Schriftliche Subtraktion

  • Ausflippen geht an meiner Klasse nahezu spurlos vorüber. Die sind da zu 90% resistent. Das ist nur schlecht für meinen Blutdruck. Manchmal fange ich an, in Singsang zu verfallen ("Alle haben einen Bleiiiiistift. JA, ihr nehmt den Bleiiiistift.") oder ich setze mich an den Schreibtisch, halte mich fest und atme ruhig und konzentriert.

    Gut, danke, es beruhigt mich, wenn du das schreibst. Das lässt hoffen, dass ich die Blutdruckkontrolle durch konzentrierte Atmung noch lernen kann. Paar Jahre hab ich ja noch zum Üben :sterne:

    Einmal editiert, zuletzt von karuna ()

  • Das hängt wieder von der Schülerschaft ab. Manche brauchen einfach nur einen Weckruf "Bis hier und nicht weiter!", bei anderen redet man sich den Mund fusselig und muss sämtliche Maßnahmen auffahren, in der Hoffnung, dass irgendetwas fruchtet. Aber das ist vermutlich nichts Neues für dich :( .

  • Eben bei Lehrer Schmidt geguckt, der macht es wieder anders... Lustig, wie viele Möglichkeiten es gibt.


    Am besten finde ich Frau Spaßkanone mit der "bayerischen Variante". Danke nochmal an Caro07 dafür:klatsch:

  • Ich habe mir nicht den ganzen Thread durchgelesen, aber will wir trotzdem etwas mitgeben als jemand, der mit den Schülern von verschiedenen Schulen auch immer die unterschiedlichsten Verfahren geerntet hat. Deine Unterteilung in Abzieh- und Ergänzungsverfahren ist schon leider zu simpel, denn das Ganze hat zwei Ebenen:

    1. Ziehe ich ab (13 - 8 = 5) oder ergänze ich (Von 8 bis zur 13 sind es 5).

    2. Die Gedankenebene: Entbündeln der vorherigen Zehnerstelle (mit umständlichen Notationen über der obersten Zeile), Erweitern mit gleichbleibender Differenz (Ergänzung um 10 bei Subtrahent als auch Minuend in unterschiedlichen Spalten - klassischer Übertrag) oder eben Ergänzen mit Übertrag.


    Zu 1: Hast du starke Schüler, lernen diese natürlich beide Verfahren, weil beide unterschiedlich nützlich sind. Bei der schriftlichen Subtraktion kommt man um das Ergänzen eigentlich nicht herum. Deshalb wurde es vor allem im LE-Bereich früher bevorzugt.


    2. Es den Schülern auf dieser abstrakten Ebene beizubringen, finde ich persönlich ganz schwer. Beim Entbündeln muss bei den Sonderfällen wie 100 - 8 saufiel entbündeln, was die wenigsten auf Dauer beherrschen. Da nützt auch das schönste Legen nichts. Bei wem das Dezimalsystem zu wenig gefestigt ist, scheitert hier.

    Dass man sowohl Minuend als auch Subtrahent beim Erweitern (+ 10 im Einer beim Minuend, Übertragseins beim Zehner als Ausgleich im Subtrahend) vergrößert, aber die Differenz gleich bleibt, versteht kein normales Kind. Das Rechneverfahren ist aber wunderbar einprägsam, ohne dass man den Taschenspielertrick dahinter kennen muss, dass man statt 100 - 8 eigentlich 110 - 18 rechnet. Daher lasse ich sie als Gedankenstütze die erweiterte Zahl drüberschreiben mit Übertragseins in der nächsten Spalte.


    Laut Forschung soll das zwar nicht das beste Verfahren sein, aber in der Praxis hat es laut meiner Beobachtung die besten Ergebnisse hervorgebracht. Manchmal verwundert mich, was so an Forschung rauskommt. Neulich habe ich bei einem Ref in Mathe hospitiert und es gab das Thema große Zahlen. Er hat keine Punkte gesetzt bei Zahlen wie 1.345.907, sondern auf der Tafel nur kleine Lücken gelassen. Das konnten die Viertklässler natürlich nicht so umsetzen und waren entsprechend verwirrt. Ich habe ihn nach der Stunde im Gespräch gefragt, warum er die Punkte nicht setzt, obwohl das doch so eine gute Hilfe sei. Er hätte beigebracht bekommen, dass das laut Forschung angeblich im späteren Lernverlauf zu Verwirrungen käme, weil im Englischen statt Punkte Kommas gesetzt werden und andersherum. Eine englische Zahl ist eben so: 1,307.98. Klar, es gibt im Englisch-Unterricht eine kleine Irritation, wenn die Schüler das zum ersten mal lesen, aber nach einer kleinen Erklärung war's das auch. Auf dem Taschenrechner ist der Punkt auch schnell als unser Komma erläutert.

