Arbeitsbelastung

  • Was mich in diesem Zusammenhang noch interessieren würde, wäre die Frage, inwieweit sich die Arbeitsbelastung durch Vorbereitung denn durch die Erfahrung reduziert. Ich stelle mir vor, dass ich den Unterricht an einem Schultyp - unter der Voraussetzung gleichbleibender Lehrpläne - für jede Klasse und jedes Fach genau ein Mal vorbereiten muss, nicht öfter. Sobald ich dasselbe Jahr noch einmal unterrichte, kann ich auf meine fein abgehefteten/gespeicherten Materialien aus der Vergangenheit zurückgreifen.


    Kommt das hin oder bin ich da falsch gewickelt?

  • Ich glaube, da bist du schiefgewickelt. Erstens musst du ja ohnehin Klausuren etc. jedes Mal neu machen. Und zweitens musst du ja auch auf die Klasse eingehen - stell dir vor, du hast das erste Mal eine 8. Klasse und die sind extrem leistungsstark - wenn du dann im Jahr drauf den selben Stiefel durchziehen willst mit einer schwächeren Klasse, dann hast du ein Problem. Was nicht heißt, dass du dann gar nix wiederverwenden kannst.
    Ganz abgesehen davon wird dir doch selber langweilig, wenn du immer die selben Lektüren liest etc.pp.

    • Offizieller Beitrag

    Was mich in diesem Zusammenhang noch interessieren würde, wäre die Frage, inwieweit sich die Arbeitsbelastung durch Vorbereitung denn durch die Erfahrung reduziert. Ich stelle mir vor, dass ich den Unterricht an einem Schultyp - unter der Voraussetzung gleichbleibender Lehrpläne - für jede Klasse und jedes Fach genau ein Mal vorbereiten muss, nicht öfter. Sobald ich dasselbe Jahr noch einmal unterrichte, kann ich auf meine fein abgehefteten/gespeicherten Materialien aus der Vergangenheit zurückgreifen.


    Kommt das hin oder bin ich da falsch gewickelt?

    Ich habe es neulich schon geschrieben: Die Arbeitsbelastung in Bezug auf die Vorbereitung wird mit der Zeit besser. Allerdings wurde ja schon gesagt, dass man nicht alles aus der Schublade ziehen und komplett übernehmen kann.
    Allerdings fallen im Schuldienst so viele zeitraubende Arbeiten an, die in der Summe viel belastender und zeitraubender sind, als sich das Neueinsteiger oft auch nur ansatzweise vorstellen können: Die Korrekturen brauchen wahnsinnig viel Zeit sowie all die Verwaltungs- und sonstigen Aufgaben. Ich wundere mich immer wieder, wie stark hier von zukünftigen Berufsanfängern auf die Vorbereitungszeit eingegangen wird und wie wenig auf die anderen Aufgaben, die in der Summe teilweise viel mehr Zeit beanspruchen. Und es kommen ständig neue zusätzliche Aufgaben hinzu.

    • Offizieller Beitrag

    Also ich habe die Vorbereitung des Unterrichts als die im Verhältnis zu anderen Aufgabenbereichen am wenigsten stressig empfunden.
    Bei entsprechender Korrekturbelastung und ggf. weiteren Zusatzaufgaben fällt das zeitlich zumindest meines Empfindens nach auch nicht so heftig ins Gewicht.


    Gruß
    Bolzbold

  • Allerdings fallen im Schuldienst so viele zeitraubende Arbeiten an, die in der Summe viel belastender und zeitraubender sind, als sich das Neueinsteiger oft auch nur ansatzweise vorstellen können: Die Korrekturen brauchen wahnsinnig viel Zeit sowie all die Verwaltungs- und sonstigen Aufgaben. Ich wundere mich immer wieder, wie stark hier von zukünftigen Berufsanfängern auf die Vorbereitungszeit eingegangen wird und wie wenig auf die anderen Aufgaben, die in der Summe teilweise viel mehr Zeit beanspruchen. Und es kommen ständig neue zusätzliche Aufgaben hinzu.


    Kannst du das mal konkretisieren: Welche Verwaltungsaufgaben fallen an, wenn man kein Klassenlehrer ist? Und welche kommen ständig zusätzlich hinzu?


