Schwierige Eltern mischen sich ein

    • Schwierige Eltern mischen sich ein

      Mir fällt es schwer, die Frage so neutral wie möglich zu halten, aber ich gebe mein Bestes.

      Mir ist es nun bereits das 3. Mal bei der gleichen Familie passiert, dass die Eltern eines Kindes sich in mein pädagogisches Handeln einmischen wollen. Aktueller Höhepunkt: mir wird schriftlich untersagt, XYZ zu tun. Allerdings nicht auf das eigene Kind bezogen, was an sich auch fragwürdig wäre, sondern auf die gesamte Klasse bezogen. Im Allgemeinen bezieht sich das darauf, wie die Kinder lernen, sozialer zu handeln - durch viele Gespräche, Reflexionen, Perspektivwechsel etc. Das klappt seit Klasse 1 sehr gut. Besagtes Kind war bis dato Musterschülerin, doch gerät nun öfter mit anderen Kindern aneinander und zeigt eher das Verhalten eines Kleinkindes, wenn es um die Aufarbeitung von Geschehnissen geht. Ich vermute, dass die Eltern ein Problem damit haben, wenn ihr eigenes Kind Fehler zugeben muss oder dass sie sogar ein Problem mit mir als Person haben, da dies wie gesagt schon der 3. Vorfall war. Ich selbst bin recht selbstkritisch, habe mir aber in diesem Fall nichts vorzuwerfen.

      Ich bin kurz davor diese Briefe der Eltern demnächst nur noch zur Kenntnis zu nehmen und es mit den Gesprächen darüber mit den Eltern sein zu lassen. Diese drohen mir allerdings nun mit der SL, von der ich weiß, dass sie hinter mir steht, aber für mich ist das Vertrauensverhältnis damit zerstört. Habt ihr Tipps zum weiteren Umgang, z.B. auf dem Elternabend nächsten Dienstag mit ihnen? Befürchte, dass sie quer schießen und die anderen Eltern aufhetzen wollen.
    • Muss man einfach durch. Und auf Durchzug schalten. Ich hatte das anfangs auch, als ich eine Klasse neu übernommen habe. Ich habe einzelnen Eltern mehrmals und auf dem EA deutlich und ausführlich erklärt, dass das Sozialgefüge der Klasse entscheidend für den Unterrichtsalltag ist und zwischenmenschliche Probleme massiv das Lernen beeinträchtigen (Partnerarbeit, Gruppenarbeit, generelle Stimmung, laufendes Klären von Problemen nach der Pause) und ich nicht nur einen Bildungs- sondern auch einen Erziehungsauftrag habe. Strategien werden eingeübt und besprochen. Verhalten wird reflektiert. Es geht nicht darum, einzelne Kinder bloßzustellen, sondern ihnen Verhaltensmuster aufzuzeigen und den Umgang in schwierigen Situationen zu erleichtern - Punkt.

      Auf "Der hat das gemacht", "Mein Kind wird nicht neben X sitzen, weil" gehe ich nicht ein. Gerade nach den Ferien stand eine Mutter hier, ihr Kind könne nicht neben X, Y oder Z sitzen, sie wisse, das gefalle mir nicht, aber sie bitte mich inständig, weil da in den Ferien sooooo krasse Sachen vorgefallen sind. Reaktion: Ich werde gucken, wie sich der Unterrichtsalltag gestaltet. Gibt es Probleme, werden sie sich zeigen. Solcherlei Maßnahmen gehen gegen alles, was ich hier seit Jahren aufbaue .
      immer.gut :-)
    • Und das wäre ein Problem, weil...? Meiner Erfahrung nach haben Eltern, die mit extremen (Einzel-)meinungen beim Elternabend Stimmung machen wollen, bei den anderen Elternteilen wenig Chancen. Die sehen nämlich auch schnell, im Vergleich mit ihrer eigenen Situation, das dies ein Einzelfall ist.
      Der Clown ist die wichtigste Mahlzeit am Tag.
    • Karl-Dieter schrieb:

      Du solltest zur Schulleitung gehen und das weitere Vorgehen mit ihr absprechen.
      Bereits angefragt, aber gut zu hören! Ich kam mir nämlich sehr albern vor, meiner SL damit zu behelligen.

