Zusammenarbeit mit Förderlehrer

  • Dort gab es feste Sitzplätze an Gruppentischen. Generell kennt man aber nicht alle wirklich. Ich hatte mal hospitiert, aber die Englisch-Lehrerin war krank. Da ich die Klasse schon kannte, habe ich mit denen das englische Datum besprochen, was immer an die Tafel soll. Die Vertretungslehrerin sah mich (die Klassentür war offen) und ging erst einmal wieder. Sie dachte, es sei ja ein Lehrer da, den sie einfach nicht kennt.

    Die Vertretungslehrerin dachte wahrscheinlich, es ist eine der vielen externen Vertretungskräfte, die an den Schulen als "Springer" für den Notfall eingesetzt werden - hier sind das v.a. Studierende, die sich "nebenbei" etwas als Vertretungslehrer/in verdienen. Von ihnen kenne ich auch viele nicht, nur den festen Kern, der regelmäßiger kommt. Anonym ist unser Lehrerzimmer trotzdem nicht, obwohl wir eine so große Schule sind. Wenn ich in eine Klasse kommen und da steht jd. mir Unbekanntes an der Tafel, würde ich zumindest mal nachfragen :) Übrigens habe ich nicht nur "noch 27 andere Schüler", sondern 152 ^^.

  • ... Manchmal würde vielleicht eine E-Mail ausreichen, sodass man daraufhin entweder den Link auf die grundlegenden Informationen erhalten würde...

    Informationen gibt es zu Hauf im Netz. Zu jedem Problem gibts Bücher, Internetseiten, Fachpublikationen. Auch hier im Forum ist immer jemand bereit, das Wesentliche zu sagen. Was man aber stattdessen als Antwort auf Hinweise hört: weiß ich schon, hab ich schon probiert, mach ich anders, gefällt mir nicht, glaube ich nicht, weiß ich besser. Gefühlt in 95% der Fälle. Und das ist auch normal! Menschen sind so. Deswegen gibt es Beratungstechniken und darin sollten wir als z.B. Inklusionsonkel viel besser geschult werden.


    Es geht doch am Ende nicht wirklich um Tips à la "setzen Se den mal in die erste Reihe", das probiert man doch sowieso und stellt dann fest, ob das Kind mehr mitbekommt oder weniger. Sondern es geht darum, dass jemand professionell zuhört. Das ist in etwa wie der Unterschied zwischen "Mutti fragen" und "Therapeuten fragen". Was Beratung nicht ist: "KfZ-Mechaniker fragen", es gibt keine Reparatur- und Wartungsliste.



  • Nicht bei jeder Frage braucht es ein mehrstündiges Beratungsgespräch mit Anfahrt und Kollegium sowie Elternschaft am Tisch. Manchmal würde vielleicht eine E-Mail ausreichen, sodass man daraufhin entweder den Link auf die grundlegenden Informationen erhalten würde oder eine fachkompetente Antwort oder eben doch ein Beratungsangebot. Da könnte man Digitalisierung sicherlich sinnvoll nutzen, um Lehrkräfte in ihrer Arbeit zu stärken.

    Hahaha! :lach: Alle haben meine Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Dass da Lehrer wegen einer Frage von sich aus auf mich zukommen, kann ich in einem Schuljahr an einer Hand abzählen. Das passiert praktisch gar nicht. Da sind es eher die Eltern, die mal eine Frage haben oder sich melden.


    Hier in den Thread merkt man sehr schön, wie die Erwartungen an Beratung auseinandergehen. Die einen bekommen praktisch von Tag 1 an umfassendes Infomaterial, was sie eigentlich gar nicht haben wollen. Erst einmal ankommen lassen. Dann das andere Extrem, wo man gerne allgemeines Infomaterial im Vorhinein hätte und sich eine engere Betreuung wünscht. Als Berater kann man in diesem Feld mit den ganzen (unausgesprochenen) Erwartungen doch nur verlieren. :sofa:


    Wenn die Beratungsleistung 1 Std. pro Schuljahr ausmacht, ist damit wenig geholfen, dann reicht die Zeit knapp, das Dringendste zu besprechen.

    Um so sinnvoller wäre es, grundlegende Informationen vorab erhalten zu können. Dann kann man diese aus dem Gespräch heraushalten.

    Gleiches würde für Checklisten o.a. gelten.

