Zweitfach-Wahl WiPäd: Interesse vs. Jobchancen (und die Angst vor Mathe/Info)

  • Ich finde deinen Punkt zur Bedeutung der Didaktik im Lehrerberuf sehr überzeugend. Gerade die Idee, dass unsere Hauptarbeit oft in der didaktischen Reduktion und Strukturierung liegt, würde ich sofort unterschreiben. Das erlebe ich selbst im Referendariat ziemlich deutlich.

    Auch deine Kritik an der starken Trennung zwischen „naturwissenschaftlich“ und „sprachlich“ finde ich berechtigt. Gerade das Analytische spielt ja in vielen Fächern eine viel größere Rolle, als Schüler*innen (und ehrlich gesagt auch wir Lehrkräfte manchmal) denken.

    Was ich aber etwas anders sehe, ist die Aussage, dass das Fach letztlich „egal“ sei. Ich glaube, auf einer abstrakten Ebene stimmt das – wir haben die Werkzeuge, uns einzuarbeiten, und viele didaktische Prinzipien sind übertragbar. Im Alltag macht es aber aus meiner Sicht schon einen Unterschied, womit man sich dauerhaft beschäftigt.

    Konkret habe ich für mich das Gefühl, dass ich mir aktuell nicht zutrauen würde, eine Stunde in einem sprachlichen oder geisteswissenschaftlichen Fach schnell und auf hohem Niveau zu planen und durchzuführen.

    Gleichzeitig habe ich die Vorstellung, dass ich als Deutschlehrer z. B. viele literarische Werke gut kennen und zentrale Inhalte auch spontan abrufen können sollte, ebenso ein Gespür für literarische Epochen und ihre Kontexte haben müsste.

    Für Geschichte oder Politik würde ich erwarten, typische historische und politische Theorien auf aktuelle Ereignisse beziehen und in schlüssige Zusammenhänge einordnen zu können.

    In den Fremdsprachen verbinde ich damit zudem – vielleicht etwas idealisiert – ein sehr sicheres Sprachgefühl, einen routinierten Umgang mit Texten und Strukturen sowie (im klassischen Bereich) sogar die Fähigkeit, Sprachen wie Latein oder Altgriechisch fließend zu sprechen; klassisch auch die Fähigkeit, komplexere Texte (etwa Shakespeare oder Ovid) im Versmaß übersetzen zu können.

    Mir ist klar, dass das idealisierte Vorstellungen sind und die Realität differenzierter aussieht. Trotzdem prägt genau dieses Bild von Altphilologen für mich die Wahrnehmung, dass sich die Fächer im Alltag eben doch unterscheiden. Ich würde es deshalb eher so formulieren: Die Unterschiede zwischen den Fächern werden oft überschätzt – aber sie verschwinden auch nicht vollständig.

    Schule. Jeden Tag eine Überraschung. Lohnt sich.

  • Aus Neugier: Würdest du sagen, das geringe Angebot von Französischunterricht an berufsbildenden Schulen in Niedersachsen hängt an einer geringen Anzahl an vorhandenen Lehrkräften oder eher an geringem (curricularem/schülerseitigen) Bedarf?

    Ich bin nicht an der BBS, aber ich habe es oben schon mal erklärt (weil ich WEIß, dass es so ist, auch weil ich den Wechsel immer wieder im Blick habe).
    1. die meisten SuS haben gar keine 2. Fremdsprache
    2. WENN eine Fremdsprache: fortgeführt oder neu? da werden 90% der SuS neu anfangen (natürlich gibt es an der BBS total sprachaffine SuS, die die 2. FS von der Sek 1 als Lieblingsfach mitnehmen, aber ehrlich: das sind die absolutesten Ausnahmen)
    3. Selbst wenn es darum geht, dass man nur eine NEUE FS als neu anfangen darf (also nicht die FS, die es schon in der Sek1 gab), ist Französisch nirgendwo mehr die erste Wahl. Da ist sprachlich / ökonomisch (WiWi...) / kulturell Spanisch oder (weil NDS) Niederländisch viel gefragter.

    Also in meinem sehr groß ausgelegten Umkreis ist es, wie Humblebee schreibt: entweder nur eine Lehrkraft mit starkem beruflichem Fach oder Honorarkräfte. Mir wurde IMMER rückgemeldet, dass man mich nicht wegen Französisch, sondern TROTZ Französisch nehmen würde (und ich bin ja Muttersprachlerin). Das Fach würde ich bei einem Schulformwechsel vermutlich nie unterrichten.