  • Allerdings fallen im Schuldienst so viele zeitraubende Arbeiten an, die in der Summe viel belastender und zeitraubender sind, als sich das Neueinsteiger oft auch nur ansatzweise vorstellen können: Die Korrekturen brauchen wahnsinnig viel Zeit sowie all die Verwaltungs- und sonstigen Aufgaben. Ich wundere mich immer wieder, wie stark hier von zukünftigen Berufsanfängern auf die Vorbereitungszeit eingegangen wird und wie wenig auf die anderen Aufgaben, die in der Summe teilweise viel mehr Zeit beanspruchen. Und es kommen ständig neue zusätzliche Aufgaben hinzu.


    Wir ham keinen Peil. Es sagt uns ja keiner, was überhaupt anfällt. Außer Korrekturen.

    • Offizieller Beitrag

    Ich versuche mal, ein paar aufzuzählen (kein Anspruch auf Vollständigkeit, da fehlt bestimmt noch was und es ist natürlich je nach Schulform, Schule und Fächerkombi noch etwas unterschiedlich):
    Eins vorweg: Einzeln betrachtet sind manche Aufgaben "nicht so wild", betrachtet man aber die Summe, dann erschließt sich die Arbeitsbelastung:
    Beispiel Realschule mit meinen Fächern in NRW, ich rechne mal mit einer vollen Stelle und ich gehe nur von meinen Erfahrungen aus, an anderen Schulen werden manche Dinge etwas anders gehandhabt:
    28 Stunden Unterricht, Vorbereitung aller Stunden, 6-7 Korrekturklassen (das bedeutet im schlimmsten Fall 36-42 pro Schuljahr - das sind bei durchschnittlich 30 Schülern pro Klasse über 1000 Klassenarbeiten - je nach Klassenstufe und Länge der Arbeit bedeutet das viel Korrekturzeit, rechne mal 20 Minuten pro Arbeit und das ist schon sehr schnell, ich würde eher mehr berechnen, wenn es nicht gerade Anfangsunterricht Englisch in der 5. Klasse ist - das kommt natürlich auf die Arbeit an, es kann auch deutlich länger sein)
    3 Pausenaufsichten pro Woche oder Mittagspausenaufsichten (es gibt auch Schulen mit Busaufsichten etc., das ist alles unterschiedlich)
    2-4 Elternsprechtage pro Schuljahr bis 19 Uhr (Vormittagsunterricht vorher findet statt), ein Tag der offenen Tür mit Showunterricht (eine Vorführstunde, die man gut planen sollte), mindestens 2 Fachkonferenzen in jedem eurer Fächer, also mindestens 4 pro Schuljahr (wenn man nicht noch fachfremd unterrichtet, was nicht unwahrscheinlich ist), 2 oder 3 Elternabende pro Schuljahr, teilweise auch noch Teilnahme an Elternabenden von Klassen, in denen man als Fachlehrer unterrichtet und die an anderen Abenden stattfinden als die Elternabende der eigenen Klasse, Teilnahme an Elternstammtischen (das ist zwar nicht verpflichtend, aber zumindest ab und zu wäre es gut, dort mal "aufzutauchen"), bei uns Konferenzen mit den Grundschullehrern, Hospitation der Grundschullehrer in unserem Unterricht, mehrere gemeinsame Planungs- und Austauschveranstaltungen mit den Grundschullehrern (außer der Hospitation alles am Nachmittag), alle paar Wochen "normale Konferenzen" und Dienstbesprechungen (nachmittags, teilweise sehr lange und in der letzten Sommerferienwoche, bei uns dann sehr lange), in der letzten Ferienwoche Nachprüfungen schriftlich (selbst erstellen, beaufsichtigen und korrigieren) und mündlich (entweder eigene oder Anwesenheit als Vorsitzender oder Protokollant), Klassenfahrten, Vorbereitungstreffen für die Projektwoche, Projektwochen (teilweise ganztägig), Ausflüge (teilweise ganztägig), Martinszüge abends, Weihnachtsfeiern mit Schülern, ganztägige Schulfeste oder Schulfest am Samstag, ganztägige Fortbildungen (sowohl mit dem ganzen Kollegium als auch beispielsweise als Fachschaft oder zu verschiedenen Teilbereichen des Lehrerberufs), Entlassfeier der 10. Klassen nachmittags, abends oder samstags (je nach Schule, aber für alle Lehrer verpflichtend, auch wenn sie die Zehner nicht unterrichtet haben), Kennenlernnachmittage der zukünftigen Fünftklässler, Nachmittag in der Firma X mit Firmenbesichtigung und großer Gesprächsrunde für alle verpflichtend, weil die Schule mit der Firma eine Kooperation eingeht, Teilnahme an der Schulkonferenz (aber das ist nicht für alle Lehrer verpflichtend, sondern nur für einige), mehrere Erprobungsstufenkonferenzen und Zeugniskonferenzen pro Schuljahr,
