So wohnt Deutschland...

  • Warum der "verwirrt"-Smiley? Ich habe ja nicht geschrieben, dass das unmöglich wäre, sondern einfach gefragt, wie sich die Leute eher entscheiden würden, die es sich erlauben können, wählerisch zu sein, und du hast ja direkt eine in meinen Augen nachvollziehbare Antwort geschrieben.


    Gute Frage, ob die richtig Reichen eher direkt in Frankfurt oder im reichen Taunus wohnen würden. Der Lerchesberg ist schon ganz schick, aber natürlich in einer gaaaaanz anderen Gehaltsklasse.

  • Weil, ich es verwirrend finde, dass du IMMER das Ideal des freistehenden Häuschens als propagierst. Du solltest akzeptieren, dass nicht jeder gerne auf dem Kaff lebt.

    Das habe ich nicht. Ich habe gefragt, wofür sich Leute entscheiden, die wählerisch sein können, und du hast geschrieben, dass eben auch Leute bewusst gerne im Europaviertel wohnen möchten. Alles völlig legitim!

  • Können Hochhäuser jedoch leiser und sauberer ausfallen, wenn höhere Kriterien bei der Auswahl der Bewohner angesetzt werden?

    Wo sollen eigentlich deiner Meinung nach Sozialhilfeempfänger und Geringverdiener wohnen? Die leben frecherweise unermüdlich weiter. Und ja, ein Teil der Menschen ist sogar arm und laut und schmeißt seinen Müll in den Hof und muss trotzdem wo wohnen.


    Das Problem ist nicht das Hochhaus als Gebäude, man könnte eine Dachterrasse mit Pool installieren und für 20 Eur kalt vermieten, dann würden wohlhabendere Leute einziehen. Würdest du dieses Haus aber in ein Brennpunktviertel stellen, würde es einfach leerstehen. Die Leute wollen nämlich auch nicht bei Netto einkaufen, vor dem Betrunkene rumlungern und ihre Kinder auf Spielplätze schicken, auf denen sich Nazis treffen.


    Meine Schüler kommen zu 95% aus dem Brennpunkt, da möchte mancher wegziehen, und zwar völlig egal, wie hoch das Haus ist. Zum Beispiel weil man keine Nacht ruhig schlafen kann. Geht aber nicht, weil die schönen Viertel nicht mehr bezahlbar sind. Wo sollen sie also hin? Aufs Land?

  • Ich bin verwirrt: Ist es Rassismus oder eher Klassismus?

    Weder noch. Höhere Kriterien heißt weder, dass bestimmte ethnische, noch dass bestimmte sozioökonomische Gruppen ausgeschlossen sind. Warum sollte eine bestimmte ethnische noch eine bestimmte sozioökonomische Gruppe per se zu einer lauteren oder dreckigeren Wohnumgebung führen? Und genau darum ging es doch.

  • Wo sollen sie also hin? Aufs Land?

    Immerhin findest du da in vielen Gegenden weder Betrunkene vorm Netto noch Nazis auf dem Spielplatz - weil es beides nicht gibt. Also Betrunkene und Nazis schon, eh klar.

    Selbst ein Friseur schafft es nicht, montags vor 10 Uhr so viele Gerüchte in die Welt zu setzen, wie das Kollegium eines Lehrerzimmers. (c) calmac

  • @karuna: In Deutschland ist tatsächlich so, dass es arme und reiche Viertel gibt, ein Miteinanderleben ist so weniger gegeben, vielmehr ist es ein Nebeneinanderleben. Dass Geringverdiener laut sind und Müll verursachen, finde ich erst einmal eine gewage Aussage, die es zu überprüfen gilt. Sollte es sich bewahrheiten, sollte daran gearbeitet werden, denn während der eigene sozioökonomische Status nur bedingt beeinflusst werden kann, ist das kein Grund, sich asozial gegenüber seinen Mitmenschen zu verhalten. Die Herausforderung ist, dass ein einzelnes Haus ein Wohngebiet in der Wohnqualität herunterziehen kann, ein einzelnes Haus aber im Gegenzug ein eher schlechtes Wohngebiet nur bedingt aufwerten kann.

    Ich kenne Brennpunkte nur aus Reportagen. Da gab es durchaus Leute, die sagen, dass das ihre Heimat sei und sie gerne dort bleiben möchten. Ob sie das ernst meinen oder sich die Situation nur schönreden, mag ich nicht zu beurteilen.

    Ein Umzug auf das Land könnte eine Option sein, setzt aber natürlich ein Auto voraus, was evtl. nicht gegeben ist.

  • Und zum Auslandsjahr: sie wohnt ja nicht bei dir im Haus. Mich würde interessieren, ob Menschen, die im Haus der Eltern wohnen, seltener für längere Zeit ins Ausland gehen. Ich weiß es nicht, es war nur ein Gedanke.

