Ich als Begleitung am Wandertag einer Kollegin?

  • Eine Kollegin hat (zusammen mit der Schulleitung) vorgestern beschlossen, dass ich ihre Klasse auf einem Ausflug mit begleite (geht stundenplan-mäßig indem ich an dem Tag die Flüchtlings-Stunden umwandle und die Klasse - mit sechs Flüchtlings-Kindern - begleite). Problem: ich komme mit der Kollegin "oberflächlich" klar, bei dem Ausflug wird es wahrscheinlich sehr laut werden, mir wird es vor den Referenten peinlich sein, wie die Klasse sich verhält, darf aber ja offiziell nicht eingreifen da ich nur Begleitperson bin.


    Prinzipiell mache ich gerne Ausflüge mit Kindern (zumal da keinerlei Überstunden entstehen), habe aber die Befürchtung, dass es mir nach dem Ausflug nicht gut gehen wird (Lärm, Fremdschämen, Anspannung mit Kollegin, unterschiedliches Verantwortungs-Bewusstsein bezüglich der Schüler)


    Habe spontan auch angeboten, dass ich mit den Flüchtlings-Kindern einen separaten Ausflug mache ("der auf ihre sprachlichen Fähigkeiten achtet") - soll ich aber nicht wegen der Integration. Jetzt bin ich am Überlegen, ob ich den saueren Apfel einfach schlucke und den Tag begleite (und mir vielleicht nur zu viele Gedanken mache), ob ich das Problem direkt anspreche oder ob ich irgendwie elegant aus der Sache herauskomme.


    Was meint ihr?

  • Zitat

    Problem: ich komme mit der Kollegin "oberflächlich" klar, bei dem Ausflug wird es wahrscheinlich sehr laut werden, mir wird es vor den Referenten peinlich sein, wie die Klasse sich verhält, darf aber ja offiziell nicht eingreifen da ich nur Begleitperson bin.


    Das verstehe ich nicht. Wenn ich eine Kollegin bitte, meine Klasse auf einem Ausflug zu begleiten, dann erwarte ich auch, dass sie mitarbeitet und nicht nur dabeisteht.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Aber nicht, wenn wir beide unterschiedliche Vorstellungen von Lautstärke und Höflichkeit haben. Z.B. wäre mir es wichtig, dass die Klasse im Museum angekommen den Referenten begrüßt, dazu kann ich die Kinder aber nicht auffordern, wenn der Lehrerin das nicht wichtig ist...


    (zumindest habe ich da immer so das Gefühl, dass ich ihr da in den Unterricht nicht mit meinen Vorstellungen hineinagieren darf, aber vielleicht mache ich mir da auch nur zu viele Gedanken?)

  • ...wenn der Lehrerin das nicht wichtig ist...

    Verstehe ich nicht. Du bist doch selber Lehrkraft und hast damit die gleichen Pflichten und RECHTE wie die Kollegin. Du bist doch keine Lehrkraft "2. Klasse", oder?


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Ich bin nicht die Klassenlehrerin? (=Grundschule) Habe so die Befürchtung, dass die Klassenlehrerin sich angegriffen fühlt, wenn ich in der Sbahn darauf achte, dass alle Kinder leise sind, dann noch zum Begrüßen animiere etc.


    Ist wahrscheinlich echt anders, wenn man an die weiterführende Schule denkt, in der Grundschule "lebt" die Klassenlehrerin doch sehr mit ihrer Klasse und ist auch irgendwie für die Erziehung zuständig.

  • Einfach im Vorfeld deutlich kommunizieren, unter welchen Bedingungen du die Kollegin begleiten willst. Die Schulleitung möchte ich sehen, die dir deinen pädagogische Auftrag verbieten will. Immerhin sollst du die Klasse begleiten und nicht die Schulleitung.


    Gruß !

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Ich bin nicht die Klassenlehrerin? (=Grundschule) Habe so die Befürchtung, dass die Klassenlehrerin sich angegriffen fühlt, wenn ich in der Sbahn darauf achte, dass alle Kinder leise sind, dann noch zum Begrüßen animiere etc.

    Ich verstehe sehr gut, was du meinst. Es kann wirklich schwierig sein, team zu teachen, wenn man unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung hat und die hat man fast immer.


    Vergiss aber nicht: Kinder kommen und gehen, mit Kollegen will man noch die nächsten 100 Jahre zusammenarbeiten können. Wenn du die Leitung der Gruppe in die Hand nimmst, wird sie sich vermutlich angegriffen fühlen.
    Du kannst dich also nur ganz raushalten, oder dann eingreifen, wenns dir zu bunt wird. Wer wann wen begrüßt überlässt du der Kollegin und machst dir in der Zeit Gedanken, warum es dir perinlich ist, wen anderer Leute Kinder und anderer Leute Schüler nicht begrüßen ;)

