Beiträge von Sissymaus

    Ist dir klar, dass du ohne pauschale Beihilfe beide Anteile übernehmen musst: Arbeitnehmer und Arbeitgeber? Und dass du dann eben bei 1000€ oder mehr landest?

    Und dass es Menschen gibt, die sich nicht privat versichern können?

    Sissymaus


    Aus Sicht von jemandem, der 9 Jahre am Gymnasium war, verstehe ich aber auch, warum der Stellenwert dort ein anderer ist und die ganzen KAoA-Aktivitäten eher nebenbei laufen. Gerade in der Mittelstufe ist das Thema Berufswahl für die Schüler noch so weit weg, dass der tatsächliche Nutzen dieser Tage doch eher überschaubar ist. Bei der Potentialanalyse kamen auch oft Ergebnisse raus, die für die Schüler nicht so richtig nachvollziehbar und hilfreich waren. Meines Erachtens bräuchte es mehr Berufsorientierung in der Oberstufe, der Mittelstufenteil hat aber eher den Charakter von verordnetem Aktionismus.

    Ja, da gebe ich Dir Recht. Ich fand das für meinen Sohn auch wenig zielführend. Da ist auf jeden Fall Potential für Änderungen. Sich ganz rauszuziehen ist m.E. nicht der richtige Weg.

    Es wird hier (von Akademikern!) suggeriert, dass man durch den Ausbau der Berufsorientierung in quantitativ grotesken Maßstäben die Abbruchwahrscheinlichkeit gegen absolut utopische 0% streben lassen kann, wenn man doch nur noch mehr Tage mit BO-Kram vollpackt.

    Ah, ok, hatte ich gar nicht gelesen. Wer hat das geschrieben?

    Es gibt eindeutig auch noch ein paar Stufen zwischen 0% und den Zahlen, die wir heute haben. Ich wehre mich lediglich gegen die Annahme, dass am Gym KEINE BO stattfinden muss, weil sie ja Abitur machen. Das kam, soweit ich mich erinnere, von Dir FrozenYoghurt Ich wusste auch bisher nicht, dass Abitur ein Beruf ist. Bin halt nur vom BK und hab nicht mal ein Abitur.

    Ich sitze an einer Stelle, an der ich sehe, wie orientierungslos die Kids sind und sich nicht trauen, eine Ausbildung anzufangen. Ich sehe auch, dass das duale System unbeliebt geworden ist, obwohl andere Länder uns darum beneiden und das Ganze ein Erfolgsmodell ist. Kids, die von ihren Eltern suggeriert bekommen, ein Studium ist das einzig wWahre, dabei werden sie voraussichtlich nicht dazu in der Lage sein. Es kostet uns Unmengen an Geld, wenn die Kids Jedes Jahr einen neuen Bildungsgang starten, anstatt in die Ausbildung zu gehen.

    Und Abiturienten, die erfolglos ein Studium versucht haben, dann zwangsweise in der Ausbildung landen und sagen: Mir war nicht bewusst, was genau duale Ausbildung eigentlich ist und wie sie abläuft. Passt eigentlich perfekt zu mir. Davon habe ich jedes Jahr mindestens einen in nur meinem Beruf (der sehr klein ist!). In anderen Berufen sind das jedes Jahr mehrere. Diese Schleife hat der Gesellschaft reichlich Geld gekostet.

    Es geht um Möglichkeiten eröffnen und bekanntmachen. Ein Lösen aus der Blase der Familie. Aber wir können natürlich auch dabei bleiben, dass Hänschen das macht, was sein Vater schon gemacht hat. Traditionen: So wichtig.

    Und aus welchem Zeitkontigent soll so ein Rundumservice abgezwackt werden? Dass das vielleicht wünschenswert wäre, verstehe ich, halte ich aber für völlig unrealistisch. Welches Gymnasium hat denn "Partnerunternehmen"? Wer pflegt diese Beziehungen? Und rechtfertigen drei Schnuppertage diesen ga zen Aufwand?


    Sissymaus

    Das mag sein, ja. Dennoch ist der Tag ja eher ein diffuses Investment, wenn man darauf hofften muss, dass der Achtklässler sich 5 Jahre später nach dem Abitur eventuell noch erinnert und für eine Ausbildung interessieren könnte.

