Hallo,
habt ihr Tipps, um Konflikte mit Kindern zu klären?
Oft erlebe ich es, dass die Kinder eine Situation ganz unterschiedlich erfahren haben und zwei verschiedene Sichtweisen erzählen.
Sicher kennt ihr das auch? Wie geht ihr dann vor?
Hallo,
habt ihr Tipps, um Konflikte mit Kindern zu klären?
Oft erlebe ich es, dass die Kinder eine Situation ganz unterschiedlich erfahren haben und zwei verschiedene Sichtweisen erzählen.
Sicher kennt ihr das auch? Wie geht ihr dann vor?
Kennst du die Bilderbücher
Blöde Ziege, dumme Gans
Und
So war das. Nein so! Nein so!
Die eignen sich finde ich gut, um sie in der Klasse mit allen zu lesen und die Problematik der unterschiedlichen Wahrnehmungen auch den Kindern klar zu machen.
Bei Streitigkeiten dann immer jeden Beteiligten ohne Unterbrechung erzählen lassen und dann noch Nachfragen stellen und zusammen fassen.
Und dann üben miteinander zu sprechen. Oft geht es ja um Missverständnisse und Fragen oder Nachfragen würden oft schon helfen zu verhindern, dass der Streit groß wird.
Fragen: An welcher Stelle hättest du etwas anders machen können und was? Konkret üben und formulieren lassen, was das Kind hätte sagen können.
Danke für die Tipps!
Ganz schwierig finde ich es, wenn ein Kind etwas sagt und ein anderes sagt: "Stimmt nicht, habe ich nicht gemacht". Ich komme da als Lehrkraft an meine Grenzen, denn ich kann ja letztendlich nicht entscheiden, welches Kind die Wahrheit sagt. Und manchmal habe ich das Gefühl, bestimmt Kinder nutzen das gezielt aus. Einfach sagten "stimmt nicht" damit der Konflikt nicht abschließend geklärt werden kann.
Hat noch jemand Tipps?
Mir geht's ähnlich. Ich finde v.a. die ewige Suche nach dem, der angefangen hat völlig nutzlos. Und es mischen sich meist noch 5 weitere Kinder ein, die irgendwas gesehen haben wollen. Und dann hat er und dann hat sie und dann habe ich und dann... Oft tuten die Eltern noch ins selbe Horn...
Aber nützt ja alles nüscht, ist leider unser täglich Brot.
Ich mache es meist so: Ich lasse jeden zu Wort kommen und sage das auch jedes Mal, dass jeder gehört wird, wenn sich beide gegenseitig unterbrechen. Mir geht es selten um Schuldige, nur bei Verletzungen/Beleidigungen sind defintiv Grenzen überschritten und die werden sanktioniert, egal wer "angefangen" hat.
Es werden oft Sätze gesagt, wie...
...Ich höre/sehe, dass dich das stört/ärgert/traurig gemacht hat.
...Wie hast du dich da gefühlt?
...Was war dein Anteil?
...was wünschst du dir von...?
...meinst du, du kannst dich entschuldigen?
...merkst du, dass es für X kein Spaß war?
...hast du gehört, dass Y das traurig macht?
...und deswegen haben wir die und die Regel auf dem Hof. Haltet euch beide daran, dann kommt es erst gar nicht dazu.
...es ist mir egal, wer angefangen hat, zum Streiten gehören immer zwei.
...Fritzchen ist nie in Streit verwickelt, du bist jedes zweite Mal dabei. Es sind nicht immer alle anderen Schuld...
...wie könnt ihr das in der nächsten Pause anders machen?
...du kannst nur dein Verhalten ändern. Was kannst du das nächste Mal anders machen?
...zu guter Letzt: ihr beide bleibt morgen in der Hofpause drin und dann klären wir das. Jetzt ist Mathe.
Das hilft oft erstaunlich schnell.
Klar, einfach "Ich habe nichts gemacht" sagen und schon ist der Lehrer in der Beweislast. Die Wahrheit™ ist da gar nicht so wichtig, so lange der Frieden wiederhergestellt wurde. Bei Kleinkram auf dem Pausenhof sage ich nur: Du gehst jetzt DA hin und du gehst jetzt DA DRÜBEN hin.