    Eltern fragen in diesen Gesprächen, was sie für ihr Kind noch tun könnten.

    Da darf es ruhig einen Katalog an Möglichkeiten geben, die man zur Hand hat, sodass man daran entland dann im Gespräch sinnvolle Maßnahmen auswählen kann.

    Ich bin in Hessen. Ich habe definitiv mehr Zeit als eine Stunde pro Beratung. Wird ein Kind neu eingeschult oder wechselt die Schule hat man auch mal zwei, drei Termine recht früh im Schuljahr oder vor dem Beginn mit längerer Hospitationszeit. Zur Zeit schreibe ich Kurzgutachten (drei Seiten) für den Wechsel zur weiterführenden Schule als Vorlage für runde Tische an der aufnehmenden Schule, wo am Ende auf einer halben Seite die wichtigsten Punkte für die Schüler stehen. Das ist einfach in Niedersachsen so mies mit dem mobilen Dienst.

    Wieso fragen die Eltern nicht die Beratungslehrkraft nach den Möglichkeiten für eine weitere Förderung oder wird auf sie verwiesen? Das ist doch eigentlich auch unser Part. Das kann ja sowohl etwas schulisches wie außerschulisches sein.

  • Hier in den Thread merkt man sehr schön, wie die Erwartungen an Beratung auseinandergehen. Die einen bekommen praktisch von Tag 1 an umfassendes Infomaterial, was sie eigentlich gar nicht haben wollen. Erst einmal ankommen lassen. Dann das andere Extrem, wo man gerne allgemeines Infomaterial im Vorhinein hätte und sich eine engere Betreuung wünscht.

    Ja, dem stimme ich zu, es ist überall unterschiedlich.

    Nicht zuletzt deshalb findet man offenbar in anderen BL bessere Informationen im Internet von Förderschulen oder vom Ministerium.


    Zur Zeit schreibe ich Kurzgutachten (drei Seiten) für den Wechsel zur weiterführenden Schule als Vorlage für runde Tische an der aufnehmenden Schule, wo am Ende auf einer halben Seite die wichtigsten Punkte für die Schüler stehen.

    In Nds. schreibt man am Ende der 4. Klasse für alle SuS, für die bereits Unterstützungsbedarf besteht, ein erneutes Gutachten. Da ist man als Klassenlehrkraft bei jedem Kind mit dabei, schreibt einen aktuellen Lernstand des Alltags und stellt die Unterlagen zusammen.

    Eine FöS-Lehrkraft kommt hinzu und schreibt einen weiteren Part ... oder auch mal gemeinsam. Das variiert.

    Bei den Schwerpunkten Lernen und ESE kann es auch die FöS-Lehrkraft sein, die die Grundversorgung an der Schule vornimmt (max. 2 Std. pro Woche pro Klasse) oder jemand externes, damit die Gutachten gleichmäßiger verteilt sind. Im Bedarf Sprache ist es unterschiedlich, wer beauftragt wir, dass die FöS-Lehrkraft den entsprechenden Schwerpunkt hat, also Sprache, kann inzwischen (vermutlich regional) nicht mehr gewährleistet werden.

    Am Ende geht wieder ein volles Gutachten zur Landesschulbehörde, wo erneut entschieden wird.

  • Och, das ist bestimmt ein(e) junge(r), noch sehr sehr engagierte(r) Kollege/Kollegin. Lernt Euch doch erst einmal persönlich kennen. Manche Leute haben auch eine sehr schroffe Art, E-Mails zu formulieren, und wenn man sich dann persönlich gegenübersteht, klingt das oft ganz anders.


    Ich widerspreche aber denn doch mal der These, dass Kinder in großen Systemen "verloren gehen" oder "übersehen werden". "Groß" ist nicht gleichbedeutend mit "chaotisch". Es gibt auch und gerade an großen Schulen sehr klare Strukturen, siehe z.B. das Team-Kleingruppen-Modell, mit dem viel mehr Familiarität hergestellt wird, als an einer normal organisierten kleineren Sek-I-Schule.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Ich finde, dass in der ganzen Inklusion untergeht, dass man es gar nicht leisten kann. Wir hatten letztens jemanden von der Landesschulbehörde dort. Er hatte viele tolle Ideen. Hätte aber dazu geführt, dass unsere Förderschullehrerin sich nur noch um das eine Kind kümmert und die anderen 26 "Problemchen" keine Unterstützung bekommen. Letztlich sind wir an der Grundschule mit dem normalen Unterricht und den Extra-Aufgaben schon so weit ausgelastet, dass eigentlich gar keine extra Zeit mehr da ist. Alles was man an Zeit für die Inklusion investiert, muss man woanders einsparen. Hauptproblem ist letztlich einfach, dass die Rahmenbedingungen viel zu schlecht sind. Da trifft die Ideal-Vorstellung des Förderschullehrers auf die Realität.

