Arbeitshefte in Eigenarbeit

  • Hallo,
    nach dem Ferien starte ich nach 1,5 Jahren Erziehungszeit mit einem 1. Schuljahr wieder in den Schulalltag.
    Bei uns wird in Deutsch sehr offen gearbeitet. Die Sch bekommen die Fibel Tinto (Anlauttabelle) und das Arbeitsheft Zauberlehrling. In Mathematik wurde zu meinen Leidwesen "Das Zahlenbuch" gerade abgeschafft und "Denken und Rechnen" mit Arbeitsheft angeschafft.
    Meine Kollegin, mit der ich vorhabe, parallel zusammen zu arbeiten, gibt die Arbeitshefte in Deutsch und Mathe immer frei, d.h. jedes Kind arbeitet selbstständig und im eigenen Tempo die Hefte durch, zu Hause als Hausaufgabe und ab und zu auch in der Schule.
    Ich habe bei diesem Vorgehen Bedenken, da die Seiten nicht systematisch immer nach dem gleichen Prinzip zu bearbeiten sind, wie z.B. ein Buchstabenheft und die Sch doch einige Aufgaben bzw. Übungsformate (Zahlenmauern, REchtschreibregeln), die wie im Unterricht noch gar nicht besprochen haben, doch allein gar nicht können und dann die Erklärung der Eltern benötigen, oder? Ich hätte solche Arbeitshefte nicht freigegeben, andere Hefte (Lies mich Lesehefte, reine Bchstabenhefte, wie das von Tinto) aber schon.
    Wie seht ihr das? Ist das altmodisch von mir? Kann ich mich da von meiner Kollegin abgrenzen?
    Wie macht ihr das denn?
    Lg Alema

  • ...würde mich auch interessieren...
    Wie macht denn Deine kollegin das mit den Hausaufgaben? Macht jeder, so viel er will oder jeder ...Aufgaben? Gibt es dann auch Kinder, die keine HA machen? Wie hat sie das im Blick?

  • Hallo,
    als Hausaufgabe sagt sie immer 30 Minuten Arbeitsheft Mathe oder 30 Minuten Arbeitsheft Deutsch. Da sie täglich kontrolliert und nach einiger Zeit die Kinder ja auch kennt, sieht sie ja, ob die Kinder etwas getan haben oder nicht.
    Also kennst du auch keine Kollegen, die das Arbeitsheft freigeben?
    Ich habe eben Sorge, dass die Kinder überfordert sind. Sie können ja die Aufgabenstellung noch nicht lesen und das Aufgabenformat wechselt ja. Wie also sollen sie das können? Wie kann eine Kind z.B. im Matheheft Zahlenmauern oder Zauberdreiecke lösen, wenn wir dieses Format doch noch niemals im Unterricht gemacht haben? Im Endeffekt müssen doch dann immer die Eltern ran, oder?
    Schade, dass hier noch keine weiteren Antworten kamen.
    LG Alema

  • Ich denke, ich würde mich an deiner Stlle nicht anschließen. Ich habe selbst ein Kleinkind und ich denke, wenn du einen indiidualisierten Unterricht qualitativ so hochwertig gestalten möchtest, dass dir auch wirklich kein Kind durch die Lappen geht, dann ist das mit eigenem Kleinkind kaum machbar, ohne, dass einer auf der Strecke bleibt. (Und wenn es "nur" die Mama ist, die bis Nachts am Schreibtisch sitzen muss).
    Ich kann mir auch gut vorstellen, dass den meisten Eltern etwas mehr Struktur ganz recht ist.
    Es ist doch eigentlich nichts gegen eine etwas lehgrangsgebundenere Arbeitsweise zu sagen...

  • Meine Tochter ist 3, ich arbeite 75% und in Mathe (Deutsch unterrichtet meine Teampartnerin) arbeite ich völlig offen (Einstern). Das geht schon und ich finde es wesentlich effektiver und für mich entlastender.


    LG Anja

  • Ich habe das vor einiger Zeit auch im ersten Schuljahr mit Denken und Rechnen gemacht. Die Kinder haben sich dann selbst HAusaufgaben gegeben. Häuschen aufgemalt und einen Strich, bis zu dem sie arbeiten wollten. Am Anfang habe ich immer geguckt, ob es nicht zu viel/ zu wenig ist. Das hat sich dann jedoch gut eingependelt. Nach einem 3/4 JAhr hat sich jedes Kind dann seine Hausaufgaben auch selbst aufgeschrieben. Die Kinder haben sich gegenseitig immer viel erklärt und ich hatte viel Zeit für einzelne Fragen.

