Das stimmt natürlich. Die Elternschaft am kath. Mädchengymnasium fand ich extrem anspruchsvoll, die am Ruhrpott-Gymnasium eher pflegeleicht. Beim Kerngeschäft Unterricht sah es andersrum aus - Ruhrgebiet grottiges Niveau und in den unteren Jahrgängen viele verhaltensauffällige Schüler, Mädchengymnasium ein absolutes Träumchen. Wer gerne Schüler mit normalem Sozialverhalten vor sich sitzen hat und lieber fachlich als pädagogisch arbeitet, ist auf einem Gymnasium mit vernünftigem Sozialindex aber grundsätzlich sicherlich nicht verkehrt aufgehoben, wenn er mit dem aufgeblasenen Drumherum gut klarkommt.
Das Drumherum am Gym ist der Aspekt, der mich mit meinem Job an der BBS sehr zufrieden sein lässt. Wirklich nix gegen Gyms! Aber die Elternarbeit und die teils völlig absurden Erwartungen mancher Eltern (die wir selbst bei den eigenen Kindern an deren Gyms wahrnehmen) wirken aus meiner Sicht sehr anstrengend für die Lehrkräfte.
Berufskolleg erlebe ich als deutlich pragmatischer und zeiteffizienter arbeitend.
Der Pragmatismus ist das, was für mich BBSen auszeichnet. Das hängt auch damit zusammen, dass "wir" 1. mit einer beruflichen Orientierung/Praxis als Lehrkräfte manche Abläufe anders beurteilen und damit umgehen und 2. so viele Schulformen unter einem Dach haben mit einem Durcheinander aus 1-4-jährigen Schulformen, Vollzeit und Teilzeit etc. pp., dass das nur mit Pragmatismus zu regeln ist. Es ist aus Sicht eines Gymnasiums, wo in einem geordneten Ablauf von Klasse 5 bis 12/13 die SuS durchlaufen, unvorstellbar, wie bei "uns" der chaotische Alltag läuft. Aber das wirkt nach der Eingewöhnung nicht mehr chaotisch. Es is, wie es is.
Die weitgehende Abwesenheit von Eltern ist natürlich auch sehr angenehm. Was das Kerngeschäft Unterricht betrifft hängt aber halt vieles davon ab, in welchen Bildungsgängen man eingesetzt ist - den Vollzeitbereich finde ich überwiegend schon sehr "speziell". Jemand mit beruflicher Fachrichtung wäre da aber sicherlich besser aufgestellt und könnte dem evtl. besser aus dem Weg gehen.
Ja es macht an BBSen einen Unterschied, ob man reine(r) Allgemeinbilder/in ist oder ein berufliches Fach hat (was aber dafür sorgen kann, dass man das zweite allgemeinbildende Fach gar nicht mehr unterrichtet.). Mit beruflichen Fach ist der Einsatz meist stärker fokussiert auf bestimmte Schulformen und Abteilungen oder Berufe. Mit zwei allgemeinbildenden Fächern ist man oft in mehr Abteilungen/Schulformen mit jeweils wenigen Stunden eingesetzt. Das kann anstrengender sein neben dem Aspekt, dass berufliche Fächer manchmal(!) von den SuS als etwas wichtiger gesehen werden.
Auch Vollzeitbereich (also in der Regel allgemeinbildende Abschlüsse (Sek I, FH-Reife, Abi) ergänzt um berufsbildenden Unterricht und teils mit beruflichen Abschlüssen wie bspw. Sozialassistenz) und Teilzeit (Berufsschule, berufsbegleitende Fachschule oder duale BOS (FH-Reife)) machen auch einen Unterscheid bei der Motivation. Außerdem verschiedene Abteilungen (Wirtschaft, Bau, Elektro, Informatik, Gastro, Sozialwesen...) bedeuten eine andere Klientel und dann innerhalb der Abteilungen bspw. Einzelhändler/in, Industriekauffrau/-mann... machen dann auch wieder einen großen Unterschied. Hier schildere ich natürlich nicht meine persönlichen Erfahrungen im Detail, weil die wie ein Fingerabdruck wären ![]()
Zum TE direkt:
- Ich hatte mich nach dem QE anfangs gefragt, ob ich nicht mit zwei allgemeinbildenden Fächern lieber am Gym wäre, das war aber nur eine sehr kurze Phase und ca. 1 Jahr nach dem Ref nicht mehr relevant.
- Mit einem solchen Studium ist man für das BK/die BBS sehr gut passend. Berufliche Fächer können direkt abgeleitet werden. Allgemeinbildende Fächer abzuleiten passt in der Regel mit Mathe oder (zumindest recht oft) mit Informatik. Mit Physik ist's schwieriger, oder anders gesagt: Ich hab's noch nicht erlebt und bin schon recht lange im Business.
- An BBSen ist der QE (bei euch heißt's halt anders) die Regel, das System ist darauf ausgelegt, der QE ist grundsätzlich ziemlich erfolgreich, das Ableiten der Fächer ist recht problemlos. An Gyms ist der QE mit dem Profil nicht die Regel, er ist nicht so verankert, das Ableiten der Fächer ist schwieriger. Probieren kann man's aber die Perspektive BBS/BK sollte im Auge behalten werden.
- Jetzt ganz explizit auf RLP bezogen: Wir haben seit Jahren sehr großen Mangel in technischen Fächern (Metall, Elektro, Informatik). Seit diesem Jahr sehe ich aber (und höre es von KuK an anderen BBSen), dass die Zahl der QEler/innen (insb. Ingenieure*innen) mit solchen Fächern ansteigt. Wirtschaftskrise!?! Während man also in den letzten Jahren kaum Konkurrenz hatte, wird die Konkurrenz gerade etwas(!) größer.