Man muss es klar benennen: Der Lehrerberuf bezüglich Arbeitsbelastung und anderem hat einige systemische Schwächen. Natürlich ist das auch noch bundeslandabhängig mal mehr mal weniger ausgeprägt, dürfte aber eigentlich in ganz D ähnlich zutreffen.
Ich zähle mal ein paar auf:
- Ungleiche Belastung je nach Schulart und übernommener Tätigkeit (zB Klassenlehrkraft an einer Grundschule/HauptSchule/Ausbildungsvorbereitung an den berufsbildenden Schulen kann sehr aufwändig und auch belastend sein)
- Ungleiche Belastung je nach Fächern (Mathe/NaWissenschaften/Info/Sport vs. Englisch/Deutsch)
- Burnout-Gefahr wegen fehlender Abgrenzung: Man hat nie Feierabend, der vorbereitete Unterricht hat immer Luft nach oben, Konferenzen/Zeugnisse/Prüfungen sind nicht verschiebbar, Anzahl Klausuren zT vorgeschrieben, plötzliche Abfragen aus der Schulaufsicht/Ministerium, die am Tag danach vorliegen sollen/müssen) (liste beliebig erweiterbar)
- Teilzeit ist i.d.R. ein Minusgeschäft. Erst recht, wenn die Schule kein Teilzeitkonzept hat. Einige Aufgaben sind nicht teilbar, andere will die Schulleitung nicht teilen und und und
- Fehlende Aufstiegsmöglichkeiten --> Mag im Moment nicht interessant für Dich zu sein, aber wenn es KuK gibt, die eine höhere Besoldung haben mit einer lächerlichen Aufgabe, dann kann das einen schon wurmen. Man kann nicht um sein Gehalt verhandeln. Das alles sind vermutlich Gründe, warum nach einigen Dienstjahren viele einfach nur noch ihren Stiefel durchziehen mit minimalem Aufwand.
- Fehlende Mitbestimmung: Vieles muss man hinnehmen: Stundenplan/Vertretungsplan/Konferenztermine/Schulorga. Mitmischen kann man nur sehr begrenzt. Das mag nicht für alle ein Problem sein, aber auch das kann einen ganz schön müde machen, wenn man jedes Jahr Missmanagement mit ansehen muss und selbst dazu nichts beitragen kann.
- Ständiger Mangel: Man kann den Schülern nicht gerecht werden. Sie könnten viel mehr erreichen, wenn die Ressourcen besser wären. Personell, wie finanziell. Auch Ausstattung ist ein Problem (abhängig vom Schulträger, hat der kein Geld, siehts auch an Schule mies aus), wobei die berufsbildenden Schulen vermutlich noch am besten da stehen. Grundschullehrpersonen kaufen viel privat, Sek I auch. Am BK müssen wir es 2 Jahre vorher beantragen, da gibts einige technische Geräte bereits nicht mehr zu kaufen. Persönliche Ausstattung ist oft ein Witz (iPad, hahaha), Arbeitsplatz in der Schule Fehlanzeige.
- Möglichkeit des Wechsels schwer: Wenn man an einer Schule unglücklich ist, kommt man kaum weg. Das kann schlimm sein. Das liest man hier im Forum sehr oft, auch wie unglücklich die Personen dann sind. Da würde ich mir wünschen, dass man alle 5-10 Jahre automatisch versetzt würde. So kommt man auch mal woanders hin und Schulen schmoren nicht so ewig im eigenen Saft.
- Ständig neue Säue, die durchs Dorf getrieben werden und die extrem viel Arbeit machen.
Dazu kommen systemische Probleme durch Vorgaben und Gesetze. Das führt nun aber zu weit.
Hört sich alles negativ an. Ist es auch. Hier hilft die Einstellung; Take it or leave it. Für mich habe ich gute Wege gefunden, das auszuhalten (Arbeitszeiterfassung, Pareto-Prinzip, Sport). Aber das schaffen nicht alle und dann kann das auch echt lang werden bis zur Pension. Alles in allem macht es mir Spaß, ich hab noch nie so abwechslungsreich gearbeitet, ich hab viel Spaß mit meinen Klassen, hab eine SL, mit der ich sehr gut auskomme und würde mir nichts anderes wünschen. Das könnte aber an einer anderen Schule auch direkt anders sein.
Aber ich kenne die o.g. Schwächen und weiß auch, dass damit nicht jeder klar kommt.
Huch, länger geworden, als gedacht