Grundschule ohne Noten - ja oder nein?

  • Grundschule ohne Noten - ja oder nein? 1

    1. nein (1) 100%
    2. ja (0) 0%

    Hallo zusammen,


    wie steht ihr zum Thema "Grundschule ohne Noten"?


    Was spricht dafür?


    Was spricht dagegen?


    Ich bin auch hier (wie bei der Umfrage "sechsjährige Grundschule - ja oder nein?") sehr an euren Meinungen und einer lebendigen Diskussion interessiert!


    Gruß


    Mila

  • Wir praktizieren Schule ohne Noten bereits seit fast 25 Jahren. Mit Zensuren werden die Kinder auf einen vollkommen falschen Weg des Lernens geführt.

  • Die Grundschule - ob nun vier oder sechs Jahre - völlig ohne Noten halte ich für wenig sinnvoll, wenn es danach dann aber so weiter geht, wie bisher. Der Schock des Übertritts an ein Gymnasium z.B. ist jetzt schon für einige Schüler schlimm genug. Er wäre kaum mehr verkraftbar, wenn die Schüler nun auch das erste Mal überhaupt mit Noten in Berührung kämen.


    Außerdem stelle ich immer wieder fest, dass Kinder Noten zur Rückmeldung/Selbsteinschätzung und zum Vergleich WOLLEN (mein eigener Sohn z.B. "brannte" darauf, in der Grundschule nun endlich Noten zu bekommen).


    Edit: Interessant ... es steht im Moment 5:5 ... geäußert haben sich aber bisher nur drei ...

  • Zitat

    Original von Nighthawk
    Außerdem stelle ich immer wieder fest, dass Kinder Noten zur Rückmeldung/Selbsteinschätzung und zum Vergleich WOLLEN (mein eigener Sohn z.B. "brannte" darauf, in der Grundschule nun endlich Noten zu bekommen).


    Wobei die Notenkritiker hier immer - wohl nicht ganz zu Unrecht - darauf verweisen, dass die Kinder sich Noten zunächst mal als Instrument zur POSITIVEN Rückmeldung wünschen. Das man auch schlechte Noten bekommen könnte, wird da wohl erstmal ausgeblendet. Psychologisch halte ich das auch für nachvollziehbar.


    Wenn dann aber - entgegen der ersten naiven Vermutung - die ersten schlechten Noten eingefahren werden, entfallten sie eben ihre destruktive Wirkung.

  • Zitat

    Original von Schubbidu
    An der Umfrage kann ich in der Form einer einfachen Ja-Nein-Frage nicht teilnehmen. Das ist mir zu wenig differenziert.


    Ich habe die Frage und die Antwortmöglichkeiten absichtlich nicht näher erläutert bzw. differenziert, damit hier eine Diskussion mit möglichst unterschiedlichen Ansichten, Vorstellungen, Ideen etc. ins Rollen kommen kann.


    Wenn du nicht einfach "ja" oder "nein" anklicken möchtest, wäre es interessant, wenn du hier deine Meinung differenziert darlegen könntest!


    Gruß


    Mila

  • Ich war eigentlich immer pro Noten. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre schwanke ich mittlerweile. Man muss dafür auch immer sehen, welche Rolle die Noten spielen. Letztendlich vergeben wir damit Berechtigungen zum Besuch bestimmter Schularten. Und das wird vielen Kindern nicht gerecht. Für uns Lehrer bedeutet das zusätzlich nervenaufreibende Gespräche, stundenlanges Erstellen von Proben und relativ lange Korrekturen. Nichts davon hilft erstmal den Kindern. Um festzustellen, dass ein Kind ungenügende Leistungen erbringt, brauche ich nicht zwangsweise eine Probe und die daraus resultierende Note.



    Bibo

  • Meine eigenen Kinder waren auf einer privaten Grundschule ohne Noten.... ich selbst arbeite an einer Regelschule und gebe Noten.


