Was braucht man als Referendar*in?

  • An diejenigen, die auch als Mentoren tätig sind - meint ihr, so n Thread wäre auch umgekehrt sinnvoll, also "was macht als Mentor Sinn",

    darum geht's gerade ;) Was Referendaren von Seminar- und Schulseite hilft, nicht welche Eigenschaften sie idealerweise mitbringen sollten.

  • Ich hab jetzt nicht alles gelesen, was geschrieben wurde, einige Beiträge sind mir schlicht zu lang, da hab ich gerade keine Lust zu. Was ich während der Ausbildung wenig hilfreich fand war "mach mal, wie du denkst" und dann keine konkreten Vorschläge bekommen, wenn man falsch gedacht hatte. Den Zustand hatte ich während der Hälfte von 8 Praktika. Während der anderen Hälfte wurde jede Stunde minutengenau zerlegt und diskutiert was gut und schlecht war. Sehr konstruktiv. Ich fand es auch gut, dass vor allem im Abschlusspraktikum in der Chemie meine Praxislehrperson ein absolut detailliertes Stundenraster eingefordert hat wie ich es hinterher nie wieder gemacht habe. Man hat die Spontanität einfach mal irgendwas aus dem Ärmel zu schütteln während der Ausbildung einfach noch nicht und muss sich eine Zeit lang wirklich sehr intensiv mit dem Zeitmanagement auseinandersetzen. Vollkommen überflüssig fand ich jedoch zu jedem Zeitpunkt Kommentare zu meiner Person. Die Situation in einer Ausbildungsklasse ist so künstlich, dass die Praxislehrperson einfach nicht beurteilen kann, wie man sich auf der zwischenmenschlichen Ebene "normal" verhalten würde. Ich selbst als Praxislehrperspon versuche mich da aufs allernötigste zu beschränken. Ich gebe nur weiter, wenn die Jugendlichen z. B. reklamieren, dass sie sich nicht ernst genommen fühlen (den Fall hatte ich schon). Insgesamt hatte ich während der Ausbildung viel zu wenig Zeit zum Hospitieren. Das habe ich danach in den ersten beiden Berufsjahren sehr intensiv bei erfahrenen Kollegen nachgeholt. Ich muss einfach ganz konkret sehen und hören was läuft nur so kann ich für mich überlegen was ich davon gebrauchen kann und wie ich es allenfalls anders machen würde. Was mir entsprechend nullkommagarnichts gebracht hat war das hypothetisch-allgemeine Geschwafel in den erziehungswissenschaftlichen Seminaren. Ich kümmere mich dann um Probleme, wenn ich sie konkret habe.

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • Irgendwann fragte dann mal eine Schülerin, warum wir das jetzt eigentlich nochmal machen

    Irsinn. Da hat tatsächlich jemand gemerkt, dass Du das schon mal erzählt hast? In dem Fall war die erste Stunde nicht so schlecht! :rofl:

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • - Sie sind semestergemischt, das heißt, es sitzen immer Referendare in verschiedenen Stadien des Refs zusammen. Mit den fortgeschrittenen Referendaren kann man sich gut austauschen und viel von ihren Erfahrungen, sowohl in Bezug auf den Unterricht als auch auf Kniffe in der Ausbildung selbst, profitieren. Ist man selbst fortgeschritten, ist die stete Wiederholung bestimmter Didaktik- und Methodikprämissen im Prinzip eine gute Vorbereitung für das Examen, da diese einem irgendwann in Fleisch und Blut übergehen.


    - Jedes Modul startet mit einem sog. Modulbesuch, das heißt, alle Modulteilnehmer+Studienleitung, der Mentor und tw. auch die Schulleitung hospitieren in einer Unterrichtsstunde, die anschließend gründlich (mind. 45 Minuten) durch den Referendar und die gesamte Gruppe reflektiert wird. An dieser Stelle wird von der Studienleitung nicht nur Rückmeldung zur Stunde gegeben, sondern auch zur Reflexion selbst, die über Gelingen und Scheitern der Examenslehrprobe entscheiden kann. Die Referendare können persönliche Arbeitsschwerpunkte nennen, die im Unterricht beobachtet werden sollten. So sieht man viel verschiedenen Unterricht und erhält gute Einblicke in verschiedene Unterrichtsstile und -qualitäten.


    -Ich hatte unglaublich gute Studienleiterinnen (es waren ausschließlich Frauen), die immer für eine gute Diskussionskultur und Atmosphäre gesorgt haben und zum Großteil qualitativ sehr hochwertige Module gehalten haben.

