• Was macht ihr wenn ein Schüler oder eine Schülerin sich ritzt? Mir ist es bei einer Schülerin aufgefallen. Soll ich es einfach vergessen oder sie darauf ansprechen? Oder soll ich irgendjemand anderem Bescheid sagen?
    PS: Bin weder Klassenlehrerin noch Vertrauenslehrerin.

  • Morgen,


    man spricht die KL an, ob es bereits aufgefallen ist. Diese wendet sich in der Regel an die Eltern, die Schülerin, die Schulsozialarbeit, die Vertrauenslehrer, gibt Anlaufstellen für das Kind weiter, etc.
    Wir sind keine Therapeuten oder Psychologen und sollten an kompetentere Stellen vermitteln.

  • Probleme der Schüler


    Ist das die gleiche Schülerin?
    Dann auf jeden Fall andere mit ins Boot holen. Das ist ein Problem für das wir nicht ausgebildet sind.


    Damit meine ich jetzt nicht, gleich zu zweit zum Gespräch erscheinen aber z.B. im Vorfeld mit der Klassleitung Kontakt aufnehmen und sich erkundigen ob schon mal was unternommen wurde.


    @TE welchen Status hast du? Referendarin oder schon fertig? Gerade bei Referendaren besteht oft die Gefahr, dass sie zu viel an sich heran lassen und zu lange versuchen Sachen alleine zu lösen. Deshalb wäge bitte gut ab, was du machen kannst und wo du dir Hilfe von anderen suchen solltest.

  • ...die Frage stellen sich hier wohl mehrere...
    ...sehr wahrscheinlich ist aber, dass es um dasselbe Mädchen geht, oder?


    So... jetzt mal "ganz allgemein" von mir dazu, unabhängig davon, ob die Schreibende nun die besagte Schülerin ist, oder eine noch recht unerfahrene Kollegin (oder Referendarin), die bisher mit dem Thema eben nichts zu tun hatte:


    Die Lehrerin ist sicher nicht die verkehrteste Adresse, um sich Hilfe zu holen, vor allem wenn das Mädchen schon so weit ist, zu erkennen, dass es Hilfe braucht (das ist der erste Schritt, und oft der schwierigste). Wenn eine Lehrerin konkret angesprochen wird, sollte sie sich in so einem Fall die Zeit nehmen, sich anzuhören, was das Mädchen mal "loswerden" will. Wahrscheinlich kommen dabei schon die Gründe für das Ritzen ans Tageslicht. Danach würde ich ein Gespräch mit der KL anraten, auch um abzugleichen, was sie so über das Kind weiß, und dann nach einem Weg suchen, hier professionelle psychologische Hilfe zu organisieren. Ob die Eltern "mit ins Boot" gehören ist u.a. davon abhängig, ob die vllt sogar der Grund für das Ritzen sind (kann ja durchaus sein).


    Also... bist du eine Kollegin, frag ruhig weiter, dafür ist so ein Forum da.
    Bist du die Schülerin, dann geh zu deiner Lehrerin und sprich mit ihr, das ist zumindest ein Anfang.

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  • Also, ich bin noch Referendarin. Es ist nicht die selbe Schülerin. Aber bei der, die mich angesprochen hat, habe ich auch die Vermutung, dass sie sich ritzt. Warum ich das vermute? Im Sportunterricht sieht man deutlich, dass sie schwitzt und trotzdem zieht sie immer einen Pullover an. Ich weiß, muss nicht sein...

  • Häng Dich als Referendarin da bloss nicht zu fest rein, haben andere ja auch schon geraten. Das ist ein Fall für einen Psychologen, wir sind als Lehrpersonen nicht dafür ausgebildet bei sowas professionell zu helfen. Deine Aufgabe ist es Hilfe zu organisieren und das läuft zwingend über die Klassenleitung. Es gibt als Klassenleitung echt nichts nervtötenderes als wenn einzelne Leute im Klassenteam "Amok laufen" und meinen da im Alleingang irgendwas wursten zu müssen.