    Meine Erfahrung damit:
    - Kinder wollen Noten stimmt nicht so ganz... Kinder wollen GUTE Noten. Nichts anderes.
    - Kinder wissen auch ohne Noten sehr gut, wo sie selbst in der Klasse stehen. Sie können ihre Schwächen und Stärken auch ohne Noten gut einschätzen... und wissen auch, wo die Schwächen und Stärken ihrer Klassenkameraden sind.
    - Eltern halten es ohne Noten nur ganz schlecht aus. Was wäre das jetzt, wenn es eine Note wäre????? Mehr wollen sie gar nicht wissen. Oder doch... und wie ist diie Arbeit insgesamt ausgefallen? Eltern wollen auch wissen, auf welchem Rang in der Klasse ihr Kind steht. Und ich muss gestehen... mir gings nicht anders. Ich hatte es nur leicht, weil meine Kinder fast immer in der Spitzengruppe waren. da hält man es sowohl als Mutter als auch als Schüler prima aus. Egal obs Noten gibt oder nicht.
    - Kinder haben weniger Stress zu Hause, wenn es keine Noten gibt. Denn manche Eltern werden unruhig, sobald das Kind in der Grundschule eine Drei hat... oder gar eine noch schlechtere Note. Noten sind da eine klare Aussage... du hast nur eine vier????? STRESS! Aber ein netter Roman unter einer Arbeit, der sagt, was das Kind besser noch üben sollte und was es schon ganz gut gemacht hat... der macht Eltern nicht so unruhig und vermeidet für die Schüler viel häuslichen Stress.
    - Noten sind weniger Arbeit für die Lehrerin... und weniger Kommunikation mit den Eltern um die Romane unter der Arbeit zu erklären. Eltern lesen solche Romane und auch die Textzeugnisse ja stets wie Arbeitszeugnisse... was mag das bedeuten, was steht da zwischen den Zeilen und was wäre das jetzt als Note?
    - wenn die Kinder dann zum ersten mal Noten bekommen, haut sie das nicht um, denn wie schon erwähnt, wissen sie selbst sehr gut, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

    Das Leben ist unberechenbar. Iss das Dessert zuerst!

  • Zitat

    Original von Nighthawk
    Die Grundschule - ob nun vier oder sechs Jahre - völlig ohne Noten halte ich für wenig sinnvoll, wenn es danach dann aber so weiter geht, wie bisher. Der Schock des Übertritts an ein Gymnasium z.B. ist jetzt schon für einige Schüler schlimm genug. Er wäre kaum mehr verkraftbar, wenn die Schüler nun auch das erste Mal überhaupt mit Noten in Berührung kämen.


    Außerdem stelle ich immer wieder fest, dass Kinder Noten zur Rückmeldung/Selbsteinschätzung und zum Vergleich WOLLEN (mein eigener Sohn z.B. "brannte" darauf, in der Grundschule nun endlich Noten zu bekommen).


    Ich habe letztes Jahr in meinem damaligen vierten Schuljahr ein Stimmungstagebuch geführt. Die Schüler sollten über einen Zeitraum von ca. sechs Wochen am Ende eines Schultags einen von vier Smilies ankreuzen. Dabei war die einfache Frage zu beantworten: Wie war dein Tag heute? Zur Auswahl standen vier Smilies, die die Stimmung von super bis grottenschlecht widerspiegeln sollten.


    Das Ergebnis war niederschmetternd. Grundsätzlich war die Stimmungslage allgemein neutral bis positiv, abhängig natürlich vom Tagesprogramm. Bei der Rückgabe von Klassenarbeiten änderte sich die Lage jedoch dramatisch. Gerade wenn die Arbeiten schlecht ausfielen, fühlten sich viele Kinder richtig mies. Das ist vielen Erwachsenen nicht mehr bewusst, wie sehr doch Gemütslage von Noten abhängen kann.


    Ich bin (nicht nur) daher ein Gegner von Ziffernnoten in der Grundschule.

  • Ich finde Noten ganz undifferenziert scheiße...


    Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass es nicht möglich sein wird, sie in der politischen und gesellschaftlichen Situation, die wir haben, abzuschaffen. Auf Jahrzehnte hinaus.


    Nele

  • Meine Meinungsbildung zum Thema ist noch nicht abgeschlossen. Gerade in den vergangenen Tagen sind mir zwei Texte über den Weg gelaufen, die sich kritisch mit Noten befasst haben. Das hat mir zu denken gegeben. Noch vor einigen Wochen hätte ich mich wohl pauschal für Noten an der Grundschule ausgesprochen.


    Besonders überzeugend fand ich die Aussage, dass Noten (insbesondere Zeugnisnoten) ein sehr pauschales Urteil darstellen. Schüler sind aber halt doch oft sehr heterogene Wesen, was ihre Leistung in einem Fach anbelangt. Bei einer schlechten Gesamtnote gehen aber die möglichen Stärken völlig unter. Für die Motivation in einem Fach, in dem man eh schon Probleme hat, ist das dann vernichtend.