    So war es bei mir auch.

    3 von 4 SeminarleiterInnen waren wirklich gut und - vor allem - war in unserem Ausbildungsseminar insgesamt die Stimmung unter den Refs gut, während bekannt war, dass an einem anderen Standort die Referendare durch die SeminarleiterInnen angehalten wurden, sich gegenseitig zu zerfleischen.

    Bei uns war es eher ein Miteinander, was zum Teil absichtlich gefördert wurde. Die Pädagogik-Sitzungen hatten jedes Mal 3 Zeitstunden, dabei gab es aber IMMER eine Gruppenarbeitsphase. Der Päd-Seminarleiter hat offen zugestanden, dass ihm bewusst sei, dass wir die Aufgabe in kürzerer Zeit erledigen könnten, dass ihm aber wichtig sei, dass wir uns zum Thema oder auch zum Ref austauschen würden.

    Was mancher vielleicht als verschwendete Zeit ansehen würde, war für uns absolut wichtig und hilfreich. Manche Fragen kann man besser mit anderen Referendaren besprechen, manch einer hatte ggf. auch niemanden in der Schule, der gefragt werden konnte, und die Referendare sind insgesamt einfach näher an dem, was gerade gefordert ist, als es MentorInnen sein können.

    SeminarleiterInnen würden ggf. auch helfen wollen, von einem Bekannten, der es inzwischen selbst ist, weiß ich, dass die Rolle es mit sich bringt, dass man eher als "Bewerter" oder "Prüfer" eingeschätzt wird, sodass die Refs vorsichtig damit sind, etwas zu fragen oder zu hinterfragen.


    Wirklich beeindruckend gut finde ich übrigens die heutigen Reflexionsphasen nach den UB bei allen Seminarleitungen, die ich in den vergangenen Jahren gesehen habe. Eine Seminarleiterin bringt jedes Mal kleine Karteikarten mit und schreibt sehr wertschätzend alles Positive auf Karten einer Farbe. Danach gibt es auch Kritik an dem, was noch verbessert werden sollte, es wird sehr konstruktiv besprochen, man kann nachfragen, bis man versteht, worum es geht und letztlich werden jeweils die einzelnen Aspekte gemeinsam sehr klar formuliert und auf Karten anderer Farbe notiert.

  • Insgesamt hatte ich während der Ausbildung viel zu wenig Zeit zum Hospitieren.

    Beim Hospitieren frage ich mich immer wieder, wann das sinnvoll ist.

    Meiner Meinung nach muss man erst einmal selbst ein wenig unterrichtet haben, um einen Blick auf bestimmte Dinge zu bekommen oder Fragen zu entwickeln.

    Mit der eigenen Erfahrung geht man in Hospitationen anders herein als im Studium mit einer Beobachtungsaufgabe.


    Gegenseitige Hospitationen werden ja an anderer Stelle fürs Kollegium auch immer vorgeschlagen und gepriesen, aber auch dafür gibt es keinerlei Ressourcen. Sinnvoll wäre es sicher auch, solche Möglichkeiten schulformübergreifend zu haben.

    Die Seminare waren früher gemischt, sodass man im Ref durch die Hosptiationen in verschiedenen Schulen und Schulformen landete. Vor Ort ist es immer noch so. Das kann schwierig sein, wenn das Seminar klein oder eine Schulform in die Minderheit gerät, aber Einblick in die unterschiedlichen Stufen erhält man dennoch.

    Sind dort, wo das Lehramt auf genau eine Schulform ausgerichtet ist, die Ausbildungsseminare nur darauf bezogen? Gibt es dann ggf. angesetzte Hospitationen in anderen Schulformen?

  • Gegenseitige Hospitationen werden ja an anderer Stelle fürs Kollegium auch immer vorgeschlagen und gepriesen, aber auch dafür gibt es keinerlei Ressourcen.

    Welche speziellen "Ressourcen" soll es denn dafür geben? Ich schaue halt die Stundenpläne an, frage einen Kollegen ob es OK ist wenn ich mit hinten reinsetze und dann mache ich das so. Man muss nicht immer alles kompliziert und bürokratisch machen.


    Aber Du hast Recht dass die Hospitation mehr bringt, wenn man selber schon mal ne Ahnung von der Sache hat. Am Anfang ist es auch auch sehr schwierig vorauszudenken, was nach Thema X als nächstes kommt und wie man im Thema Y auf X wieder zurückgreifen könnte etc. Dafür muss man den ganzen "Zyklus" einmal selbst durchgemacht haben.