  • Mir ist klar, dass das idealisierte Vorstellungen sind und die Realität differenzierter aussieht. Trotzdem prägt genau dieses Bild von Altphilologen für mich die Wahrnehmung, dass sich die Fächer im Alltag eben doch unterscheiden. Ich würde es deshalb eher so formulieren: Die Unterschiede zwischen den Fächern werden oft überschätzt – aber sie verschwinden auch nicht vollständig.

    Danke. Sehr gutes Fazit.
    und leider hast du tatsächlich - in der Breite - ein idealisiertes Bild vom Können der Kolleg*innen, aber das habe ich auch und falle ab und zu auch auf die Nase. Ist aber garantiert in den Naturwissenschaften / Mathe auch nicht viel anders.

  • nein, ich meinte, ein sehr häufiges "Zweitfach" bei BBS/BK-Lehramt.
    Gefühlt hatte das jede*r Dritte (im BK-Lehramt) in meiner Uni-Zeit.

    Was "Politik" als Zweitfach für das Lehramt BBS in NDS angeht, habe ich auch noch immer den Eindruck, dass es eines der am häufigsten studierten Unterrichtsfächer ist. Zu meiner Unizeit war es das definitiv, kann aber sein, dass es mittlerweile weniger häufig gewählt wird. Da werde ich interessehalber unsere derzeitigen Refis zu befragen (Wir haben allerdings derzeit tatsächlich von fünf Refis nur eine mit Politik als Unterrichtsfach; ein Politik-Refi ist jetzt gerade mit dem Ref fertig - aber das ist natürlich anekdotisch).

    MICH würde an dem Fach an der BBS aufregen, dass es oft einstündig ist, sehr viele Klassen mit sich bringt und die allermeisten SuS das Fach als irrelevant (in der Stundentafel) sehen (was ja in den meisten Ausbildungsgängen notentechnisch auch der Fall sein dürfte).

    Stimmt, geht mir genauso. Ist ähnlich wie mit Reli bzw. Werte & Normen und Sport; die werden an den nds. BBS ebenfalls in den meisten Bildungsgängen nur einstündig unterrichtet (oder wie an meiner Schule halt eine Doppelstunde in einem Halbjahr).

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

    Einmal editiert, zuletzt von Humblebee (2. April 2026 10:42)

  • Sehr ernüchternd, aber ich habe sowas Ähnliches bereits vermutet. Ich weiß, dass durchaus einige Hochschulen das Fach Französisch im Rahmen des Lehramts für berufliche Schulen anbieten, aber ich selbst kenne keine einzige Lehrkraft, die Französisch grundständig für diese Schulformen studierte, sondern höchstens im Rahmen des Lehramts für Gymnasien(/Gesamtschulen).

  • Aus Neugier: Würdest du sagen, das geringe Angebot von Französischunterricht an berufsbildenden Schulen in Niedersachsen hängt an einer geringen Anzahl an vorhandenen Lehrkräften oder eher an geringem (curricularen/schülerseitigen) Bedarf?

    Zweite Fremdsprache an beruflichen Schulen kann man vergessen. Ich unterrichte Spanisch nur, weil viele Schüler am Beruflichen Gymnasium und in der Fachoberschule Klasse 13 die allgemeine Hochschulreife machen wollen und eine zweite Fremdsprache nachweisen müssen. Für das BG reichen drei Jahre neueinsetzender Spanischunterricht, für die Fachoberschule sogar zwei Jahre. Theoretisch bieten wir auch weiterführenden Fremdsprachunterricht an, aber da die Schüler je nach abgebender Schule Französisch, Spanisch oder Niederländisch hatten, kriegen wir nie genug Schüler zusammen um die entsprechende Klassenstärke zu erreichen. Wir kriegen ja so kaum noch eine elfte Klasse am Beruflichen Gymnasium zusammen, bei meinen neueinsetzenden Spaniern sind es in diesem Schuljahr 6 Schüler gewesen.

  • STUDIEREN kann man das.
    Man kann einiges studieren...

    Ich habe heute morgen zb. gesehen, dass man wiederum kein Türkisch für BK studieren kann. Schade.
    Aber immerhin Islamische Religion.

  • Aus Neugier: Würdest du sagen, das geringe Angebot von Französischunterricht an berufsbildenden Schulen in Niedersachsen hängt an einer geringen Anzahl an vorhandenen Lehrkräften oder eher an geringem (curricularen/schülerseitigen) Bedarf?

