Wie macht ihr das mit Ramadan?

  • bisher ist noch keiner am Fasten gestorben.

    Belastbare Daten dazu finde ich wo?


    Aber auch dann finde ich den Maßstab etwas verschoben. Die Implikation, dass man Kindern alles zumuten könne, bei dem sie nicht sterben, finde ich schon etwas drüber.


    Ein wesentlicher Punkt beim Ramadan-Fasten, wie es überwiegend beschrieben wird, ist die Verweigerung der Aufnahme von Flüssigkeit. Das ist schon etwas anderes als nichts zu essen, das kann der Körper besser ab. Ist es nur Zufall, dass bei Fasten-Konzepten, die der Gesundheit dienen sollen, ein Punkt die reichliche Flüssigkeitsaufnahme ist?


    Die hier immer wieder beschriebenen Probleme beim Ramadan hängen eng mit dem Nicht-Trinken zusammen. Das ist für einen kindlichen Körper nicht ohne. Mittlerweile ist es wohl an den meisten Schulen erlaubt, während des Unterrichts zu trinken. Warum wohl?

  • Wir ignorieren es, denn ein Fasten in der Grundschule unterstützen wir nicht.
    Lediglich zum Zuckerfest ist kaum ein Schüler da, sonst gibt es genauso viel Geburtstagstorte usw. wie sonst auch in der Zeit, denn die meisten Eltern haben es langsam verstanden.


    Nur eine Schülerin fehlt aktuell ständig beim Schwimmen, weil sie sagt sie ist zu schwach zum Schwimmen. Nunja, mein oder ihr Problem, ich habe Schwimmabzeichen, sie immerhin das Seepferdchen, aber dann lernt sie eben nicht mehr.

  • sind vom Fasten befreit. Wenn die Eltern das nicht so sehen, würde ich ihnen einmal den Lehrer für islamische Religion vorbeischicken....

    Die Idee, dass es genau eine richtige Interpretation einer Religion gibt, wirst du nicht durchsetzen können. Über Jahrhunderte haben sich die Menschen die Köppe eingeschlagen, weil jeder meinte, nun aber ganz genau zu wissen, wie dieser oder jener Aspekt der Religion nun aber zu verstehen sei. Im Rahmen der Brexit-Diskussion ist gerade Nord-Irland wieder ein Thema. Erinnert sich da keiner mehr dran?


    Mich interessiert nicht, was in einem dicken Buch steht und wer den Anspruch erhebt, es verstanden zu haben. Mich interessieren die Auswirkungen im realen Leben. Wer Kinder nötig, nichts zu essen und zu trinken, kann sich nicht auf einen alten Text berufen. Er muss sich schon dafür rechtfertigen, was er seinem Kind im real antut.


    Oder wie wäre es, wenn jemand mit einem dicken Buch aufsteppt, in dem steht, dass Kinder zwischen 6 und 14 fasten müssen? Wäre das dann ok, weil das in der Religion so festgelegt ist?

  • Natürlich. Jetzt bin ich gleich rassistisch weil ich aus Zeitgründen die schreibe, statt sie.


    Man kanns auch übertreiben. :autsch:
    Entschuldige bitte, dass ich nicht geschrieben habe "die Menschen, die einen muslimischen Glauben haben" oder "sie", aber ich habe neben dem Forum auch noch einen Haushalt, einen kleinen Sohn, der zu der Zeit nebenan im Wohnzimmer gespielt hat und viele andere Verpflichtungen.
    Da muss man aus die oder sie kein Drama machen, wenn jemand aus Zeitgründen nicht 3 Seiten genaue Bezeichnungen verwendet und das nicht aus böser Absicht tut.


    Du kannst dich jetzt auch noch 3 Seiten über meinen Verschreiber aufregen. Steht dir ja frei.

  • Natürlich. Jetzt bin ich gleich rassistisch weil ich aus Zeitgründen die schreibe, statt sie.

    Ganz offensichtlich hast du nicht verstanden, worum es dabei geht. Kann ich aber auch nicht ändern. Du verteidigst dich hier gegen eine Behauptung, die niemand aufgestellt hat. Ich spare mir jetzt die Kaugummi-Automaten-Züchologie.


