Zweitfach-Wahl WiPäd: Interesse vs. Jobchancen (und die Angst vor Mathe/Info)

  • Oberstufenkooperation heißt, dass die Schüler der Sekundarschule einen Platz in der Oberstufe an der kooperierenden Schule "sicher" haben (ich vermute mal, dass damit tatsächlich ein Rechtsanspruch einhergeht, das weiß ich aber nicht genau), sofern sie die Voraussetzungen für den Besuch der gymnasialen Oberstufe erfüllen.

    Das finde ich auch wieder interessant! Ich weiß gar nicht, ob es sowas hier auch gibt.

    Das wirtschaftliche Berufskolleg in der Nachbarschaft hat aber auch mit sinkenden Schülerzahlen zu kämpfen, da betrifft es aber eher den Bereich der Berufsschule und nicht so sehr die höheren Schulabschlüsse.

    In den Berufsschulklassen im Bereich Wirtschaft und Verwaltung haben wir ebenfalls schon seit einigen Jahren sinkende SuS-Zahlen (Ausnahmen: Verkäufer*innen/Einzelhandelskaufleute und Verwaltungsfachangestellte). Die machen - im Gegensatz zu den Vollzeitbildungsgängen - aber nur einen kleinen Teil unserer Schülerschaft aus.

    So, jetzt muss ich aber wirklich an den Schreibtisch! Schönen Gründonnerstag noch allerseits!

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Ihr habt auch Rückgänge im Bereich Kaufleute für Büromanagement? Hätte ich intuitiv nicht erwartet - das war mal deutschlandweit einer der beliebtesten Ausbildungsberufe.

  • Ihr habt auch Rückgänge im Bereich Kaufleute für Büromanagement? Hätte ich intuitiv nicht erwartet - das war mal deutschlandweit einer der beliebtesten Ausbildungsberufe.

    Ja, auch die SuS-Zahlen in dieser Berufsschulklasse (mehr als eine hatten wir in den 23 Jahren, die ich nun schon fast an der Schule bin, in diesem Bereich nie) sind seit Jahren rückläufig. Früher war die Klasse mit 26-28 SuS gut gefüllt (es gab sogar Jahre mit 30 SuS), jetzt krebst sie bei max.16 SuS herum. Im aktuellen ersten Ausbildungsjahr haben wir 12 Azubis in dieser Berufsschulklasse.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Schade!

    Aber ich habe eh immer mehr den Eindruck, dass der(?) TE an unseren Rückmeldungen nicht wirklich interessiert ist, da von ihm so gar nichts mehr kommt. :weissnicht:

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  • Ihr habt auch Rückgänge im Bereich Kaufleute für Büromanagement? Hätte ich intuitiv nicht erwartet - das war mal deutschlandweit einer der beliebtesten Ausbildungsberufe.

    Das ist einer der ersten Arbeitsplätze, die jetzt zusammen mit den Bankkaufleuten verschwinden wird. Ich verstehe sehr gut, wieso das kaum noch jemand lernen möchte.

    Entropy is a bitch, embrace her.

  • Das ist einer der ersten Arbeitsplätze, die jetzt zusammen mit den Bankkaufleuten verschwinden wird. Ich verstehe sehr gut, wieso das kaum noch jemand lernen möchte.

    Das Interesse von Seite der Jugendlichen, eine Ausbildung im Bürobereich zu machen, ist weiterhin recht groß. Nur bieten im Einzugsgebiet meiner Schule viele kleinere Betriebe, die früher ausgebildet haben, mittlerweile keine Ausbildungsplätze mehr an. Das liegt laut ihrer Aussage u. a. daran, dass sich in diesen recht kleinen Betrieben niemand mehr um die Azubis kümmern kann (enge Personaldecke).

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    • Wie wird der Bedarf für Deutsch an beruflichen Schulen aktuell/zukünftig eingeschätzt?

    Das ist generell immer schwer vorherzusagen. Das hängt auch immer von deiner örtlichen Flexibilität ab. Der konkrete Bedarf kann zwischen den Schulen sehr unterschiedlich sein. Ggf. hat dein Bundesland Bedarfsprognosen.

    Grundsätzlich ist es aber so, dass Leute mit Topnoten auch in schwierigen Zeiten eher eine Stelle finden. Von daher würde ich die Überlegung immer auch daran knüpfen, was dir liegt.

    • Gibt es hier WiPäd-Kollegen, die Mathe oder Info "nachgeholt" haben, ohne viele Vorkenntnisse zu haben?

    Mathematik kannst du ohne mathematische Vorkenntnisse studieren. Sie helfen auch nur wenig. Das ist anders als beispielsweise bei Angewandter Mathematik für Ingenieure oder so.

    Du musst allerdings halbwegs intelligent sein, Muster und Strukturen erkennen können und vor allem logisch denken können. Weiterhin brauchst du eine gehörige Portion an Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen. Es ist hilfreich, wenn du kommunikativ zumindest auf dem Level bist, dass du in Lerngruppen arbeiten kannst.

    Das Gute ist, dass du nach dem ersten Semester weißt, ob du es schaffen wirst oder nicht. Falls du da nicht klargekommen bist, wechsel das Fach und verschwende keine weitere Zeit.

    • Worauf würdet ihr rückblickend bei der Wahl mehr achten: Die Freude am Fach im Studium oder die Arbeitsbelastung (Korrekturen) im späteren Berufsalltag?

    Egal, was du studierst, du musst später Freude/Interesse daran haben das Fach 40 Jahre lang zu vermitteln. Kein Fach wird dich (hoffentlich) in der Schule fachlich fordern, wenn du es studiert hast. Entsprechend ist es besser, wenn der Fokus auf das Interesse an der Vermittlung des Fachs liegt.

    Bezüglich der Arbeitsbelastung ist vor allem wichtig keine Doppelkorrekturfächer zu nehmen.... Deutsch/Englisch oder sowas. Das ist bei dir ja eh nicht der Fall. Das heißt jetzt nicht, dass bei anderen Kombis keine Belastung entsteht, aber die Belastung durch zwei Sprachen ist wegen der zeitlichen zusammenfallenden Arbeitsspitzen schon eine andere Nummer.

  • Mathematik kannst du ohne mathematische Vorkenntnisse studieren.

    Die Aussage finde ich mutig. Klar, theoretisch wird alles noch einmal im Schnelldurchlauf "wiederholt". Wer aber aus der Oberstufe noch grobe Lücken in der Funktionenlehre hat, wird sich schwer tun in Analysis I, da sowohl für die Rechen- als auch für die Beweisaufgaben vorausgesetzt wird, dass man eine gute Vorstellung davon hat, wie eine quadratische, exponentielle, trigonometrische oder Potenzfunktion "funktioniert". Und auch in der linearen Algebra sollte man die zentralen Eigenschaften und Rechenregeln der in der Schule behandelten Zahlenbereiche kennen. Ist dieses Wissen als Fundament lückenhaft, ist es ungleich schwerer, in die abstrakteren Hochschulthemen vorzustoßen.

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