  • Da trifft die Ideal-Vorstellung des Förderschullehrers auf die Realität.

    Sehe ich anders. Ich weiß, dass Förderschullehrer für weltfremd gehalten werden. Wir haben aber einfach einen anderen Auftrag, der mit dem euren kollidiert und dazu die Arschkarte, in andere Schulen reindackeln zu müssen.


    Stell dir einfach vor, du müsstest regelmäßig an 3 verschiedene Gymnasien fahren und Kollegen dort Tips zum Unterrichten von Grundschülern nach dem Übergang geben. Oder an Förderschulen, wie man Kinder ohne Förderbedarf unterrichtet... Ist das nicht schön, wenn man so willkommen ist? :eisig:


    Man tut also gut daran, nicht so vorzugehen wie der oben genannte Kollege. Man entwickelt im Normalfall Strategien, mit der Situation umzugehen, mit jeder Schule und mit jeder Kollegin neu.


    Deswegen hat man als Förderschulkollege aber immer noch einen anderen Auftrag vom Bundesland zugewiesen bekommen als der Grundschulkollege. Nur keine konkrete Aufgabenbeschreibung dazu. Und das ist zwar schwierig, aber auch eine Chance, wir sind erwachsen und sollten professionell genug sein, Aufgaben zu verteilen und nicht denen die Schuld zu geben, die ganz einfach ihre Arbeit zu machen versuchen.

  • Ich finde, dass in der ganzen Inklusion untergeht, dass man es gar nicht leisten kann. Wir hatten letztens jemanden von der Landesschulbehörde dort. Er hatte viele tolle Ideen. Hätte aber dazu geführt, dass unsere Förderschullehrerin sich nur noch um das eine Kind kümmert und die anderen 26 "Problemchen" keine Unterstützung bekommen. Letztlich sind wir an der Grundschule mit dem normalen Unterricht und den Extra-Aufgaben schon so weit ausgelastet, dass eigentlich gar keine extra Zeit mehr da ist. Alles was man an Zeit für die Inklusion investiert, muss man woanders einsparen. Hauptproblem ist letztlich einfach, dass die Rahmenbedingungen viel zu schlecht sind. Da trifft die Ideal-Vorstellung des Förderschullehrers auf die Realität.

    Uns in unserem Team ist sehr bewusst, dass es an allen Ecken und Enden zu knapp ist. Wir suchen schon nach Lösungen, die in das jeweilige Setting passen und einfach umzusetzen sind. Auf der anderen Seite steht aber nun einfach mal, dass es ein festgeschriebenes Recht auf gewisse Maßmnahmen gibt.

    Glaub mir, ich reiße mich nicht darum, kurz in allen möglichen Schule zu hospitieren und dann maßgerechte Lösungen vorschlagen zu müssen. Man gerät auch gerne mal zwischen irgendwelche Fronten, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun hat. Da die betreffenden Personen (Eltern, KL, SL, Fachkollegen) aber lange miteinander auskommen müssen, landet der schwarze Peter im Zweifel beim Eindringling von außen. Ihn dahin zu schieben ist nämlich viel einfacher als einen internen Konflikt auszutragen. Alles schon mehrfach erlebt.

  • Stell dir einfach vor, du müsstest regelmäßig an 3 verschiedene Gymnasien fahren und Kollegen dort Tips zum Unterrichten von Grundschülern nach dem Übergang geben.

    Das gab es in Bayern tatsächlich einige Jahre lang und wurde nun aufgrund des Lehrermangels wieder abgeschafft. Ein Aufatmen ging durch die Grundschulkollegien, denn der Job war äußerst verhasst, da sie an den Gymnasien meist nicht nur wenig willkommen waren, sondern oft nicht als Fachkräfte akzeptiert wurden. Es ist ja kein Geheimnis, dass GS-Lehrer von Lehrern "höherer Schularten" häufig nicht ernstgenommen werden und sie bekamen das deutlich zu spüren.

