Werde bei Korrekturen immer langsamer, hab ich das Gefühl (halber Frustthread)

  • Hallo zusammen,


    ich muss mal einmal mein Leid klagen.


    Ich dachte ja immer, mit steigender Erfahrung bzw. rasant steigender Anzahl der zu korrigierenden Gruppen (momentan 5 seitdem die 13er weg sind, dabei zum Glück 3 mal Unterstufe Englisch) würde ich schneller bei den Korrekturen werden, weil ich mit mehr Erfahrung effektiver arbeiten könnte... Habe momentan aber das Gefühl, dass ich im Gegenteil eher langsamer werde. :(
    Zum einen, denke ich, weil ich seit der vollen Stelle, Klassenleitung etc pp einfach nicht mehr so lange konzentriert am Stück arbeiten kann wie noch im Referendariat. Und zum anderen, weil Korrigieren so dermaßen steeerbenslangweilig ist!!!! Ich kann mich dazu kaum aufraffen und mehr als eine kleine Anzahl am Stück schaffe ich einfach nicht! Komme so natürlich nie vom Fleck, ärgere mich noch mehr über die Stapel, die da liegen, auf die ich keine Lust habe und immer weniger Lust kriege (von der Mehrarbeit dank blödem Täuschungsversuch in der 12 mal ganz abgesehen... grrrr :cursing: :X: ).


    Ok, ich mach die volle Stelle erst seit guten anderthalb Jahren, also kann ich (bitte, bitte!!!) noch Hoffnung haben, dass die steigende Effektivität noch kommt?


    Ich maaaaaaaag nicht mehr, Korigieren ist langweilig, Revisionen sind total nervig, freiwillige Abi-Nachprüfungen auch (jaaa, ich kann die Perspektive des Schülers ja verstehen, aber trotzdem, das ist jetzt die 5. Abiprüfung, die ich mir aus den Rippen schneiden muss... in meinem allerersten Abijahrgang...).


    Ich will dieses Schaf, das sagt: Alles doof.


    Sollte jemand evtl. Tipps haben, nehme ich die gerne an.
    Ebenso auch einfach "Beileidsbekundungen" à la "Ich kann dich so verstehen".
    (Zähneknirschend auch ein: "Jetzt stell dich nicht so an!".)
    ;)


    Musste ich mal loswerden.
    Danke!


    Katta

    "Et steht übrijens alles im Buch, wat ich saje. ... Nur nit so schön." - Feuerzangenbowle

  • *trööööööööööst*


    einen richtigen Trost kann ich dir leider nicht spenden.
    Ich bin jetzt das 3. Jahr nach dem Ref. dabei mit ausschließlich Korrekturklassen, und wirklich schneller gehen mir die Korrekturen nur von der Hand, wenn ich sie korrekturfreundlich gestalte. Das wiederum geht nicht in allen Teilen einer KA.*grummel*
    was sich allerdings gebessert hat, ist meine innere Einstellung zum Thema Korrektur :D (reiner Selbstzweck). Und ich habe gelernt, zu Beginn des Schuljahres die KA bersser zu verteilen, so dass weniger Stoßzeiten auftreten. Es bleibt dann noch genug Zeit für Exen und Nachschreiberlinge :whistling:
    Kopf hoch !! Keiner macht das wirklich gerne, du bist nicht alleine !! ;)

  • Es gilt eben die Korrekturen zu vereinfachen. Multiple Choice Aufgaben könnten helfen, auch Lückentexte und dergleichen vereinfachen die Korrektur. Ein vorher vernünftig ausgearbeiteter detaillierter Erwartungshorizont macht es leichter die Korrekturen mal zu unterbrechen und dann wieder ohne Probleme einzusteigen.
    Zu den Abiprüfungen haben doch bestimmt die Kollegen, die ja z.T. länger dabei sind noch einiges an Material zur Verfügung oder spricht was dagegen, dass ihr mit mehreren Leuten die selben Textgrundlagen und Fragestellung nehmt?


    Grüße
    Peter

  • P.S. was mir zusätzlich geholfen hat, ist, eine Liste während der Korrektur anzufertigen.
    derein schreibe ich alle Zweifelsfälle.Die kann ich dann hinterher abgleichen und leichter bewerten, weil sie alle zusammen sind und ich einen besseren Überblick habe.
    Klingt zunächst aufwändig, hilft aber am Ende doch, viel Zeit einzusparen.