    Organisatorisches:
    Notizen über Mitarbeit jedes Schülers in jeder Stunde (bei mir wären es "nur" circa 180 bei einer vollen Stelle, mit Nebenfächern hätte man deutlich mehr Schüler), Notizen über vergessene Hausaufgaben, als Klassenlehrer Klassenbuch führen, Entschuldigungen nachhalten, alle Fehlstunden jedes Schülers dort in Tabellen eintragen (damit habe ich schon mal den Nachmittag vor den Zeugnissen verbringen dürfen), Notizen zu vergessenen Materialien und zum Verhalten der einzelnen Schüler (alle schwerwiegenderen Vorfälle sollte man mit Datum schriftlich dokumentieren), immer wieder alle Noten aller Schüler im Lehrerzimmer nach der Schule in irgendwelche Tabellen eintragen (das summiert sich): Listen für blaue Briefe, Listen fürs Halbjahreszeugnis, Jahreszeugnis, für die jeweiligen Klassenlehrer vor dem Elternsprechtag, Konferenzprotokolle anfertigen (rotierend), Noten ausrechnen (das mache ich 2 mal pro Halbjahr und das summiert sich auch), Zeugnisse schreiben, alle Noten aller Schüler aller Fächer meiner Klasse, alle Fehltage, alle AGs etc. in Zeugnisse eintragen und das mehrfach kontrollieren, bei uns (es soll allerdings auch Schulen geben, die das "schon" digital machen ;) ) alle Noten, Fehltage etc. zusätzlich auch noch in Stammdatenblätter in Aktenordnern eintragen, Lern- und Förderempfehlungen schreiben, teilweise gab es lange die Kopfnotenlisten, viele viele Elterngespräche als Klassenlehrer (das geht von "Schüler XY wird gemobbt", "Schüler hat Probleme in Englisch", "Schüler ritzt sich die Arme auf" über "Schüler Z fehlt ständig" bis zum Einschalten der Beratungslehrer oder Gesprächen mit dem Jugendamt - und zumindest bei uns kommt sowas nicht selten vor), Anfertigen irgendwelcher z.T. sehr langer Beobachtungsbögen für Therapieeinrichtungen, Ärzte etc. (kommt bei mir circa. 5 mal pro Schuljahr vor), Lernstandserhebungen und Korrekturen, Zentrale Abschlussprüfungen und Zweitkorrektur (auch wenn man keine zehnte Klasse hat, muss man eigentlich immer in mindestens einem Fach mindestens einen Klassensatz Zweitkorrekturen machen), Englischwettbewerb vorbereiten und durchführen, Hefte einsammeln und kontrollieren (ich mache das nicht so ausführlich wie viele Kollegen, aber es braucht trotzdem eine Menge Zeit), Listen führen, Büchergeld einsammeln und Listen dazu machen, Geldern von mehreren Schülern mehrfach hinterherlaufen, Elternbriefe schreiben, weil 10 Schüler ihre Hausaufgaben oft vergessen, ihre Materialien vergessen etc., Elterntelefonate, normale Elternbriefe mit Infos zu Klassenfahrten, Ausflügen etc. erstellen, Vokabeltests und sonstige Tests erstellen und korrigieren, Schreiben schulinterner Lehrpläne (bei uns wird das so aufgeteilt, dass ein Lehrer oder Teams von 2 Lehrern den gesamten Lehrplan für 2 oder 3 Jahrgänge schreibt, diese fällt wieder für alle eure Unterrichtsfächer an, bei mir waren es also Lehrpläne für 5 Jahrgänge), teilweise mit Ausarbeitung von Materialien etc...


    Ich glaube, ich habe noch mehr als genug vergessen. Wenn also anderen Kollegen noch was einfällt: bitte ergänzen.