  • Ich glaube keineswegs, dass das auf alle Förderschullehrkräfte. Da gibt es wie immer solche und solche. Die Kollegin, die bei uns die Sonderpädagogische Grundversorgung ist da super. Man kann auch toll mit ihr zusammenarbeiten. Die schüttelt selber den Kopf, was sich das Land manchmal ausdenkt. Aber es gibt halt auch manche Leute, die irgendwelche Vorstellungen fern ab von der Realität haben. Und in diesem Beispiel scheint mir eine solche Person gegeben zu sein. Das heißt ja nicht, dass andere Förderschullehrkräfte genauso sind.

  • (...) Hätte aber dazu geführt, dass unsere Förderschullehrerin sich nur noch um das eine Kind kümmert und die anderen 26 "Problemchen" keine Unterstützung bekommen. (...)

    Ich habe- das möchte ich vorweg nehmen- die Anführungszeichen gesehen, dennoch finde ich es persönlich schwierig Kinder (Menschen) mit Inklusionsbedarf/Behinderung/einem anerkannten Förderschwerpunkt als Problemchen zu titulieren, als wären sie ein wandelndes Problem und nicht zuallererst Menschen, die nichts für die Bedingungen können unter denen wir Lehrkräfte Inklusion oftmals realisieren müssen.


    Die Sonderpädagogin an meiner Ausbildungsschule hat unsere F-SuS immer als "unsere besonderen Kinder" bezeichnet, wenn es nicht um einen spezifischen Förderschwerpunkt ging, sondern alle Kinder diverser Förderschwerpunkte. Das empfinde ich persönlich als deutlich wertschätzender, respektvoller und liebevoller. Vielleicht haben unsere Sonderpädagoinnen und Sonderpädagogen hier im Forum wie Frapper , @samu , Plattenspieler oder auch KuK mit entsprechender Erfahrung weitere, wertschätzendere Formulierungen, die sie an dieser Stelle einbringen könnten, um unser aller sprachliches Repertoire so zu erweitern, dass am Ende hoffentlich jede und jeder eine passede Formulierung finden kann, die es erlaubt Menschen mit Förderschwerpunkten/Inklusionsbedarfen/Behinderungen sprachlich klar von Problemen, Belastungen, Herausforderungen die Inklusionsbedingungen verursachen bzw. die mit Inklusion einhergehen können zu trennen.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Man gerät auch gerne mal zwischen irgendwelche Fronten, mit denen man eigentlich gar nichts zu tun hat. ...

    das ist wieder so ein Fall, wo "gefällt mir" nicht passt, aber der rote Daumen signalisieren würde, dass ich deinen Beitrag doof finde...


    Das ist ein interessanter Aspekt, dass nicht nur das nicht vorhandene Konzept "Inklusion" an uns abgearbeitet wird, sondern wir auch in andere Missstände reingeraten. Gut, das mal sozusagen aus dem Mund anderer gelesen zu haben, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht...

  • Da trifft die Ideal-Vorstellung des Förderschullehrers auf die Realität.


    Wir haben aber einfach einen anderen Auftrag, der mit dem euren kollidiert


    dass nicht nur das nicht vorhandene Konzept "Inklusion" an uns abgearbeitet wird


    Deswegen hat man als Förderschulkollege aber immer noch einen anderen Auftrag vom Bundesland zugewiesen bekommen als der Grundschulkollege. Nur keine konkrete Aufgabenbeschreibung dazu. Und das ist zwar schwierig, aber auch eine Chance,


    Der Frust entsteht vermutlich auf unterschiedlichen Seiten, gerade weil es keine Aufgabenbeschreibungen gibt und es darüber immer wieder zu Missverständnissen kommen kann.

    Der Förderschulkollege hat einen anderen Auftrag vom Bundesland zugewiesen? Wo denn?

    Er schaut aus anderer Perspektive auf das Kind, das kann ich nachvollziehen, der Auftrag dürfte jedoch der gleiche sein und vermutlich auch bleiben.

    Die Grundschulkollegin hat das Kind mit Unterstützungsbedarf mit in der Klasse und ist tagtäglich für die Beschulung zuständig, wie für alle anderen Kinder in diesem Klassenverband auch.