    Ich habe auf mein Auslandssemester letztlich verzichtet, WEIL ich eine eigene Wohnung hatte. Untervermieten konnte ich mir absolut nicht vorstellen (fremde Leute in meinen Sachen... meh) und parallel die Kosten fürs Ausland stemmen und meine Wohnung ungenutzt weiterlaufen zu lassen, war finanziell schlicht nicht drin.

    Hätte ich noch zu Hause gewohnt, wäre das alles gar kein Thema gewesen. Aber so vorausschauend war ich beim Auszug leider nicht.

  • ...Dass Geringverdiener laut sind und Müll verursachen, finde ich erst einmal eine gewage Aussage, ...

    Wofür steht sozio in sozioökonomisch deiner Meinung nach?


    Weder noch. Höhere Kriterien heißt weder, dass bestimmte ethnische, noch dass bestimmte sozioökonomische Gruppen ausgeschlossen sind. Warum sollte eine bestimmte ethnische noch eine bestimmte sozioökonomische Gruppe per se zu einer lauteren oder dreckigeren Wohnumgebung führen? Und genau darum ging es doch.

    Na dann bin ich jetzt sehr gespannt auf deine Auswahlkriterien.

  • Wonach selektierst Du denn dann, wenn nicht nach Herkunft oder nach Geld?

    Wenn ich ein Vermieter wäre, würde ich natürlich darauf achten, dass eine regelmäßige Einkommensquelle besteht. Was ich aber eher meinte, ist, direkt zu überprüfen, ob Bewerber das Zeug haben, angenehme Mieter zu sein: Gegenstände pfleglich behandeln, mit Tieren oder Kindern liebevoll umgehen, Hausregeln respektieren, einen angemessenen Umgang mit Nachbarn führen. Ich wüsste nicht, warum eine finanziell schwache Familie das nicht auf die Reihe kriegen sollte.

  • Was meinst du denn, wer solche Platten und Hochhäuser vermietet? Das sind große Firmen, die Verwalter einsetzen, die sicher nicht klingeln und nachfragen, ob jemand liebevoll mit seinen Kindern umgeht. Was auch immer das heißen soll. Und Hausregeln, ha wenn die Briefkaesten aufgebrochen werden, die Mülleimer angezündet oder Parolen in Treppenhäuser gesprüht werden, wen würdest du da verantwortlich machen?

  • Dass es solche Hochhäuser gibt, bestreite ich nicht. Dass es in allen Hochhäusern so abgeht, halte ich jedoch für eine gewagte Annahme. Ich habe übrigens die Hochhäuser nie derart hoch angepriesen, das war Fallen Angel . Mich würde interessieren, wie sie zu deinen Aussagen steht.

  • Es geht auch nicht per se um das Bewohnen eines Gebäudes, indem keine Eltern leben, sondern ums Ausziehen und alleine klarkommen. Unterschiedliche Menschen kennenlernen und Probleme alleine bewältigen.


    Den Staat für seine Arbeitslosigkeit oder die Frauen für sein Singledasein verantwortlich zu machen, würde ich wiederum nicht als "unerwachsen" definieren, sondern als dumme Bewältigungsstrategie. Das ist nämlich leider in aller Regel nichts, was mit Alter und Lebensweisheit besser wird.


    Wenn du raten solltest, wer hier im Forum noch zu Hause wohnt, was würdest du vermuten? Musst nichts dazu sagen.

  • Es geht auch nicht per se um das Bewohnen eines Gebäudes, indem keine Eltern leben, sondern ums Ausziehen und alleine klarkommen. Unterschiedliche Menschen kennenlernen und Probleme alleine bewältigen.

    Schon klar. Trotzdem erlaube ich mir da kein Urteil, sondern beurteile einen Menschen nach seinem Verhalten.

    Ob er Entscheidungen trifft, anschließend Verantwortung dafür übernimmt usw.


    Wer mit 18+ keine eigenständige Entscheidung treffen kann, ohne erst bei Mutti um Erlaubnis zu fragen, muss sich wohl die Bemerkung gefallen lassen, dass das mit dem Erwachsen werden (noch) nicht so gut geklappt hat. Dafür braucht es aber keine Wohnung im Elternhaus; das kriegen manche auch gut so hin. Andersrum kann jemand, der im Elternhaus lebt, ein sehr hohes Maß an Verantwortung übernehmen - z.B. dann, wenn er seine Eltern unterstützt, später auch pflegt etc.