    Der Verzicht auf Noten muss auch nicht zwingend zu einem massiven Mehraufwand bei der Beurteilung führen. Statt ausführlicher Texte könnte ich mir standardisierte Beurteilungen vorstellen, in denen die Leistungsfähigkeit auf verschiedenen Kompetenzfeldern bewertet wird. Man müsste dann einfach sein Kreuz an der richtigen Stelle setzen.


    Spontan würde ich wohl die gesamte Grundschulzeit ohne Noten gestalten und erst an den weiterführenden Schulen einen sanften Übergang vollziehen.

  • Zitat

    Original von Schubbidu
    Spontan würde ich wohl die gesamte Grundschulzeit ohne Noten gestalten und erst an den weiterführenden Schulen einen sanften Übergang vollziehen.


    Und wie kann ein solcher aussehen?


    Ich boxe mich auch gerade mit meinen lieben Viertklässlern durch den Dschungel der Noten - und damit verbundenen Schicksale und sehe auch viele Kinder wirklich verzweifeln.

  • Zitat

    Original von neleabels
    Ich finde Noten ganz undifferenziert scheiße...


    Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass es nicht möglich sein wird, sie in der politischen und gesellschaftlichen Situation, die wir haben, abzuschaffen. Auf Jahrzehnte hinaus.


    Nele


    Bis jetzt haben noch nicht viele abgestimmt. Im Moment sind jedoch die Notengegner / Notenkritiker in der Überzahl.


    Ich behaupte, dass die Mehrheit derjenigen, die sich professionell mit Schule und / oder Lernen beschäftigen, aus vielen Gründen gegen eine zu frühe Benotung sind. Es ist absurd, dass Gesellschaft und Politik nicht auf das Urteil derjenigen vertrauen, die Experten für den Bereich Lehren und Lernen sind.


    Die Abschaffung von Noten (in der Primarstufe) ist bei realistischer Einschätzung in den nächsten Jahr(zehnt)en wohl tatsächlich eine Utopie.


    Und gerade weil es eine Diskrepanz zwischen der politischen / gesellschaftlichen Realität und der wissenschaftlichen / pädagogischen Einschätzung gibt, müssen wir darüber sprechen und darauf hinweisen...


    ... bis es sich einmal ändert.


    Wie viele Lehrpläne möchte man noch mit schönen Floskeln zum positiven Bezug zu Schule und Lernen, zu lebenslangem Weiterlernen und zur individuellen Förderung der heterogenen Schülerschaft füllen bis tatsächlich einmal ein System geschaffen wird, in dem wir als Lehrer diesen Aufträgen auch sinnvoll gerecht werden können?

  • Ich habe mit "ja" gestimmt, kann es mir aber nicht so richtig vorstellen in der derzeitigen Situation.


    Viele Eltern fordern Noten, wie caliope schon schrieb - oder eben einen Rang ihres Kindes. Kinder mit älteren Geschwistern interessiert es auch. Gleichzeitig birgt es aber viel Raum für die Senkung des Selbstwertgefühls.
    Aber: Verbale Beurteilungen verstehen bei uns weder Schüler (zu jung für schriftliche Berichte) noch viele Eltern.

    Menja sawut Bolzboldowa.

    Für Miriam: меня совут болцболдова

    Für MissJones: меня совут больцболдова

    Für Satzliebhaber: Меня совут больцболдова.

    Weitere Erwähnung findet hier natürlich auch MarieJ.

    내 이름은 토끼입니다

  • Zitat

    Original von _Malina_


    Und wie kann ein solcher aussehen?


    Gute Frage. Ich habe mir dazu noch keine intensiven Gedanken gemacht. Vielleicht gibt es ja Fächer (z.B. Mathe??) oder Kompetenzbereiche (z.B. Rechtschreibung >> Diktat??) in denen man punktuell mit der Benotung beginnen könnte?


    Ich dachte mir halt, dass es sinnvoll wäre, den Start in der neuen Schule möglichst unbelastet und motivationsfördernd zu gestalten. Demnach würde ich also zumindes in allen 5ten Klassen erstmal auf Noten verzichten.


    Stellt sich natürlich die Frage, nach welchen Kriterien dann die Selektion am Ende der Grundschulzeit durchgeführt wird, wenn man nicht über Noten verfügt.

  • Zitat

    Original von neleabels
    Ich finde Noten ganz undifferenziert scheiße...


    Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass es nicht möglich sein wird, sie in der politischen und gesellschaftlichen Situation, die wir haben, abzuschaffen. Auf Jahrzehnte hinaus.