  • DAS kann ich aber doch nachvollziehen.
    Ich empfinde durchaus eine Corporate Identity, wenn ich mit Schülern meiner Schule unterwegs bin. Mir ist der Ruf meiner Schule ganz und gar nicht egal, und ich bin mir sicher, den meisten meiner KollegInnen auch nicht.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Ich stimme Schantalle voll und ganz zu.
    Ich bin einmal in der Woche in einer Art Teamteaching. Wir wechseln aber jede Woche, wer IM Klassenzimmer ist und wer draußen in einem offenen Bereich ist. Es ist kein Fachunterricht, es gibt also keinen "wichtigeren Lehrer" und keine Noten.
    Jede zweite Woche brenne ich insgeheim, weil mir die Lautstärke im Klassenraum viel zu hoch ist, die Kids - meiner Meinung nach - viel zu unhöfflich sind, usw... Aber da kann ich kaum den SuS sagen, dass sie bitte meine Kollegin anders ansprechen sollen, wenn sie selbst nichts sagt und mit der Unruhe leben kann.


    und am Ende gilt: wir haben andere pädagogische Herangehensweisen (auch weil wir komplett unterschiedliche Fächer haben), aber es ist eine sehr liebe Kollegin, die ich menschlich schätze und ich spiele das nicht für eine Stunde gute Erziehung alle zwei Wochen. In meinem Raum / Abteil ist es einfach ruhig(er) und Punkt.


    Wie man sich in öffentlichen Transportmitteln zu benehmen hat, ist meiner Meinung nach Sache von allen Begleitern, schliesslich bist eben auch für sowas dabei. Aufs Anlächeln und Gruppenbegrüßen "guuuuuuuuuuuuuuuten mooooooooooooooooorgen Herr Soundso" kannst du einmal verzichten ;-)


    chili

  • DAS kann ich aber doch nachvollziehen.
    Ich empfinde durchaus eine Corporate Identity, wenn ich mit Schülern meiner Schule unterwegs bin. Mir ist der Ruf meiner Schule ganz und gar nicht egal, und ich bin mir sicher, den meisten meiner KollegInnen auch nicht.

    Du würdest dann vermutlich einfach durchgreifen. Wenn sich die TE aber unsicher fühlt, dann bleibt ihr nicht viel anderes, als den Tag durchzustehen. Einfach nicht mitgehen geht ja nunmal nicht und halbherzig eingreifen geht auch nicht, denn dann verspielt sie sich ihre eigene Autorität.

  • Ich kann die Bauschmerzen auch nachvollziehen, aber ich denke auch da musst du einfach durch. Was höfliches Verhalten angeht ist das einzige, was du machen kannst, selbst Vorbild zu sein, indem zumindest du selbst den Referenten begrüßt und vielleicht kannst du ja auch im Vorfeld mit deinen Kindern (also denen aus der Flüchtlingsgruppe) grundsätzlich über angemessenes Verhalten bei Ausflügen sprechen. Wenn die Kinder sich unterwegs daneben benehmen, darfst du natürlich eingreifen! Ich kann mir da auch nicht vorstellen, dass die Kollegin was dagegen hat. Entweder ist sie dann doch ganz dankbar, dass sie Unterstützung hat oder sie kriegt es gar nicht richtig mit oder schlimmstenfalls findet sie dein Verhalten "übertrieben" und denkt sich dann ihren Teil (auch davon ginge die Welt nicht unter). Gut ist sicherlich wenn du schon vorher die Erwartungen ein Stück herunterschraubst und dir immer wieder sagst, dass es ihre Klasse ist und du an dem einen Tag in Sachen Erziehung eh nichts reißen kannst. Es wird also womöglich nicht so wie du dir einen Asflug vorstellst aber solange alle gesund ans Ziel und zurück kommen und solange keine anderen Personen Schaden nehmen bzw. übermäßig belästigt werden, hast du dein Möglichstes getan. Wird schon, ist nur ein Vormittag...

    "Die Wahrheit ist ein Zitronenbaiser!" Freitag O'Leary

  • ich verstehe die bauchschmerzen ehrlich gesagt nicht. sprecht doch einfach vorher mal miteinander, wenn dir das so extrem wichtig ist? und sonst geht ihr halt zusammen, und du machst dem kind eine freundliche und deutliche ansage, wenn dich etwas an seinem/ihren verhalten nervt, fertig? kinder können sehr gut mit der tatsache umgehen, dass unterschiedliche erwachsene unterschiedliche erwartungen an ihr verhalten haben. das erleben kinder jeden tag bei jedem lehrer- und ortswechsel ein paar mal, auch schon in der gs.


    auch der kollegin wird der ruf euerer schule im übrigen alles andere als egal sein - sie hat vielleicht aber sehr andere vorstellungen als du, was "ein guter ruf" ist. mir wäre zum beispiel wichtig, dass die kinder rücksichtsvoll mit anderen und überhaupt ihrer umgebung umgehen. ob sie dabei immer grüßen, oder einfach nur mal nicken oder in geschlossenen räumen kappen tragen oder nicht ist mir da eher fast bis völlig egal. stress für nichts, nein danke. für den nächsten kollegen sind aber gerade diese dinge der ausdruck von respekt, und ohne geht für ihn gar nicht. sprecht halt in gottes namen miteinander, dann kann man sowas klären. ich würde es für einen vormittag einfach laufen lassen, das wird schon. schlimmstenfalls ärgerst du dich ein bisschen oder die kollegin, aber da muss man doch nicht gleich so ein fass aufmachen?!


    man kann sich auch probleme basteln, wo wirklich keine sind.

    Einmal editiert, zuletzt von kecks ()

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