Zusammenarbeit mit Förderlehrer

  • Hallo,


    ich haben zum Halbjahr ein Inklusionskind (Förderschwerpunkt Hören) in meine Klasse bekommen, das laut Angaben und Zeugnis der abgebenden Schule im Unterricht sehr gut klarkommt. Vor kurzem meldete sich bei mir der neue Förderlehrer (nicht die Lehrkraft aus der abgebenden Schule - die Familie ist umgezogen) mit einer strammen To-do-Liste, die ich als Klassenlehrerin abarbeiten soll. Dazu gehört auch das Einberufen von mehreren Besprechungen (mit mir, den Eltern, einzelnen Kollegen, dem ganzen Klassenteam, der Schulleitung, der Sozialarbeit, alles nachmittags zusätzlich zum Alltagsgeschäft), die Erstellung eines ausführlichen Förderplans (nach seinen Anweisungen) und der Rundlauf weiterer Dokumente beim Kollegium, die Weiterleitung seiner Anliegen an Kollegen, eine (wie er möchte) verpflichtende Fortbildung (nachmittags) für alle unterrichtenden Lehrer der Klasse und noch einiges mehr. Außerdem hat er schon eine sehr genaue Vorstellung, welche Maßnahmen hinsichtlich des Kindes im Vgl. zur abgebenden Schule geändert werden sollen, obwohl er noch gar keinen Kontakt zum Kind selbst hatte. Ich möchte mir eigentlich erst einmal selbst einen Eindruck von dem Kind machen, aber das wird von ihm, so mein Eindruck, als Missachtung seiner Kompetenz gedeutet. Daher meine Frage: Wie habt ihr zu Beginn der Zusammenarbeit die Kooperation organisiert? Gab es Absprachen oder eine Art "Geschäftsverteilungsplan"? Ich komme mir im Moment eher wie der Laufbursche des Kollegen vor.


    Herzliche Grüße Eugenia

  • Der Kollege ist natürlich nicht weisungsbefugt. Ich würde ihm einen Gesprächstermin anbieten (z.B. wenn du das Kind kennengelernt hast) und dann gemeinsam planen, was ihr beide für sinnvoll haltet.


    Ich kenne es umgekehrt: wir werden angefordert und dann wollen die Grundschulen keine Zusammenarbeit. Es ist eins der Hauptprobleme von Inklusion: mangelnde Aufgabenbeschreibungen und ungeklärte Zuständigkeiten. Bis sowas existiert müssen wir uns als Kollegen arrangieren.

  • Es ist doch gut, dass der Förderlehrer einen Plan und konkrete Vorstellungen hat, wie das Kind optimal zu fördern ist. Das ist doch eigentlich das, was wir uns an Unterstützung sonst immer wünschen.


    Es ist nur deshalb ungewohnt, weil wir es oft nicht bekommen. Versuch es nicht als Angriff auf deine Position/Kompetenz zu verstehen.


    Wir hatten eine nahezu identische Situation mit einem I-Kind mit Förderschwerpunkt Sehen. Daraus hat sich eine sehr professionelle Zusammenarbeit ergeben, von der alle Beteiligte profitiert haben. Natürlich führte es am Anfang zu etwas Mehrarbeit. Auch wir hatten am Anfang das Problem, dass wir die Zusammenarbeit mit externen Profis, die wirklich wissen, was zu tun ist und konkrete Vorschläge haben, garnicht kannten.

  • kodi: Ich sehe es nicht als Angriff auf meine Position, ich sehe nur, dass der Kollege offenbar der Auffassung ist, er ordnet an und wir spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle. Eine Kollegin, die ihn schon etwas länger kennt, meinte, die Mehrarbeit dauert bei ihr nun schon ein Jahr an - mit permanenten Mails, Änderungswünschen im Monatstakt, wenig Zusammenarbeit, viel Anordnung. Für eine wirkliche Zusammenarbeit mit einem externen Profi bin ich ja offen, aber der Profi müsste sich dann auch bewusst machen, dass wir nicht nur ihn bei unseren Terminen berücksichtigen, und uns irgendwie ernst nehmen mit unserer Kompetenz und den Zwängen, denen wir unterliegen. Die Kollegen haben sehr deutlich gemacht, dass sie keinen Konferenz-Marathon mitmachen werden, und ich sitze zwischen den Stühlen.