  • Hallo,
    wenn ich das richtig verstehe, haben alle, die die Arbeitshefte frei gegeben haben, auch das Mathebuch im Unterricht "frei" gegeben und individuell bearbeiten lassen, stimmt das? Also hat jeder in seinem Tempo Seite für Seite durchgearbeitet und wenn Erklärungen zu Aufgabenformaten nötig waren, habt ihr das ggf. 30mal individuell erklärt bzw. das eine Kind dem anderen?
    Ich bleibe mal bei dem Beispiel Rechenmauern. Mir ist so eine Form von offener Unterricht fremd und ich frage mal genauer. Die ersten Kinder "trudeln" auf der Seite Rechenmauern ein und fragen mich, wie das geht. Ich erkläre kurz, wie die Mauern zu handhaben sind und weiter geht es. Andere dagegen sind erst 5-10 Seiten vorher und noch längst nicht so weit. Denen erkläre ich das eben später bzw. sie fragen dann ggf. ihre Mitschüler, wenn sie soweit sind. Eine Stunde mit Frontalteil, in dem es eine allgmeine Einführung zum Thema Rechenmauern gibt und anschließend jeder diese auf individuellen Niveau bearbeitet gibt es dann nicht. Richtig?
    LG Alema

  • Ja die Kinder helfen sich gegenseitig, ich als letztes. Allerdings kannst du gerade solche Formate wie Rechenmauern dennoch zentral einführen. Die Kinder die noch nicht an der Stelle sind, können das ja trotzdem schon mithören. Also am Anfang der Stunde erfolgt bei mir Kopfrechnen. Danach würde ich eine Mauer an die Tafel zeichnen und darauf hinweisen, dass ihnen das im Heft bald begegnet oder schon begegnet ist. Dann führ ich die Mauern kurz ein und danach arbeiten alle individuell weiter.


    Ich hätte nie gedacht, dass Kinder durchaus in der Lage sind sich Dinge selbständig zu erarbeiten. Drei meiner Kids sind inzwischen bei der Division angekommen und haben sie sich völlig alleine erabeitet.


    Und sonst ist natürlich ein Lehrwerk wichtig, dass möglichst selbsterklärend arbeitet.


    LG Anja

  • Anja, das klingt ganz gut und ich möchte es im nächsten Schuljahr auch mal so frei probieren. Aber wie macht ihr das mit Lernzielkontrollen? Die brauche ich doch für die Noten. Macht ihr da für jeden Schüler eine individuelle? Geht ja fast nicht anders. Aber das kostet doch unmengen von Zeit, was ich mir mit eigenem Kind auch wieder nicht zutraue.
    LG Meike

  • Hallo Prussliese,
    dieses Thread ist interressant. Ich höre mir gerne weitere Meinungen an, da ich mich noch nicht 100%ig entschieden habe.
    Ich denke jedoch, dass ich mir dieses freie Arbeiten noch nicht zutraue. Das ist völliges Neuland für mich. Ich habe zwei Kleinkinder zu Hause, die versorgt werden müssen, nur eine halbe Stelle und in meiner Klasse sind 27 Kinder.
    Was sprciht für dich, Prusseliese gegen diese Arbeitsweise?
    Alema

  • Es gibt ja Themenhefte und am Ende von jedem Heft gibt einen Test. Die sind bei Einstern schon mit dabei. Hat ein Kind viele Fehler bekommt es von mir Fördermaterial genau auf die Fehler abgestimmt.


    Übrigens gucke ich die Themenhefte nur einmal in der Woche nach, öfter ist meiner Meinung nach nicht nötig. Durch ein Stempelsystem (hast du in dieser Woche genug geschafft=>< Stempel auf Innenseite des Titel des Heftes) sind die Kinder super motiviert.


    Ich habe übrigens meine erste eigene Klasse und wie gesagt auch ein Kleinkind. Ich habe das Gefühl, dass ich viel weniger Arbeitszeit in dieser Arbeitsform habe.


    Prusseline, sowas nervt mich tierisch. Weißt du ICH habe schon auf beide Arten gearbeitet und kann daher beurteilen welche Form Schülern gerechter wird. Kinder lernen nunmal nicht im Gleichschritt. Während alle arbeiten, nehm ich mir immer wieder Kleingruppen und kann durchaus erklären, fördern, einführen. Meine 2-Klässler belegen eine Bandbreite von ZR 10 bis ZR 1000. Wir sind eine IR.Schule mit Sonderschüler bis Hochbegabten. In einem Lehrwerkunterricht wäre ich vielen Kindern viel weniger gerecht geworden.


    Ich kann natürlich einsehen, dass du so nicht arbeiten möchtest. Aber dann argumentier bitte vernünftig. Aber immer wieder nur reinzuhauen, dass du das nicht machen würdest, finde ich irgendwie unnütz.


    LG Anja

  • Wenn ich geschrieben hätte:



    "Ich finde es super, ich arbeite gern so."


    Dann hätte keiner auch nur einen Ton drüber verloren, wetten?


