Beiträge von O. Meier

    Du unterrichtest aber auch nicht an einer Förderschule GE. Warum nicht? Weil du offenbar entschieden hast, dass du lieber am Berufskolleg arbeiten möchtest. Diskriminierend ist das nicht. Es war einfach deine Vorliebe.

    Nope, reiner Pragmatismus. Am BK gab es Stellen, die für den Quereinstieg geöffnet waren, und ich suchte einen (unbefristeten) Job.

    Ich bin lieber an der Grundschule, ich bin dafür ausgebildet, ich werde dafür auch (schlechter) bezahlt. Dass das diskriminierend sein soll, nee... Es ist einfach meine Vorliebe.

    Mag sein. Ist das, was außerhalb deiner Vorlieben liegt, eine „Zumutung“ oder eine „Strafexpedition“? Oder kann man auch jenseits der Vorlieben einen Job machen, wenn es passend zu den Vorlieben keinen gibt?

    Ich wollte darauf hinaus, dass der springende Punkt nicht die Kunden sind, sondern die Tätigkeit selbst, also das Backen bzw. das Verkaufen. Verändere ich die Tätigkeit, verändert sich auch die Kundschaft, aber das heißt nicht, dass die Kunden das Hauptproblem sind.

    Für einige scheinen genau die Kundinnen der Dreh- und Angelpunkt zu sein. Sonst beharrten sie ja nicht darauf, nur genau diese eine Gruppe von Kundinnen zu unterrichten.

    Da ist die Gastronomie vielleicht ein besseres Beispiel.

    Nö. Auch hier versuchst du die Frage nach den Menschen mit Behinderung zu umschiffen. Also Sterne-Restaurant oder Imbiss, wo ist es legitim, keine Menschen mit Behinderung bedienen zu wollen?

    Du, O. Meier, plädierst ja zu Recht immer dafür, dass man seine Arbeitszeit nicht überschreitet und falls man etwas zusätzliches machen muss, eben anderes liegen bleiben müsse.

    Wenn also Kolleginnen ohne entsprechende Ausbildung andere Aufgaben übernehmen sollen, müssten erst einmal ausreichende Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten bekommen und dafür natürlich ausreichend freigestellt werden.

    Das ist so. Ich schrieb auch schon, dass ich erst ausbilden und dann abordnen für den besseren Weg halte. Allerdings ist das bei denen, die ohnehin nichts mehr lernen wollen, auch noch egal.

    Menschen sind keine Brote, aber darum geht es bei dem Vergleich auch nicht.

    Nee, es ging um den Versuch, die Ablehnung von Arbeit mit Alten, Kranken und Behinderten damit gleichzusetzen, dass man kein Brot backen möchte.

    Das ist nunmal etwas anderes. Nicht backen zu wollen ist eben nicht diskriminierend.

    Die Bäckereifachverkäuferin verkauft Backwaren an Menschen.

    Die Lehrerin vermittelt Wissen an Menschen.

    Und? In welchen von beiden Fällen ist es OK bei den Menschen diejenigen mit Behinderung auszunehmen?

    Ich habe Lehramt Grundschule studiert, ich möchte mit kleineren Kindern arbeiten und daher keine Realschüler oder Gymnasiasten unterrichten. Diskriminierend? Oder ist das in dieser Richtung okay?

    Das ist keine Frage von Richtungen. In einem System, in dem man sich für ein bestimmtes Lehramt entscheiden muss, sucht man sich eines heraus, von dem man meint oder hofft, dass es zu einer passt.

    Andere Schülerinnen nicht unterrichten zu wollen, kann man aber komisch finden. Wenn man Menschen aufgrund einer Behinderung davon ausschließt, zu den Unterrichteten zu gehören, ist das diskriminierend. Das kann man auch mit syntaktischen Spielchen nicht überdecken.

    Hm. Übertragung. Ich möchte gar nicht so furchtbar viel Zeit damit verbringen, den (Fehl)-Analogie-Strohfrauen zu huldigen. Trotzdem. Was hältst du von einer, die das sagt? Oder einer die sagt, sie behandele keine Menschen mit Behinderung?