Wenn einer gehauen wurde, hilft die Frage "Und was hast du vorher gemacht?"
Oft wollen Menschen einfach nur gehört werden und in ihrem Gefühl wahrgenommen.
Nachdem also beide meinen, es sei so passiert, wie sie es erzählen (und da geht es Erwachsenen nicht anders als Kindern), höre ich mir beide Versionen an, sage dann, dass ich es leider nicht gesehen habe und nicht wisse, wie es nun ganz genau war, erfrage noch die Gefühle der Kinder ("Da warst du verärgert?" "Du wurdest traurig?"), dann entschuldigen sie sich oft von allein, auf jeden Fall sollen die beiden sich sagen, dass sie das so nicht mehr machen und tschüssi.
Wichtig noch, ich höre mir genau 2 Kinder an, keine 15 Zeugen, nicht mal einen. Nur die 2 und die andren müssen weggehen.
Oft wollen Menschen einfach nur gehört werden und in ihrem Gefühl wahrgenommen.
Nachdem also beide meinen, es sei so passiert, wie sie es erzählen (und da geht es Erwachsenen nicht anders als Kindern), höre ich mir beide Versionen an, sage dann, dass ich es leider nicht gesehen habe und nicht wisse, wie es nun ganz genau war, erfrage noch die Gefühle der Kinder ("Da warst du verärgert?" "Du wurdest traurig?"), dann entschuldigen sie sich oft von allein, auf jeden Fall sollen die beiden sich sagen, dass sie das so nicht mehr machen und tschüssi.
Wichtig noch, ich höre mir genau 2 Kinder an, keine 15 Zeugen, nicht mal einen. Nur die 2 und die andren müssen weggehen.
So mache ich es auch.
Schwierig finde ich es dann aber, wenn sich auch Eltern melden, beispielweise wenn es mit einem Kind immer wieder Vorfälle gibt.
Oder wenn die Eltern die Sichtweise ihres Kindes in den Vordergrund rücken und wollen, das ich als "Richter" auftrete.
Ah ok, die Eltern. Ich betone sehr häufig, bei schwierigen Eltern noch öfter, dass wir doch beide das Beste für das Kind wollen. Und betone wieder die Gefühlsseite, dass das Kind doch da sehr traurig, verletzt, ... gewesen sei und dass wir alle hier an der Schule versuchen, dass wir ein friedliches Miteinander... Also auch die Gefühle der Eltern ernst nehmen, sie wollen ja tatsächlich meistens das Beste (für sich oder ihr Kind, leider vermischt sich das oft, da kann man sich auch gerne an die eigene Nase fassen).
...
Wichtig noch, ich höre mir genau 2 Kinder an, keine 15 Zeugen, nicht mal einen. Nur die 2 und die andren müssen weggehen.
Ich auch, ich kenne allerdings einige Kolleginnen, die extra Kinder in den Zeugenstand berufen. Manchmal kommen diese der Wahrheit zwar tatsächlich näher, aber mich stört das permanente Einmischen. Außerdem können Kinder auch sehr verzerrte Wahrnehmung haben, wenn sie ein Kind nicht leiden können...
Kinder, die beim Klären von üblichen Streitigkeiten pausenlos dazwischenreden und kommentieren, werden von mir sehr rigoros unterbrochen und weggeschickt. - "Stopp, warst du beteiligt" Wenn aber die Antwort kommt, "nein, aber soundso hat wirklich blablabla gemacht", weg. Wenn ich frage "Was hast du denn gemacht?" und es kommt "nichts, aber der ... hat einfach ... gemacht", stoppe ich wieder und wiederhole meine Frage "Was hast DU gemacht?". Denn auch wenn es einige Eltern nicht gern wahrhaben wollen, gehören zu einem Streit immer zwei dazu und ihr Kind ist nicht das arme Kind, das "einfach so" geärgert wird. Am Ende findet man so ganz zuverlässig den jeweiligen Anteil heraus. Bei "Aber der hat angefangen" sage ich mittlerweile nur noch "ist mir egal"... Das bekommt man wirklich nicht zuverlässig heraus, wichtiger ist mir, die Qualität der Vorkommnisse herauszuarbeiten.
