Wie geht ihr dem Corona-Virus entgegen?

  • Uns wurde gesagt, nach den Ferien geht es ganz normal weiter, ohne Regeln.

    Einbahnstraßen bleiben, und Desinfektion. Der Rest ist bei uns gar nicht möglich, aufgrund viel zu kleiner Klassenräume.

    So, wie Tom123 es geschrieben hat, steht es aber im neuesten "Leitfaden" des nds. Kultusministeriums, der m. E. schon am 06.07. veröffentlicht wurde (hier kannst du ihn einsehen: https://www.mk.niedersachsen.d…ieder-starten-190409.html).

    Soll der bei euch nicht umgesetzt werden?

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Aber in SH habt ihr doch eh kaum mehr Fälle bzw. hattet nie wirklich viele, oder habe ich das falsch in Erinnerung?

    Das ist richtig und das ist der einzige Grund, warum es keine Superinfektionsorte in den Schulen gab. Das führt zu dieser trügerischen Sicherheit. Wenn im Herbst / Spätsommer dann doch Infizierte aus dem Urlaub zurückkommen, dann finden sie in den Schulen den perfekten Nährboden. Alle denken "es passiert ja schon nichts" so wie bei uns an der Schule, wo das Lehrerzimmer brechend voll ist, wo alle Klassen wild durcheinanderlaufen.

    Natürlich ist da nichts passiert, wenn zufällig (!!!) keiner infiziert war, weil in SLH eben sehr wenig Fälle waren, dann könnten die sich auch gegenseitig ansabbern und es wäre zu keiner Infektion gekommen.

    Das ist russisch Roulette, was mit uns Lehrern da gespielt wird (und einige KuK stört das gar nicht, die beteiligen sich munter daran).

    Das ist so, als würde man von Ministerium aus von den Chemielehrern verlangen, dass sie täglich ein eine Phiole mit unbekanntem Salz schlucken sollen, das man für sie hinstellt. Bislang war es zufällig Natriumchlorid, aber es hätte eben (mit zugegeben geringer Wahrscheinlichkeit) auch Natriumcyanid sein können. Und das finde ich eben einen Skandal, dass man aufgrund der geringen Wahrscheinlichkeit auf jeden Schutz der Lehrer verzichtet.

    Man könnte ja auch sagen Maskenpflicht in Innenräumen (so wie im Tierpark und im Supermarkt halt auch), aber nein, das macht man nicht.

    Man könnte ja auch sagen, dass weit über die Hälfte der Schüler weiterhin homeoffice machen muss, so, wie man beim Tierpark eben auch den Zugang vernünftig beschränkt. So wie man in jedem fucking Restaurant besser darauf achtet! Aber auch hier nein, es ist Vollbetrieb geplant (und wurde die letzte Woche vor den Ferien schon verwirklicht, Katastrophe).

    Es ist also defacto so, dass das Ministerium uns täglich Salz schlucken lässt und darauf hofft (!), dass halt kein Natriumcyanid dabei ist. Naja und wenn doch.... Kollateralschäden, auf die paar Lehrer kann man schon verzichten.

  • Ich finde den Begriff "Kein Superinfektionsort" auch nicht treffend um dann daraus abzuleiten, dass Schulen keine besonders gefährdeten Umgebungen sind. Ein Blick über die nationalen Grenzen hinaus könnte aufklärende Wirkung haben.

  • Die Schulen waren ja auch meist geschlossen. Selbst in Schweden wurden Schüler ab Klasse 10 per Fernunterricht beschult. Dort hatten 7.5 % der 0 bis 19 jährigen einen positiven Corona-Befund im Antikörpertest, 1% mehr als bei Erwachsenen. Was passiert, wenn die Schulen ohne Anstandsregel voll geöffnet werden, wird man dann im laufenden Betrieb sehen. Das nennt man im Kultusminister-Jargon: "Die Schulöffnung wird durch wissenschaftliche Studien begleitet." Oder auch: Glückwunsch, Sie sind Teil des Experiments.

