Pause vor oder nach dem Ref, dann wieder Einstieg?

  • Es ist natürlich richtig, dass manche auch schon mit 21 ihren Bachelor machen. Was du dich mal fragen könntest, ist: Habe ich vier Jahre lang Serien geguckt, in der Sonne gelegen und bei Starbucks alle Kaffeevarianten getestet? Oder habe ich Dinge getan, Neues gelernt, Erfahrungen gesammelt, die ich jetzt vielen anderen voraus habe und die ich später, bewusst oder unbewusst, in meine Arbeit in der Schule, aber auch in meine Erziehung, meine Beziehungen usw. einbringen werde?


    Mich triggern solche Themen immer etwas. Ich bin überzeugt, dass man nicht den besten Weg in den Job gewählt hat, wenn man mit 25 seine UPP absolviert und nach den Sommerferien seine Stelle antritt. Von mir selbst kann ich sagen, dass ich viele Erfahrungen gemacht habe und manches kann und weiß, dass für viele meiner Kolleginnen ganz weit weg ist. Und darunter ist vieles, dass ich im Beruf ganz unmittelbar anwenden kann. Bei mir persönlich hatte das zur Folge, dass ich wirklich erst sehr spät eine feste Stelle hatte und nun deutlich weniger verdiene als Kolleginnen, die vier Jahre lang studiert haben. Das ist natürlich bitter. Aber bei dir geht es ja «nur» um einen späteren Einstieg bei gleichem Gehalt. Ich würd’s machen.

    Verzeihung. Ich dachte schon, dass das jemanden triggern könnte. Daher wollte ich es anfangs vermeiden, auf diese Gedanken von mir näher einzugehen. Sie haben wie gesagt ausschließlich mit mir selbst zu tun und sind ein bisschen schwer zu erklären.


    Danke für den Rat!

  • Wir haben hin und wieder mal ReferendarInnen, die sind gerado so 24, wenn die zu uns kommen. Und die sind wie Oberstufenschüler. Nach dem Abitur direkt an der nächstgelegenen Uni die beiden LK Fächer auf Lehramt studiert, wenn dabei eine Fremdsprache ist, nur die absolute Minimalzeit im Ausland verbracht und nie mal irgendetwas ausprobiert. Das Studium über entweder bei den Eltern oder in von den Eltern finanzierter kleiner Wohnung (meist alleine) gelebt, an der Uni nur so viel Fachwissenschaft gemacht wie unbedingt nötig. Dazu meinen sie, weil sie fleißige Bienchen sind und in den "Auswendiglern-Klausuren" in EW und Fachdidaktik gute bis sehr gute Noten hatten, sie können besseren Unterricht machen, als die Ausbildungslehrer. Wenn sie Englisch studiert haben, kennen sie genau ein Shakespearestück, nämlich, das, was sie slebst als SchülerIn im LK gemacht haben. Das möchten sie dann auch den Rest ihres Lebens unterrichten. Sich in etwas Neues reinzuarbeiten ist völlig unmöglich.


    Meine Erfahrung ist, dass die ReferendarInnen, die ein bisschen älter sind, weil sie z.B. länger im Ausland waren, einen interessanten/aufwendigen Nebenjob hatten, an der Uni mehr gemacht haben, als sie mussten, vorher eine Ausbildung gemacht haben, etc. oft diejenigen sind, die zumindestens auf längere Zeit gesehen die besseren LehrerInnen werden.


    Die fleißigen Bienchen bereiten ihre UBs akribisch vor und kriegen dort oft auch gute Noten, aber der "andere" Schlag Referendare steht ganz anders vor der Klassen, kann anders mit Eltern und KollegInnen umgehen und ist insgesamt viel selbstbewusster. Gute Noten kriegen diese ReferendarInnen auch.


    Das sind jetzt natürlich nur Generalisierungen, aber ich denke, du hast deutlich mehr vom Leben und es auch einfacher im Beruf, wenn du nicht absolut geradlinig Lehrerin wirst. JETZT bist du jung und ungebunden. JETZT ist die Zeit, Erfahrungen zu machen, mal vom Weg abzukommen. Wenn du eine feste Stelle und ein Kind hast, dann sind die Zeiten erst mal vorbei. Und arbeiten musst du noch lange genug.

  • Diese Formulierung lässt tief blicken, finde ich. Vielleicht solltest Du diese Berufswahl mal komplett auf den Prüfstand stellen - mit 25 ist es dazu definitiv nicht zu spät.

    Ich drückte mich vor allem deshalb so aus, weil ich zwar sehr gerne als Lehrerin arbeiten würde, aber andere Berufswege grundsätzlich nicht ausschließe. Und wegen meines Problems mit dem Erweiterungsfach (im Sinne: wenn schon Lehrerin, dann mit den richtigen Fächern). Aber ich verstehe, was Du meinst; danke für den Kommentar!

  • Das Leben ist kein Wettrennen darum, wie schnell man im Beruf ist, eine Familie gründet oder was auch immer.
    Letztlich musst Du auf der Basis dessen, was Dir wichtig ist, diese Entscheidung treffen. Manches lässt sich auch schlichtweg nicht planen - das kommt so auf einen zu. Natürlich sollte man auch an morgen denken, aber eben nicht nur. Wenn bestimmte Dinge jetzt möglich sind und nicht per se andere Dinge endgültig ausschließen (sondern ggf. nur verschieben), dann sollte man sie machen. Auf dem Weg ins Morgen gibt es noch so viele Abzweigungen.