    Am geringen SuS-seitigen Bedarf. Auch an den allgemeinbildenden Schulen wird Französisch hier als Fremdsprache immer "unbeliebter". Dazu hatte ich - wenn ich mich nicht sehr täusche - vor einiger Zeit hier schon mal einen oder mehrere Artikel verlinkt.
    An unseren BBS besteht eine Verpflichtung zum Belegen einer zweiten Fremdsprache halt auch nur für SuS am BG und zwar für diejenigen, die nicht schon in ihren abgebenden allg. Schulen eine zweite Fremdsprache im Unterricht hatten. Eine meiner Spanischkolleginnen hatte mal versucht, eine Spanisch-AG für alle anderen Bildungsgänge anzubieten, die ist aber mangels Interesse von SuS-Seite nicht zustande gekommen (die meisten SuS haben eben keine Lust und auch keine Zeit auf zusätzliche Schulstunden; daher scheitern bei uns regelmäßig Versuche, AGs ins Leben zu rufen). Also ist auch von Lehrkräfte-Seite der Bedarf gering.

    EDIT: Ach, ich sehe jetzt erst die obigen Beiträge von Chili und RosaLaune. Da hätte ich mir meinen auch sparen können. Aber egal... ;)

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Zweite Fremdsprache an beruflichen Schulen kann man vergessen. Ich unterrichte Spanisch nur, weil viele Schüler am Beruflichen Gymnasium und in der Fachoberschule Klasse 13 die allgemeine Hochschulreife machen wollen und eine zweite Fremdsprache nachweisen müssen. Für das BG reichen drei Jahre neueinsetzender Spanischunterricht, für die Fachoberschule sogar zwei Jahre. Theoretisch bieten wir auch weiterführenden Fremdsprachunterricht an, aber da die Schüler je nach abgebender Schule Französisch, Spanisch oder Niederländisch hatten, kriegen wir nie genug Schüler zusammen um die entsprechende Klassenstärke zu erreichen. Wir kriegen ja so kaum noch eine elfte Klasse am Beruflichen Gymnasium zusammen, bei meinen neueinsetzenden Spaniern sind es in diesem Schuljahr 6 Schüler gewesen.

    Puh, sechs SuS sind aber schon extrem wenig! Bei uns sind es doch erheblich mehr, da wir sehr viele SuS haben, die von der Realschule bzw. aus dem Realschulzweig der Oberschule oder der IGS zu uns kommen und dort keine zweite Fremdsprache hatten (muss dort nicht belegt werden). Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal eine komplette 11. Klasse im BG Wirtschaft, die nur aus SuS besteht, die keinen Unterricht in einer zweiten Fremdsprache mehr benötigen, weil sie entweder vom allg. Gym. kommen oder bereits freiwillig eine zweite Fremdsprache in der Oberschule, Realschule oder der IGS gelernt haben. Ich habe die KuK, die im Aufnahmeausschuss für das BG sind, aber schon sagen hören, dass solch eine Klasse im kommenden Schuljahr wohl nicht mehr zustande kommen wird.

    Eine FOS Kl. 13 gibt es übrigens in NDS nicht, weil man hier über diese Schulform nicht die AHR erreichen kann. Wir haben daher nur die FOS 12 und dort ist keine zweite Fremdsprache notwendig.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • chilipaprika : Islamische Religion kann man hier in NDS auch seit einigen Jahren als Unterrichtsfach für das Lehramt BBS studieren. Wir hatten gerade jetzt im Winter erstmals eine Praktikantin bei uns, die dieses Fach studiert. Das große Problem ist nur, wie sie erzählte: Bislang wird offenbar an keiner nds. BBS islamische Religion angeboten. Aber vielleicht ändert sich das, wenn erstmal die ersten Student*innen mit diesem Fach mit ihrem Studium fertig sind.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Ich vermute es auch. Der Wandel ist zudem "parallel".
    Mein Gym (ist ja nicht anders als BBS für das Beispiel) hat das Projekt lange geschoben, weil "falls es nicht klappt" (Bei weitem nicht alle Muslime wollen IR in der Schule..), was mache man mit der Lehrkraft und gleichzeitig, falls es klappt, wo kriegen wir die 2. Lehrkraft her). Ein genialer Glücksgriff: eine Kollegin mit Mangelfach und IR als Drittfach. EIn paar Jahre später und wir haben fast durchgängig 2 Lerngruppen und mehrere KuK (gut, nicht alle mit perfekter Fächerkombi, aber so ist das Leben).
    Von anderen Schulen weiß ich, dass es auch ähnlich diesen Eiertanz gibt "Sich trauen oder nicht" (weil: wenn man anfängt, muss man - am Gym (wegen der vielen Jahrgänge) - auch eine zweite Lehrkraft haben ...