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • Nachdem du aus BW kommst @lottchen.3: Abgesehen vom Gespräch mit Klassenleitung (gilt sowohl bei der Schülerin, von der du weißt, dass sie sich ritzt, als auch für die, bei der du das lediglich vermutest; am Ende hat diese einfach nur eine fies aussehende Hauterkrankung und möchte sich die Kommentare von Mitschülern dazu ersparen, was der Klassenleitung vermutlich bekannt wäre, man als Ref aber nicht unbedingt weiß) ist auch die schulpsychologische Beratungsstelle deines Schulamtsbezirks ein guter und kompetenter Ansprechpartner, gerade auch um sich Handlungssicherheit zu holen zum weiteren Vorgehen. Auch die Beratungslehrerin, wenn ihr diese an der Schule haben solltet, könnte eine gute Ansprechpartnerin für dich, wie auch die Schülerinnen sein. In jedem Fall: Kein Aktionismus, übernimm dich nicht, beachte deine Grenzen und die deiner Schülerinnen, hol dir kompetente und erfahrene KuK deiner Schule mit ins Boot, die die Schülerinnen länger/besser kennen.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ich habe gerade auch in beiden fällen an die Schulpsychologische Beratungsstelle gedacht oder alternativ eine andere auf Jugendliche spezialisierte Beratungsstelle in der Umgebung. Insbesondere dann wenn wie im anderen Thread die Schülerin nicht zur Schulsozialarbeiterin möchte. Würde aber diese Schritte vorher mit der KL absprechen und ggf. schauen wie man in der Schule unterstützen kann, auch wenn wir als Lehrkräfte natürlich nicht das eigentliche Problem dahinter lösen können.

  • Ich werde beide Schülerinnen morgen mal darauf ansprechen und dann mit ihnen das weitere Verfahren bespechen. Bei der einen ist es ja nicht einmal sicher, dass sie sich tatsächlich ritzt. Oder meint ihr ich sollte die KL davor einschalten und die dann alles weitere erledigen lassen?
    Oh man ich merke, ich zerbreche mir den Kopf mal wieder viel zu sehr. Tut mir leid, für das häufige Fragen.

  • Oder meint ihr ich sollte die KL davor einschalten

    Ja, auf jeden Fall. Ein koordiniertes Vorgehen ist in solchen Fällen absolut wichtig, alles andere nützt auch der betroffenen Schülerin nichts. Wenn die Klassenleitung davon schon weiss und bereits Massnahmen eingeleitet sind, dann funkst Du nur unnötig dazwischen wenn Du die Schülerin direkt ansprichst. Auch wenn die Klassenleitung davon noch nichts weiss ist es besser, Dich vorläufig zurückzuhalten und die Sache noch zu beobachten. Was willst Du denn auch tun? Zur Schülerin hingehen und sie fragen, ob sie sich ritzt? Vielleicht hat sie ein hässliches Muttermal auf dem Arm für das sie sich schämt oder weiss der Geier was sonst. Auf so ein Gespräch muss man sich schon sehr gut vorbereiten sonst richtet man mehr Schaden an, als dass es nützlich ist.

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    Noch schlimmer? Was kann denn noch schlimmer sein? Jehova! Jehova! Jehova!

  • falls es wirklich um "echtes" ritzen geht:


    Setzt bloß nicht so viel Hoffnung rein da irgendwie helfen zu können...


    Ritzen deutet ja in Richtung Borderline Störung. Ich gab 6 Jahre in nem Zentrum für berufliche Rehabilitation gearbeitet und dort gab es einige Schüler mit Borderline. Wir hatten desshalb auch ne Weiterbildung dazu. Meine Take-Home-Message davon war damals "Lehrer könne da nicht helfen, selbst Profis (Psychologen u.ä.) tun sich schwer."


    Wenn es sarum geht kannst du nur Kontakt zu Beratungsstellen herstellen, sonst kannst du nicht helfen.

  • falls es wirklich um "echtes" ritzen geht:

    Ich störe mich ein wenig an "echt". Es gibt kein "unechtes" Ritzen. Jede vorsätzliche Selbstverletzung ist das Symptom ernsthafter psychischer Probleme. Dass Ritzen als "Ruf nach Aufmerksamkeit" interpretiert wird, macht den Sachverhalt nicht weniger ernst. Profesionelle Intervention ist gefragt und die können wir - wie alle Kommentatoren bislang sagen - als Lehrer nicht leisten.

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