Hospitationen durch Eltern

  • Ich brauche mal eure Meinung zu folgendem Sachverhalt:


    Der SL kündigte auf eigenen Wunsch einen "Hospitationstag" an und gab Briefe an die Eltern aus mit der Bitte um Anmeldung. Die Anmeldungen gingen teilweise direkt beim SL ein, teilweise auch bei den Klassenlehrern, sollten dann aber abgegeben werden. Wer sich angemeldet hatte, wurde vom SL eingeladen, um eine konkrete Stunde abzusprechen.
    Nun war der Tag zwar bekannt, aber die Hospitationen wurden konkret nicht an die Kollegen weitergegeben, so dass Eltern einfach in Klassen spazierten.
    In einem Fall wusste weder der betroffene Fachlehrer noch der Klassenlehrer, dass Eltern hospitieren. Die Eltern musste der Fachlehrer hereinlassen, da der SL der Meinung war, ein von ihm angesetzter Hospitationstag sei Ankündigung genug. Hat der SL Recht, oder hätte er auch in diesem Fall die Hospitationen mitteilen müssen? Die Stimmung ist deshalb heute etwas suboptimal.

  • Der SL kündigte auf eigenen Wunsch einen "Hospitationstag" an und gab Briefe an die Eltern aus mit der Bitte um Anmeldung.

    Was ist das denn für ein ausgemachter Bullshit den sich eure SL überlegt hat. Welcher Berufsstand kommt noch auf so dumme Idee, das können nur Lehrer sein.
    Ich melde mich demnächst auch im Krankenhaus zum Hospitationstag an, möchte meinem Chirurgen vorher nochmal über die Schulter schauen während einer OP. Und dann laufe ich einen Tag bei meinem Rechtsanwalt mit. Und es wird auch endlich mal Zeit, dass ich in der Bank mit hinter die Kulissen komme und den Tresorraum sehe. Denn immerhin liegt da auch MEIN Geld, also habe ich ja wohl größtes Recht dazu. Außerdem will ich bei einem Gespräch mit Kunden dabei sein, will ja schließlich überprüfen, ob er auch gut berät bei den Krediten.
    Wenn ich sowas lese wie "Hospitationstag" dann könnte ich im Quadrat kotzen. Und nein, mein Unterricht ist nicht schlecht, im Gegenteil, wenn eines im Schulleitergutachten sehr gut wegkam, dann war es mein Unterricht. Trotzdem verwehre ich mich dagegen Eltern im Unterricht sitzen zu haben. Ich latsche auch demnächst mal ins Cockpit eines Flugzeugs und wenn mein großes Blutbild erstellt wird, kreuze ich im Labor auf und möchte live dabei sein. Und wenn meine Steuererklärung bearbeitet wird stelle ich mich demonstrativ direkt hinter den Sachbearbeiter.
    Lehrer sind echt die Deppen der Nation, mit denen kann man es ja machen.

  • Es sei erwähnt, dass es mich heute auch unvorbereitet getroffen hat und ich den SL daraufhin ansprach. Der "watschte" mich regelrecht ab. Auch finden in seinem Beisein Rundgänge durch von den Eltern ausgesuchte Räume statt. Ich bin ehrlich ziemlich sauer.

  • Welcher Berufsstand kommt noch auf so dumme Idee, das können nur Lehrer sein.

    Zur Roche und Novartis kannst Du hier in Basel am Tag der offenen Tür gehen. Natürlich lassen die einen nie die Produktionsanlagen sehen, das geht aus sicherheits- und hygienetechnischen Gründen nicht (das trifft auch auf die von Dir genannten Beispiele Krankenhaus und Flugzeug-Cockpit zu). Wohl aber kannst Du bei der Novartis das High-Throughput-Screening anschauen und das auf Anmeldung sogar jederzeit. Die Idorsia, das Kantonslabor, Feldschlösschen, das Kernkraftwerk in Gösgen oder Leibstadt, etc. etc. besichtigen wir mit Schulklassen im laufenden Betrieb. Wieso sollte es an einer Schule keinen Hospitationstag geben? Auch das habe ich schon mitgemacht. Von einzelnen Tagen bis zu einer ganzen Woche. So what.

  • Auch, wenn es vorab hieß, man werde die Hospitationen mit den Kollegen absprechen, bzw sie informieren? Laut Schulgesetz dürfen Eltern hospitieren, allerdings unter speziellen Auflagen und nur mit einem vorab gelaufenen Gespräch.

  • Na das ist ja was anderes, natürlich muss das Schulgesetz eingehalten werden. Grundsätzlich habe ich aber nichts gegen Hospitationstage. Sehr wohl habe ich aber was gegen Schulleiter die meinen, sich nicht an Vereinbarungen oder - noch schlimmer - geltendes Recht halten zu müssen.