      @immergut Genau DAS ist es. Auf den Punkt.

      Thamiel schrieb:

      Und das wäre ein Problem, weil...? Meiner Erfahrung nach haben Eltern, die mit extremen (Einzel-)meinungen beim Elternabend Stimmung machen wollen, bei den anderen Elternteilen wenig Chancen. Die sehen nämlich auch schnell, im Vergleich mit ihrer eigenen Situation, das dies ein Einzelfall ist.
      Stimmt auch.
    • ...darf ich mal etwas konkreter fragen, wie das besagte Kind "aneckt"? Wenn ich lese "zuerst Musterschülerin, aber nun soziale Reibungspunkte" - was für "Geschehnisse" meinst du, die da von ihr nicht angemessen "aufgearbeitet" werden? Ist die Schülerin möglicherweise schon (ggf deutlich) weiter in puncto Stoff als der Rest der Klasse, dann ggf von deren "Langsamkeit" oder "Begriffsstutzigkeit" (von ihr so empfunden) genervt und äußert sich entsprechend despektierlich über ihre Mitschüler (a la "du bist doch sowieso zu doof dazu" etc)...?

      Sollte das in diese Richtung gehen, schreib mich ruhig mal an, da habe ich vllt den ein oder anderen Rat für dich UND die Eltern (die in dem Fall dann nicht mal schwierig wären, au contraire...).
      Wenns was anderes ist - werde doch bitte etwas konkreter.
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    • Zunächst mal: man kann nicht mit dem Schulleiter drohen. Das ist so, wie mit dem Anwalt zu "drohen": jedes Elternteil hat das Recht auf ein Gespräch mit dem SL. Was solls?

      Dann frage ich mich, was genau beim SL lamentiert werden sollte: "mein Kind soll Konflikte klären, wie kann frkoletta nur?" Eher albern, das weiß dein SL auch.

      Hast du denn Gespräche geführt mit den Eltern? Frag sie doch mal unter vier Augen, was genau ihr Problem ist. Erst ausreden lassen, dann spiegeln (Sie machen sich Sorgen, weil...), dann erklären: ich mache das so, weil.

      Anders bei bewusst provozierenden Eltern, die sich auf dem EA aufspielen und unverschämt werden. Da darf man durchaus auch sagen, dass man nicht bereit ist, auf diesen Ton zu reagieren/ sich zu rechtfertigen- oder man stellt Gegenfragen. Wer fragt, der führt.
    • ^^Vermute ich auch. Das kann ich dann nur verneinen, die SL und die Mutter in den Unterricht einladen. Nur habe ich dann das Gefühl in einer Rechtfertigungsposition zu sein und ich denke nicht, dass ich das muss.

      Da die Eltern allgemein viel auf Zuständigkeiten rumreiten, vermute ich, dass sie denken, ich würde in ihre Erziehung eingreifen.
    • immergut schrieb:

      Natürlich kommt von den Eltern vor dem SL: Mein Kind wird bloßgestellt. Mein Kind wird abgestempelt. Mein Kind ist immer Schuld an allem.
      Der durchschnittliche Schulleiter weiß mit solchen Gesprächen umzugehen :)

      Was ich meine, ist: vor Eltern Angst zu haben ist verständlich, aber verschlimmert die Situation meist. Da ist offensives rangehen oft am besten, weil wird selten so heiss gegessen, wie gekocht. Und gerade Eltern, die Briefe schreiben, müssen meist schnell irgendwas loswerden, trauen sich aber auch nicht, das direkt anzusprechen. Ich rufe dann z.B. postwendend an und plötzlich war das alles nicht so gemeint...

      Im Zweifel kann man ja als Eltern auch praktisch von seinen Problemen ablenken- Kind hat plötzlich Verhaltensprobleme? Holla, der Lehrer könnte aufmerksam werden. Erst mal Angriff auf die Schule starten.

