KAoA: „Potentialentdeckung“ jetzt in der 9

  • Hallo,

    gestern bekam ich eine Mail, dass das „Einstiegsinstrument“ jetzt für die Gymnasien in der 9. Klasse stattfinden soll. Wir hatten - vor allem, um mit den Realschulen parallel zu arbeiten - die Potentialanalyse immer zu Beginn der 8. Klasse durchgeführt.

    Weiß jemand, was mit den anderen Standardelementen ist? Bislang war Potentialanalyse - Berufsfelderkundung - Betriebspraktikum ja eine halbwegs sinnvolle Reihenfolge. Soll das jetzt alles ein Jahr nach hinten geschoben werden?

  • Ich kann zur Sache nichts beitragen, hoffe aber, dass ihr KAoA anders behandelt, als so manch andere Gymnasien. Ich könnte Dir aus familiärer Erfahrung einiges berichten. Aus dieser Erfahrung heraus würde ich sagen: Egal, wann oder auch ob das stattfindet. Kann eigentlich auch weg.

    Und damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich finde das Konzept gut und sinnvoll, aber so, wie einige Schulen es ausgestalten, ist es sinnlos.

  • Das Programm krankt halt daran, dass es versucht, alle Schulformen über einen Kamm zu scheren. Der Umgang bei uns ist auch eher pragmatisch. Vor allem diese immense Beratungsflut halten wir sehr knapp. Ich habe aber auch schon bei den kreisweiten Sitzungen neben StuBOs aus manch anderen Gymnasien gesessen, die sehr irritiert waren, was in anderen Gymnasien so stattfindet ...

    Ist in diesem Forum ansonsten niemand mit KAoA beschäftigt?

  • So am Rande aus der Gesamtschulperspektive. Im Herzen bin ich Gymnasiallehrer, deshalb kann ich dem nur wenig abgewinnen und würde es wahrscheinlich am Gym auch sehr pragmatisch und kurz halten. Die SuS sollen dort schließlich ein Abitur anstreben.

  • Ich erinnere mich an mühsame Gehirnverrenkungen, um KAoA irgendwie ins Erdkundecurriculum einzupflegen. Wir sollten am Gymnasium in jedem Fach in jeder Jahrgangsstufe irgendeine Anbindung haben, zumindest auf dem Papier. Kamen sehr absurde Sachen bei raus.

    Ansonsten war ich einmal mit 8ern bei der Potentialanalyse, vom Rest habe ich nichts aktiv mitbekommen. Ich hatte aber schon den Eindruck, dass das bei uns ernst genommen wurde und dass diejenigen, die damit zu tun hatten, gut beschäftigt waren.

  • Ansonsten war ich einmal mit 8ern bei der Potentialanalyse

    War ich auch mal. Meine Aufgabe als begleitende Lehrkraft bestand darin, den ganzen Vormittag auf die Jacken und Taschen aufzupassen während die Schülerschaft anderswo im Gebäude die Aufgaben löste...

    Hier an der Schule wird nur das Nötigste gemacht, sprich PA und Berufsfelderkundung organisatorisch begleitet. Anfangs wurde noch dieser Hefter mal in irgendeinem halbwegs passenden Fach (meist D oder WP) im Unterricht besprochen, aber inzwischen wird der schulischerseits ignoriert.

    Grundsätzlich halte ich den Zeitpunkt auch am Gymnasium aber nicht für völlig falsch (wobei Stufe 9 vermutlich tatsächlich besser ist), damit manche Leute sich rechtzeitig Gedanken machen und nach der 10 woanders hingehen können statt sich durch die Oberstufe zu quälen.

  • Ich saß den ganzen Tag in der Cafeteria und hab korrigiert, insofern war das damals auch ein recht produktiver Tag.

    Den Ordner habe ich damals pflichtbewusst in der letzten oder vorletzten Schuljahreswoche noch mit dem vereinbarten Kram bestückt und von Schülern oft "hä, welcher Ordner?" gehört, also nehme ich an, dass der insgesamt auch nicht von jedem beachtet wurde.

  • MMn. ein riesiger sozialromantischer Bohei, bei dem aber auch A14-Stellen entstehen / besetzt werden. Bei uns gut beobachtbar, dass KuK, die das Ganze vorher noch sehr kritisch beäugt haben, als frisch Beförderte plötzlich zu Rittern der Gerechtigkeit wurden. Trotzdem lieber 1 Tag dort "beaufsichtigen", als zu Vertretungsunterricht verdonnert zu werden. Hab sogar die "Nachholgruppe" dorthin gebracht und wieder zurück, freiwillig.

  • am Absurdesten ist imho die unfassbare Menge an Entlastungsstunden, die da reingebuttert werden. Das steht zumindest im Gymnasium in wirklich absolut keinem Verhältnis zu welchem Aufwand man auch immer betreibt und schon garnicht, zu den Entlastungsstunden sonstiger Sonderaufgaben.