  • Die Kollegen haben sehr deutlich gemacht, dass sie keinen Konferenz-Marathon mitmachen werden, und ich sitze zwischen den Stühlen.

    Naja zumindest das Problem kannst du an deine SL abgeben.


    Wenn die Zusammenarbeit mit dem Förderkollegen wirklich so einseitig ist, dann ist das sehr schade und frustriert vermutlich alle Beteiligten.

  • Bei uns hat man 1x im Jahr Anspruch auf eine Beratung gleichzeitig mit Eltern und ggf. SL an einem Tag, an dem der FöS-Kollege dann auch 1 Stunde hospitiert und 1 Stunde mit dem Kind allein arbeitet,

    und kann zu einem FoBi-Tag zur betreffenden Schule fahren, wenn man möchte.


    Das Problem ist, dass es weder für unterrichtliche noch für außerunterrichtliche Aufgaben und Anforderungen Absprachen, Standards, Zeit oder ähnliches gibt. Das sehe ich auch so.


    Gut fand ich, dass der betreffende Kollege bei einem Kind den Übergang zur weiterführenden Schule begleitet hat, allerdings war dies wenig nachhaltig.


    Nach dem Kontakt mit dem Kind und ggf. einem Kontakt mit der abgebenden Schule, sofern dies in eurem BL möglich ist, kann man weitere Schritte überlegen.


    Wir sind ein kleines System, neue Lehrkräfte werden kurz informiert. Dazu reicht ein Gespräch mit anderen oder wenige Sätze in einer DB. Wer es genauer wissen möchte, fragt nach (z.B. Englisch, Schwimmen). Zudem gibt es pädagogische Dienstbesprechungen für die Klassen, sodass man dort fächerübergreifende Fördermaßnahmen ansprechen kann.

    Konferenzen setze ich dann an, wenn ich einen Beschluss brauche, also ggf. eine Klassenkonferenz, wenn ein Nachteilsausgleich angesetzt werden soll.


    Wenn der Kollege so engagiert ist, kann er dir die To-Do-Liste sicherlich schriftlich zukommen lassen, sodass du auf dieser Grundlage die nächsten Schritte erwägst und Unnötiges mit Vermerk bzw. in Absprache mit der SL/ mit den Eltern streichst.


    Hinsichtlich der Förderpläne gibt es auch bei uns immer wieder wechselnde Vorgehensweisen, einige KL schreiben gemeinsam mit der FöS-Lehrkraft, andere schreiben vor, dann wird gesichtet, noch andere lassen die FöS-Lehrkraft schreiben. Aber da kommt es auch darauf an, wie stark die FöS-Lehrkraft involviert ist.

  • Wie wäre es, wenn ihr euch alle (Schulleitung, Schulsozialarbeit, alle beteiligten Kollegen, Förderschullehrer und du) einmal gemeinsam hinsetzt und eine ToDo-Liste mit konkreten Verantwortlichkeiten erstellt? Damit wäre dann ein teil der Nachmittagssitzungen mit x, y, z, y+z etc. zusammengefasst. Die Kollegen könnten dann ggf. auch ihre Grenzen äußern.

    Du hast die Verantwortung für eine komplette Klasse und eine begrenzte Arbeitszeit. Absprache und Beratung sind super, aber nur in begrenztem Umfang leistbar.

  • Ich arbeite auch in der Beratung für hörgeschädigte Schüler. Um welches Bundesland geht es denn grundsätzlich? In Hessen gibt es einen Leistungskatalog, was man für Leistungen seitens der Beratung Hören in Anspruch nehmen kann.

    So grundsätzlich hört sich das, was du beschreibst, erst einmal nach dem üblichen Vorgehen an. Der Umfang erscheint mir nur etwas groß und der Druck vielleicht etwas hoch.


