oder weniger als früher ist, mag ich nicht beurteilen. Gefühlt ist es natürlich mehr geworden.

  • da gehe ich mit. Es ist ein allgemeines Problem.
    Allerdings über alle Schichten, Herkünfte und gesprochene Sprachen hinweg (wenn auch mit Variationen)

  • Ich habe dich doch jetzt x-Mal geschrieben, dass ich keinen Sinn mehr darin sehe mir dir zu diskutieren.

    Dann lass es. Ich antworte auf die Beiträge auf die ich Lust habe und wenn es rechter Blödsinn ist, werde ich das tun bis ans Ende aller Zeiten :klo:

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