  • Puh, sechs SuS sind aber schon extrem wenig! Bei uns sind es doch erheblich mehr, da wir sehr viele SuS haben, die von der Realschule bzw. aus dem Realschulzweig der Oberschule oder der IGS zu uns kommen und dort keine zweite Fremdsprache hatten (muss dort nicht belegt werden). Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal eine komplette 11. Klasse im BG Wirtschaft, die nur aus SuS besteht, die keinen Unterricht in einer zweiten Fremdsprache mehr benötigen, weil sie entweder vom allg. Gym. kommen oder bereits freiwillig eine zweite Fremdsprache in der Oberschule, Realschule oder der IGS gelernt haben. Ich habe die KuK, die im Aufnahmeausschuss für das BG sind, aber schon sagen hören, dass solch eine Klasse im kommenden Schuljahr wohl nicht mehr zustande kommen wird.

    Eine FOS Kl. 13 gibt es übrigens in NDS nicht, weil man hier über diese Schulform nicht die AHR erreichen kann. Wir haben daher nur die FOS 12 und dort ist keine zweite Fremdsprache notwendig.

    Sechs ist wenig und wir hatten vorher auch mehr. Aber da in NRW fast alle Schüler die Möglichkeit einer zweiten Fremdsprache in der Sekundarstufe 1 haben (Real-, Sekundar- und Gesamtschule, nur die Hauptschulen nicht, die gibt es aber ohnehin kaum noch) und viele diese Möglichkeit nutzen, ist der Bedarf an zweiter Fremdsprache bei uns gering. Dazu kommt, dass die Schülerzahlen zurückgehen, da die Gesamtschulen eigene Oberstufen haben und die Sekundarschulen eine Oberstufenkooperation mit Gymnasien oder Gesamtschulen eingehen müssen. Und die kämpfen nicht weniger um ihre Schülerzahlen. Früher, so berichten Kollegen, ging man an die Gesamtschulen um da Werbung für das Berufliche Gymnasium zu machen, heute lässt man uns da gar nicht rein.

    Gibt es bei euch keine Möglichkeit der fachgebundenen Hochschulreife?

  • chilipaprika : Islamische Religion kann man hier in NDS auch seit einigen Jahren als Unterrichtsfach für das Lehramt BBS studieren. Wir hatten gerade jetzt im Winter erstmals eine Praktikantin bei uns, die dieses Fach studiert. Das große Problem ist nur, wie sie erzählte: Bislang wird offenbar an keiner nds. BBS islamische Religion angeboten. Aber vielleicht ändert sich das, wenn erstmal die ersten Student*innen mit diesem Fach mit ihrem Studium fertig sind.

    Islamische Religionslehre hapert oft an der konfessionellen Zugehörigkeit. Unser Kollege unterrichtet islamische Religionslehre gar nicht sondern das Ersatzfach (praktische Philosophie bzw. Philosophie). Die Fakultas hat er nicht, aber dafür die Schülerzahlen.

  • Noch ein kleiner Tipp an den Threadersteller: Informiere dich bitte über die unterschiedlichen Lehrerverbände. Sie geben schon sehr nützliche Infos über das Studium, das Ref und die Arbeit als Lehrkraft. Die Mitgliedschaft ist im Studium und im Ref oft kostenlos oder günstig und man erhält dafür oft auch Zugang zu Versicherungen und Netzwerken. Ich bin z. B. Mitglied des Bayerischen Philologenverbandes (BPV), es gibt aber in Bayern auch noch den BLLV und auch noch eine Gewerkschaft, deren Name mir gerade nicht einfällt. In anderen Bundesländern ist die Lage bestimmt ähnlich.

    Schule. Jeden Tag eine Überraschung. Lohnt sich.

  • Danke dir, Humblebee, auch wenn es inhaltliche Schnittstellen mit den Beiträgen von Chilipaprika und RosaLaune gibt.