    Du kannst dich jetzt auch noch 3 Seiten über meinen Verschreiber aufregen.

    Es ging nie um einen Verschreiber, sondern um die Wahrnehmung von Kultur.

  • Stehst du irgendwie auf Intrigen oder Stunk in diesem Forum? Ich frage nur, denn dieses hin und her, das aktuell doch sehr an die Kindergartenzeit meines Sohnes erinnert bringt nichts.


    Lass gut sein.

  • ich frage mich inzwischen, warum du das in einem Lehrerforum ansprichst? Hast du dieses Dilemma denn?

    Ja hab ich, wenn auch nicht mit diesem Kind. Einmal die Woche trainiere ich eine Gruppe von Kindern beim Handball und da sind auch Kinder mit Migrationshintergrund dabei, um die ich mich sorge.

  • Ich glaube, dass das viele sich sorgen Teil des Problems ist. Wir sorgen uns hier nicht so sehr und haben irgendwie viel weniger Probleme mit all diesen pseudo-religiös-kulturellen Dingen. Ich trainiere 3 x die Woche in der Taekwondo Schule Basel in Kleinhünigen. Im Kleinbasel, zu dem auch das Quartier Kleinhüningen gehört, sind die Moslems die grösste Glaubensgemeinschaft mit einem Anteil von über 20 %. Gerade im Kindertraining haben wir einen Migrantenanteil von sicher 80 % und das findet auch während des Ramadans ganz regulär statt. Unser Trainingsraum ist so beschissen belüftet dass wir im Sommer sowieso alle zusammen regelmässig den Hitzetod sterben. Da brauchen wir gar keinen Ramadan dafür.

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • Ja hab ich, wenn auch nicht mit diesem Kind. Einmal die Woche trainiere ich eine Gruppe von Kindern beim Handball und da sind auch Kinder mit Migrationshintergrund dabei, um die ich mich sorge.

    Die Kinder kommen freiwillig zum Training. Und zu den Nutzungsregeln hier zählt, dass man zumindest Lehramt studiert. Darauf zielte meine Frage ab ;)

  • Bei uns in der Schule merkt man den Ramadan schon, vor allem dann, wenn es heiß ist.
    Zu viele Schüler sind auch dermaßen engstirnig, dass sie das Fasten über alles stellen und dann nur schlechte Leistungen in den Klausurphasen erbringen.


    Hallo Josh,


    kann ich bestätigen. Ich bin froh, wenn die Fastenzeit am 3. Juni vorbei ist. Viele Schüler sind deutlich unmotivierter im Unterricht, unruhiger und vor allem: Die (kleinen) Fehlzeiten durch Übelkeit, Baukrämpfe etc. ist exorbitant hoch zur Zeit.


    Da wir viele Schüler mit muslimischem Hintergrund haben, wirkt sich das schon spürbar aus. Mir scheint, dass vor allem das Trinkverbot problematisch ist und insofern war es sicherlich nicht von Nachteil, dass der diesjährige Fastenmonat von den Temperaturen her nicht zu heiß ausfiel.


    Ändern werden wir daran nichts (können) und das ist auch nicht notwendig. Eine multikulturelle Gesellschaft muss dem mit Verständnis und Weitsicht begegnen, nicht zu verwechseln aber mit Teilnahmslosigkeit.


    So ist mir aufgefallen, dass viele Schüler eher strenge Vorgaben von daheim mitbringen und die eigentlich recht liberalen Vorschriften (die Ausnahmen bei harter Arbeit oder gesundheitlichen Problemen) gar nicht auf dem Schirm haben. Hier wäre ggf. etwas schulische Aufklärung möglicherweise sinnvoll, auch um gesundheitliche Gefahren zu minimieren.


    der Buntflieger

  • So ist mir aufgefallen, dass viele Schüler eher strenge Vorgaben von daheim mitbringen und die eigentlich recht liberalen Vorschriften (die Ausnahmen bei harter Arbeit oder gesundheitlichen Problemen) gar nicht auf dem Schirm haben. Hier wäre ggf. etwas schulische Aufklärung möglicherweise sinnvoll, auch um gesundheitliche Gefahren zu minimieren.

