Die Situation vorher: der Zugang zu den Rechtsgrundlagen wurde von einem privatwirtschaftlichen Verlag kontrolliert.
Diese Situation war eines Rechtsstaates unwürdig. Aber es ist keine Frage von "digital oder analog", dass man sich in diese Situation begeben hat, sondern die Folge einer politischen Fehlentscheidung. Kennt man vielleicht nicht, kommt in der nordrhein-westfälischen Bildungspoliik ja sonst nicht vor.
Wenn Landesbeamte oder -bedienstete die für ihre Arbeit unverzichtbaren Gesetze und Vorschriften konsultieren wollten, mussten sie entweder die an Schulen begrenzt vorhandenen Exemplare einsehen oder sich privat eine Bass kaufen.
Auch damals war es Verpflichtung des Dienstherren/Arbeitgebers, die notwendigen Arbeistmittel bereitzuhalten. Das wäre auch analog möglich gewesen, man wollte nicht.
Die Situation jetzt: sämtliche Rechtsvorschriften in derBass sind online oder per kostenfreier App verfügbar.
Schön. Um es mal klar zu stellen, habe ich nichts gegen die Veröffentlichung einer solchen App. Mich stört lediglich, dass dieser vermeintlich große Wurf mal wieder nicht zu Ende gedacht ist.
Insofern die Digitalisierung mit dem Einstellen oder Beschränkungen der Analog-Versionen einhergeht, hat man eben nicht mehr Möglichkeiten, sondern nur andere. Dass die immer besser sind, muss man im Einzelfall prüfen. Meine erste Erfahrung habe ich da mit Geldautomaten gemacht, die damals als zusätzliche Möglichkeit, auch außerhalb der Öffnungszeiten an Bargeld zu kommen, auf dem Markt erschienen. Wenn man heutzutage Bargeld am Schalter, äh, Moment, welcher Schalter?
Und was die Kostenfreiheit anbetrifft, so mag es ja so sein, dass für die Installation der App keine Gebühr anfällt. Nichts desto trotz fallen Kosten an. Zunächst muss mal das Gerät vorhanden sein. Das gibt's nicht umsonst. Also doch, für den Dienstherren ist es umsonst. Der überlässt es den Bediensteten, ein solches Gerät anzuschaffen und zu unterhalten. So kann man natürlich erheblich Kosten sparen. Nö, keine Lust.
Das ist so, wie es sein soll.
Wer sagt denn, wie es "sein soll"? Wo sind denn da die objektiven Kriterien? Oder ist es so, wie du es haben möchtest? Kannst du das dann auch so formulieren? Irgendwelche Pflöcke einschlagen und dann zu behauptern, sie stünden richtig, weil man sie ja da eingeschlagen habe, finde ich etwas flach. Um's mal etwas konkreter zu sagen: von dir bin ich Argumente gewohnt.
Wenn du aus was weiß ich für sinnlichen Gründen unbedingt eine Papierbass haben willst,
Ich weiß nicht, ob "Sinnlichkeit" es ganz genau erfasst, aber ja, das Lesen auf einem ausreichend großen Blatt Papier empfinde ich immer noch als angenehmer als auf einem Smartie-Phone-Schirmchen. Auch ein großer Desktop-Monitor ist nicht immer abgenehm. Das hängt nicht nur am Papier, sondern auch an der notwendigen Sitzposition und Körperhaltung, an der Möglichkeit, etwas mit an einen Platz nehmen zu können oder nicht etc.
Na klar, man kann heutzutage auch digital Anmerkungen machen. Der Bleistift dabei, geht bei mir aber immer noch schneller und unaufwändiger. Hat die BASS-App eine Möglichkeit Anmerkungen zu machen, Bookmarks zu setzen etc? Also all das, was digital heute aus dem Handgelenk geht, oder ist das ein reiner Viewer. Wäre ja das erste Mal, dass in NRW eine Software technisch hinterherhinkt.
Also, bleiben wir bei angenehm. Ist etwas schlimm daran, wenn meine Arbeit angenehm gestaltet werden kann?
Wenn aber mein Dienstherr z.B. aus Kostengründen entscheidet, auf die Papierform zu verzichten oder diese weitgehend in der Verfügbarkeit einzuschränken, so muss er die Nummer auch durchziehen. Mit einer ömmeligen App und die Leute sollen sehen, wo sie bleiben, kann er sich nicht aus der Affäre ziehen (oder doch?, s.u.). Dann gehören dazu auch die Geräte, auf denen man diese App sinnvoll nutzen kann. Ob man dann noch etwas spart, wäre mal durchzurechnen. "Zahlt ein anderer." ist nicht gespart, sondern nur verschoben. Und unfair.
dann musst du sie dir eben ausdrucken
Ja, tue ich, wie vermutlich tausende Kollegen landesweit auch. Spart weder Papier noch Kosten, diese verstecken sich nur besser an anderen Stellen.
Wohl kaum. Egal wie, der Dienstherr muss das Arbeitsmaterial stellen. Ich kaufe auch keine Tafel und miete keine Unterrichtsräume an. Also, genügend Computer mit entsprechenden Arbeitsplätzen, Dienst-Tabletts, whatever. Sollen sich die Digital-Vorreiter etwas einfallen lassen. Oder sollen die Rückständigen erklären, wie die schöne neue Welt jetzt funktionieren soll?
Es gibt keinen Grund, jedem unbeweglichen Geist aus der Vergangenheit seine Hobbys hinterherzutragen.
Du kennt mich nicht gut genug, um beurteilen zu können, wie beweglich mein Geist ist. Wenn aber das kritische Hinterfragen, das Abwägen von Vor- und Nachteilen, das Einfordern von Konsequenz, geistige Unbeweglichkeit bedeutet, ja, dann bin ich gerne unbeweglich. Und wenn die einizige Bewegung, die anerkannt wird, dass Hinterherren hinter technischen Hypes ist, nö, dasnn mache ich die nicht mit.
Und es ist auch nicht mein Hobby. Es geht darum, die Arbeit angenehm und damit auch effizient zu gestalten. Wenn der Dienstherr das nicht möchte oder eine bessere Idee hat, dann machen wir etwas anderes und leben mit den Konsequenzen.
War wohl im Pflichtenheft für den Auftragnehmer nicht berücksichtigt, wird also nicht implementiert.
Es gibt ein Pflichtenheft? So oder so, nicht zu Ende gedacht.
dann wird geschimpft, warum das auf einem nur fünf Jahre alten Smartphone nicht läuft
Ah, ja, fast vergessen. Das Rädchen der Digitalisierung dreht sich weiter. Natürlich ist fünf Jahre zu alt für ein Gerät, das man sich jedes Jahr neu kaufen soll. Bleibt beweglich! Immer am Puls der Zeit bleiben. Um die Kosten für Neuanschaffungen, Updates und was sonst noch dazu kommt, drückt sich der Dienstherr dank der Beweglichkeit der Beweglichen erfolgreich 'rum. Glückwunsch. So kann sich der Dienstherr dann doch aus der Affäre ziehen (s.o.).
Ich sehe schon die Threads, die statt nach dem "Computer für die Schule" nach der Empfehlung für "ein gutes Smart-Phones für die BASS-App" fragen.
Schade, dass wir Rückständigen solche Probleme nicht haben. Buch aussem Regal und lesen - langweilig.