    Bei mir klappt das übrigens nicht, was mein Vorredner schreibt:
    weder lassen sich Zweifelsfälle ausräumen,
    noch funktioniert das mit dem "sehr streng korrigieren, dafür den Notenschlüssel anpassen". Bei Fragen nach dem Textverständnis an Stelle X muss man doch des öfteren Zugeständnisse machen. Aber das sind natürlich fachliche Detailfragen, die immer wieder variieren können. ;)

  • Ich kann es Dir wahrlich nachfühlen. Denn ich finde das Korrigieren auch oft ziemlich schlimm. Insbesondere da ich zwei Korrekturfächer habe. Französisch geht noch, weil da halt auch Lückentexte etc. dabei sind. Aber Deutsch-Aufsätze. Fürchterlich. Meistens. Zumal, wenn es darum geht, irgendwie den Brei zwischen 3 und 4 zu differenzieren.
    Ich sitze gerade an einer Korrektur einer 9. Klasse. Und mir fehlen noch 4 Arbeiten. Erstmals habe ich in diesen Ferien wirklich häppchenweise korrigiert und es lief gut, obwohl ich netto sicher länger gebraucht habe als bei laufendem Betrieb. Das habe ich recht befriedigend empfunden.
    Das einzige Mittel, das ich habe: Immer wieder neu anlaufen und eine positivere Einstellung finden. Denn mit diesem riesigen Widerwillen zu korrigieren macht es nur noch anstrengender... Zwar gelingt mir das längst nicht immer, aber immer besser, diesen letztlich doch wesentlichen Teil meiner Arbeit anzunehmen.
    Und noch etwas muss ich mir eingestehen: Mancher Widerwille kommt auch daher, dass manche Aufgabe eben auch von mir mit heißer Nadel gestrickt wurde - Ungenauigkeiten in der Vorbereitung rächen sich in der Korrektur. Weshalb ich sehr daran arbeite, meine Schulaufgaben frühzeitig und gründlich zu erstellen. Aber wie gesagt, es ist ein ständiges Anlauf nehmen. Neues Spiel, neues (Korrektur-)Glück!?

  • Was mir hilft:


    - nicht jammern, sondern anfangen, also das berühmte "Arschbacken-Zusammenkneifen"
    - der Gedanke, dass ich auch dafür bezahlt werde


    - Abkehr von jedem Perfektionismus


    - Routinebildung: ich rate immer zu der Eieruhrmethode, die mir selbst jemand mal geraten hat - sie besteht darin, abgestuft nach Jahrgang natürlich, eine feste Zeit einzustellen, in der man die einzelne Arbeit korrigiert haben muss (10 Minuten)...und los gehts. Scheint seltsam, aber mit der Zeit schafft man es. Ich benötige für die Klassen 5-8 kaum mehr als zehn Minuten pro Schulaufgabe. Bei 9 gebe ich mir 15 Minuten. Bei 10 20-25 Minuten. Natürlich dauerts in Einzelfällen länger, aber das Gros geht so wunderbar schnell.


    - Alternativ dazu: nicht nach Anzahl korrigieren (Ich muss heute 5 schaffen), sondern her nach Zeitdauer (Heute korrigiere ich genau 1,5 Stunden), ich persönlich schaffe nach der Zeitmethode mehr.


    - Vertrauen auf das eigene Fachwissen verstärken: Ich unterrichte Deutsch und Geschichte. Der Hauptteil meines Faches dreht sich um Texte: erfassen, gliedern, sichten, werten und bewerten. Schüleraufsätze sind auch Texte. Ergo: Wende ich hier mein Fachwissen an. Ich kann schnell lesen, schnell erfassen und muss mich auch mal dazu zwingen, schnell zu bewerten.


    - Tipp zur Bewertung: Beim Korrigieren den Aufsatz anfangs lesen und aus dem Gefühl heraus eine Note aufschreiben. Dann korrigieren, Einzelnoten geben, ausrechnen. Abschließend mal diese beiden Noten vergleichen. In der Regel weichen diese beiden Noten nicht voneinander ab.



    Ansonsten: Das, was du beschreibst, fällt ja unter den Fachbegriff der Prokrastination...kennt jeder. Ich z.B. habe es geschafft vor den Pfingstferien (Beginn vor zehn Tagen) von 28 Aufsätzen in vier Tagen 22 zu korrigieren. Wollte vor den Ferien fertig werden...naja, die verbleibenden sechs liegen hier immer noch rum...


    PS: Ich halte nichts davon, generell die Testformate auf eine gute Korrigierbarkeit hin zu konzipieren. Zum einen, weils in meinen Fächer den fachwissenschaftlichen Kern verfehlt und zweitens suche mich mir dann eher andere Formate aus, die von der Skala her weicher zu bewerten sind.


    PPS: Grundsätzlich ist auch anzuraten, Schulaufgaben mit Kollegen zusammen zu organisieren. Vereinfacht Vieles und entspannt.


    PPS: Hier in Bayern gibt es die Regel, dass Schulaufgaben nach zwei Wochen korrigiert und besprochen sein müssen. Das hilft ungemein ;).