  • Das mit der Schreibweise großer Zahlen höre ich zum ersten Mal. Ich finde die Punkte in Klasse 4 sehr hilfreich. Noch wichtiger werden sie, wenn die Kinder in Klasse 5 Zahlen kennenlernen, die über die Million hinausgehen.

    Da finde ich, dass die Kinder eben aushalten müssen, dass es kulturelle Unterschiede bei der Schreibweise großer Zahlen zwischen dem Deutschen und dem Englischen gibt. Bei der Sprechweise von Zahlen müssen sie es ja auch (dreiundzwanzig vs twenty-three).

  • Also meine SuS dürfen keine „Tausender“-Punkte setzen. In Mathe werden Zahlen so eigentlich nämlich nicht geschrieben.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • Also meine SuS dürfen keine „Tausender“-Punkte setzen. In Mathe werden Zahlen so eigentlich nämlich nicht geschrieben.

    Was machen sie stattdessen: etwas Platz zwischen drei Ziffern lassen oder etwas ganz Anderes?

  • Eine Leerstelle lassen, so wie man auch die IBAN schreibt, aber nach je drei Stellen.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • Genau, und zusätzlich gibt es noch das Auffüllverfahren (das ich in der Praxis aber noch nirgends gesehen habe), also insgesamt 5 Möglichkeiten:


    Zu den Verfahren der schriftlichen Subtraktion | KIRA (dzlm.de)

    Genau, der Begriff war mir entfallen. Ich habe das auch schon lange nicht mehr irgendwo gesehen. Ich vermute, das ist aus der Mode geraten, weil das eben nur mit dem Ergänzen und nicht dem Abziehen kombinierbar ist.

  • Ich glaube, so viel Geduld hätte ich nicht. Aber wenn ich dann mal eine Ansage mache, dann schlucken meine und es funzt.

    In deinem geschilderten Fall hätte ich die Kinder gar nichts schreiben lassen, vorne einen "Kinositz" gemacht und ausnahmslos alle, egal wo sie sind an der Erklärung teilnehmen lassen. Danach selbst jemand oder nacheinander ein paar an der Tafel rechnen lassen. Dann im Heft allein eine Aufgabe.

    Aber du kennst deine Kinder ja besser und jede/r macht es anders.

  • Conni : Hast du in meiner Klasse mitgefilmt? (ich war gestern in einer 1. Klasse.... genau!! so!!!)

    Ja, ich gebe es offen zu, so etwas passiert auch im schönen und nahezu perfekten Bayern.

    ;)

    Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.

    Aldous Huxley

    • Offizieller Beitrag

    In deinem geschilderten Fall hätte ich die Kinder gar nichts schreiben lassen, vorne einen "Kinositz" gemacht

    Für einen Kinositz müsste ich die Hälfte der Tische aus dem Klassenraum räumen. Zwischen Tische und Tafel würden (mit Stuhl) maximal 8 Kinder passen, wenn sie noch was an der Tafel sehen sollen.

    Nur gucken und nicht schreiben könnte ich nochmal probieren. Aber auch da steigen halt die Unkonzentrierten aus, schauen aus dem Fenster, drehen sich um, fangen an, sich Zeichen zu machen. Mir war wichtig, dass sie die Sprechweise mit dem Schreiben verbinden.

  • Unser Schulleiter hat mit den 8Klässlern für viele Klassen solche kleinen Bänke gezimmert. Die benutze ich für den Stuhlkreis oder vor der Tafel, sie sind ganz leicht. Vor dem Unterricht kann ich die 5 (mehr brauche ich nicht) vorne im Halbkreis (in 2 Reihen) hinstellen. Diese Aktion heißt immer: Aufgepasst! Und das wissen sie ganz gut.

  • Mit Kindern, die keine 5 min still sitzen und nach vorne gucken können, würde ich auch keine Bänke rumtragen oder Sitzkreise machen. Offenbar muss man üben, rechtzeitig aufs Klo zu gehen, den Bleistift auszupacken, wenn es angesagt wird und die Klappe zu halten.