    Zu den einzelnen Punkten:


    Besprechungen

    Da weiß ich gerade nicht, was das für welche sein sollen. Wenn ich hospitiere, bespricht man in den Pausen oder nach Unterrichtsschluss natürlich noch Dinge. Ich würde aber niemals einfach so irgendwelche Besprechungen einberufen/vorschlagen, außer es gäbe einen konkreten Anlass. Die Beratung ist ein Angebot und soll sich an den Bedürfnissen orientieren. Man wartet in aller Regel erst einmal ab, wie groß der Handlungsbedarf überhaupt ist.


    Fortbildung/Klassenkonferenz

    Einmal jährlich bieten wir bei uns im Haus eine Fortbildung an. Da kommen dann eher nur die KL hin und die Fachkollegen haben nichts davon. Deshalb machen wir das zusätzlich in Form von Klassenkonferenzen. Die dauern bei mir gut eine Stunde. Wird zusätzlich ein NTA beschlossen, etwas länger.


    Förderplan

    Der wird gerne vernachlässigt. Ein Beitrag unsererseits soll/kann darin aufgenommen werden. Wir werden aber oft nicht einbezogen und wenn ich mal etwas für einen Förderplan verfassen soll, hat das Seltenheitswert.


    Rundlauf von Dokumenten

    Was sollen das für welche sein? Infomaterial? Bestehender Nachteilsausgleich?



    Mir fehlen hier noch drei zentrale Dinge:


    Raumakustik

    Wird die Nachhallzeit des Klassenraumes gemessen und ggf. Maßnahmen zur Verbesserung der Akustik ergriffen?


    Sitzplatz

    DEN idealen Sitzplatz gibt es leider meist nicht. Möglichst weit vorne und mit Blick auf den Rest der Klasse sind sinnvoll. Blendendes Gegenlicht und unruhige Sitznachbarn sind eher zu vermeiden, um das Verständnis zu verbessern. Oft ist es sinnvoll, einen Freund daneben zu haben, damit man mal etwas nachfragen kann, falls man es nicht richtig gehört hat. Dann muss man nicht bei der Lehrkraft nachfragen. Ein Drehstuhl kann auch sinnvoll sein, um sich schnell dem Sprecher zu wenden zu können. Macht man damit hauptsächlich Quatsch, bringt das natürlich nichts.


    Hörtechnik

    Welche Technik benutzt das Kind? Kann es das Hörgerät selbstständig einsetzen (vielleicht zu Hause noch einmal üben)? Benutzt das Kind eine Übertragungsanlage (Lehrermikrofon) und gibt es dazu auch Mikrofone für den Rest der Klasse? Wer zeigt dir, wie die funktionieren bzw. stellt sie auf eine sinnvolle Einstellung ein?


    Bei Bedarf können wir eine Sensibilsierungsstunde halten, wo die Klasse Selbsterfahrungen zum Thema Schwerhörigkeit machen. Das öffnet deren Augen häufig, wie schwierig das ist, damit zurechtkommen zu müssen.

    Einmal editiert, zuletzt von Frapper () aus folgendem Grund: Formulierung

  • Frapper, ich glaube hier geht es nicht so sehr um die Maßnahmen, sondern um das Vorgehen des/der Kolleg*in. Wie du sagst: es geht nicht um Vorschriften, sondern um Angebote. Und so lange die TE das Kind noch nicht mal kennt, kann sie sich schlecht auf Anraten eines anderen mit Sozialpädagogen austauschen usw. Da wurde offenbar über das Ziel hinaus geschossen...