  • Wenn also anderen Kollegen noch was einfällt: bitte ergänzen.

    Kompliment, Referendarin, eine eindrucksvolle Auflistung.


    Was mir noch einfällt: Schullandheim, Studienfahrten, Austauschprogramme mit ausländischen Partnerschulen: Vorbereitung, Durchführung, Nachbereitung (Berichte, Abrechnung, Förderanträge) sind echte Zeitfresser. Wer bei solchen Veranstaltungen mitmacht, büßt häusliche Zeit für das Korrekturgeschäft ein: die vorgeschriebenen Klassenarbeiten müssen trotzdem geschrieben und - mit gesteigertem Zeitdruck - korrigiert werden.


    Was mich in diesem Zusammenhang noch interessieren würde, wäre die Frage, inwieweit sich die Arbeitsbelastung durch Vorbereitung denn durch die Erfahrung reduziert. Ich stelle mir vor, dass ich den Unterricht an einem Schultyp - unter der Voraussetzung gleichbleibender Lehrpläne - für jede Klasse und jedes Fach genau ein Mal vorbereiten muss, nicht öfter. Sobald ich dasselbe Jahr noch einmal unterrichte, kann ich auf meine fein abgehefteten/gespeicherten Materialien aus der Vergangenheit zurückgreifen.

    Das mag für manche Unterrichtseinheit im Fach Deutsch in der Unter- und Mittelstufe noch einigermaßen gehen, aber das ist der geringste Teil der Arbeit eines Lehrers, der auf allen Stufen des Gymnasiums einsetzbar ist. In den Fremdsprachen kommt alle paar Jahre eine neue Version des eingeführten Lehrwerks heraus, und dann fängst Du wieder von vorne an. In der Oberstufe hast Du es ständig mit neuen Schwerpunktthemen zu tun.


    Außerdem: Lehrpläne haben heute kurze Halbwertszeiten (ich habe in meinen 37 Schuljahren sechs verschiedene Lehrpläne erlebt; der aktuelle wird auch schon wieder einer Revision unterzogen); der pädagogische Zeitgeist entwickelt ständig neue Moden, die in den Unterricht eingebracht werden sollen (noch vor 10 Jahren war der Begriff der "Kompetenzorientierung" kein Thema, das Methodenfirlefanz-Karussell dreht sich immer schneller, usw.).


    Sehen wir es positiv: die Arbeit in der Schule bleibt immer spannend.

  • Danke für diese Auflistung, Referendarin. Manche Sachen sind sicher schulabhängig (bei meiner Abifeier waren z.B. noch nicht mal alle Lehrer da, die uns unterrichtet haben, geschweigedenn das ganze Kollegium), aber dem meisten muss man wohl entgegensehen... Lehrpläne müssen momentan in Bayern auch noch nicht geschrieben werden - der gültige Lehrplan ist noch ein richtiger, verbindlicher Lehrplan, kein Rahmenplan. Aber lang geht das nicht mehr, glaube ich. Man hört schon vom neuen, kompetenzorientierten megagenialen was auch immer-Plan ;-).