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • Welche speziellen "Ressourcen" soll es denn dafür geben? Ich schaue halt die Stundenpläne an, frage einen Kollegen ob es OK ist wenn ich mit hinten reinsetze und dann mache ich das so. Man muss nicht immer alles kompliziert und bürokratisch machen.


    Hospitation sollte immer eine Zielsetzung haben.

    Ich hospitiere auch noch gerne, zum Beispiel im Labor oder, in diesem Schuljahr, weil ich in einen neuen Bildungsgang kam und schauen wollte, wie da der Umgang so ist und die Vorbereitung auf die Prüfung.


    Hospitation um "guten Unterricht" zu sehen, finde ich schwierig. Dahinter steckt ja immer mehr als eine einzelne Unterrichtsstunde.

    Wobei mir das bei gewissen Lehrern auch geholfen hat, die Grundstruktur zu sehen. Einstieg/Frontale Phase, Arbeitsphase, Sicherung.

  • Ich schaue halt die Stundenpläne an, frage einen Kollegen ob es OK ist wenn ich mit hinten reinsetze und dann mache ich das so.

    Ich schaue meinen Stundenplan an und stelle fest, dass ich jede Stunde, die zur Verfügung steht, selbst in einer Klasse stecke.

    Das mag an weiterführenden Schulen anders sein, es gibt aber Grundschulen, in denen sind Springstunden bei Vollzeitlehrkräften gar nicht möglich.

    Entsprechend bräuchte es eine Regelung, auf welche Weise Vertretung organisiert sein kann, um gegenseitige Hospitationen zu ermöglichen.

  • Dahinter steckt ja immer mehr als eine einzelne Unterrichtsstunde.

    Ich hospitiere wenn auch nicht einzelnen Stunden sondern die ganze Reihe, das ist ja klar.



    Ich schaue meinen Stundenplan an und stelle fest, dass ich jede Stunde, die zur Verfügung steht, selbst in einer Klasse stecke.

    Dann ist "Ressourcen" das falsche Wort.

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  • Dann ist "Ressourcen" das falsche Wort.

    Dann finden Sie einfach ein passenderes, das ausdrückt, dass im System keinerlei zusätzlich Lehrkräftestunden vorhanden sind, sodass ein Hospitieren nicht möglich sein kann, da eine Vollzeitlehrkraft in einer Halbtagesschule in jeder Unterrichtsstunde eingesetzt sein muss und keinerlei freie Zeiten zur Verfügung hat.

  • In unserem Kollegium machen wir alle zwei Monate Hospitationen in Kleingruppen. Wir sind in vier Gruppen eingeteilt und zeigen jeweils einmal Unterricht bzw. hospitieren die übrigen Male.

    So fallen zwar immer einige Unterrichtsstunden aus, aber der kollegiale Austausch bleibt erhalten.

    Ich finde, das lohnt sich wirklich.

    Bei Vollzeit an der Grundschule im Alltagsgeschäft zu hospitieren ist quasi unmöglich: bei einem Deputat von 28 Stunden bleiben eigentlich keine Freistunden, außer man hat Doppelsteckungen, die man ggf dann nicht macht.

    Falls man nicht sowieso gerade vertreten muss...

    Ich kenn das aus meiner Zeit als Vertretung an der Grundschule. Hätte ich keine Doppelsteckungen gehabt, hätte ich wohl nie Unterricht von meinen Kollegen zu sehen bekommen, einfach weil es keine Zeit dafür gab.

    In den weiterführenden Schulen geht das eher mal, wird aber meiner Erfahrung nach kaum von examinierten KuK genutzt, sondern ausschließlich von Praktikanten oder Referendaren. Oder hat da jemand andere Erfahrungen?

  • Zum Thema hospitieren:


    In NRW ist es üblicherweise so, dass man anfangs einen großen Teil der 14 Stunden hospitiert, dann irgendwann aber auch viele der Stunden übernimmt. Sobald man den eigenständigen Unterricht mit 9 Stunden hat, wird im Prinzip erwartet, kaum noch zu hospitieren, sondern den Rest auch eher zu halten (alleine schon im Hinblick auf die vielen Besuche).


    Ich empfand das hospitieren am Anfang als relativ sinnlos, weil ich endlich selbst ran wollte. Erst sobald man selbst unterrichtet erkennt man wirklich, was man vom hospitieren hat.