    Hier sollte stehen:

    Hm. Übertragung. Ich möchte gar nicht so furchtbar viel Zeit damit verbringen, den (Fehl)-Analogie-Strohfrauen zu huldigen. Trotzdem. Was hältst du von einer Ärztin , die das sagt? Oder einer die sagt, sie behandele keine Menschen mit Behinderung?

    Sorry.

    Meine (Fremd)Sprachkollegen überlegten, was sie mit ihrem Fach sinnvolles machen können. Für Lateinkollegen z. B. gibt es nicht so viele Alternativen. Und was macht jemand mit Geschichte, um Geld zu verdienen? Viele haben zum Schuldienst keine Alternative. (Es hat schon seinen Grund, warum manche Fächer nicht vom Lehrermangel betroffen sind.)

    Das wollen die vielleicht nicht hören, aber wenn man auf einem schmalen Markt unterwegs ist, muss man sich vielleicht mit weniger zufrieden geben. Dass man mit einem Mangelfach etwas andere Voraussetzungen hat, mag nicht fair sein. Aber es ist dicht an der Realität.

    Und dass die Kolleginnen, die an einer Förderschule arbeiten, danach ausgesucht werden, wie „über“ ihr Fach woanders ist, erscheint mir auch nicht als optimales Kriterium.

    Nö. Ich wollte Chemie studieren, aber damals war Forschung und Uni sehr frauenfreundlich und ich bin nicht der Typ, dauernd zu kämpfen.

    Insofern war Lehramt nur zweite Wahl?

    Letztendlich kann aber deine Dienstherrin nicht auf alle Aspekte Rücksicht nehmen. Wenn also gymnasiale Chemielehrerinnen über wären, man aber mehr Kolleginnen bräuchte, die naturwissenschaftliche Aspekte an Förderschulen präsentieren, wärst du vor allem Lehrerin.

    Die Entscheidung für Lehramt basiert immer auf drei Aspekten:

    - Welche Fächer möchte ich unterrichten?

    - Welche Altersgruppe möchte ich unterrichten?

    - Auf welchem Anspruchsniveau möchte ich unterrichten?

    Also drei Sachen, die man möchte. Womöglich kriegt man nicht alles drei unter einen Hut. Dann macht man den Job unter anderen Aspekten. Oder man macht einen anderen Job.

    Von der Dienstherrin kann man zwar eine anständige Personalplanung und -entwicklung erwarten. Nicht erwarten kann man aber, dass diese alle Wünsche erfüllt.

    Also ich hatte das mit der „Zumutung“ eben genau so verstanden, nämlich als Zumutung weil man dafür nicht ausgebildet wurde und es auch nicht möchte …

    Nochmal: nachdem man ein bestimmtes Lehramtsstudium absolviert hat, wird die Lernfähigkeit nicht abgeschaltet, auch wenn einige das hier in Anspruch nehmen. Diejenigen, die an Förderschulen arbeiten, haben das auch irgendwann gelernt. Dass es sinnvoller ist, erst auszubilden und dann einzusetzen, dürfte klar sein.

    Und was „ich möchte/will nicht“ anbetrifft. Was kann den der Grund sein, dass man nicht an einer Förderschule arbeiten möchte? Soll das wirklich nichts mit den Menschen mit Behinderung, die dort unterrichtet werden, zu tun haben?Dann hätten wir schon mal eine Voraussetzung für die Inklusion erfüllt, wenn zwar alle mit Menschen mit Behinderungen arbeiten möchten, halt nur nicht an Förderschulen.

    Ich kann nicht mit geistig Behinderten arbeiten.

    Das weißt du, weil du es probiert hast? Oder ist es nur eine Vermutung? So oder so, was man noch nicht kann, kann man lernen.

    Natürlich kann ich meine Fächer auf Grundschulniveau herunterbrechen. Das nimmt ihnen aber vollkommen den Sinn und Zweck und mir, wenn ich das dauerhaft und täglich machen muss den Lebenswillen.

    Herunter„brechen“ muss man eh. Macht, wie weit, wirklich einen Unterschied? Ich dachte auch mal, dass ich mir in meiner Fachlichkeit einen Gefallen tue, wenn ich auf vermeintlich hohem Niveau unterrichte. Mittlerweile weiß ich, dass selbst das Gymnasialniveau fachlich völlig langweilig ist. Darüber definiere ich mich nicht.

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