  • Ich gehöre auch zu denen, die D/E als Kombi haben. Ich war am Gymnasium und bin jetzt am Berufskolleg. Die Entscheidung war gut, denn was mich vorher z.T. belastet hat, habe ich jetzt nicht mehr: Die Elternarbeit und die Erziehungsarbeit. Ich unterrichte im Vollzeitbereich (HöHa) und im Berufsschulbereich (z.B. Versicherungskaufleute, Medizinische Fachangestellte). Der Aufwand ist um einiges geringer am Gymnasium, zum einen weil das Niveau geringer ist und zum anderen weil der Stellenwert der Fächer niedriger ist. Dazu kommen viiiel kleinere Klassen (in der Berufsschule oft nur 13, in der HöHa max.23 gegenüber z.T.36 SuS am Gym in der SekI). Ich habe weniger Arbeit, bekomme aber auch A13. Ich wurde von vielen bemitleidet, weil viele das Berufskolleg als schlecht ansehen. Ich bin froh über die Entscheidung, denn ich finde es angenehmer nicht mehr mit den Kleinen zu arbeiten, wo noch so viel Erziehungsarbeit läuft und so viele Elterngespräche sind. Am Gymnasium waren meine Elternsprechtage voll - jetzt kommt keiner mehr zu mir. Ich sitze nur ein paar Stunden da und nutze die Zeit zum Vorbereiten, Korrigieren etc. Aus der HöHa kommt eh keiner, weil die das direkt mit mir besprechen und aus der Berufsschule nicht, weil meine Fächer "unwichtige Nebenfächer" sind. Ich kann gut damit leben, keinen total anspruchsvollen Unterricht zu machen. Manchmal fehlt es mir, aber ich weiß noch wie viel Vorbereitungszeit es mich gekostet hat. Am Gym waren schon 7er mehr auf Zack als die 11er an der HöHa. Man muss wissen, was einem wichtig ist. Ich habe ein kleines Kind und möchte Freizeit haben.
    Ich bin grundsätzlich auch der Meinung, dass Lehrer mit Korrekturfächern per se weniger Stunden bekommen müssten, aber da sich nie alle Betroffenen groß auflehnen, wird sich nichts ändern! Mein Mann sagt immer, dass egal wo Lehrer hinkommen, sie immer alles ganz genau wissen (Arzt, Anwalt, Finanzamt), nur wenn es um ihre eigene Arbeitsbelastung geht, schimpfen sie im Stillen. Wir könnten uns vereinen und laut werden :D

  • Ich kann meine VorschreiberInnen mit zwei Korrekturfächern in allem bestätigen. Es gibt eine enorme Schieflage zwischen den Fächern, Schulformen etc., die leider permanent besteht und nicht von Jahr zu Jahr ausgeglichen wird wie bei solchen KollegInnen mit einem Korrekturfach, die mal mehr und mal weniger Korrekturen haben.


    Sicherlich wird es nie eine vollkommene Gerechtigkeit bei der Arbeitsbelastung von LehrerInnen geben. Aber der Ausgleich von erheblichen Belastungen durch wichtige Begleittätigkeiten - und ich rechne nicht nur Korrekturtätigkeit dazu - ist dringend geboten! Ein Arbeitszeitmodell ist längst überfällig!


    Ich empfehle, bei korrekturfachlehrer.de nachzulesen. Dort gibt es seit kurzem ein Positionspapier, das die Lage hervorragend skizziert. Noch besser ist es, dem Verein beizutreten, um den großen Lehrergewerkschaften Paroli zu bieten.

  • korrekturfachlehrer.de:


    "Zwei Voll-Korrekturfächer in Sekundarstufe I oder II? Kein Wunder, dass Ihr Privatleben seit Jahren immer weiter schrumpft.


    Gerade die Belastung der Korrekturfachlehrer hat sich durch zahlreiche schulische Veränderungen der letzten Jahre kontinuierlich weiter erhöht:


    durch die jährliche obligatorische Lernstandserhebung, die nur den Lehrpersonen für Deutsch, Englisch und Mathematik obliegt– ein erheblicher Zusatzaufwand von durchschnittlich 30 Minuten pro Lernstandstestbogen, bis die Ergebnisse ausgewertet und auf dem Server des Ministeriums abgespeichert sind (im Fach Deutsch eher mehr)
    durch die Verpflichtung, schon in den Halbjahren 12.1 bis 13.1 den Schülern mindestens eine der Kursarbeiten nach den komplexen Konstruktions- und Bewertungsvorgaben des Zentralabiturs vorzulegen und die Arbeiten mit dem selbst zu erstellenden kriterialen Bewertungsraster zu korrigieren
    durch die Einführung von korrektur-intensiveren Klassenarbeitstypen und – parallel dazu – durch das Verbot oder die Reduzierung von Klassenarbeitstypen, die weniger aufwändig zu korrigieren sind
    durch die Einführung der – äußerst beratungsintensiven – Facharbeiten in Jahrgangsstufe 12 (gegenüber einer Klausur etwa eine Verzehnfachung des Vor- und Nachbereitungsaufwandes pro Arbeit)
    durch die obligatorische Klausur für alle Schüler der Jahrgangsstufe 13 in den Fächern Deutsch und Mathematik und den Fremdsprachen – während in den Grundkursen aller anderen Fächer in der Regel jeweils nur ein Bruchteil der Schüler eine Kursarbeit schreibt
    durch die generelle Kürzung der Leistungskurse – die zudem nicht mehr in Jahrgangsstufe 11, sondern erst in Jahrgangsstufe 12.1 einsetzen – von sechs auf fünf Wochenstunden: auch dies eine Erhöhung des Korrekturvolumens
    durch die Erhöhung der Pflichtstundenzahl um bis zu zwei Stunden pro Woche.