    Ich sag ja auch gar nicht, dass es so, wie es ist, perfekt ist. Da gibts sicher Stellschrauben, nämlich zb die, dass man es schulformabhängig verändert. Aber die Vehemenz, mit der hier einige des Gym-Kollegen das ablehnen, ist für mich schleierhaft. Wir machen auch Berufsorientierung für unser berufliches Gymnasium. Müssten wir eigentlich gar nicht, aber sie sind ebenso orientierungslos. Auch wenn sie sich schon ein bißchen für eine Richtung entschiedne haben.

    Beziehungspflege: Ja, das ist Aufwand. Den betreibe ich zB auch. Ich hab ein großes Netzwerk in den Betrieben, wir laden die regelmäßig zu uns ein, wir organisieren Jobmessen etc. Grund: Viele, die bei uns einen allgemeinbindenden Abschluss machen, gehören eigentlich in die Ausbildung und haben null Ahnung, was sie machen sollen. Bock auf Schule haben sie aber auch nicht. Deswegen versuchen wir ganz viel im Bereich Berufsorientierung zu machen und eben mit Betrieben gemeinsam in die Ausbildung zu vermitteln.

    Ich habe also Betriebe, die eigentlich einstellen wollen und Schüler, die es nicht schlaffen, von der eigentlich verhassten Schule zu lösen. Dabei arbeite ich eigentlich nur im dualen System und hab trotzdem einen Arsch voll Arbeit mit dem Kram. Aber die Zahlen im dualen System schwächen eben auch stark, 30% Einbruch. Also ist es auch in meinem Interesse, dass die Kids in Ausbildung finden.

    Hier bin ich.
    War irgendwie beschäftigt. Kurz vor Corona Digitaltante unserer Schule geworden, während Corona mit drei Schulkindern und sieben Videokonferenzen gleichzeitig zuhause, während der Gatte als Konrektor systemrelevant aus dem Haus gehen durfte, Scheidung, parallel dazu die Qualifizierungsmaßnahme für Informatik gemacht, dadurch irgendwie die Vertretungsplanung mit Untis von der wegziehenden Konrektorin gewonnen, zur Konrektorin genötigt und seit zwei Jahren kommissarische Schulleitung, weil die Stelle bislang nicht besetzt wurde. Neubau und Umzug in den Startlöchern in ein paar Jahren, in dem Zuge wollen wir unser Konzept auf links drehen, habe gerade zur Vorbereitung unseres SE-Tages nach Schulen mit geänderter Unterrichtstaktung gegoogelt und dabei gemerkt, dass ich das LF vor 5 Jahren versehentlich geghostet habe. Die mittlerweile erfolgte Diagnose "ganz schwer ADHS und Perimenopause" muss ich nicht extra erwähnen, denke ich, die springt einem ja irgendwie entgegen...

    Hi :)

    Wow! Das Ganze in nur 5 Jahren! Respekt!

    Schon, mal wieder von Dir zu lesen.

    Betriebe werden für das Durchspielen eines nicht benötigten Bewerbungsprozederes schlicht keine Zeit und Nerven haben. Nutzen haben sie von 1-Tages-Praktikanten sowieso kaum und man sollte sich lieber über jeden freuen, der sich überhaupt dazu bereit erklärt😊

    Die Betriebe hier auf dem Dorf suchen aber händeringend Nachwuchs. Wenn sie sich die Zeit für Praktika nicht nehmen und das nicht ernst nehmen, wird sich später auch keiner bewerben.

    Wie habt ihr das denn früher gemacht? Ich hab mir ein Telefonbuch genommen und Firmen angerufen, keine Eltern haben da überhaupt gar nichts gemacht. Meine Freundin ist persönlich hingegangen und hat geklingelt und angefragt, ich hab um die Ecke gewartet.

    Das ist mit heutigen Informations- und Kommikationsmöglichkeiten doch alles 1000x einfacher.

    Ich hatte gar kein Praktikum im Gym. Und bei der Bewerbung für die Ausbildung war meine Mutter die, die mir wesentlich geholfen hat


    Dass du das alles prima hinbekommen hast, ist toll. Aber das trifft doch nicht auf alle Menschen zu.