    Klar lässt sich aus der Sekundarstufenperspektive heraus leicht sagen, dass es schön wäre, wenn Französisch auch im berufsbildenden Bereich verbreiteter wäre. Wir geben uns bereits bei den Sprachanfängern (m/w/d) (Ich denke bei dir, chilipaprika , dürfte es nicht anders sein.) Mühe, um Interesse an der Sprache zu wecken, in der Hoffnung, dass sie dran bleiben und nicht die Lust verlieren, gar bei der nächstbesten Gelegenheit das Fach abwählen. Klappt auch bei einigen, aber eben nicht bei allen. Man kann nichts erzwingen. Ich freue mich für alle Schüler (m/w/d), bei denen ich im Nachhinein erfahre, dass sie im Sprachenlernen drangeblieben sind und privat oder sogar beruflich ihre Sprachkenntnisse aktiv nutzen. Ich verstehe aber, dass manchmal die persönlichen Interessen anders gelagert sind oder, wie am Beispiel der AG, die strukturellen Bedingungen eher suboptimal.

  • Da will ich mal doch noch eben antworten, bevor ich mich wieder an meine restlichen KLA begebe ;) .

    Aber da in NRW fast alle Schüler die Möglichkeit einer zweiten Fremdsprache in der Sekundarstufe 1 haben (Real-, Sekundar- und Gesamtschule, nur die Hauptschulen nicht, die gibt es aber ohnehin kaum noch) und viele diese Möglichkeit nutzen, ist der Bedarf an zweiter Fremdsprache bei uns gering.

    Diese Möglichkeit zum Belegen einer zweiten Fremdsprache wird scheinbar von den SuS der o. g. Schulen in NDS nicht häufig genutzt. Oder es besteht gar keine Möglichkeit, weil es von schulischer Seite gar nicht angeboten wird. Das weiß ich nicht.

    Dazu kommt, dass die Schülerzahlen zurückgehen, da die Gesamtschulen eigene Oberstufen haben und die Sekundarschulen eine Oberstufenkooperation mit Gymnasien oder Gesamtschulen eingehen müssen. Und die kämpfen nicht weniger um ihre Schülerzahlen. Früher, so berichten Kollegen, ging man an die Gesamtschulen um da Werbung für das Berufliche Gymnasium zu machen, heute lässt man uns da gar nicht rein.

    Das ist interessant! Bei uns ist das derzeit noch nicht der Fall; unsere Bewerber*innenzahlen für das BG sind für das kommende Schuljahr hoch wie eh und je (zumindest im BG Wirtschaft und in Gesundheit/Soziales; in der Technik sinken die SuS-/Bewerber*innenzahlen schon seit Jahren in allen Bildungsgängen immer weiter, so dass wir unser BG Technik wie auch die FOS Technik wahrscheinlich über kurz oder lang einstampfen müssen - die FOS Technik Kl. 12 hatten wir sogar schon mal zwei Schuljahre lang gar nicht geführt, aber vorletztes Jahr "wiederbelebt".) Die einzige IGS, die wir als "Zubringerschule" für unsere BBS haben, hat keine Oberstufe und plant - soweit ich weiß - auch nicht deren Einführung.

    Warum müssen denn die Sekundarschulen eine Oberstufenkooperation mit Gym. bzw. GS eingehen? Das sind doch reine Sek. I-Schulen - wie in NDS die Oberschulen -, oder? Die haben doch mit der Oberstufe gar nichts zu tun?!

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal eine komplette 11. Klasse im BG Wirtschaft, die nur aus SuS besteht, die keinen Unterricht in einer zweiten Fremdsprache mehr benötigen, weil sie entweder vom allg. Gym. kommen oder bereits freiwillig eine zweite Fremdsprache in der Oberschule, Realschule oder der IGS gelernt haben.

    Und das reicht dann aus und man muss in 11/12 keine 2. Fremdsprache mehr belegen?

    Ist das anders, weil die 2. Fremdsprache früher beginnt oder legt man ein Zertifikat ab, das dann belegt, dass man ein bestimmtes Niveau erreicht hat?

  • Gibt es bei euch keine Möglichkeit der fachgebundenen Hochschulreife?

    Da musste ich peinlicherweise jetzt erstmal googlen, was das überhaupt ist... Also, laut Recherche kann man die "fachgebundene Hochschulreife" in NDS nur an einer BOS erwerben. Diese Schulform bzw. dieser Bildungsgang ist hier allerdings schon seit Jahren "dem Untergang geweiht", d. h. es gibt mangels Interesse nur noch vereinzelte BBSn, die eine BOS anbieten (derzeit "läuft" eine BOS tatsächlich nur noch an einer BBS in Hannover, während sie an anderen BBSn - z. B. in Osnabrück und in Oldenburg - momentan pausiert).