    Es ist unter dem Gesichtspunkt der Arbeitszeitgerechtigkeit nicht akzeptabel, dass diese unbestreitbar vorhandene und geleistete Arbeit bei der Bestimmung der Lehrerarbeitszeit im Wesentlichen unberücksichtigt bleibt.


    Die seit dem Schuljahresbeginn 1997/98 verfügte Kürzung der Zahl und Dauer der schriftlichen Klassenarbeiten und Klausuren oder die Einführung des Zentralabiturs mit dem Wegfall der kursindividuellen Aufgabenentwürfe in den Weihnachts-»Ferien« ändert an der weit überdurchschnittlichen Arbeitsbelastung von Korrekturfachlehrern »unterm Strich« nichts Wesentliches.


    Und was ist mit der »psychischen Belastung«?


    Gern wird darauf hingewiesen, dass es auch andere Belastungsfaktoren als die Korrekturtätigkeit gebe. Das ist richtig, und Korrekturfachlehrer sind ihnen genauso ausgesetzt wie alle anderen Lehrer auch.


    Noch häufiger hört man das »Argument«, man hätte ja von vornherein eine andere Fächerwahl treffen können. Für die Lehrer, die Korrekturarbeit zu leisten haben, ist das der blanke Hohn:


    Die Korrekturarbeit ist objektiv vorhanden.
    Sie ist – angesichts der immer geringer werdenden Schreib- und Lesetätigkeit von Jugendlichen – pädagogisch unverzichtbar.
    Sie wird den Korrekturfachlehrern als Berufspflicht abverlangt.
    Also ist sie bei der Arbeitszeitbemessung angemessener als bisher zu berücksichtigen."

  • Die Schüler in der Anzahl an Antwortsätzen zu begrenzen (oder durch vorgegebenem Platz) hatte bei den entsprechenden Lehrern auch noch einen positiven Effekt:
    Es wurde von uns nicht mehr heruntergeschmiert was einem alles zu der Frage einfiel, sondern man hat sich auf das nötigste beschränkt und nicht so viel "geschwallt". Aber vermutlich steigen einem da vor allem die Sprachler und Germanisten aufs Dach, weil das (nicht böse gemeint) "Schwallen" da ja sozusagen sogar als ein Teil gefordert ist, also möglichst kunstvoll mit vielen Worten und reichem Wortschatz zu schreiben beziehungsweise zu umschreiben, während die Sachfächer vor allem kurze, präzisee, prägnante Beschreibungen haben wollen und der "Wohlklang" der verwendeten Sprache sich den Fakten unterzuordnen hat.
    Das macht die Sache mit der Beschränkung zugegebenermaßen ein wenig schwierig!


    Ich kommentiere das mal als recht "klassischer" Geisteswissenschaftler und Magister der Geschichts- und Literaturwissenschaft vor der Einführung der BA/MA-Studiengänge ebenso wie als ausgesprochener Sprachliebhaber. :)


    Dass geisteswissenschaftliche Analysen und Texte kein Geschwalle sind, ist eines der ersten Dinge, die meine Geschichts- und Englischschüler auf eine mitunter sehr schmerzhafte Weise lernen. Persönlich HASSE ich Gefasel und Wortblasen. Glasklares Denken zeigt sich in glasklaren, elegant knappen Formulierungen. Darauf fahre ich ab und das will ich meinen Schülern beibringen. Aus diesem Grund berührt ein Teil meiner Klausurbewertung und -reflexion auch immer den stilistischen und logischen Bereich des Schülertextes. Ich spare da nicht an Rot ("non sequitur!", "das schreiben Sie jetzt zum vierten Mal!!" etc.), gebe aber auch konkrete Hilfestellungen und Ratschläge, wie man die Textmenge sinnvoll verknappen kann. Nicht zuletzt dadurch, dass ich regelmäßig den Schülern selbstgeschriebene Beispieltexte zur Verfügung stelle. Ein Lehrer sollte meiner Meinung nach nicht immer nur fordern, sondern auch regelmäßig zeigen, dass er es kann. Wer bei mir in eine mündliche Abiturprüfung kommt, weiß jedenfalls, dass er mit heißer Luft, Kuchenkrümeln und improvisiertem Geschwalle nicht sonderlich weit kommt. Die Tricks kenne und beherrsche ich alle - und zwar besser. :P