  • Auch außerhalb des deutschsprachigen Raums kann einzig auf Israel verwiesen werden, wo von Schulen ein besonderes Infektionsrisiko ausging. Und das kann aus verschiedenen Gründen nicht mit Deutschland verglichen werden. Ganz abgesehen davon, dass es dabei m. W. um wenige Schulen ging und überwiegend um ältere SuS und nicht Kinder im Kindergartengarten- oder Grundschulalter.

  • Plattenspieler : Wie kommst du denn jetzt auf Kinder im Kiga- und Grundschulalter? Die hatte in diesem Zusammenhang m.E. hier noch niemand erwähnt. Und Firelilly arbeitet an einem Gymnasium, also mit ältereren SuS.

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  • ...Aber im Mikrokosmos Schule gilt das alles nicht, da pfercht man alle zusammen. Aber über Schlachtereibetriebe regt man sich auf. ..

    Ich denke, das ist ganz einfach zu erklären: im Schlachtbetrieb haben sich viele infiziert, in der Schule nicht.


    Das ist richtig und das ist der einzige Grund, warum es keine Superinfektionsorte in den Schulen gab.

    Klär mich auf, dass sich nicht viele anstecken weil es nicht viele Fälle gibt, klingt für mich einleuchtend. Dass deswegen weiter Homeschooling betrieben werden sollte klingt für mich nicht einleuchtend, denn: es gibt ja nur vereinzelte Fälle. Wenn sich das ändern sollte, muss man neu bewerten. Ist doch logisch, oder?


    Ich bin echt froh, dass die Dramatik und Unklarheit der Anfangszeit einer rationalen Art und Weise gewichen ist. Dass ältere Kollegen Angst haben, die vielleicht sogar Leute kennen, die im Koma lagen kann ich noch nachvollziehen, da wird die Relation ausgeblendet. Aber dass du als Naturwissenschaftlerin mit unnötiger Aufregung weitermachst finde ich unbegreiflich.

  • Ich bin echt froh, dass die Dramatik und Unklarheit der Anfangszeit einer rationalen Art und Weise gewichen ist. Dass ältere Kollegen Angst haben, die vielleicht sogar Leute kennen, die im Koma lagen kann ich noch nachvollziehen, da wird die Relation ausgeblendet. Aber dass du als Naturwissenschaftlerin mit unnötiger Aufregung weitermachst finde ich unbegreiflich.

    Ich freue mich auch, wenn es wieder richtig losgeht und die SchülerInnen waren auch immer froh, wenn sie Unterricht hatten und freuen sich bestimmt auch wieder auf Regelunterricht. Sie fanden das Distanzlernen deutlich anstrengender. Und die besten Freunde hängen in ihrer Freizeit eh ohne Abstandsregeln aufeinander ...

    Und unsere älteren KollegInnen waren alle wieder dabei, einige sogar vor der Attestregelung. Sie meinten, sie schützen sich eben so gut es geht (Schutzmaske z.B.)


    Aber samu lass, offenbar unterscheiden sich unsere Wahrnehmungen / Einschätzungen von denen von Firelilly / Sawe.

  • Auch außerhalb des deutschsprachigen Raums kann einzig auf Israel verwiesen werden, wo von Schulen ein besonderes Infektionsrisiko ausging. Und das kann aus verschiedenen Gründen nicht mit Deutschland verglichen werden. Ganz abgesehen davon, dass es dabei m. W. um wenige Schulen ging und überwiegend um ältere SuS und nicht Kinder im Kindergartengarten- oder Grundschulalter.