  • Was mir hilft:
    Ich mache ganz gezielt Pausen dazwischen. Ich stelle mir einen Zeitwecker z. B. auf eine Stunde. Wenn der klingelt höre ich erstmal auf, mache einen Spaziergang, eine Kaffee...
    Danach noch mal eine Stunde. Und dann wieder "was Schönes".
    Und immer wenn ich alle Arbeiten ganz und gar fertig habe, dann gönne ich mir was richtig Gutes.
    Da ist immer verschieden, was es ist. Vielleicht ein ausgedehnter Schwimmbadbesuch, bei ganz besonders ätzenden Arbeiten die schöne Handtasche, die ich schon die ganze Zeit will...


    Ach ja, und ganz wichtig: Ich brauche immer einen aufgeräumten chaosfreien Arbeitsplatz auf dem nichts weiter liegt und schöne Stifte.

  • Zunächst einmal herzlichen Dank an alle Schreiber für Trost und Tipps!!!
    Und an Mikael für das Schaaf! :D


    Offenere Aufgaben weitgehend weg zu lassen geht natürlich in meinen Fächern eher selten, wobei es natürlich einen Unterschied macht, ob ich eine 5er oder 6er Arbeit in Englisch oder eine Oberstufenklausur korrigiere, das ist klar. Aber auch bei den Kleinen sollen ja von Anfang an auch Texte geschrieben werden.


    Das mit der Eieruhr bzw. Wecker stellen werde ich mal versuchen, kleinere Einheiten helfen vielleicht.


    Die 2 Wochen Regel würde mir mitunter Angst machen, da ich bei uns an der Schule fast keinen Klassenarbeitstermin alleine bestimmen kann und wie ich dann mitunter 4 Klassensätze, die alle innerhalb von 2 Wochen geschrieben werden sollen (neben Unterrichtsvorbereitung, die allerdings zugegebenermaßen - und vor allem ärgerlicherweise - in solchen Phasen mitunter auf der Strecke bleiben bzw. stark herunter geschraubt werden muss), ist mir - bislang noch? - schleierhaft. Mein Privatleben bleibt gerade eh schon auf der Strecke...


    Wobei ich glaube, das Grundproblem ist gerade einfach, dass ich so unendlich müde bin und dazu ständig ein schlechtes Gewissen mit mir rumschleppe, weil ich einfach nicht alles schaffe(n kann?), was ich schaffen möchte bzw. muss (und nein, ich bin kein Perfektionist, lediglich Anfänger). Es ist gerade zu viel und Korrekturen sind dabei halt das Unliebsamste (ist das eigentlich echt ein Wort?), was ich aber am wenigstens ignorieren kann, weil die Stapel hier liegen.


    So, jammern musste mal sein, nun "Arschbacken zusammenkneifen", Eieruhr stellen und ran an den Feind. ;)


    Noch mal: :danke:

    "Et steht übrijens alles im Buch, wat ich saje. ... Nur nit so schön." - Feuerzangenbowle

  • Halt, ich möchte auch noch einen Tip geben, ehe Du wieder an die Arbeit gehst! :D


    Neben einigen bereits oben erwähnten Tips habe ich noch den folgenden: Nimm dich nicht so wichtig! Klingt jetzt hart, und klingt jetzt als Tip erstmal ein bisschen komisch; aber es hilft wirklich, wenn man zu sich selbst sagt: "Max, du bist nicht so wichtig, sondern die Arbeit muss jetzt erstmal geschafft werden. Nachher gibt's 'ne Belohnung!" (ICH heiße nicht Max, war nur ein Beispiel... ;) )


    ... zumindest mal ausprobieren!


    Hamilkar

  • "Bei mir geht alles sooo langsam."


    "Geht denn überhaupt nichts schnell?"


    "Doch, ich werde schnell müde!"

  • Das mit der Eieruhr ist wirklich wichtig. Ich finde sonst findet man oft gar kein Ende. Da sitzt man dann stundenlang und schafft im Grunde weniger als wenn man gezielt 2 Stunden oder so arbeitet. Und vor allem sieht man gar kein Vorankommen... und am Abend denkt man dann "Was habe ich heute eigentlich gemacht?" Und es fallen einem nur die Arbeiten ein.


    Du schaffst das schon!

  • Yippeeh! :party:


    1. Stapel, an dem ich soooo lange rumlaviriert habe, endlich abgehakt und das sogar recht schnell.


    Habe mir jetzt eine to-do-app angelegt (bin schon ein kleiner "Spielzeug"fan), mit genauem Zeitplan, wann welche Korrektur ansteht und erledigt sein muss. Also heute hat das geklappt (trotz Müdigkeit - wobei ich heute ja auch dank Feiertag für morgen nichts vorbereiten musste und die blöde Revision ja endlich weg ist, vielleicht war es ja auch das).
    Hoffentlich klappt das jetzt auch langfristig... ;)


    Danke noch mal für Tipps, Mutmachen etc!


    Und jetzt: :schlafen:
    :D

    "Et steht übrijens alles im Buch, wat ich saje. ... Nur nit so schön." - Feuerzangenbowle

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