    Den geraden Weg bin ich nie gegangen - ich habe andere manchmal darum beneidet. Aber heute bin ich glücklich und ich weiß, warum ich diese Wege nie so gegangen bin. Ich komme aus einer Großstadt am Rhein und hätte nie gedacht, dass es ich einmal an die niederländische Grenze verschlägt. Ich bin mit 29 ins Ref (habe nach dem Erststudium noch ein Zweitstudium (Drittfach) draufgesetzt) und habe mit 31 dann meine volle Stelle angetreten. Mit 34 bin ich Vater geworden, das Eigenheim gab es dann mit 36. Vieles davon konnte ich zeitlich gar nicht so planen wie ich wollte - es kam eben so. Und es war bzw. ist gut so. Heute habe ich drei Kinder, an meiner alten Schule war irgendwann aufgrund des Umstands, dass ich mir Familie eben auch wichtig war, EDEKA. Also habe ich mich neu orientiert und bin andere Wege gegangen. Ob ich wieder in den aktiven Schuldienst an der Front zurückgehe, weiß ich noch nicht. Diese Flexibilität möchte ich mir aber bewahren.
    Am Ende wird es wieder so, dass es gut ist.

  • Familie gründen ist nicht mein Ding, ich habe allerdings auch den Weg ins Lehramt sehr schnell durchgezogen, mit 26 habe ich meine UPP gemacht und danach habe ich sofort meine feste Stelle angetreten.


    War das nötig? Natürlich nicht. Aber ich wollte einfach so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen und ein ordentliches Gehalt beziehen. Außerdem war die Stelle an meiner absoluten Traumschule und in den Jahren seitdem, wurde nichts vergleichbares mehr ausgeschrieben, das war eine Chance, die ich ergreifen musste.


    Ich finde übrigens nicht, dass ich nichts gesehen habe, ich habe seit der Oberstufenzeit in diversen "normalen" und "niederen" Jobs gearbeitet. An der Uni habe ich übrigens auch mehr gemacht als nötig, nur am Ende war dann doch die Luft raus und ich habe das Lehramt zu Ende gemacht.

  • An den letzten beiden Postings sieht man übrigens noch einmal, wie unterschiedlich Lebensentwürfe und Ziele sein können. In beiden Fällen hat man das getan, was einem wichtig war. Letztlich muss man ja selbst damit glücklich sein.

  • Ich möchte mich dafür entschuldigen, dass ich es nicht geschafft habe, früher zu antworten.


    Bolzbold


    Vielen Dank dafür, dass Du Deine Erfahrungen und Deinen Weg so offen mit mir geteilt hast. Es stimmt schon, dass das Leben kein Wettrennen ist. Ich werde mir das alles zu Herzen nehmen!


    Nur diesen Teil habe ich nicht ganz verstanden:

    Heute habe ich drei Kinder, an meiner alten Schule war irgendwann aufgrund des Umstands, dass ich mir Familie eben auch wichtig war, EDEKA. Also habe ich mich neu orientiert und bin andere Wege gegangen.

  • 2026 findet der Wechsel von G8 auf G9 in NRW statt. Das sollte man berücksichtigen, sofern man keine Mangelfächer hat.

    Entschuldigung, das verstehe ich nicht ganz. Warum sollte man das berücksichtigen, wenn man keine Mangelfächer hat?

  • Entschuldigung, das verstehe ich nicht ganz. Warum sollte man das berücksichtigen, wenn man keine Mangelfächer hat?

    Weil sich hier für Leute ohne Mangelfach - möglicherweise aber zeitlich begrenzt - Einstellungschancen ergeben.

    Gib einem Hungrigen einen Fisch, und er ist für einen Tag satt. Zeig ihm, wie man angelt, und er pöbelt Dich an, dass er besseres zu tun hätte, als Schnüre ins Wasser hängen zu lassen.


  • Dadurch, dass ich mich nicht exklusiv ohne Rücksicht auf meine Familie oder mich selbst der Schule zur Verfügung gestellt habe, hat meine Schulleitung entschieden, dass ich mich nicht mehr weiterentwickeln kann. Die nachfolgenden Beförderungsstellen nach A15 wurden daher an solche Kollegen vergeben, die mehr familiäres Backing hatten - und obendrein kein Korrekturfach besaßen.
    Im Nachhinein bin ich froh, dass es so gekommen ist - sonst wäre ich an meiner alten Schule womöglich jetzt kommissarischer Schulleiter und das in Corona-Zeiten.

  • Dadurch, dass ich mich nicht exklusiv ohne Rücksicht auf meine Familie oder mich selbst der Schule zur Verfügung gestellt habe, hat meine Schulleitung entschieden, dass ich mich nicht mehr weiterentwickeln kann. Die nachfolgenden Beförderungsstellen nach A15 wurden daher an solche Kollegen vergeben, die mehr familiäres Backing hatten - und obendrein kein Korrekturfach besaßen.
    Im Nachhinein bin ich froh, dass es so gekommen ist - sonst wäre ich an meiner alten Schule womöglich jetzt kommissarischer Schulleiter und das in Corona-Zeiten.

    Ich verstehe. Danke für die Erklärung!

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