  • ...Erst sobald man selbst unterrichtet erkennt man wirklich, was man vom hospitieren hat.

    Absolut, sonst ist es nur ein "hinten-drin-sitzen".


    Heute hospitiere ich nur ab und an wegen Schüler*innen, z.B. bei Diagnostik. Wir sind auch nicht doppelt gesteckt. Ob ich ein systematisches Hospitieren sinnvoll finde weiß ich nicht. Es hat sicher Vorteile, abgucken kann man sich immer was und man schwimmt nicht so im eigenen Saft, aber zusätzlich zum eigenen Unterricht würde ich es nicht machen. Und auf Zwang ist vermutlich eher unproduktiv, sich gegenseitig Showstunden vorbereiten fänd ich doof.


    Organisierte Kooperation hätte ich gern in anderen Bereichen, z.B. in Form eines kollegiumsinternen Portals, in dem Fortbildungsinhalte gesammelt werden. Oder eine gemeinsame "Methoden-/Materialkiste"...

  • Kann ich verstehen, wenn man sich gegenseitig so Zauberstunden zeigt.

    Aber solche Stunden habe da tatsächlich noch nicht gesehen. Da wird eher Alltagsgeschäft gezeigt. Das, was ich als Referendarin auch gebraucht hab: guter, alltagstauglicher Unterricht, den man mit angemessenem Arbeitsaufwand vorbereiten kann.


    Alles andere ist auch nur Mehraufwand ohne Sinn.


    Materialien zu sammeln und auszutauschen halte ich für sehr sinnvoll, allerdings am besten digital. In meinem Kollegium wird auch viel gesammelt und zur Verfügung gestellt, allerdings analog und zum Teil in nicht mehr kopierfähiger Qualität, das ist so schade, weil da wirklich tolle Sachen dabei sind.

  • Hospitieren hat mir im Referendariat ziemlich wenig gebracht.

    Ganz oft saß ich in Stunden, in denen der Kollege Alltagsunterrich gemacht hat und danach zu mir sagte "mach das bloß nicht so in der Lehrprobe".


    Was mir viel gebracht hat war es gemeinsam mit der Seminarlehrerin Unterricht zu entwickeln, bei der Durchführung anwesend zu sein und nachher zu fachsimpeln, was gut und schlecht lief und welche Methode vielleicht auch gepasst hätte. Sowas hätte ich mir viel öfter gewünscht.


    Wenn ich das Ref. reformieren dürfte, dann würde ich die Referendare am Anfang mit vorhandenem Unterricht ausstatten, den sie so halten sollen. Danach müsste gemeinsam reflektiert werden und der Unterricht gemeinsam verbessert werden. Zum einen lernen die Referendare dann gleich mit vorhandenem Material zu arbeiten und Materialien zu tauschen. Zum anderen müssen sie nicht auf die Schnauze fallen, sondern lernen erst mal guten Unterricht zu halten.


    Erst im fortgeschrittenen Stadium würde ich verlangen, dass sie selbst Unterricht entwickeln. Dann haben sie schon Erfahrungen was gut lief und was nicht und worauf es ankommt.

  • Ganz oft saß ich in Stunden, in denen der Kollege Alltagsunterrich gemacht hat und danach zu mir sagte "mach das bloß nicht so in der Lehrprobe".

    Das dachte ich sehr oft und ich hab mich auch erwischt zu denken, dass die Hospitation bei Kollegen XY mir nichts bringt. Retrospektive hat man aber bei fast jedem Kollegen etwas gesehen zur Struktur des Alltagsgeschäftes, zum Classroom Management usw.


    Eine Kollegin hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt. Der Unterricht war nach Seminarkriterien echt schlecht, aber diese Frau konnte mit den Schülern der Klassen 5-7 so unfassbar toll umgehen. Da konnte man so viel anderes bei lernen und abschauen.

  • ... Retrospektive hat man aber bei fast jedem Kollegen etwas gesehen zur Struktur des Alltagsgeschäftes, zum Classroom Management usw.

    Ich finde übrigens, das lässt sich auf jegliches Fortbildungswissen übertragen. Es ist schade, wenn Forenkollegen finden, man lernte hier nichts Neues dazu, werde sowieso nicht von Argumenten überzeugt oder in Fobis erst mal gejammert wird, das man alles schon wisse und der Referent keine Ahnung habe. Zuhören und etwas in das eigene Wissen zu integrieren sollte nicht mit dem Uniabschluss beigelegt werden.

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