    Ernsthafte Frage, welche Art von Hilfe wird denn da erwartet? Man klappert Firmen eines Berufsfeldes, das einen interessiert, ab, und fertig.

    Und dann hagelt es Absage um Absage. Und dann stehen die Kids plötzlich da und wissen nicht weiter. Da erwarte ich schon, dass sich die Kollegen dann mal hinsetzen und schauen, wo noch eine Bewerbung möglich ist oder woran es gelegen hat.
    Und nicht: da musst du dann schon alleine was finden. Wenn du bis zum Herbst nichts hast, gibt’s Ärger.

    Auch Bewerbung, Lebenslauf etc. wurden nicht im Unterricht thematisiert. Oder Berufsfelder aufgezeigt.

    Ich hab das für meinen Sohn geleistet. Aber das können nicht alle Eltern.

    Du unterschätzt vielleicht die Selbstständigkeit von 13/14/15-jährigen. Telefonieren, Mails schreiben etc. Das ist eine Hürde für viele.

    Wenn das alles das Programm KAoA nicht hergibt, dann ist es Mist und kann weg.

    EDIt: das ist natürlich nur meine persönliche Erfahrung. Und das schrieb ich auch bereits: die Ausgestaltung scheint sehr unterschiedlich zu sein.

    Ich verstehe es immer noch nicht: Übt man nach einem Studium denn keinen Beruf aus oder warum braucht der Gymnasiast keine Berufsorientierung?

    Wäre es nicht auch für diese SuS sinnvoll, dass sie eine ungefähre Ahnung haben, was sie mal machen wollen?

    Ich bin völlig ohne BO in den Beruf geschlittert. Ich hatte keine Ahnung, was das überhaupt ist, was ich da lerne. War jetzt nicht ganz falsch, aber das war eigentlich Zufall. Und ehrlicherweise sind nun beide Kinder wieder in diese Richtung gegangen, da sie nur uns als Vorbilder haben und überwiegend Maschinenbau in der Familie vertreten ist. KAoA hat jedenfalls keine Impulse gegeben, schon allein deswegen, weil sie mit der Suche nach Praktika völlig alleingelassen werden und somit natürlich meine persönlichen Kontakte eine Rolle gespielt haben.

    Win-Win, du merkst sofort, wenn die SuS etwas nicht verstehen.

    Ich weiß gar nicht, woher dieser Powerpoint-Hausarbeits-Gruppenreferatefetisch kommt, lernt man das am Seminar?

    Für meine Schüler ist das prüfungsrelevant. Sie müssen ihre Projektarbeit präsentieren und verteidigen. Daher hat das einen hohen Stellenwert bei uns.

    Mir ist das auch schleierhaft: Ist es nicht auch für Gymnasiasten wichtig, dass sie Einblicke in Berufe erhalten? Womöglich erfahren sie dann, dass Rechtsanwälte nicht den ganzen Tag Plädoyers vor Gericht halten oder Ingenieur/BWLer hauptsächlich Büroarbeit bedeutet. Oder was ein Steuerberater so macht.

    Stattdessen dümpeln sie nach dem Abi ziellos herum und probieren einen Studiengang nach dem anderen aus.

    Und stellt Euch mal vor: Auch mit Abi kann man Handwerker werden oder eine Ausbildung machen! Verrückt, ich weiß, aber nicht alle Abiturienten studieren anschließend.


    Ich finde Berufsorientierung sehr wichtig. Für alle! Wir haben eine ganze Woche für alle SuS dafür eingeplant, da sie trotz des Programms in der 8/9/10 orientierungslos bei uns ankommen.

    Ich würde mir daher eine Änderung des Programms wünschen oder eben die andere Ausgestaltung. Was mein Sohn und seine Klasse am Gym erlebt hat, war echt unterirdisch. Etliche Kids haben diese 3-Tages-Praktika im Bett verbracht, da die Unterschrift der Eltern ausreichte. Hilfe bei der Praktikumssuche nach etlichen Versuchen, eins zu finden, gabs nicht. Nur der Spruch: Wenn Du bis zum Herbst keins hast, gibts Ärger. Nachbesprechung von Praktika? Fehlanzeige. Und ich könnte noch ein bißchen so weitermachen.

    Deswegen: So wie es an manchen Schulen ausgestaltet wird, kann es weg.

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