  • Frapper / samu: "Über das Ziel hinaus geschossen" ist genau das, was meine Kolleginnen und Kollegen sagen. Frapper schreibt, es gibt einen Leistungskatalog, welche Beratungen man in Anspruch nehmen kann. Nur ist dieses "kann" eben nicht das, was bei uns ankommt, eher ein "muss". Akustik, Hörtechnik, Sitzplatz etc. wurden alles schon geklärt. Das Problem bei Fortbildungen ist, dass das Kind an unserer Schule (1600 Schüler) einen Einzelfall darstellt, natürlich ist das Thema Inklusion von Hörgeschädigten interessant, aber die Kollegen reflektieren mir verständlicher Weise immer, dass andere "Baustellen" wesentlich dringender sind (z.B. haben wir etliche Schüler mit Schwerpunkt ESE, die nicht unerhebliche Probleme bereiten). Das kollidiert nun mit dem Förderlehrer, der es nach meinem Eindruck sehr persönlich nimmt, dass wir nur begrenzte Ressourcen für ihn haben. @Frapper: "Man wartet erst einmal ab, wie groß der Handlungsbedarf ist." Das war genau mein Ansatz, der leider auf taube Ohren stößt. Mit Rundlauf von Dokumenten sind v.a. Infomaterialien gemeint, die wir eigentlich schon von der abgebenden Schule und den Eltern des Kindes haben, die sehr vorausschauend Kontakt aufgenommen hatten, aber ich werde jedes Mal vom Förderlehrer aufgefordert, im Nachhinein per Mail zu versichern, dass ich alles "auch wirklich den Kollegen nahegebracht" habe... die inzwischen, so mein Eindruck, zunehmend gereizt reagieren. An einem Koordinierungsgespräch führt wohl nichts vorbei.

  • Frapper Das Problem bei Fortbildungen ist, dass das Kind an unserer Schule (1600 Schüler) einen Einzelfall darstellt, natürlich ist das Thema Inklusion von Hörgeschädigten interessant, aber die Kollegen reflektieren mir verständlicher Weise immer, dass andere "Baustellen" wesentlich dringender sind (z.B. haben wir etliche Schüler mit Schwerpunkt ESE, die nicht unerhebliche Probleme bereiten). Das kollidiert nun mit dem Förderlehrer, der es nach meinem Eindruck sehr persönlich nimmt, dass wir nur begrenzte Ressourcen für ihn haben.

    Ja, das ist leider unser Schicksal als kleiner Förderschwerpunkt. Unsere Schülerschaft ist häufig eher ruhig, zurückhaltend und leidet dann im Stillen vopr sich hin. Die ESE-Schüler machen da schon deutlich mehr Druck nach Veränderung und Handlung.


    Zitat

    Frapper: "Man wartet erst einmal ab, wie groß der Handlungsbedarf ist." Das war genau mein Ansatz, der leider auf taube Ohren stößt.

    Unser Konzept ist generell bei Wechseln (von der Frühförderung in die Grundschule oder von der Grundschule zur weiterführenden Schule), vorab die wichtigsten Infos bei runden Tischen zu übermitteln. Dann kommen die Kinder erst einmal an, wenn gewünscht findet in der Zeit bis zu den Herbstferien schon ein Besuch statt. Die meisten wollen das aber erst nach den Herbstferien. Unsere Fortbildung ist auch erst nach den Herbstferien, weil es vorher einfach keinen Sinn ergibt.

    Wir wurden geschult und ein oberster Leitsatz war "Wir können nur die beraten, die beraten werden möchten." Ich kenne ein regionales Beratungs- und Förderzentrum, wo schon im Beratungsantrag die Auftragsklärung stattfindet. Wir halten das zwar nicht so schriftlich fest, aber machen das für uns so fest, was eigentlich unser Auftrag/unsere derzeitige Aufgabe ist. Auch wenn ich z.B. Maßnahme XY für sinnvoll halten würde, aber man dort keinen Bedarf oder Luft dafür sieht, bohre ich da nicht weiter nach. Es bringt ja nichts. Alle reiben sich nur daran auf.

    Darüber solltest du vielleicht gehen, dass ganz konkret festgehalten wird, was der Auftrag der Beratung derzeit sein soll.

  • vielleicht ist der Kollege deswegen so vehement, weil er weiß, dass Kinder mit Hörbehinderung an Schulen mit 1500 Schüler*innen kläglich untergehen.