    Letztendlich finde ich die Diskussion aber schon irgendwie albern. Soll sich doch jede Person und jede Familie so organisieren, wie sie es für richtig hält. Ich weiß nicht, warum so viele Leute meinen, ihnen stünde da ein Urteil zu. Das sind Entscheidungen, die den privatesten Raum betreffen.



    Zitat

    Den Staat für seine Arbeitslosigkeit oder die Frauen für sein Singledasein verantwortlich zu machen, würde ich wiederum nicht als "unerwachsen" definieren, sondern als dumme Bewältigungsstrategie. Das ist nämlich leider in aller Regel nichts, was mit Alter und Lebensweisheit besser wird.


    Dass sich so etwas im Alter nichts zwangsläufig verwächst, stimmt leider. Trotzdem ist es für mich nun einmal das Gegenteil von erwachsenem Verhalten. Immer die Verantwortung wegschieben; immer darauf warten, dass jemand anders die Dinge für einen regelt... schon kindisch irgendwie. Ja, ich würde jemandem, der mir mit derartigem Gejammere käme, vermutlich erwiedern: "Werd' erwachsen".



    Zitat

    Wenn du raten solltest, wer hier im Forum noch zu Hause wohnt, was würdest du vermuten?


    Kann ich nicht beurteilen; würde ich mir auch nicht anmaßen.

  • Was ich aber eher meinte, ist, direkt zu überprüfen, ob Bewerber das Zeug haben, angenehme Mieter zu sein: Gegenstände pfleglich behandeln, mit Tieren oder Kindern liebevoll umgehen, Hausregeln respektieren, einen angemessenen Umgang mit Nachbarn führen.

    Nun sind das aber leider Eigenschaften, die man kaum innerhalb eines Bewerbungsgespräches um eine Wohnung feststellen kann.


    Was sollen die Mieter bringen? Einen psychologischen Test? Eine Bescheinigung des vorherigen Vermieters? Sollen sie einen Monat probewohnen?


    Ich will Dich hier nicht vorführen, eigentlich hast Du ja Recht mit dem, was Du sagst. Natürlich können einkommensschwache Familien sehr angenehme Mieter sein. Doch sie werden es einem potentiellen Vermieter schlecht belegen können, weswegen dieser vermutlich nach anderen Merkmalen selektieren wird. So unfair das mitunter auch sein mag.

  • Da hast du Recht, Steffi1989 . Ich hatte eine Kollegin, deren Vater ein Haus vermietete, und wie sich erst nach langer Zeit herausstellte, war der Bewohner ein Messie. Ob man das durch genaueres Hinschauen, psychologische Tests oder die Bescheinigung des Vorvermieters hätte vermeiden können? Ich weiß es nicht. Im Grunde wollen sicher alle Vermieter angenehme Mieter, ob es sich bei dem Wohnobjekt um ein Haus oder eine Wohnung im Hochhaus handelt. Klappt nur leider nicht immer, da es ja durchaus einzelne Wohnparteien bishin zu ganzen Häusern gibt, die nett ausgedrückt negativ auffallen.

  • Und zum Auslandsjahr: sie wohnt ja nicht bei dir im Haus. Mich würde interessieren, ob Menschen, die im Haus der Eltern wohnen, seltener für längere Zeit ins Ausland gehen. Ich weiß es nicht, es war nur ein Gedanke.

    Und selbst wenn das so wäre: Was wäre daran schlimm? Warum sollte man (ein fremdsprachliches Studium ausgenommen) ins Ausland gehen, wenn man es nicht möchte?

    Bildung ist die Fähigkeit, fast alles anhören zu können, ohne die Ruhe zu verlieren oder das Selbstvertrauen. (Robert Frost)

    Bildung kann einen sehr glücklich und gelassen machen. (Günther Jauch)

    Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt? (Ernst R. Hauschka)




  • MICH als Mutter würde es durchaus nerven, wenn mein volljähriges Kind weiter in seinem Jugendzimmer wohnt UND nur hin und her huscht, nie bei Familienabendessen ist und so weiter. Gleichzeitig für sich alleine kochen, neben / nach mir in der Familienküche, oder sich immer wieder ein Brot mittags kaufen, ... das würde mich wirklich triggern. und das ist eben das schwierige an der Balance: wieviel Selbstständigkeit ist in einem "normalen" Haus? Nicht jede*r hat zwei Badezimmer, zwei Küchen, usw.. Eine separate Wohnung in einem Haus ist doch "bei den Eltern" wohnen. Selbst wenn Mama regelmäßig Lasagne hochbringt. (Gut, wenn sie Lasagne hoch bringt und gleichzeitig putzt und aufräumt, da läuft was schief).

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    Warum sollte denn separat gekocht werden? Klingt nach Energieverschwendung. Man kann auch gemeinsam kochen oder sich abwechseln oder man übernimmt dafür andere Aufgaben.

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