Warum muss man denn immer den Gutmenschen mimen, nur weil man Lehrer/in ist?
Muss man nicht. Man muss überhaupt nichts mimen. Ich finde die Ehrlichkeit hier durchaus erhellend.
Darf man nicht seine Meinung äußern?
Darf man. Machen alle hier ständig.
Ich möchte auch nicht jede Arbeit, die es gibt machen.
Ach. Dieser Allgemeinplatz bringt die Diskussion jetzt weiter.
Mit wie vielen Menschen mit Behinderung arbeitest du denn zusammen?
Schwierig zu sagen. Vieles erfahren wir nicht, nur beiläufig oder unvollständig. Psychische Erkrankungen treten bei uns häufig auf. Einige Lernbehinderungen. Körperliche Behinderung sind selten. Da haben wir mehr unter den Kolleginnen.
Im Verein weiß ich’s genauer. Da erfahren wir meist mehr.
Welche Relevanz aber hat das? Muss mir eine nicht aversive Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung irgendwie verdienen oder sie sonst wie rechtfertigen?
Manchen liegt es einfach nicht, dann ist es doch besser, man macht es nicht. Ich möchte z.B. nicht mein Leben lang Säuglinge betreuen, sonst wäre ich Säuglingsschwester geworden. Ich möchte auch nicht wie mein Kumpel Street-Worker sein. Ihm liegt das, mir nicht. Werde ich jetzt hier angeklagt, wenn ich das sage?
Nein. Du würdest noch nicht mal angeklagt, wenn du sagtest, du machtest sehr wohl Arbeit xy, nicht jedoch mit Menschen mit Behinderung. Dann wäre das deine Haltung gegenüber Menschen mit Behinderung. Die gefiele mir halt nicht.
Trotzdem finde ich, kann man doch akzeptieren, ohne jemanden anzugehen, wenn er sagt, dass er das nicht möchte und nicht dafür ausgebildet ist.
Für etwas (noch) nicht ausgebildet zu sein, ist ein äußerst behebbares Problem. Bereitschaft etwas zu lernen, gehört doch zum Bildungssektor einfach dazu. Nicht mit Menschen mit Behinderungen arbeiten zu wollen (oder zu möchten), ist eine mögliche Haltung gegenüber diesen Menschen. Einen Rechtsanspruch, dieses innerhalb des gewählten Jobs nicht zu müssen, vermag ich hieraus aber nicht abzuleiten.