    Hilfen und Fortbildungen sind sparsam oder nicht vorhanden, was auch auf ein nicht vorhandenes Konzept zurückgeht, oder so theoretisch, dass sie am Ende nicht viel bewirken (Konzepte von Teamteaching bleiben graue Theorie, wenn man innerhalb des Klassenraumes nur eine Lehrkraft hat).


    Förderschullehrkräfte mit im Team zu haben und sich als Regelschullehrkraft austauschen zu können, erachte ich als durchaus sinnvoll, hilfreich und auch professionell, sofern sich alle darauf einlassen können und die genannte Chance als solche ergriffen wird und nicht dazu, die Arbeit auf andere abzuwälzen. Da ticken Lehrkräfte unterschiedlich.

    Hinzu kommt aber auch, dass hilfreiche Zusammenarbeit mit jemandem, der mehrfach in der Woche im Gebäude ist, einfacher ist, als eine Kurzberatung für einen nicht ganz so verbreiteten Unterstützungsbedarf, bei dessen Umsetzung im Unterricht man dann auf sich gestellt bleibt.

    Uns in unserem Team ist sehr bewusst, dass es an allen Ecken und Enden zu knapp ist. Wir suchen schon nach Lösungen, die in das jeweilige Setting passen und einfach umzusetzen sind. Auf der anderen Seite steht aber nun einfach mal, dass es ein festgeschriebenes Recht auf gewisse Maßmnahmen gibt.

    Die Rechte sind aber eben auch nicht überall klar ausformuliert oder allen gleichermaßen zugänglich, was die Aufgabe letztlich für alle erschwert. Wo kein Konzept besteht und es keine klaren Absprachen gibt, wird dem Sparzwang der Träger (Schulbehörde/ Lehrkräfteversorgung wie Schulträger/ räuml. Ausstattung) Tür und Tor geöffnet, sodass Betroffene ihre Rechte zwar vorbringen können, diese aber schnell vom Tisch sind.

  • Ich habe- das möchte ich vorweg nehmen- die Anführungszeichen gesehen, dennoch finde ich es persönlich schwierig Kinder (Menschen) mit Inklusionsbedarf/Behinderung/einem anerkannten Förderschwerpunkt als Problemchen zu titulieren, als wären sie ein wandelndes Problem und nicht zuallererst Menschen, die nichts für die Bedingungen können unter denen wir Lehrkräfte Inklusion oftmals realisieren müssen.

    Ich habe von den anderen 26 Schülern gesprochen, von denen die meisten auch ihre Probleme mitschleppen. Aber dafür gilt deine Argumentation dann wahrscheinlich auch. Im Grundsatz magst du Recht haben, aber ich finde, dass man es auch übertreiben kann. Ich habe ja mit Absicht Anführungszeichen gesetzt. Das hat ja schon seine Gründe. Ich finde aber auch, dass man in einem solchen Forum nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen muss. Ich glaube den Förderkindern ist mehr geholfen, wenn es eine angemessene Unterstützung gibt als wenn man darüber diskutiert wie man die Probleme der anderen Mitschüler am besten umschreibt.


    Meine Aussage war ja eigentlich auch nur, dass auch die anderen 26 Schüler ihre individuellen Probleme haben, die wir als Lehrer auch beachten sollen. Ich kann natürlich auch politisch korrekter formulieren, dass auch die anderen 26 Schüler ihre besonderen Stärken und Schwächen haben und einer individuellen Förderung bedürfen.

  • Der Förderschulkollege hat einen anderen Auftrag vom Bundesland zugewiesen? Wo denn?

    "3Sie [die Förderschule] versucht, durch förderpädagogische Maßnahmen die Eingliederung oder Wiedereingliederung der Schüler in eine der anderen allgemeinbildenden Schulen zu ermöglichen. 4Die Förderschulen beraten und unterstützen Schulen anderer Schularten bei den Aufgaben, die mit der Unterrichtung von Schülern mit möglichem oder festgestelltem sonderpädagogischen Förderbedarf zusammenhängen.4"


    Ich habe den Auftrag, deine Schule zu beraten und zu unterstützen. Du hast den Auftrag, deiner Klasse Lernziele zu vermitteln.