    Wäre eine mögliche Erklärung, aber wenn man die KuK, die es umsetzen sollen aufgrund der eigenen (Un-)Art vor allem vor den Kopf stößt, ist das sicherlich nicht nur nicht hilfreich, sondern verschließt im worst case sogar Türen, weil KuK wie von der TE geschildert zunhemend gereizt reagieren auf die Flut an Umsetzungshinweisen. Wenn es dieser Förderlehrkraft tatsächlich aber vor allem um die SuS geht und darum diesen Gehör zu verschaffen, sollte es möglich sein, dass konstruktive Veränderungen gemeinsam angegangen werden.

  • Mir hätte es an vielerlei Stellen geholfen, wenn es sachliche Hinweise für Möglichkeiten in schriftlicher Form z.B. zum Download auf den Seiten der betreffendne FöS-Schulen gegeben hätte.

    Es ist wirklich anstrengend und völlig unnötig, dass man sich als Lehrkraft einer Regelschule quer durch die Republik durch die Seiten der FöS sucht, bis man notwendige Informationen findet.


    Zum Glück sind manche Schulen in manchen Bundesländern wirklich gut aufgestellt und man findet dort tolle Hinweise, Erläuterungen, Möglichkeiten, Ansprechpartner, Links, teilweise auch Materialien, ebenso Handreichungen für Elterngespräche oder Eltern etc.

    Warum kann es das nicht vom Kultusministerium geben?

    Da wäre vieles auch ohne zusätzliche Termine und Besprechungen weitergegeben.


    Letztlich bleibt die Zusammenarbeit so schwierig, weil es dafür keine Zeiten gibt.

    Natürlich haben die FöS ihre SuS und ihren Schwerpunkt im Blick sowie die Möglichkeiten an der eigenen Schule,

    die Lehrkräfte an den anderen Schulen machen dies ebenso.

    Am Ende soll es dann für alle passend werden.

  • Mit Infomaterial ist es leider nicht getan, sondern man braucht wirklich jemanden vom Fach. Wie ein guter Sitzplatz aussieht, habe ich oben beschrieben. Letzte Woche war ich jedoch bei einem Schüler, der eigentlich auf den ersten Blick auf einem der schlechtestmöglichen Plätze saß. Nach Beobachtung im Unterricht und einem Gespräch mit ihm war mir klar, warum er dort sitzen wollte. So einfach ist das nicht und als Laie fehlt einem der Einblick bzw. man zieht manche Schlüsse nicht.


    So schön Infomaterial klingt, so trügerisch ist es. Suggeriert es doch, dass für unsere Arbeit größtenteils das Wissen aus ein paar Broschüren reicht, und das ist definitiv nicht so!

  • vielleicht ist der Kollege deswegen so vehement, weil er weiß, dass Kinder mit Hörbehinderung an Schulen mit 1500 Schüler*innen kläglich untergehen.

    Je nach Fall ist das sogar so. Wobei echt viele Kinder an so sechs- bis achtzügigen Schulen untergehen. In einem solchen Kasten habe ich mich auch ständig verirrt, weil alles gleich aussah ... :sterne:

  • ...Wobei echt viele Kinder an so sechs- bis achtzügigen Schulen untergehen. In einem solchen Kasten habe ich mich auch ständig verirrt...

    Wie anonym es da erst im Lehrerzimmer sein mag?


    Aber wie auch immer die Bedingungen sind, wir können nur aufeinander zugehen. Und dazu gehört m.E., zu akzeptieren, dass der Satz "ich hab noch 27 andere Schüler" für die Alltagsrealität der Kolleg*innen dazugehört. Genauso wie es für uns dazugehört, dass wir uns mit den Idealbedingungen für einzelne auseinandersetzen... da hilft wohl nur reden, Erwartungen formulieren und nicht alles persönlich nehmen...


    Nur manchmal passt's einfach menschlich nicht, das zerrt dann an den Geduldsfäden :grimmig:

  • Wie anonym es da erst im Lehrerzimmer sein mag?

