ZDF-zoom: Was in Schule schiefläuft

  • https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzoom
    alternativ:
    https://www.youtube.com/watch?v=KnbCEjagRKU


    Zur gestrigen Sendung habe ich mal eine Frage:
    Solche Unterrichtssituationen wie bei 2:30 min und bei 6:00 min entstehen nur, weil dort keine starken Lehrer mit konstruktiver Grundhaltung (nach Hattie) vor der Klasse stehen? Soll dies die Schlussfolgerung der Sendung sein?
    Alternativ gefragt: Was hätten die Kollegen machen sollen, damit der Unterricht so fluppt, wie bei 22:30 min in Australien gezeigt?

  • Konkrete Rückfrage: was genau hätte ein „starker Lehrer mit konstruktiver Grundhaltung (nach Hattie)“ in diesen Situationen genau getan? Bitte keine Platitüden wie „konsequent reagiert“ oder „durchgegriffen“. Bitte eine Antwort mit konkreter Hattiehandlung in diesen Beispielsituationen.


    Ich möchte nämlich mal verstehen, was der „starke Lehrer mit konstruktiver Grundhaltung (nach Hattie)„ eigentlich genau ist, wenn nicht einfach so ne leere Worthülse wie sie meist so in der Gegend rumgeblasen werden.


    Harre gespannt....

    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.

  • Bin noch nicht fertig mit dem Anschauen, aber ein Satz von ziemlich am Anfang (1:10 rum) ist mir schon mal aufgefallen: "wir alle wollen gute Bildung für unsere Kinder" ... Wirklich? Ich erlebe immer mehr, dass die Inhalte den Eltern völlig egal sind, es ist egal, ob das Kind Englisch kann oder nicht - die Note (und das bedeutet hier: die Berechtigung für das weitere Vorrücken, im Endeffekt der Schein zum Studium) ist das Wichtige. Abitur schaffen und studieren dürfen, das ist das Entscheidende - nicht, ob man auch eine Abitur-angemessene Bildung mit bekommt.
    Ich kann da jetzt nur für "mein" Gymnasium schreiben, evtl. ist es an anderen Schulen/Schularten im Prinzip ähnlich - Jedenfalls häuft sich die Zahl der Eltern, die sich wegen (meist eingebildeter) Formfehler beschwert und dabei ist es egal, in welcher "Qualität" das Kind die Aufgaben gelöst hat. Es gibt auch genügend Eltern (da müsste ich jetzt genauer hinschauen, ob es mehr geworden sind), die koste es, was es wolle (und wenn's das Wohl des Kindes ist), das Abitur für ihr Kind wollen, und wenn das Kind noch so überfordert ist.
    Evtl. sieht man das in Australien (oder anderswo) noch etwas entspannter.


    Edit: und weiter: "Was im System falsch läuft" ... ohne Zweifel knarrt es im System ... aber ich glaube (siehe oben), es knirscht in der ganzen Gesellschaft: Anstrengungsbereitschaft? Einen gesunden Ehrgeiz (und zwar nicht, den Ehrgeiz, möglichst weit zu kommen und viel zu verdienen, sondern den Ehrgeiz, eine gestellte Aufgabe einfach auch mal so gut man es kann - und nicht nach der "passt scho" - Maxime - zu erledigen)? Interesse an (Bildungs-)Inhalten? Unterstützung der Lehrer/Schule (oder ist der Lehrer/die Schule eher das Hindernis, das dem Aufstieg des Kindes im Weg steht)?
    Seit Jahren wird doch von (manchen) Eltern(verbänden) ein stetiger Druck ausgeübt, dass an den Schulen eine Reform nach der anderen durchgeführt wird, ohne dass man der vorherigen mal genügend Zeit gibt, wirksam zu werden, sich einzuspielen. "Funktioniert nicht", also nächste (überhastete) Reform. Ergebnis: Vertrauen in das Bildungssystem (und den Lehrer) ist weg.


    Noch eine Anmerkung: Wenn's bei mir so unruhig wäre, gäbe es eine andere Sitzordnung ... generell finde ich eine Sitzordnung, bei der ein beträchtlicher Teil der SuS seitlich oder sogar mit dem Rücken zum Lehrer sitzt nicht gut ... (aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich ein konservativer alter Sack bin, der durchaus auch lehrerzentrierten Unterricht macht).