    Am 20.6. waren 200 Schulen in Israel wegen steigender Fallzahlen geschlossen. Am 09.06. waren über 340 Lehrer und Schüler dort positiv getestet. Das ist nicht gerade "wenige". Und ja, es geht v.a. um ältere Schüler. Darum geht es am Gymnasium bei uns auch, das wird nach meinem Eindruck sehr oft aus dem Blick verloren. Ich mache mir auch Gedanken um die Urlaubsrückkehrer, wir haben eine größere Schülergruppe aus dem Bereich Serbien / Kroatien, die normalerweise mit den Eltern den Urlaub auf dem Balkan verbringen. Und wie will man denn überprüfen, ob sich Heimkehrer aus Risikogebieten tatsächlich in Quarantäne begeben haben? Die Grenzen sind doch offen und ich weiß nicht, wer mit dem Auto wo hin gefahren ist. Ich gehe davon aus, dass durchaus einige Eltern einfach den Urlaubsort verschweigen. Das hatten wir schon im März beim Thema Südtirol. Es wurde abgefragt, wer in Corona-Gebieten im Urlaub war. Keiner. Nachher kam dann unter der Hand raus, dass doch Schüler und Kollegen davon betroffen waren. Im Ernstfall wäre es dann zu spät.


    Dass sich die Wahrnehmungen hier unterscheiden, liegt vll. auch an den unterschiedlichen Erfahrungen. Ich gehöre auch zu denen, in deren Umfeld Leute heftig von Corona betroffen waren - ein Todesfall, zwei schwere Verläufe mit langen Wochen im Krankenhaus, zwei Mal Langzeitfolgen mit dauerhaftem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns seit April. Der Todesfall und die schweren Verläufe übrigens ohne relevante Vorerkrankungen. So etwas gibt einem schon zu denken und führt dazu, dass ich mich nicht auf volle Klassenräume und dürftige Pseudo-Schutzmaßnahmen freue, so gern ich meine Schüler wiedersehe und so gern ich wieder "normal" unterrichten würde.

  • Die Grenzen sind doch offen und ich weiß nicht, wer mit dem Auto wo hin gefahren ist.

    Wie kommst du darauf, dass die offen sind? Wenn du einreist musst du vorher registriert sein, sonst darfst du nicht einreisen und das wird an der Grenze kontrolliert, genauso wie du aktuell z.B. nur an bestimmten Übergängen usw. rüber kommst. Von offenen Grenzen ist man hier weit entfernt.

  • Am 20.6. waren 200 Schulen in Israel wegen steigender Fallzahlen geschlossen.

    Bei einem positiv getesten Fall (Schüler, Lehrer, Sonstige) wird in Israel sofort die gesamte Schule geschlossen. Insofern: Nein, diese über 200 geschlossenen Schulen bedeuten nicht, dass das Virus sich dort überall rasant ausbreitete.

  • Bei einem positiv getesten Fall (Schüler, Lehrer, Sonstige) wird in Israel sofort die gesamte Schule geschlossen. Insofern: Nein, diese über 200 geschlossenen Schulen bedeuten nicht, dass das Virus sich dort überall rasant ausbreitete.

    Das wird aber in den Medien anders dargestellt. Dort ist die Rede davon, dass sich die Schulen zu Infektionsherden entwickelt haben. Auch in Frankreich gab es doch eine Berufs?-Schule, wo sich ein großer Teil der Schüler und Mitarbeiter angesteckt hat. Letztlich werden wir erst wissen, wie das Risiko für die Schulen ist, wenn Sie wieder normal öffnen. Und auch nach den Ferien werden wir ja nicht ohne Grund oft noch mit Einschränkungen öffnen.

  • Letztlich werden wir erst wissen, wie das Risiko für die Schulen ist, wenn Sie wieder normal öffnen. Und auch nach den Ferien werden wir ja nicht ohne Grund oft noch mit Einschränkungen öffnen.

    Sehe ich auch so!

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Dass sich die Wahrnehmungen hier unterscheiden, liegt vll. auch an den unterschiedlichen Erfahrungen.

    Das denke ich auch. Deswegen sollten kühle Köpfe das Geschehen beobachten und die Entscheidungen treffen, wie bisher auch.


    Dass die Reiserei erlaubt wird, finde ich übrigens auch nicht hilfreich, aber ich fliege eh nicht, mich schränkt das nicht ein. Wer unbedingt in der Türkei am Pool sitzen muss, sieht das sicher anders.

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