    Aber jetzt ernsthaft für die Lehrerpraxis: es gibt Möglichkeiten, die Schüler von der Vorstellung "Quantität = Qualität" wegzubringen. Man kann z.B. Textlängen sinnvoll begründet einschränken. Gerade im Aufgabenbereich I bietet sich das an - z.B. die maximale Länge einer Inhaltsangabe vorzugeben. Oder man kann im Aufgabenbereich II vorgeben, wie viele Beispiele im Text gefunden und diskutiert werden sollen, z.B. nur zwei Beispiele, die dann aber nach vorgegebener Untersuchungsmethode vollständig analysiert werden müssen. Eine andere Möglichkeit ist, außertextliche Leistungen bei der Abgabe der Arbeit einzufordern. Man kann z.B. einen angemessen vorbereiteten Arbeitstext verlangen: Unterstreichungen, eventuell in unterschiedlichen Farben; Randanmerkungen z.B. Oder eine Visualisierung des zu schreibenden Textes. Oder einen in einer Baumstruktur geplanten Plan des Schülertextes. Das sind alles Dinge, die sehr zu schnell zur Kenntnis zu nehmen sind. Wenn der Schüler weiß, dass dergleichen verlangt und im Zweifelsfall negativ bewertet wird, wird er das auch anfertigen - das kostet die Zeit, die ansonsten mit Schreiben von der ersten bis zur letzten Minute verbracht wird, und macht die Texte messbar kürzer.


    Nele

  • Ich gehöre auch zu denen, die D/E als Kombi haben. Ich war am Gymnasium und bin jetzt am Berufskolleg. Die Entscheidung war gut, denn was mich vorher z.T. belastet hat, habe ich jetzt nicht mehr: Die Elternarbeit und die Erziehungsarbeit. Ich unterrichte im Vollzeitbereich (HöHa) und im Berufsschulbereich (z.B. Versicherungskaufleute, Medizinische Fachangestellte). Der Aufwand ist um einiges geringer am Gymnasium, zum einen weil das Niveau geringer ist und zum anderen weil der Stellenwert der Fächer niedriger ist. Dazu kommen viiiel kleinere Klassen (in der Berufsschule oft nur 13, in der HöHa max.23 gegenüber z.T.36 SuS am Gym in der SekI). Ich habe weniger Arbeit, bekomme aber auch A13. Ich wurde von vielen bemitleidet, weil viele das Berufskolleg als schlecht ansehen. Ich bin froh über die Entscheidung, denn ich finde es angenehmer nicht mehr mit den Kleinen zu arbeiten, wo noch so viel Erziehungsarbeit läuft und so viele Elterngespräche sind. Am Gymnasium waren meine Elternsprechtage voll - jetzt kommt keiner mehr zu mir. Ich sitze nur ein paar Stunden da und nutze die Zeit zum Vorbereiten, Korrigieren etc. Aus der HöHa kommt eh keiner, weil die das direkt mit mir besprechen und aus der Berufsschule nicht, weil meine Fächer "unwichtige Nebenfächer" sind. Ich kann gut damit leben, keinen total anspruchsvollen Unterricht zu machen. Manchmal fehlt es mir, aber ich weiß noch wie viel Vorbereitungszeit es mich gekostet hat. Am Gym waren schon 7er mehr auf Zack als die 11er an der HöHa. Man muss wissen, was einem wichtig ist. Ich habe ein kleines Kind und möchte Freizeit haben.
    Ich bin grundsätzlich auch der Meinung, dass Lehrer mit Korrekturfächern per se weniger Stunden bekommen müssten, aber da sich nie alle Betroffenen groß auflehnen, wird sich nichts ändern! Mein Mann sagt immer, dass egal wo Lehrer hinkommen, sie immer alles ganz genau wissen (Arzt, Anwalt, Finanzamt), nur wenn es um ihre eigene Arbeitsbelastung geht, schimpfen sie im Stillen. Wir könnten uns vereinen und laut werden :D

    Genau dieses Lob des Berufskollegs habe ich jetzt schon mehrmals von Lehrkräften, die dort arbeiten, gehört. BK ist auch meine Wunschschulform für die Zukunft. Gerade der Ärger mit Eltern - nicht nur die zeitliche, auch die nervliche Belastung also - ist dort minimal.