    Stimmt, da wäre es hilfreich denke ich ein Angebot an Islamunterricht als Alternative zum christlichen Religionsunterricht endlich nicht nur an Modellschulen (BW) zu haben. Denn solche SuS (geschweige denn die Familien) wird man wahrscheinlich als Außenstehender der Religion kaum belehren können. Das Wort eines islamischen Theologen kann (nicht muss) da mehr Gewicht haben. Zumindest schadet mehr echtes Wissen über den eigenen Glauben an der Stelle sicherlich nicht.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Zumindest schadet mehr echtes Wissen über den eigenen Glauben an der Stelle sicherlich nicht.

    Wissen über richtiges Glauben... ein Paradoxon.

  • Wissen über richtiges Glauben... ein Paradoxon.


    Hallo Krabappel,


    das ist kein Paradoxon. CDL fordert ja nicht, dass Glaubensprinzipien durch empirisch gesichertes Wissen ersetzt oder dadurch gestärkt werden sollten, sondern dass das Wissen über religiöse Regeln verbessert werden könnte. Auch innerhalb eines Glaubens gibt es viel Wissen (qualitativ im Sinne von Informationen/Dogmen/Interpretationen etc.).


    Problematisch ist dabei natürlich, dass dieses Wissen unterschiedlich (liberaler oder restriktiver) ausgelegt wird. Offensichtlich für mich ist, dass muslimische Schüler während der Fastenzeit vom Verhalten her auffälliger sind als sonst. Das widerspricht aber dem religiösen Gebot, wonach die Selbstbeherrschung durch das Fasten gestärkt werden soll. Offenbar können das Jugendliche so noch nicht umsetzen, sie sind überfordert und hier könnte man evtl. ansetzen: Mit den Eltern ggf. darüber sprechen, dass die nötige Reife (obwohl vielleicht rein physisch schon in der Pubertät befindlich) noch nicht vorliegt und das Fasten den erwünschten Reinigungseffekt verfehlen könnte.


    der Buntflieger

  • Hier wäre ggf. etwas schulische Aufklärung möglicherweise sinnvoll, auch um gesundheitliche Gefahren zu minimieren.

    Nun, man müsste ja insbesondere auch die Eltern belehren.


    Stimmt, da wäre es hilfreich denke ich ein Angebot an Islamunterricht

    Hm? Ich wäre da eher bei Biologie, Gesundheits- oder Ernährungslehre. Was genau hat denn Islam da zu bieten? Entstammt nicht genau dem die Idee, man solle nichts trinken?


    Das Wort eines islamischen Theologen kann (nicht muss) da mehr Gewicht haben.

    Ja, genau. Da muss mal jemand den Kindern erklären, dass ihre Eltern ihre Religion falsch machen. Natürlich erklärt das ein Experte, der über das Wissen über die einzig richtige Interpretation verfügt. Top Idee.


    Zumindest schadet mehr echtes Wissen über den eigenen Glauben an der Stelle sicherlich nicht.

    Was soll dass sein? Wissen über den Glauben? Religion enthält immer den Widerspruch, dass die Festlegungen willkürlich sind, dann aber von den Gläubigen auch bis aufs Blut verteidigt werden. Ich halte es für einigermaßen schwierig bis unmöglich, Leuten zu erklären, dass sie etwas Falsches glauben.


    das ist kein Paradoxon. CDL fordert ja nicht, dass Glaubensprinzipien durch empirisch gesichertes Wissen ersetzt oder dadurch gestärkt werden sollten, sondern dass das Wissen über religiöse Regeln verbessert werden könnte. Auch innerhalb eines Glaubens gibt es viel Wissen (qualitativ im Sinne von Informationen/Dogmen/Interpretationen etc.).

    Ich weiß nicht, ob das 'Ruminterpretiere den Status von Wissen erreicht. Ist aber auch Wurscht. Eltern haben eine Verantwortung für ihre Kinder. Wenn ein Glaube ihnen sagt, dass sie dieser Verantwortung nicht nachkommen sollen, dann ist der Glaube falsch. Ich sehe nicht, dass das Hin- und Her-Interpretieren des Glaubens da so viel bringt, wenn man nicht einsieht, dass die Flüssigkeitsverweigerung der Gesundheit nicht zuträglich ist.