    Dass einige eine andere Schreibweise mit ihren Eltern üben, könnte man vielleicht mit einer kurzen, schriftlichen Vorabinfo vermeiden. Da Conni überlegt, in 2 Wochen noch mal neu mit dem Verfahren zu beginnen, wäre das einen Versuch wert. "Liebe Eltern, schön, dass sie helfen wollen, idealerweise bitte folgendermaßen... "


    Im übrigen ist es m.E. halt auch einfach irgendwann gut mit einem Thema. Dann fällt der Test schlechter aus und das nächste Thema beginnt. Unpädagogisch? Vielleicht. Realistisch und nervenschonend? Ich hoffe.

    • Offizieller Beitrag

    Unser Schulleiter hat mit den 8Klässlern für viele Klassen solche kleinen Bänke gezimmert... Vor dem Unterricht kann ich die 5 (mehr brauche ich nicht) vorne im Halbkreis (in 2 Reihen) hinstellen.

    Ich freue mich sehr für euch, dass ihr so luxuriöse Bedingungen (große Räume, Schulleiter, Achtklässler, Lagermöglichkeiten, kleine Klassen) habt. Ich gebe gerne 8 Schüler:innen ab, dann habe ich genug Platz für 5 Bänkchen vor der Tafel.

  • Für einen Kinositz müsste ich die Hälfte der Tische aus dem Klassenraum räumen.

    Ich ahne, es ist nicht deine Klasse und du musst es eh so nehmen, wie es ist (und hast vermutlich auch gerade keine Nerven für größere Veränderungen), aber ich gebe dazu trotzdem noch einen ungefragten Tipp (OT auch noch...).


    Ich habe mittlerweile wirklich gute Erfahrungen mit einer Sitzordnung, von der ich nicht weiß, wie sie heißt. Ich nenne sie "Churer Modell light". (Wie das in der "Vollversion" aussieht kann man bei Interesse hier gucken: https://www.churermodell.ch/)


    "Light" ist es deshalb, weil ich in meinem winzigen Raum defintiv keinen Platz für einen festen Sitzkreis habe. D.h. ich habe alle Tische nach außen an die Wände oder in irgendwelche Nischen geschoben (die haben sich durch ein quergestelltes Regal ergeben). Ich habe dadurch vor der Tafel eine erstaunlich große freie Fläche mit Tischen drumrum erhalten. Zum Arbeiten sitzen die Kinder mit Blick nach außen an den Tischen und haben da deutlich weniger Ablenkung, da maximal 2 direkte Nachbarn, keiner davor, keiner dahinter. Das ist ihr Arbeitsplatz.

    Für frontale Phasen drehen die Kinder, die um die Fläche herumsitzen ihren Stuhl um, die anderen (aus den Nischen weiter hinten) haben vorne ein paar Hocker, mit denen wir das ganze zu einem Kreis ergänzen. Jeder hat da einen festen Platz (einen Zuhörplatz), deshalb geht der Wechsel sehr schnell ( auf jeden Fall deutlich schneller, als jedesmal zu warten, bis alle aufpasssen)

    Vorteil: alle sind dicht dran (und haben direkten Blick auf mich und gegebenenfalls die Tafel), keiner hat irgenwelches Zeug vor sich auf dem Tisch oder in der Hand und alle wissen: jetzt ist aufpassen dran! Das ist irgendwie klarer für die Kinder.

    Klar klappt das auch nicht zu 100%. Man kann natürlich auch im Kreis Quatsch mit dem Nachbarn machen oder sich wegträumen, aber das krieg ich dann wesentlich schneller mit.Insgesamt habe ich so wirklich deutlich mehr Aufmerksamkeit.


    Also ich will das nicht mehr anders haben und habe außerdem das Glück, dass die Kollegin in deren Klasse ich Mathe mache, da voll mitzieht.

    "Die Wahrheit ist ein Zitronenbaiser!" Freitag O'Leary

    Einmal editiert, zuletzt von icke ()

  • Ich verstehe Connis Problematik. Meine 26/27 Ersties in einem normalen Klassenraum müssen auch auf einen Sitzkreis/Stuhlkreis oder so in der Klasse verzichten. Es ist einfach kein Platz! Wenn wir "kreisen" wollen, können wir das nur in einem Mehrzweckraum - wenn er denn frei ist. Da gibt es einige Quadratmeter ohne Mobiliar.

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