  • Was sagt euer Personalrat dazu?
    Bist du in einer Gewerkschaft? Schreib mal die rechtsberatende Stelle an, wie sie die Situation einschätzen.


    Generell gibt das Hamburger Gesetz das ja schon her - die Frage ist hier wohl, welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt werden!


    Letztlich nutzt es dir nämlich wenig, wenn wir dies genauso unmöglich finden wie du. Ich finde aber, dass das solche Ausmaße hat, das ich das rechtlich mal durchleuchten lassen würde.... :staun:

  • Der Personalrat war selbst betroffen und sauer. Ja, bin in der GEW.
    Ich weiß, dass ihr mir konkret nicht weiterhelfen könnt, aber ich hatte eben das Gefühl, ich müsse platzen :autsch:
    Morgen geht das in die nächste Runde. Kontakt zum PR besteht schonmal.

  • Der Personalrat war selbst betroffen und sauer. Ja, bin in der GEW.
    Ich weiß, dass ihr mir konkret nicht weiterhelfen könnt, aber ich hatte eben das Gefühl, ich müsse platzen :autsch:
    Morgen geht das in die nächste Runde. Kontakt zum PR besteht schonmal.

    Die Rechtsstelle der GEW antwortet i nder Regel ziemlich zügig. Ich würde da einfach mal ne Mail hinschicken, den Sachverhalt schildern und um Einschätzung bitten! Ihr habt doch da bestimmt irgendwelche Mitspracherechte?!

  • Das werde ich machen. Danke!


    Wir wurden informiert, dass der SL das jetzt angesetzt hat. Ich war in keiner Gesamtkonferenz abwesend und erinnere mich nicht an einen Beschluss.

  • Zur Roche und Novartis kannst Du hier in Basel am Tag der offenen Tür gehen. Natürlich lassen die einen nie die Produktionsanlagen sehen, das geht aus sicherheits- und hygienetechnischen Gründen nicht (das trifft auch auf die von Dir genannten Beispiele Krankenhaus und Flugzeug-Cockpit zu). Wohl aber kannst Du bei der Novartis das High-Throughput-Screening anschauen und das auf Anmeldung sogar jederzeit. Die Idorsia, das Kantonslabor, Feldschlösschen, das Kernkraftwerk in Gösgen oder Leibstadt, etc. etc. besichtigen wir mit Schulklassen im laufenden Betrieb. Wieso sollte es an einer Schule keinen Hospitationstag geben? Auch das habe ich schon mitgemacht. Von einzelnen Tagen bis zu einer ganzen Woche. So what.

    Wieder mal ein Beispiel aus der schönen Schweiz ;-) Ich find das immer lustig zu lesen.



    Tage der offenen Tür gibt es hier auch an vielen Schulen, aber das ist ja nochmal etwas ganz anderes als dieser Hospitationstag, wo dann bei einigen Kollegen plötzlich Eltern im Zimmer stehen, ohne dass sie vorher informiert wurden. Das finde ich ein absolutes No-Go.
    Ist auch nicht vergleichbar mit der Besichtigung irgendwelcher Kraftwerke, zu denen man emotional keinen Bezug hat.

  • Ist denn dabei der Datenschutz gewährleistet?
    Ich meine: Was geht es die Eltern von Karl Heinz an, wie Hildegard im Unterricht ist. Plaudern die Eltern dann aus dem Nähkästchen?

    Freundlichkeit ist kostenlos, aber niemals umsonst.

  • Derartige Hospitationen durch Eltern finde ich auch nicht gut.


    Aber wenn ich es richtig verstehe, geht es siohan nicht um die Frage, ob Elternhospitationen oder nicht, sondern nur, ob es ok ist, wenn an dem -bekannt gegebenen- Tag Eltern zu ihm in den Unterricht gehen, die bei ihm nicht angemeldet wurden.


    Wenn wir einen solchen Hospiatationstag hätten, würde ich einfach in allen Stunden darauf gefasst sein, dass jemand vorbeikommen könnte, und fertig ist der Lack.


    Man muss doch nicht aus allem ein Problem machen.

  • Ist auch nicht vergleichbar mit der Besichtigung irgendwelcher Kraftwerke, zu denen man emotional keinen Bezug hat.

    Wer ist den in dem Fall "man"? So lange *Du* keinen emotionalen Bezug hast ist es OK oder wie?



    Tage der offenen Tür gibt es hier auch an vielen Schulen, aber das ist ja nochmal etwas ganz anderes als dieser Hospitationstag,

    Ich weiss und ich meine wirklich "Hospitationstag".



    Und wer das kritisiert, wird mit dem Argument der Transparenz totgeschlagen. Ach ja, und hat natürlich was zu verbergen.