    Ich habe das hier alles erneut durchgelesen und wollte nochmal abschließend für mich - wie in einer echten Unterhaltung - sagen, dass ich so nicht arbeiten möchte.


    Ich denke, dass das auch mal drin sein muss !?!
    Aber Lehrer reden und reden und reden immer und müssen alles zigmal begründen und können nicht einfach mal nur was sagen und/oder nur was hinnehmen usw.
    Ich finde es super, dass ihr euch das Arbeiten auf die oben genannte Weise zutraut, ich nicht.
    Ich hoffe, ihr könnt mit dieser Antwort jetzt mehr anfangen.

  • Ich sage dir ganz ehrlich, dass ich mir noch vor einem Jahr das auch nicht zugetraut hätte. Nach diesem Jahr, kann ich mir nichts anderes mehr vorstellen. ;)


    LG Anja

  • Ich habe mit den Kindern meiner 1. Klasse heuer im letzten Drittel des Schuljahres auch so frei gearbeitet. Es war für mich zum 1. Mal und würde es wieder so machen. Die Kinder sind in der Grundhaltung sehr reif geworden, konnten selber einiges ausloten. Natürlich war es für einige Eltern auch ein totaler Lernprozess. Sie konnten nicht mehr alles kontrollieren und steuern. Das Nachbarkind konnte die vergessene HÜ nicht mehr einfach durchgeben. Ich habe sehr positive Rückmeldungen von meinen Eltern bekommen.


    In Mathe habe ich einfach eine Mauer gezeichnet und in jeden Ziegel die Aufgaben und Buchseiten eines Themas geschrieben. Nach jedem Ziegel mussten die Kinder ihre Arbeiten abgeben. Außerdem gab es fast bei jedem Ziegel eine Lernzielkontrolle, die die Kinder ganz alleine an einem bestimmten Platz machen mussten. Dazu gab es von Zeit zu Zeit größere Arbeiten, die dann von allen Kindern gleichzeitig gelöst werden mussten. Dabei ging es hauptsächlich um Basics mit Zeitfaktor.


    Was ich für den nächsten Durchgang (muss ein Jahr drauf warten, da ich im kommenden Jahr keine Klasse habe sondern die Direktion) aber verändern muss, ist dass ich sicher mehr Selbstkontrolle einbauen muss. Zum Schluss habe ich die Buchseiten und AB kopiert, mit anderer Farbe ausgefüllt und die Kinder kontrollierten alleine. Sie mussten nur bei Fehlern zu mir kommen. So mache ich dann nur mehr Stichproben - bei manchen halt öfter, aber das weiß man ja bald, wer so ein Kandidat ist.


    LG Grille

  • Also ich werde auch so offen arbeiten. Ich habe mir Flex und Flo angeschafft. Da gibt es immer nach ein paar Seiten eine Lernzielkontrolle. Außerdem habe ich mir auch die Lösungsseiten ausgedruckt und wollte, dass die Kinder möglichst viel selbst konrollieren und ich auch Stichproben mache.
    Bei den HA dachte ich, dass man den Eltern und Kindern sagt, sie sollen tägl. 15 Minuten (kl1) und 30 Minuten (Kl2) in den Heften an der Stelle weiterarbeiten, an der sie eben gerade sind- maximal eine Seite (für Übereifrige) und die erledigten Aufgaben ins HA-Heft einschreiben. Das wäre dann das HA-Heft mal "andersrum". Was meint ihr? Verbesserungsvorschläge oder Denkanstöße?


    Liebe Grüße

  • Du wirst immer Pappenheimer haben, die nicht arbeiten. Am Anfang wirst du das Datum auf die Seite schreiben müssen (in der Stunde) und rumgehen müssen, ob jedes Kind was aufgeschrieben hat.


    Oder kann man sich da auf eure Eltern verlassen? Bei uns ist das nämlich nicht der Fall.


    Auf der anderen Seite fällt das ja irgendwann auf, weil die Kinder dann weniger schaffen. Meine Kids müssen dann man nacharbeiten, wenn sie in einer Woche nicht viel geschafft haben.


    LG Anja

  • Anja, du sagst bei Einstern sind LZK mit drin. Das heißt dann aber doch, dass die Kinder nicht völlig frei im Heft, sondern nach der Reihe arbeiten müssen, sonst können sie doch die LZK nicht bearbeiten? Oder verstehe ich da was nicht. Ich kenne weder Einstern noch Flex und Flo, sind die beiden recht ähnlich und wenn man frei arbeiten möchte, sind die beiden dann die sinnvollsten? Wie gesagt, das Konzept leuchtet mir schon ein und möchte es auch gerne einfach mal ausprobieren, aber ich weiß eben nur nicht, wie das in 3/4 mit den Proben und der Notengebung funktioniert.
    Liebe Grüße, Meike

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