    Dort gab es feste Sitzplätze an Gruppentischen. Generell kennt man aber nicht alle wirklich. Ich hatte mal hospitiert, aber die Englisch-Lehrerin war krank. Da ich die Klasse schon kannte, habe ich mit denen das englische Datum besprochen, was immer an die Tafel soll. Die Vertretungslehrerin sah mich (die Klassentür war offen) und ging erst einmal wieder. Sie dachte, es sei ja ein Lehrer da, den sie einfach nicht kenne.


    Aber wie auch immer die Bedingungen sind, wir können nur aufeinander zugehen. Und dazu gehört m.E., zu akzeptieren, dass der Satz "ich hab noch 27 andere Schüler" für die Alltagsrealität der Kolleg*innen dazugehört. Genauso wie es für uns dazugehört, dass wir uns mit den Idealbedingungen für einzelne auseinandersetzen... da hilft wohl nur reden, Erwartungen formulieren und nicht alles persönlich nehmen...


    Nur manchmal passt's einfach menschlich nicht, das zerrt dann an den Geduldsfäden :grimmig:

    Persönlich nehme ich selten etwas. Man meint ja meine Funktion und nicht mich als Person. Das muss man sich eben einfach vergegenwärtigen. Es ist leider auch schwierig als jemand von außen immer die Rahmenbedingungen der Person/des Teams vor Ort direkt zu erfassen. Dafür sind die Schulen und Persönlichkeiten zu unterschiedlich.

    Umgekehrt muss ich auch darauf achten, mich abzugrenzen. Gelegentlich versucht man mich schon mal vor irgendeinen Karren zu spannen.

  • Mit Infomaterial ist es leider nicht getan, sondern man braucht wirklich jemanden vom Fach. Wie ein guter Sitzplatz aussieht, habe ich oben beschrieben.

    Wenn es oben beschrieben wurde, war es auch eine Information, die in vielen Fällen sicherlich weiterhilft oder zumindest dort Türen öffnet, wo SuS oder Eltern mit diesem Wunsch für ihre Kinder kommen ... ebenso wie es für viele andere SuS mit anderen Balangen viele Wünsche gibt.

    Diese bekommt man als Lehrkraft an der Regelschule alle an sich heran getragen und muss lernen, damit umzugehen.


    Wenn die Beratungsleistung 1 Std. pro Schuljahr ausmacht, ist damit wenig geholfen, dann reicht die Zeit knapp, das Dringendste zu besprechen.

    Um so sinnvoller wäre es, grundlegende Informationen vorab erhalten zu können. Dann kann man diese aus dem Gespräch heraushalten.

    Gleiches würde für Checklisten o.a. gelten.

    Eltern fragen in diesen Gesprächen, was sie für ihr Kind noch tun könnten.

    Da darf es ruhig einen Katalog an Möglichkeiten geben, die man zur Hand hat, sodass man daran entland dann im Gespräch sinnvolle Maßnahmen auswählen kann.

    Letzte Woche war ich jedoch bei einem Schüler, der eigentlich auf den ersten Blick auf einem der schlechtestmöglichen Plätze saß. Nach Beobachtung im Unterricht und einem Gespräch mit ihm war mir klar, warum er dort sitzen wollte. So einfach ist das nicht und als Laie fehlt einem der Einblick bzw. man zieht manche Schlüsse nicht.

    Wenn der "Laie" der sein soll, der täglich mit dem Kind umgeht und offenbar ja den besseren Sitzplatz zugelassen oder gar gewählt oder vorgeschlagen hat, hat er offenbar gut gehandelt ... zumal dieser ja die Rahmenbedingungen kennt und in der Folge selbst umsetzen muss, was abgesprochen oder vereinbart wird.


    Wenn man über Jahre Kinder mit Hörbeeinträchtigung und anderen Unterstützungsbedarfen unterrichtet und sich damit beschäftigt, wie man sich auch mit vielerlei anderer Einschränkungen oder Auffälligkeiten beschäftigt, wird man sich damit arrangieren.