  • So am Rande aus der Gesamtschulperspektive. Im Herzen bin ich Gymnasiallehrer, deshalb kann ich dem nur wenig abgewinnen und würde es wahrscheinlich am Gym auch sehr pragmatisch und kurz halten. Die SuS sollen dort schließlich ein Abitur anstreben.

    Ich frage mich manchmal, ob es wirklich noch solche Gymnasien gibt, die "nur auf das Abitur" vorbereiten? (Oder bin ich im falschen Film?)
    Auch Gym-SuS können / sollten
    - vor dem Abitur eine Idee ihres späteren Berufs entwickeln
    - doch kein Abitur machen, oder zumindest keins am Gym und deswegen einen beruflichen Schwerpunkt dazu packen
    - einen Mini-Einblick in Berufe bekommen, die sie ggf. nicht machen wollen
    - einen Einblick in die Arbeitswelt bekommen und wissen, warum sie das Abitur machen.

    Und manchmal wünsche ich mir, das hätten auch die Gym-Lehrkräfte erhalten.

    (Trotzdem bin ich über die Umsetzung total genervt und über die Tatsache, wieviel Zeit und Unterrichtsausfall es bedeutet, noch mehr. Einfach nur eine Sache mehr, die Lehrkräfte als "Laien" wuppen werden.

  • Mir ist das auch schleierhaft: Ist es nicht auch für Gymnasiasten wichtig, dass sie Einblicke in Berufe erhalten? Womöglich erfahren sie dann, dass Rechtsanwälte nicht den ganzen Tag Plädoyers vor Gericht halten oder Ingenieur/BWLer hauptsächlich Büroarbeit bedeutet. Oder was ein Steuerberater so macht.

    Stattdessen dümpeln sie nach dem Abi ziellos herum und probieren einen Studiengang nach dem anderen aus.

    Und stellt Euch mal vor: Auch mit Abi kann man Handwerker werden oder eine Ausbildung machen! Verrückt, ich weiß, aber nicht alle Abiturienten studieren anschließend.


    Ich finde Berufsorientierung sehr wichtig. Für alle! Wir haben eine ganze Woche für alle SuS dafür eingeplant, da sie trotz des Programms in der 8/9/10 orientierungslos bei uns ankommen.

    Ich würde mir daher eine Änderung des Programms wünschen oder eben die andere Ausgestaltung. Was mein Sohn und seine Klasse am Gym erlebt hat, war echt unterirdisch. Etliche Kids haben diese 3-Tages-Praktika im Bett verbracht, da die Unterschrift der Eltern ausreichte. Hilfe bei der Praktikumssuche nach etlichen Versuchen, eins zu finden, gabs nicht. Nur der Spruch: Wenn Du bis zum Herbst keins hast, gibts Ärger. Nachbesprechung von Praktika? Fehlanzeige. Und ich könnte noch ein bißchen so weitermachen.

    Deswegen: So wie es an manchen Schulen ausgestaltet wird, kann es weg.

  • So am Rande aus der Gesamtschulperspektive. Im Herzen bin ich Gymnasiallehrer, deshalb kann ich dem nur wenig abgewinnen und würde es wahrscheinlich am Gym auch sehr pragmatisch und kurz halten. Die SuS sollen dort schließlich ein Abitur anstreben.

    Und deshalb sind andere Perspektiven völlig egal? Ja das ist der angestrebte Abschluss, in der Realschule wird auch der Realschulabschluss angestrebt. Da würde niemand sagen, ach komm die brauchen keinen Einblick in die "echte Welt", die sollen den Abschluss machen.

    Du bist mit dieser Sichtweise nicht alleine. Denn euch (not all gym teacher) fehlt:

    Und manchmal wünsche ich mir, das hätten auch die Gym-Lehrkräfte erhalten.

    Das Abitur kann kein Selbstzweck sein. Wenn man es schon aus der Elfenbeiturmperspektive machen will, dann braucht es doch wenigstens Einblicke in die Hochschulen. Welche Hochschulen gibt es überhaupt, was kann man alles studieren und mit welchem Ziel? Das wird aber nicht (oder nur selten) gemacht. Es wird das System einfach mit Scheuklappen durchgezogen bis die Jugendlichen am Ende orientierungslos herauspurzeln.

    Es ist auch kein Wunder, weil die meisten Lehrkräfte an Gymnasien nur Schule -> Uni -> Schule kennen. Wie eine Parallelgesellschaft.

    Hier muss mal der Kreis durchbrochen werden. Niemand dürfte an einer Schule unterrichten dürfen ohne beruflich einige Zeit außerhalb verbracht zu haben. Muss gar nicht inhaltlich passend sein, nur um mal geerdet zu werden.

  • Ob diese 3 Einzeltage Praktikum einen Nutzen haben, darf man aber schon anzweifeln. Was sieht man denn schon groß an einem einzelnen Tag?

    Das hängt einfach sehr stark vom Betrieb oder der Einrichtung ab, die den Tag durchführen.

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