    Die Kinder zappeln, können kaum still sitzen: Evtl. soll (muss) die Schule hier wieder etwas leisten, das früher das Elternhaus geleistet hat? Und weil das immer mehr wird, bleibt die Zeit für die eigentliche Förderung / Bildung auf der Strecke? Wie viele dieser zappeligen Kinder haben ein Smartphone und eine Flatrate und nutzen es ohne Zeitlimit? Oder einen Computer im eigenem Zimmer? Ja, eine Entwicklung unserer Zeit - aber die muss ja nicht inhärent positiv sein.


    "Kinder, die kaum Deutsch verstehen" ... gibt's das entsprechend in Australien auch?


    "Es geht nicht um Inhalte, es geht um Sozialverhalten" (so die Schulleiterin): Siehe oben ... Ich hab schon das Gefühl, dass in anderen Ländern, in denen Schule (angeblich) besser funktioniert (Australien kenne ich jetzt nicht), das Sozialverhalten schon in den Familien wichtiger genommen wird. In vielen Familien in meiner Gegend ist das (Einzel)Kind der Prinz/die Prinzessin und Kritik am Kind (oder noch schlimmer: dem Kind - wenn auch nur emotional - weh tun, auch durch eine schlechte Note) ist Majestätsbeleidigung (für Eltern und Kind).

  • "Ich habe 5 Kinder in der Klasse wo Deutsch nicht die Muttersprache ist." Ja mei. In meiner eigenen Klasse trifft das auf knapp die Hälfte der Schüler zu. Das ist nicht das Problem der Kinder, die dieser Film zeigt. Deren Problem sind auch nicht Tabletten und psychotherapeutische Behandlung. Auch von dieser Sorte habe ich unter meinen Jugendlichen einige. Ziel solcher Massnahmen ist ja, dass es den Kindern bzw. Jugendlichen damit besser geht sonst ist die Behandlung einfach schlecht. Es ist aus meiner Sicht recht einfach zusammenzufassen: Die sind samt und sonders schlecht erzogen bzw. vermutlich einfach gar nicht erzogen.



    Solche Unterrichtssituationen wie bei 2:30 min und bei 6:00 min entstehen nur, weil dort keine starken Lehrer mit konstruktiver Grundhaltung (nach Hattie) vor der Klasse stehen?

    Nö. Der Kollege kann überhaupt nichts für die Situation und er kann sie auch nicht ändern. Ändern können das die Eltern und so lange kann man dem Kollegen nur empfehlen jeden der stört konsequent rauszuschmeissen. Und wenn am Ende die Hälfte der Klasse in Gewahrsam geht, so what. Unterricht ist das eh nicht.


    Es ist ein deutsches Problem und es ist ein gesellschaftliches Problem.



    Ich hab schon das Gefühl, dass in anderen Ländern, in denen Schule (angeblich) besser funktioniert (Australien kenne ich jetzt nicht), das Sozialverhalten schon in den Familien wichtiger genommen wird.

    Ich habe nicht nur das Gefühl, ich weiss es. Und streich das "angeblich".

  • Und wenn am Ende die Hälfte der Klasse in Gewahrsam geht, so what.

    In Deutschland landen Lehrer, die Schüler "in Gewahrsam nehmen" vor Gericht. Man denke an den Lehrer, der sich auf einen Stuhl vor den Ausgang aus dem Klassenraum setzte, um die Schüler erst herauszulassen, nachdem sie das Chaos im Klassenraum aufgeräumt hatten.


    Er wurde zwar freigesprochen, aber so einen Stress tut sich keiner freiwillig an. Der nächste eifrige Staatsanwalt steht schon in den Startlöchern.


    Gruß !

  • Man denke an den Lehrer, der sich auf einen Stuhl vor den Ausgang aus dem Klassenraum setzte, um die Schüler erst herauszulassen, nachdem sie das Chaos im Klassenraum aufgeräumt hatten.

    Das meinte ich auch nicht. Ich schrieb "rausschmeissen", nicht "einsperren". Bei den Kleinen gilt dann aber immer noch die Aufsichtspflicht, nicht?

  • Habe den Bericht auch gesehen. Bzgl. der australischen Schule war ich mir nicht sicher, aber war das nicht eine katholische Privatschule?
    Kann man eine solche Schule mit einer "normalen, staatlichen" australischen Schule vergleichen? Ich bin da nicht so bewandert, daher meine Nachfrage.

    Ich bin Grundschullehrer, ich muss nicht die Welt retten!!!