    ..., sofern sich alle darauf einlassen können und die genannte Chance als solche ergriffen wird und nicht dazu, die Arbeit auf andere abzuwälzen. Da ticken Lehrkräfte unterschiedlich.

    wieso ticken sie unterschiedlich? Der obige Kollege hat all das aufgeschrieben, was er für wichtig hält. Er ist menschlich ungeschickt vorgegangen aber er hat seinen Arbeitsauftrag erfüllt. Ihm zu unterstellen, er wolle Arbeit abgeben ist erst mal Fantasie und zum zweiten ist die Übertragung auf alle Förderschullehrer schwierig. Aber ich hab auch Vorurteile bzgl. anderer Schularten, Erfahrung bringt sowas mit sich. Vorurteile sind aber fatal wg. der Verallgemeinerungen und Ungerechtigkeit einzelnen ggü., da möchte ich wachsam sein und versuche, nicht schon vorher zu urteilen.

  • das ist wieder so ein Fall, wo "gefällt mir" nicht passt, aber der rote Daumen signalisieren würde, dass ich deinen Beitrag doof finde...


    Das ist ein interessanter Aspekt, dass nicht nur das nicht vorhandene Konzept "Inklusion" an uns abgearbeitet wird, sondern wir auch in andere Missstände reingeraten. Gut, das mal sozusagen aus dem Mund anderer gelesen zu haben, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht...

    Ich sehe den Elternwillen in Teilen wirklich sehr kritisch und das meine ich nicht in Bezug auf die Wahl Regelschule oder Förderschule, sondern auf die Diagnostik und Beratung. Ich habe es schon mehrmals erlebt, dass ich da irgendwo für eine Erstberatung auftauche und in Bezug auf das Hören beraten soll. Es wird dann aber ganz offensichtlich, dass eigentlich KL und Eltern in einem größeren Konflikt über ganz andere Dinge sind. Das Kind hat zwar eine (leichte) Hörschädigung, aber da ist etwas ganz anderes, was viel massiver in die Gesamtproblematik hineinspielt. Da müsste man eigentlich ran, aber wenn sich die Eltern querstellen, kommt man da überhaupt nicht voran. Beide Parteien haben da eine stille Hoffnung, dass ich mich mit ihrer Seite "solidarisiere".

  • wieso ticken sie unterschiedlich?

    Menschen ticken nicht alle gleich.

    und zum zweiten ist die Übertragung auf alle Förderschullehrer schwierig. Aber ich hab auch Vorurteile bzgl. anderer Schularten, Erfahrung bringt sowas mit sich. Vorurteile sind aber fatal wg. der Verallgemeinerungen und Ungerechtigkeit einzelnen ggü., da möchte ich wachsam sein und versuche, nicht schon vorher zu urteilen.

    Ich hatte mich gar nicht auf diesen einen bezogen, sondern meinen Eintrag recht allgemein gehalten. Vorurteile sind fatal, sitmmt, aber die Zusammenarbeit über mehrere Jahre führt tatsächlich dazu, dass man KollegInnen in ihrer Haltung und Arbeitsweise einschätzt.


    Ich habe den Auftrag, deine Schule zu beraten und zu unterstützen. Du hast den Auftrag, deiner Klasse Lernziele zu vermitteln

    In meinem BL klingt das anders:

    "Auftrag der Förderschule, wie auch aller anderen Schulformen, ist Unterricht und Erziehung für Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung, darüber hinaus Beratung, individuelle Förderplanung und die Zusammenarbeit mit allen an der Förderung der Schülerinnen und Schüler beteiligten Personen und Einrichtungen.

    Förderschulen sind zugleich Förderzentren und unterstützen die allgemeinen Schulen bei der Durchführung von sonderpädagogischer Unterstützung (§ 14 Abs. 3 NSchG)" (MK: Förderschule und Förderzentrum)

    Es ist in der Regel eine Verknüpfung zwischen Beratung und "Handeln am Kind".

  • Beratung ist wohl auch das, was sich Eugenia gewünscht hätte. Beratung ist aber bedarfsorientiert, den Bedarf des Kindes und Eugenias Bedarf betreffend. Was Eugenia aber bekam waren Befehle ohne Bedarfsermittlung.

    Kannst du dem Kollegen nicht einfach freundlich danken für seinen "Katalog möglicher Maßnahmen" und einen Termin zur Bedarfsermittlung ausmachen wenn ihr beide das Kind und dessen Eltern treffen konntet?

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