    Nele


    Unterschreibe das.

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

  • ich bin mir nicht sicher, ob eine Schule ohne Noten wirklich so viel sinnvoller wäre als eine mi Noten.
    Wie schon genannt: die Eltern lesen dann zwischen den Zeilen, ältere Schüler auch.
    Was mir immer auffällt: im Sport wird NIE danach gefragt, ob eine Leistungsmessung sinnvoll sei oder nicht.


    Welcher Trainer würde sich mit einer Aussage begnügen wie:" du bist heute etwas langsamer gelaufen als sonst."
    Da werden Zeiten /Weiten/Höhen genannt, und gut ists.
    Die persönliche Motivation gibt es natürlich zusätzlich.


    Nur mal so als evt. provokativen Gedankenanreiz... ;)

  • Zitat

    Original von Friesin
    Was mir immer auffällt: im Sport wird NIE danach gefragt, ob eine Leistungsmessung sinnvoll sei oder nicht.


    Welcher Trainer würde sich mit einer Aussage begnügen wie:" du bist heute etwas langsamer gelaufen als sonst."
    Da werden Zeiten /Weiten/Höhen genannt, und gut ists.


    Seh ich ganz genauso. Aber ziehe daraus einen ganz anderen Schluss. Wozu noch Noten, wenn die Zeiten/Weiten/Höhen klar angesagt werden und es damit eben gut ist? ;)

    Man soll denken lehren, nicht Gedachtes.
    (Cornelius Gustav Gurlitt)

  • Zitat

    Wozu noch Noten, wenn die Zeiten/Weiten/Höhen klar angesagt werden und es damit eben gut ist?


    Damit ist es aber halt eben nicht gut. Im Sport wollen die Kinder auch Sieger/Erster/Bester sein.
    Mal ganz ehrlich: Schaut ihr bei einem Arbeitszeugnis/einer Beurteilung nicht auch, was das für eine Note ist?

    "Ein Mann, der noch keinen Fehler begangen hat, hat noch nie etwas getan."
    Sir Robert Baden-Powell, Earl of Gilwell

  • Zitat

    Original von Hermine


    Damit ist es aber halt eben nicht gut. Im Sport wollen die Kinder auch Sieger/Erster/Bester sein.


    Hm? Das kapier ich grad nicht. Was ist denn noch unklar daran, wenn man als Erster durch's Ziel läuft? Ist man etwa nur dann wirklich Erster, wenn man auch eine 1 vom Sportlehrer kriegt?



    Und na ja, bei meinen Arbeitszeugnissen stand bisher zumeist keine Note drunter und ich konnte mehr damit anfangen, als wenn mir da jemand einfach eine Zahl vor den Latz geknallt hätte. So war's teilweise in meinen beiden Staatsprüfungen. Ich weiß bis heute nicht, warum ich eine 3 in Diagnostik hatte und habe mich einfach nur über diese Note geärgert.
    Den Schülern geht's meiner Erfahrung nach nicht anders.
    Und man weiß auch ohne Note sehr genau, wer Sieger/Erster/Bester ist. Insbesondere für Kinder ist das sowieso extrem offensichtlich. Das ist ja auch völlig in Ordnung so. Aber durch Noten wird das Schülerranking zumeist auf die Spitze getrieben und das habe ich auch noch als sehr unangenehm aus meiner eigenen Schulzeit in Erinnerung. Dadurch wird soviel Frust und Resignation geschaffen und jetzt im Nachhinhein denke ich: Wie bescheuert, dass man ständig verglichen hat und verglichen wurde. Die Lebenswege verlaufen ohnehin so unterschiedlich und ich stand niemals wieder in Konkurrenz zu meinen Mitschülern. Aber was haben wir für Zeit damit verschwendet, uns zu ärgern und über irgendwelche Noten zu diskutieren.


    Ich glaube davon abgesehen aber, dass hier gerade zwei Dinge mächtig durcheinander geschmissen werden und daher reden wir vielleicht stellenweise aneinander vorbei: Auf Noten zu verzichten heißt ja nicht, dass Schülern Rückmeldungen über die eigene Leistung vorenthalten wird. Und andersrum ist eine reine Notenvergabe in den meisten Fällen keine ausreichende Rückmeldung über den Leistungsstand. Eigentlich nur dann, wenn da die volle Punktzahl und eine 1 steht.


    LG
    Mia

    Man soll denken lehren, nicht Gedachtes.
    (Cornelius Gustav Gurlitt)

    Einmal editiert, zuletzt von Mia ()

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