Unterrichtsgestaltung ohne Arbeitsblätter

  • Mir ging in letzter Zeit bereits häufiger ein kleiner Schauer über den Rücken, wenn von Schülern 30 oder 40 Euro zu Beginn des Schuljahres für o.g. Zweck u.ä. eingesammelt wird. Aus meiner Sicht bereits eine Fehlentwicklung. Auch, wenn es auf ein Jahr gerechnet als wenig erscheint.

    Dass Lehrer für Kopierpapier angeblich selbst sorgen müssen, schlägt dem Fass den Boden aus. Die allermeisten von uns haben, besonders im und nach dem Referendariat, schon mehrere tausend Euro für Materialien ausgegeben. Das fällt einem oft erst auf, wenn man einen genauen Blick darauf wirft.

  • Die Eltern sollten das aber schon wissen. Ich finde es schon wichtig, dass, wenn ein gewisses Vertrauen in uns als Lehrkräfte, und damit Repräsentanten (m/w/d) des Staates, entgegengebracht wird, wir im Gegenzug so ehrlich sind und mitteilen, dass wir aufgrund von Gründen, die außerhalb unseres Einflussbereichs liegen (Diese muss man natürlich nicht den Eltern erläutern, sondern nur dass es so ist.), die elterliche Erwartung, dass wir die staatlichen Anforderungen an schulische Bildung umfänglich umsetzen, nicht einhalten können.

    Da reagiere ich an der Stelle mal als Privatperson: Wenn ich weiß, dass mein Kind an Schule X bestimmte Sachen, die curricular vorgesehen sind, nicht lernen wird (und da sind mir als Elternteil die Gründe hierfür auch egal), überlege ich mir zweimal, ob, solange es Freiheit bei der Schulwahl gibt, ich mein Kind nicht an eine andere Schule schicke.

    Und da die Stadt der Schulträger ist, werden die anderen Schulen in deiner Nähe nicht anders ausgestattet sein ind du kommst vom Regen in die Traufe. A gesehen davon, dass man einem gut integrierten Kind nicht mal eben einen Schulwechsel zumutet, nur weil an der anderen Schule mehr Experimente in Chemie laufen oder mehr HV in Französisch.


    Hört sich nur in der Theorie gut an

  • Allerdings ist es tatsächlich so, dass wir auch in Deutschland darauf zusteuern (oder schon längst haben, und ich war naiv?), dass Menschen ihren Wohnort entsprechend auswählen. Einerseits die Frage "Gibt es die Infrastruktur?" aber auch "WIE ist die Infrastruktur?" Das führt zwar immer mehr zur Ghettoisierung, aber denjenigen, die diese beschleunigen (indem sie woanders hinziehen), ist es egal - sie sind ja eben weg.

  • Kann man halt auch niemandem vorwerfen. Ohne Kinder kann ich hier ganz gut leben, hätte ich aber welche, wäre ich ganz schnell weg und würde mir meine Kommune sehr wohlüberlegt aussuchen.

  • Kann man halt auch niemandem vorwerfen. Ohne Kinder kann ich hier ganz gut leben, hätte ich aber welche, wäre ich ganz schnell weg und würde mir meine Kommune sehr wohlüberlegt aussuchen.

    Ja. Ist bei mir leider so.
    Es schmerzt mir das zu sagen, aber ich wäre nicht mit Kinderwunsch in meinen Stadtteil gezogen. Ganz schön, ich lebe hier super, aber die Grundschulen haben zu hohe Herausforderungen. aber eyh, 100000 Euro günstiger als da, wo die Grundschulen einen deutlich niedrigeren Sozialindex haben. (und dafür waren wir viiiiiel näher an der Tierklinik, die jetzt aber zu hat.)

  • Oh krass 😳 Ich hab 3 innerhalb von 20 km (2 davon sehr gut) und ich war auch unendlich dankbar dafür, als ich einst dachte, der Hund habe sich vergiftet (hatte aber nur einen Drogenrausch) und als wir samstagabends einschläfern mussten. 70km klingt im Notfall unendlich weit weg.

    Sorry OT.

  • Kennt ihr das von früher eigentlich mit den Versuchen?

    Bei uns wurde früher nicht viel experimentiert, schon gar nicht durch uns (ich habe in meiner Schullaufbahn kein einziges Experiment selbst durchgeführt). Ab und an hat der Chemielehrer vorne irgendwas ins Reagenzglas geworfen oder der Physiklehrer eine Glühbirne zum Leuchten gebracht.

    Ich kann mich nicht sooo genau an meine Schulzeit erinnern - dafür ist sie zu lange her ;) -, aber in meiner Erinnerung (und das haben Gespräche auf unserem 35jährigen Abitreffen vor einigen Wochen bestätigt) haben wir in Chemie, Bio und Physik damals relativ häufig eigene Versuche/Experimente gemacht. Wir waren aber auch auf einem recht gut ausgestatteten Gymnasium und hatten immer in den jeweiligen Fachräumen Unterricht; von daher nicht mit der Ausgangssituation der TE zu vergleichen.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

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