    Das Vereinen und Lautwerden klappt ja teilweise schon: http://www.korrekturfachlehrer.de/ziele.html

  • Mal ehrlich, findet ihr wirklich dass das "Geschwalle" in den geisteswissenschaftlichen Klausuren soviel ausmacht? Ich finde Deutschklausuren etc. generell schwierig und aufwändig zu bewerten, Gedankengänge nachvollziehen, Analysen zu beurteilen, gar kreative Aufgaben bewerten zu müssen (Landesabitur).Geschwalle hält auf, ohne Frage, aber darin sehe ich nicht die Hauptherausforderung in der Korrektur.


    Gute Schüler, die die Sachen knackig auf den Punkt bringen- kein Thema. Aber mittelmäßigen und schlechten Schülern zu vermitteln, dass ihre Leistung eben nicht "gut" ist und gegen das Vorurteil anzukämpfen, dass "richtig" in Deutsch nur eine Frage der Interpretation ist- darin liegt die Schwierigkeit in der Korrektur dieser Fächer, die sich auch auf den Zeitfaktor auswirkt.

  • Genau dieses Lob des Berufskollegs habe ich jetzt schon mehrmals von Lehrkräften, die dort arbeiten, gehört. BK ist auch meine Wunschschulform für die Zukunft. Gerade der Ärger mit Eltern - nicht nur die zeitliche, auch die nervliche Belastung also - ist dort minimal.


    Aus genannten Gründen sollte man sich übrigens durchaus auch mal für Weiterbildungskollegs interessieren. Bei uns werden auch gute Lehrer gebraucht... :)


    Nele

  • Wow, das ist ja unglaublich wie viele Oberstufenkurse du hast, ich bin total fassunglos! Das ginge bei uns gar nicht, da die alle parallel sind, ich kann also immer nur einen Deutsch Kursstufe 1 haben, da ich mich ja nicht teilen kann! Sind die bei euch nicht parallel oder habt ihr so viele Kurse? Wie ist denn das bei den anderen Kollegen? Müssen die auch immer so viel OS machen oder nur du? Ich finde das total heftig!!! Bei uns ist das wie gesagt nicht so, ab und zu haben Kollegen eben Kurstufe 1+2, aber das reicht schon finde ich!
    Ansonsten finde ich die Tipps von Magister999 gut, so würde ich auch vorgehen, erst mit dem Personalrat reden, dann mit dem SL reden und schriftlich festhalten, was ihr vereinbart und wenn alles nicht hilft, dann lass dich versetzten, es kann ja nur besser werden!
    Alles Gute

  • *handheb*
    Ohne jetzt schmälern zu wollen, was Deutsch/Englisch-Lehrer leisten: Auch andere Lehrer arbeiten. ;) Sowas hat die hässliche Tendenz, "wir gegen sie" zu werden. :prost:
    Ich denke, nele hat eine sehr gute Regelung dafür gefunden.

    Quiet brain, or I'll stab you with a Q-Tip!

  • .

    2 Mal editiert, zuletzt von Lehrkraft A () aus folgendem Grund: Beitrag zurückgezogen.

    • Offizieller Beitrag

    Schön. Aber das schützt ja nicht davor, dass die Schüler trotzdem schwallen und man das Geschwalle lesen und korrigieren muss. Mir fällt es in der Mathematik auch leichter, Lösungen in korrekter Schreibweise zu korrigieren. Trotzdem muss ich mich auch mit dem Unfug auseinandersetzen, der sonst noch so geschrieben wird. Auch völlig unverständlichen Mist muss ich zumindest lesen, um festzustellen, dass es völlig unverständlicher Mist ist.


    Klar. Hat ja auch niemand bestritten.Wer kennt das nicht? *seufz*
    Nele ging es m.E. lediglich darum klarzumachen, dass Geschwafel in Klausuren nicht automatisch zu einer guten Note führt.

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