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Und das reicht dann aus und man muss in 11/12 keine 2. Fremdsprache mehr belegen?

    Ist das anders, weil die 2. Fremdsprache früher beginnt oder legt man ein Zertifikat ab, das dann belegt, dass man ein bestimmtes Niveau erreicht hat?

    Ja, das reicht aus. Wie RosaLaune es oben schon für NRW ausführte, genügt es auch hier in NDS, wenn man eine zweite Fremdsprache drei Schuljahre lang belegt hat. Ein zusätzliches Zertifikat muss man nicht erbringen; die Zeugnisse der abgebenden Schulen, aus denen ersichtlich ist, dass man die zweite Fremdsprache mind. drei Schuljahre lang im Unterricht hatte, reicht m. E. als Nachweis (so genau bin ich allerdings im Thema "BG" nicht drin).

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Da will ich mal doch noch eben antworten, bevor ich mich wieder an meine restlichen KLA begebe ;) .

    Diese Möglichkeit zum Belegen einer zweiten Fremdsprache wird scheinbar von den SuS der o. g. Schulen in NDS nicht häufig genutzt. Oder es besteht gar keine Möglichkeit, weil es von schulischer Seite gar nicht angeboten wird. Das weiß ich nicht.

    Das ist interessant! Bei uns ist das derzeit noch nicht der Fall; unsere Bewerber*innenzahlen für das BG sind für das kommende Schuljahr hoch wie eh und je (zumindest im BG Wirtschaft und in Gesundheit/Soziales; in der Technik sinken die SuS-/Bewerber*innenzahlen schon seit Jahren in allen Bildungsgängen immer weiter, so dass wir unser BG Technik wie auch die FOS Technik wahrscheinlich über kurz oder lang einstampfen müssen - die FOS Technik Kl. 12 hatten wir sogar schon mal zwei Schuljahre lang gar nicht geführt, aber vorletztes Jahr "wiederbelebt".) Die einzige IGS, die wir als "Zubringerschule" für unsere BBS haben, hat keine Oberstufe und plant - soweit ich weiß - auch nicht deren Einführung.

    Warum müssen denn die Sekundarschulen eine Oberstufenkooperation mit Gym. bzw. GS eingehen? Das sind doch reine Sek. I-Schulen - wie in NDS die Oberschulen -, oder? Die haben doch mit der Oberstufe gar nichts zu tun?!

    Oberstufenkooperation heißt, dass die Schüler der Sekundarschule einen Platz in der Oberstufe an der kooperierenden Schule "sicher" haben (ich vermute mal, dass damit tatsächlich ein Rechtsanspruch einhergeht, das weiß ich aber nicht genau), sofern sie die Voraussetzungen für den Besuch der gymnasialen Oberstufe erfüllen.

    Ich bin an einem (fast ausschließlich) technischen Berufskolleg. Das wirtschaftliche Berufskolleg in der Nachbarschaft hat aber auch mit sinkenden Schülerzahlen zu kämpfen, da betrifft es aber eher den Bereich der Berufsschule und nicht so sehr die höheren Schulabschlüsse. Als ich an meiner Schule angefangen habe, hatten wir den letzten zweizügigen Durchgang in Klasse 13. Danach konnten wir immer nur noch eine Klasse einrichten, wobei wir die Leistungskurswahl (Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik) weiter offen gehalten haben. In der jetzigen 13 gibt es im LK Maschinenbau aber nur einen Schüler (wir haben mal mit mehr gestartet, die sind aber mittlerweile alle verlustig gegangen). Da hat die Bezirksregierung dann Ärger gemacht, seitdem dürfen wir nur noch Leistungskurse einrichten, wenn wir genug Schüler für jeden Leistungskurs haben. Das hat die Schülerzahlen auch wieder runtergehen lassen, denn jemand der sich hier mit Schwerpunkt Maschinenbau anmeldet, lässt sich nicht mit Elektrotechnik oder Informatik vertrösten. Jetzt haben wir in aktuellen Klasse 11 nur noch den Schwerpunkt Informatik gehabt. Im neuen Schuljahr wird es weder Maschinenbau noch Elektrotechnik geben, da führen wir den neuen Schwerpunkt Ingenieurswissenschaften ein. Mal schauen, wie das wird und ob das die Schülerzahlen erhöht.

Werbung