Einzige Ausnahme sind wirkliche (extrem seltene) Auseinandersetzungen mit Verletzten usw. Da fordere ich die Kinder ja auch bewusst auf, Hilfe zu holen. Deshalb immer direkt in Klasse 1 den Unterschied petzen vs. Hilfe holen besprechen.
Deshalb immer direkt in Klasse 1 den Unterschied petzen vs. Hilfe holen besprechen.
Was bitte soll in einer nach Regeln, Gesetzen und friedlichem Zusammenleben ausgerichteten, funktionierenden Gemeinschaft/ Gesellschaft dieses ominöse "Petzen" sein? Hatte ich mich in der Vergangenheit schon häufiger gefragt. Besonders, wenn dieses gedankliche Konstrukt sogar von erwachsenen und Vorbildspersonen (Lehrern) so ggü. Schülern kommuniziert wird.
Was ist falsch daran, wenn Kinder Fehlverhalten, fast immer zum Schaden anderer, erkennen/ wahrnehmen und dies mitteilen? Wer bestimmt, wann es "Petzen" und wann ernst zunehmendes Fehlverhalten ist?
Für mich hat das tatsächlich was von dem bekannten Begriff "Gaslighting". Eine der allerschädlichsten Dinge, vor allem für Kinder und Jugendliche im Heranwachsen.
Arbeitest du in einer Grundschule? 😄
Kurzfassung: Das zu unterbinden, stärkt die Klassengemeinschaft. Wie gesagt, muss man deshalb zwischen dem unerwünschten Petzen und dem erwünschten Hilfe holen differenzieren. Das muss man natürlich gezielt thematisieren. Ich bin damit bislang immer sehr gut gefahren. Vielleicht mal ein x-beliebiges Beispiel dazu: " Die Jungs haben ... aus Klasse ... mit auf dem Fußballfeld spielen lassen" (Hat es dich gestört, weil du mitgespielt hast? Gab es deswegen Verletzte oder ernsthafte Probleme? Nein. Dann ist es Petzen. Es geht dem Kind in dem Moment nur um das Prinzip, dass eine Regel nicht eingehalten wurde, obwohl es keinem geschadet hat....) Und das ist nur eines von vielen Beispielen. Man merkt übrigens auch im Fachunterricht immer wieder, wie gut die Klassengemeinschaft funktioniert, hängt auch davon ab, wie die jeweiligen KollegInnen mit diesen "Petz-Situationen" umgehen...
Naja, wenn es um "Geschiss" geht, ist es petzen, z. B. "Herr Lehrer, der kippelt, der kaut Kaugummi, der hat mir den Mittelfinger gezeigt."
Naja, wenn es um "Geschiss" geht, ist es petzen, z. B. "Herr Lehrer, der kippelt, der kaut Kaugummi, der hat mir den Mittelfinger gezeigt."
Verstehe ich. Aber: Wo ist die Grenze und wer bestimmt das? Ich finde, eine durchaus berechtigte Frage. Der Mittelfinger ist aus meiner Sicht schon sicher kein "Petzen" mehr.
Tukan Ich empfinde das Thema trotz/ auch wegen deiner neuen Ausführungen als schwierig. Alles eine gemeinschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle Definitionssache. Und letztendlich individuelle Interpretation. Eine Sache ist für einen betroffenen Menschen (Kind) ok, die andere nicht. Es hängt alles davon ab, was die jeweilige Gemeinschaft/ Gesellschaft als gute und sinnvolle (immer wieder neu zu diskutierende) Regeln für ein friedliches Zusammenleben definiert. Selbst das verbotene Kaugummi kauen eines Sitznachbarn kann ein Kind aufgrund seines individuellen Wesens zurecht stören/ einschränken.
Verstehe ich. Aber: Wo ist die Grenze und wer bestimmt das? Ich finde, eine durchaus berechtigte Frage. Der Mittelfinger ist aus meiner Sicht schon sicher kein "Petzen" mehr.
Ich mach das.
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