  • Wurde das im Film erwähnt? Wenn ja, hab ich es verpasst. Ich kann Dir nur sagen, dass ich an einer staatlichen Schule arbeite und dass hier bei uns überhaupt die grosse Mehrheit aller SuS an staatliche Schulen geht, deren Ruf auch erheblich besser ist, als der der privaten Schulen. Szenen wie die aus dem Film (also die an der deutschen Grundschule) sind mir hier noch nie untergekommen. Weder bei uns am Gymnasium, noch in Schulhäusern die die Mittelstufe mit dabei haben, noch an der Berufsschule und auch nicht auf dem Pausenhof der Primarschule, die bei uns direkt gegenüber ist.

  • @ Wollsocken
    Ich meine die Schule hießt St. Bernards... Wie gesagt, nur eine Frage...
    Ich vermute, in der Schweiz läuft auch noch einiges anders als bei uns...

    Ich bin Grundschullehrer, ich muss nicht die Welt retten!!!

  • Szenen wie die aus dem Film (also die an der deutschen Grundschule) sind mir hier noch nie untergekommen. Weder bei uns am Gymnasium, noch in Schulhäusern die die Mittelstufe mit dabei haben, noch an der Berufsschule und auch nicht auf dem Pausenhof der Primarschule, die bei uns direkt gegenüber ist.

    also mir sind solche Szenen schon untergekommen, habe es schon selbst so ähnlich erlebt. Es steht und fällt mit der Erziehung der Eltern.

  • Das tut mir leid für Dich. Ich habe inkl. Ausbildung 10 Schulhäuser und 3 verschiedene Schulformen in 5 Kantonen von Innen gesehen und ich schwöre Dir, sowas habe ich kein einziges mal erlebt.

  • Man wächst mit seinen Aufgaben :) ... Ich war einfach schockiert, was 6jährige schon so drauf haben können.
    jetzt ist es ruhiger, anderes Viertel. Ansonsten stelle ich bis jetzt einen Unterschied zwischen Stadt und Land fest.

  • Ich meine die Schule hießt St. Bernards...

    Ah ... ja, dann mag es durchaus sein, dass es eine Privatschule ist. Viel spannender finde ich aber die Frage: Wie haben die das auf dem Rütli-Campus hinbekommen? Schlussendlich müssen die ja mit den gleichen unerzogenen Kindern und Jugendlichen arbeiten. Wahrscheinlich kann man dem Spuk nur Herr werden, wenn man sich einmal konsequent hinstellt und sagt "Nö. Da mach ich jetzt nicht mehr mit."



    Ansonsten stelle ich bis jetzt einen Unterschied zwischen Stadt und Land fest.

    Jau ... das ist so. Ich hab die Jugendlichen in Basel insgesamt deutlich abgelöschter erlebt als unsere Landeier. Wirklich schwierig waren die aber auch nicht.

  • Jau ... das ist so. Ich hab die Jugendlichen in Basel insgesamt deutlich abgelöschter erlebt als unsere Landeier. Wirklich schwierig waren die aber auch nicht.

    Vielleicht liegt es auch an der Stufe....das 1. Mal in so einem Klassenverband überfordert viele und das Eintrittsalter wird immer jünger...."mein" schwieriger Junge wird jetzt als schüchtern beschrieben in der 1. Klasse... abgesehen von Einzelfällen und Situationen empfinde ich meine Klasse auch nicht als schwierig. Ich habe so Szenen erlebt, aber punktuell nicht übers ganze Jahr.

  • Weisst Du ... ich glaube, die Kolleginnen und Kollegen im Kindergarten und an den Primarschulen leisten bei uns grossartige Arbeit. Ich sehe ja, was bei mir ankommt. Und wenn meine Jugendlichen so erzählen, wie es an der Primar gelaufen ist ... ich glaube die bekommen da ganz schön auf die Finger (im übertragenen Sinne natürlich). Das geht aber eben nur, wenn alle Beteiligten hinter diesem Prinzip stehen und der einzelnen Lehrperson in der Unterstufe der Rücken freigehalten wird. In der Doku aus Deutschland haben ja Kollegen darüber berichtet, wie sie regelrecht bedroht werden, wenn sie Probleme ansprechen. So wird das nichts.

  • Das Lehrercasting hat mich beeindruckt...


    Ansonsten ist es mal wieder äußerst sinnvoll, eine deutsche Brennpunktschule mit einer katholischen Grundschule zu vergleichen. Kann man wieder toll zeigen, wie unfähig doch die deutschen Lehrer sind.

  • Das Lehrercasting hat mich beeindruckt...

    Bringt nur wenig bis garnicht, da das ganze freiwillig ist...

    „Bildung ist die mächtigste Waffe, die du verwenden kannst, um die Welt zu verändern!“ - Nelson Mandela

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