Klassenfahrt: mein Kind will nicht mit.

  • ... Während früher oft das Geld ein Problem war, haben heute viele keine Lust auf klassische Ziele, organisiertes Programm, Kultur, Verbot von Alkohol undd Nikotin, zu wenig Freiraum am Reiseziel, ... Auch Heimweh bzw. Trennungsangst wird immer mehr. Unsere Schüler sind bei den Abschlussfahrten in der Regel 14-15 Jahre alt, bei Schullandheimfahrten jünger. Am liebsten wäre ihnen eine Fahrt ans Meer mit schönem Hotel, Pools, AI, ... Alles andere wird von einigen von vorneherein abgelehnt.

    In meinen Augen alles Gründe, zu Fahrten zu verpflichten. Am Besten nur noch Zeltlager mit Selbstverpflegung, das Geheule ist ja nicht zum Aushalten :hammer:

    Echt man, denen entgeht was, wer hängt denn nur im Hotel ab in den Ferien?

  • Ja, das ist natürlich richtig. Als Schule sind wir aber zunehmend in der Situation, dass wir Fehlzeiten halt nur noch schulterzuckend dokumentieren können, in Extremfällen weitermelden, und auch dann nur schulterzuckend zur Kenntnis nehmen können dass nix passiert. Schulpflichtüberwachung? Bußgeld? Zuführung? Alter Kram aus dem letzten Jahrhundert, wahrscheinlich schwarze Pädagogik.

    Kann ich überhaupt nicht bestätigen. Das mit den Bußgeldern klappt gut. Man muss halt dass Verfahren einhalten und seine Doku zusammen haben. Dann geht das auch durch. Spätestens beim zweiten Bußgeld gegen Mutter, Vater, Kind, wenn es dann empfindlich teuer wird, ist bei uns noch jeder wieder zur Schule gekommen.


    Zum Eingangsthema:

    Wir diskutieren da nicht herum. Teilnahme ist Pflicht. Jede Andeutung Richtung Trotz-Krankheit zieht eine sofortige Attestpflicht für die Zeit nach sich. Wird das nicht beigebracht, sind bei unseren Klassenfahrten sofort die Tage für ein Bußgeld zusammen.

    Die religiösen Befreiungen müssen ausführlichst begründet werden. Bei ortsnahen Fahrten müssen die Kinder tagsüber gebracht werden.

  • Ganz ehrlich, wer nicht mitfahren will ist am Ende halt krank. Da machen wir gar nichts dran und eine Attestpflicht kann (in NRW) nicht "einfach so" verhängt werden. Bevor die von der Schulleitung beschlossen werden kann, müssen bereits vorher Schulversäumnisse in hohem Maße vorliegen, sonst kippt den Entschluss jedes Gericht sofort.

    Wenn einzelne Kinder partout nicht mitfahren wollen, lasst sie halt zu Hause bzw. in Parallelklassen beschulen. Sie bzw. die Eltern schießen sich doch letztendlich selbst ins Bein, weil die Kinder einfach eine tolle Zeit verpassen und die Klassengemeinschaft ohne sie zusammen wächst.

    Mein Großer hat in der Nacht vor einer Klassenfahrt mal Magen-Darm bekommen (also wirklich krank). Da hätte ich mich bedankt, wenn ich dafür noch ein Attest hätte anschleppen müssen. Unser Kinderarzt stellt auch grundsätzlich keine Atteste für die Schule aus. Dazu sind die Praxen nicht verpflichtet. Zum Glück wurde das auch nicht verlangt.

  • Spätestens beim zweiten Bußgeld gegen Mutter, Vater, Kind, wenn es dann empfindlich teuer wird, ist bei uns noch jeder wieder zur Schule gekommen.

    Na dann herzlichen Glückwunsch, wir haben einige, die auch schon zu Sozialstunden verdonnert wurden, weil sie das Bußgeld nicht zahlen wollten oder könnten. Nützt aber auch nichts.

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Man kann das beklagen, oder die Realitäten anerkennen und es einfach freiwillig machen, dann würde man sich jedenfalls nicht länger in die Tasche lügen. Ich kann diese Scheinheiligkeit nicht ertragen. Enweder man setzt eine Pflicht durch oder lässt es und macht es freiwillig. Das schließt ja nicht aus, dass man für solche Fahrten bei den Kindern und deren Eltern werben darf, denn sie sind in den allermeisten Fällen ja eine Bereicherung für die Kinder.

    Dein Beitrag klingt sehr resignierend. Es gibt viele Bereiche in der Schule, die Pflicht sind, die wir aber nicht durchsetzen können.

    Hausaufgaben sind Pflicht aber einige machen sie nicht.

    Die Teilnahme am Sportunterricht ist Pflicht aber einige sind oft krank oder haben keine Sportsachen.

    Die Teilnahme an Schwimmunterricht ist Pflicht aber ein passenden Attest ist zu leicht besorgt.

    Bestimmte Kinder sind bei jeder Exkursion krank.

    Beim Sexualkundeunterricht sind SchülerInnen krank.

    Arbeitsmaterialien werden nicht mitgegeben usw..

    Nur weil wir etwas nicht durchsetzen können, müssen wir die Pflicht nicht abschaffen. Wir schaffen es auch nicht, dass alle Menschen ordentlich Parken. Aber sollen wir deswegen die Vorgaben abschaffen?

    Bei Fahrten gibt es aus meiner Sicht sogar ein paar gute Argumente für die Freiwilligkeit. In Niedersachen ist es freiwillig. Das hat erstmal für mich als Lehrkraft den großen Vorteil, dass ich ohne Begründung auch nein sagen kann. Aber auch bei den Kindern haben wir inzwischen immer mehr Kinder mit großen und kleineren Problemen (Diese Entwicklung macht mir viel mehr Sorgen). Daher halte ich es für sinnvoll, dass die Eltern das entscheiden sollen.

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