    Nein, das sind keine Totschlagargumente. Ich verstehe wirklich nicht, was das Problem sein soll.



    Wenn wir einen solchen Hospiatationstag hätten, würde ich einfach in allen Stunden darauf gefasst sein, dass jemand vorbeikommen könnte, und fertig ist der Lack.

    Eben. Meine Güte, ich kenne doch meine Schüler. Wenn Eltern hinten drin sitzen sehe ich natürlich zu, dass alle Schüler in der Klasse einigermassen gut wegkommen, logisch will sich keiner blamieren. Wir haben auch einmal pro Schuljahr den Schulrat (= Politiker) zu Besuch. Jo ... egal.

  • Hä? Du hast mich völlig missverstanden.


    Also: Ich glaube nicht, dass du hinterher zum Kraftwerkbetreiber gehen würdest und dich darüber beschwerst, dass Kühlelemente unfair behandelt werden, oder dass du im Bekanntenkreis darüber sprichst, ob und wie gut der Arbeiter seinen Job gemacht hat, ob er zu oft schimpft, ob Unruhe herrscht, ob der Arbeitsplatz aufgeräumt war.
    Szenarien, die ich mir bei Hospitationen in der Schule durchaus vorstellen kann. Ich habe selbst Kinder, ich weiß genau, wie nachmittags über Lehrer gesprochen wird.


    Das meinte ich mit emotionalem Bezug. Den haben nämlich alle Eltern zur Schule, ich wage zu behaupten insbesondere die, die sich zum Hospitationstag anmelden. Und da wäre es schön, wenn man sich zumindest drauf einstellen und vorbereiten könnte.


    Dachte eigentlich, das sei verständlich. Aber nun habe ich es nochmal erklärt.


    Datenschutz ist auch ein Thema. Bei uns muss jeder, der in die Klasse kommt, eine Schweigepflichtserklärung unterschreiben. Nur darauf zu achten, dass "alle Kinder einigermaßen gut wegkommen" reicht da nicht aus.

  • Das nun gewiss nicht. Ich habe tatsächlich weder ein Problem mit Elternhospitationen noch mit solchen Hospitationstagen. Leider ist der aktuelle Trend bei uns, dass fast nichts beschlossen aber vieles bestimmt wird. Auch bei Dingen, die durch die Konferenz müssen. Die Stimmung wird zunehmend schlechter und die Nerven dünner. Und wir arbeiten an einer Brennpunktschule mit gelinde gesagt nicht einfacher Schülerschaft. Also ja, es ist ein Problem. Und leider eins von vielen.

  • Diese Richtlinien für die Mitarbeit von Eltern in der Grundschule (Hamburg) sind zwar auf 1978 datiert, aber vielleicht immer noch in diese Form gültig. Darin ist die Rede von "Hospitationen der Eltern im Unterricht (als besondere Veranstaltung, als regelmäßige "offene Schultür"" oder geregetlt durch Wochenstundenplan)." Du schreibst, der Tag war bekannt.
    Wenn die Richtlinie noch gültig ist, könnte es schon sein das die SL hier im Recht ist.


    Gruß
    Nitram

  • Leider ist der aktuelle Trend bei uns, dass fast nichts beschlossen aber vieles bestimmt wird.

    Das ist natürlich Mist und da regst Du Dich vollkommen zurecht auf.



    Und da wäre es schön, wenn man sich zumindest drauf einstellen und vorbereiten könnte.

    Kann man doch, wenn es rechtzeitig angekündigt wird.



    Also: Ich glaube nicht, dass du hinterher zum Kraftwerkbetreiber gehen würdest und dich darüber beschwerst, dass Kühlelemente unfair behandelt werden, oder dass du im Bekanntenkreis darüber sprichst, ob und wie gut der Arbeiter seinen Job gemacht hat, ob er zu oft schimpft, ob Unruhe herrscht, ob der Arbeitsplatz aufgeräumt war.

    Jetzt mal weg von den "unfair behandelten Kühlelementen" ... doch, ich habe nach Exkursionen auch schon Kritik geäussert. Meist denke ich mir aber aus Höflichkeit "naja ... ist auch egal". Genauso wie Eltern und Schüler mir gegenüber jederzeit Kritik äussern dürfen und in der Regel auch genug Anstand mitbringen um nicht Korinthen zu kacken. Wir pflegen speziell hier im Schulhaus einen sehr offenen Umgang in alle Richtungen. Direkt bei der Schulleitung "petzen" ist eigentlich das Einzige, worauf ich absolut allergisch reagiere. Meine Schulleitung zum Glück aber auch.

  • Wieder mal ein Beispiel aus der schönen Schweiz

    Übrigens: nein. Du kannst auch bei der BASF in Ludwigshafen die Produktionsanlagen anschauen, wenn Du das denn möchtest und Dich dafür anmeldest.

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