      Unsere Eltern werden "alles bei der Bildzeitung melden", oder tauchen direkt mit einem türsteherförmigen Kollegen im Klassenzimmer auf. Am angenehmsten sind die direkten Beschwerden beim Schulamt, die wissen das einzuordnen, melden die Beschwerde an unsere SL zurück, die an uns und dann sind alle zufrieden. Was soll auch weiter passieren?
    • Wenn Eltern aufdrehen (und nicht zu den berühmten zwei bis drei Prozent Verrückten gehören), dann meist weil starke ELTERNgefühle im Spiel sind. Sie haben Angst, das Kind könnte etwas Wichtiges nicht schaffen, fühlen sich hilflos wegen Schulwegmobbereien, schämen sich vor den Nachbarn, fühlen sich um die Früchte ihrer aufopfernden Erziehungsarbeit betrogen, weil vom Lehrer nicht anerkannt usw. Wenn man verstanden hat, worum es wirklich geht, hat man gute Chancen, es auf der zwischenmenschlichen Ebene aufzulösen. Um deine Sachkompetenz als Lehrerin geht es jedenfalls in Wahrheit nicht, weshalb es nichts bringt, auf der Sachebene hin- und herzuargumentieren. Im Zweifel würde ich einfach mal drei/vier Wochen wegsehen und Ruhe geben. Es ist wichtiger, mit den Eltern im guten Einvernehmen zu bleiben als jedes problematische Verhalten des Kindes zu bearbeiten. Wenn die Eltern zuhause gegen dich arbeiten, funktioniert deine Erziehungsarbeit ohnehin nicht.
    • Ja, zum Beispiel. Was sagt dein Bauchgefühl? Das Kind war super, alles lief lange prima. Nun hat es womöglich Probleme mit der Lehrerin, mit den Mitschülern, könnte an den sozialen Rand geraten, könnte schlechter beurteilt werden, könnte...

      Vielleicht fällt dir ja testweise eine kleine vertrauensbildende Maßnahme ein (keine Rechtfertigungsarie und eher kein weiteres Klärungsgespräch).
    • MrsPace schrieb:

      Briefe ungeöffnet zurückschicken! Geht's noch?

      Sollen sie doch zur SL gehen und gucken, wie weit sie kommen...
      Das wird die Lage sicher nicht entspannen. Wenn ich mir vorstelle, Eltern würden genau das mit einem Brief von mir tun...
      Meine Erfahrung ist, dass es sinnvoll ist, SL möglichst früh zu informieren. Das gibt Rückendeckung oder Tipps für das weitere Vorgehen (oder beides!) und ermöglicht es der SL, gegenüber Eltern zu reagieren, wenn sie sich melden.
      Weiterhin wichtig: Das Kind nichts von dem Konflikt spüren lassen, sondern sachlich mit ihm umgehen. Schwierige Eltern wird man oft nicht überzeugen können, aber man kann sicherstellen, dass die eigene Arbeits- und Handlungsfähigkeit erhalten bleibt.
      Und außerdem wichtig: Selbst wenn du vor der Ankündigung, die SL einzuschalten, Angst haben solltest, zeig sie nicht.
    • MrsPace schrieb:

      Briefe ungeöffnet zurückschicken! Geht's noch?

      Sollen sie doch zur SL gehen und gucken, wie weit sie kommen...
      Hatte dummerweise nicht mal einen Umschlag drum. Einfach nur ein Stück Papier. Nun, da ich auch erwarte, dass Eltern meine Post lesen, wenn ich mal welche an sie habe, ist das mit dem ungeöffnet zurückschicken schwierig.

      Danke, auch brickinthewall. Nein, Angst zeige ich nicht, da ich im Grunde weiß, dass man mir nichts kann, weil ich mir nichts vorzuwerfen habe. SL habe ich, genau aus dem Gedanken, dass ich dann der Erste bin, der sie informiert, vorsorglich informiert.