    Wollte ich stets auf "den Fachmann" warten, wie sollte das gehen? Soll ich diese Kinder ALLE in den Flur stellen und sagen, ich sei nicht zuständig, die "Fachkraft" könne sich ja kümmern, wenn sie das nächste Mal vorbei käme - also in einem Jahr für 1-2 Stunden?

    Inklusion bedeutet, dass alle diese Kinder in den Regelklassen sitzen können. Geht es mit der Schließung von Förderschulen einher, gibt es keine Möglichkeiten, andere Schulen zu wählen.

    Exklusion bedeutet, dass die Kinder in andere Schulen gehen können, SOBALD sie eine Bestätigung des Unterstützungsbedarfes haben UND SOFERN es diese Schulen überhaupt gibt.

    Bis dahin sitzen sie aber auch in den Regelklassen und sollen dort beschult werden.


    Ich kann mir vieles vorstellen, was das eine oder andere verbessern würde, aber ich kann es mir nur wünschen.

    Alles andere ist die tägliche Arbeit, es für alle Beteiligten bestmöglichst gut zu gestalten.


    Übrigens habe ich mir gestern die Module angesehen, die ein Ergänzungsstudium Sonderpädagogik in meinem BL ausmachen. Vieles davon ist meine tägliche Arbeit (ein großer Teil der Diagnostik, Beratungsgespräche, Förderplanung) und die "Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten" ist absolut aufgesetzt.

    Es ist sicherlich richtig, dass man mit einem gezielten Studium eine bessere Grundlage erhält und Spezialisten für vieles bräuchte. Das stellt auch nieman in Abrede.

    Die Realität ist aber gerade eine andere und Spezialisten nicht oder nur sehr selten vor Ort.

    Meiner Meinung nach sind gut informierte "Laien" dann besser dran, als uninformierte.


    So schön Infomaterial klingt, so trügerisch ist es. Suggeriert es doch, dass für unsere Arbeit größtenteils das Wissen aus ein paar Broschüren reicht, und das ist definitiv nicht so!

    Ich sehe es nicht so, dass dies suggeriert würde.

    MIR würde es an vielen Stellen helfen, wenn ich auf einen Blick und in kürzester Zeit grundlegende Informationen für bestimmte Unterstützungsbedarfe, Krankheitsbilder u.a. erhalten könnte, wenn es Ansprechpartner gäbe, Vorschläge für Förderungen, Materialien oder zumindest Hinweise, Erläuterungen zu möglichen Komplikationen oder Schwierigkeiten. Da darf man auch gerne darstellen, dass es nicht die eine passable Lösung für alle gibt.

    Tatsächlich haben Lehrkräfte ein Studium absolviert, sind pädagogisch und psychologisch ausgebildet und man sollte meinen, dass sie mit einer gut aufgesetzt Information umgehen können.

    Schließlich können sie auch zu jeder Zeit ein Kind mit besonderen Bedürfnissen in die Klasse bekommen und sind damit für dieses Kind zuständig.


    Es ist auch eine Frage, wie man mit den Lehrkräften umgeht, die die Aufgaben in der Inklusion übernehmen (müssen), ob man sie unterstützt oder sich selbst überlässt, ob man ihnen Wissen und notwendige Informationen bereitstellt oder sie sich alles selbst erarbeiten und zusammensuchen müssen.

    Mit grundlegenden Informationen kommt man in vielen Fällen sicherlich schon sehr weit.


    Für die spezielleren Fälle und besonderen Fragen sind dann Beratungsmöglichkeiten sicherlich sinnvoll, für die es ebenso unterschiedliche Möglichkeiten geben sollte. Nicht bei jeder Frage braucht es ein mehrstündiges Beratungsgespräch mit Anfahrt und Kollegium sowie Elternschaft am Tisch. Manchmal würde vielleicht eine E-Mail ausreichen, sodass man daraufhin entweder den Link auf die grundlegenden Informationen erhalten würde oder eine fachkompetente Antwort oder eben doch ein Beratungsangebot. Da könnte man Digitalisierung sicherlich sinnvoll nutzen, um Lehrkräfte in ihrer Arbeit zu stärken.

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