    Da wäre ich dann schon dafür, geglaubten Unfug durch Fakten zu ersetzen.

  • Ich hatte schon beim letzten Mal als du meine entsprechenden Aussagen in dieser Weise kommentiert hast verstanden O.Meier, dass du Religionsunterricht für Unfug hältst. Kann man so sehen, muss man aber ja nicht. Dem interkulturellen Dialog hilft es meiner persönlichen Erfahrung (aus der Migrationsarbeit) nach an dieser Stelle jedenfalls keinesfalls, wenn man sich auf diesen Standpunkt stellt. Auch das kann man natürlich anders sehen, ich handle auf der Basis meiner Arbeitserfahrung in diesem Bereich und mache sehr gute Erfahrungen im Arbeitsalltag damit, weil bestimmte Schüler sich mir gegenüber anders öffnen, anders das Gespräch suchen und dann aber teilweise durchaus auch offen sind für Hinweise meinerseits z.B. bzgl.Trinken im Hochsommer in der Prüfungszeit, weil sie umgekehrt wahrnehmen, dass ich ihrem Glauben wertschätzend gegenübertrete. Mir ist das im Ergebnis wichtiger.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

    Einmal editiert, zuletzt von CDL ()

  • Ich hatte schon beim letzten Mal, als du meine entsprechenden Aussagen in dieser Weise kommentiert hast, vestanden O.Meier, dass du Religionsunterricht für Unfug hältst.

    Ich kann mich nicht entsinnen, dass das meine Wortwahl war, aber OK, soweit weg ist das nicht von meinen Thesen. Es ist vielmehr so, dass mir bisher noch niemand erklären konnte, wozu denn der konfessionsbezogene Religionsunterricht bei der Bildung junger Menschen beiträgt. Aber das führt uns vielleicht etwas weiter weg.


    Hier geht es darum, dass konfessionsbezogener Religionsunterricht etwas gegen religiös motivierte Misshandlungen nutzen soll. Kann sein, dass das funktioniert, ich weiß es nicht. Ich verstehe nicht, wie das gehen soll. Für die Einsicht in eine gesunde Ernährung, einschließlich regelmäßiger Flüssigkeitsaufnahme, halte ich jedoch andere Fächer für geeigneter. Die gibt es schon bzw. könnten leicht eingeführt werden, ohne dass man sich noch mit einer Religionsgemeinschaft abstimmen muss.


    dass ich ihrem Glauben wertschätzend gegenübertrete.

    Um etwas wertschätzen zu können, müsste man darin einen Wert erkennen. Da tue ich mich bei den meisten Religionen schwer. Bei der Vernunft entgegenstehenden Aspekten etwas schwerer.


    Letztendlich möchte ich aber mit z. B. Schülern nicht über ihren Glauben sprechen. Jeder soll glauben, was er will, und mich bitteschön damit in Ruhe lassen. Ich muss keine Meinung zu einem Glauben haben. Ich nehme zur Kenntnis, wenn einer einen hat. Ich muss das alles nicht irgendwie finden. Bzw. habe ich oft eine Haltung dazu, aber ich muss die ja nicht äußern. So ist dann die Ignoranz meine Wertschätzung. Das ist mehr als man von anderen bekommt, die z.B. anderen erklären wollen, wie deren Religion eigentlich funktioniert. Das finde ich wenig wertschätzend.

  • Stimmt, da wäre es hilfreich denke ich ein Angebot an Islamunterricht als Alternative zum christlichen Religionsunterricht endlich nicht nur an Modellschulen (BW) zu haben. Denn solche SuS (geschweige denn die Familien) wird man wahrscheinlich als Außenstehender der Religion kaum belehren können. Das Wort eines islamischen Theologen kann (nicht muss) da mehr Gewicht haben. Zumindest schadet mehr echtes Wissen über den eigenen Glauben an der Stelle sicherlich nicht.

    Bei uns sind leider die muslimischen Religionslehrer selbst das Problem. Von liberal keine Spur, eher motivieren Sie junge Schülerinnen dazu, das Kopftuch aufzusetzen.

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