Hallöchen ihr Lieben!
Nach ständigem Frust rauslassen bei Familie und Freunden, möchte ich diese damit nicht weiter belasten und versuche hier einmal etwas Dampf abzulassen und ggf. auf ähnliche Erfahrungen oder Ratschläge zu stoßen.
Ich bin aus dem Ref frisch gebackene Lehrerin im ersten Jahr. Ich bin 6h weggezogen, in ein völlig neues Bundesland, neue Umgebung, neue Lehrpläne, neue Vorgaben, völlig neue Schule, aber diese große Veränderung war mir von Anfang an schließlich bewusst. Mein Ref habe ich mit einer Bestnote abgeschlossen (was natürlich gar nichts über irgendwas zu sagen hat), und mit meinen Schülern kam ich super klar. Ich hatte im Ref auch bereits eine Klassenleitung einer 5. Klasse und bei der Arbeit mit diesen Kindern ist mir der Beruf doch ans Herz gewachsen. Jetzt bin ich erst seit 1 Woche in der neuen Schule tätig und schon jetzt sträubt sich jede Zelle meines Körpers am nächsten Tag wieder das Gebäude zu betreten. Der Kunstunterricht ist völlig anders als ich ihn aus dem Ref kenne, das Material was ich oft in meinem Unterricht nutzte darf ich hier nicht mehr nutzen und kaufen lassen, die hunderten Apps/Plattformen für die Schulorga überfordern mich, bei jedem "Mist" habe ich das Gefühl erstmal 5 Leute um Hilfe beten zu müssen. Die Schule wirkt auf den ersten Blick toll digitalisiert mit Smartboards, leihbaren iPads und Dienstgeräten, aber in der Nutzung ist alles völlig unbrauchbar (in den Kunsträumen kaum Netz, Internet am Smartboard steigt immer aus, Videos muss ich de facto immer erst runterladen für den Fall der Fälle, und die Leihsätze bestehen aus 9 Geräten für Klassengrößen von meist 30).
Aber das Alles sind denke ich Dinge, die mit der Zeit in einer Routine zu Minimalproblemen entwickeln. Viel anstrengender finde ich schon jetzt die Arbeit mit den Schülern. Ich unterrichte fast ausschließlich 7.-10. Klasse, in jeder Klasse mindestens 6 Schüler mit NTA (lrs, adhs, autismus, Sehbehinderung, Hörbehinderung) und natürlich der Pubertätshochphase. Bei einem Arbeitspensum von 50-60h weiß ich einfach nicht, wie ich den Inklusionsschülern und den 10 unterstimulierten (meist) Jungs gerecht werden soll. Die extreme Lautstärke, diese kurzen Aufmerksamkeitsspannen, diese extreme Heterogenität überstimuliert, überfordert mich, und ich habe das Gefühl, so schlimm war es nie im Ref. Mehrere Schüler äußerten bereits am 2. Schultag, dass mein Unterricht langweilig wäre und sie mir daher nicht zuhören und mich respektieren werden. Ja, die ersten Unterrichtsstunden waren nunmal geprägt durch Kennenlernen, Elternbriefe und die Vermittlung meiner Erwartungen, sowie Lehrplaneinblicke.
Ich überlege wirklich, ob ich nie für diesen Job gemacht war und ich einfach unheimliches Glück mit meinen Klassen im Ref hatte. Ich nehme vieles sehr persönlich, und habe keine dicke Haut dadurch entwickeln können.
Wie waren eure Erfahrungen im Berufsseinstieg (Vollzeit)? Oder habt ihr auch Erfahrungen mit Bundeslandwechsel gemacht? Wie geht ihr mit respektlosen Schülern um, wenn es eben nicht nur 1 Schüler pro Klasse ist sondern direkt eine ganze Gruppe die den Unterricht sprengt? Inwiefern seht ihr es als unsere Aufgabe, Unterricht digital, modern und an die veränderten Bedürfnisse zu gestalten? Wie schafft ihr es abzuschalten und die 50h nicht zu überschreiten? Eine dickere Haut zuzulegen?
LG